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Artikel Tagged ‘Hörbuch’

Hofer, Müller, Walser - Der Gehülfe

27. Dezember 2015 lweser Keine Kommentare

Hörbuch-Tipp: Der Gehülfe von Robert Walser gelesen von Martin Hofer und Heinz Müller; Lohrbärverlag

Alle Jahre wieder beschert uns der Regensburger Lohbärverlag mit Kleinoden in Sachen Hörkunst. Nachdem er in den letzten drei Jahren WeltschriftstellerInnen mit bayerischen (bzw. bayrtisch-böhmischen) Wurzeln wie Marieluise Fleißer, Lena Christ und Otfried Preußler gewidmed hat, fiel die Auswahl in diesem Jahr auf den Schweizer Autor Robert Walser, der großen Kreisen noch immer eher wenig bekannt ist.
Gelesen wird der Roman von den beiden regensburger Schauspielerkollegen schweizer Herkunft Martin Hofer und Heinz Müller.

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Der Gehülfe

von Robert Walser

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Gekürzte szenische Lesung
Sprecher: Martin Hofer, Heinz Müller
Musik: Robert Schumann – gespielt von Till Barmeyer
2 CDs, 155 min, 17,90 €
LohrBär-Verlag

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Cd-Tipp: Der Audiobuch-Adventskalender “Weichnachten in Russland”

21. November 2014 sgruen Keine Kommentare

Stimmungsvolle Sammlung russischer Weihnachts- und Wintergeschichten und -gedichte

(Sigrid Grün)

Seit einigen Jahren bringt der Freiburger Audiobuch-Verlag alljährlich einen Audio-Advenskalender heraus, der neben 24 Papptürchen im aufklappbaren Case eine Cd mit 24 Tracks enthält. Beim diesjährigen Kalender, der unter dem Motto “Weihnachten in Russland” steht, sind weniger als 24 Texte zu hören, denn die fünf längsten Geschichten sind in jeweils zwei Abschnitte aufgeteilt.
Insgesamt sind es etwa 79 Minuten, die man hier anhören kann. Vorgesehen ist es natürlich, die Cd Tag für Tag als Adventskalender zu hören, aber natürlich kann man sie auch im Ganzen genießen.
Die Auswahl kann als sehr gelungen bezeichnet werden, bietet sie doch neben bekannten Autoren wie Lew Tolstoi, Anton Tschechow, Alexander Puschkin, Fjodor Dostojewski oder Michaeil Lermontow auch Autoren, die nicht so bekannt sind, wie z.B. Jelissawete Kulman (Elisabeth Kulman), die hier mit zwei Gedichten vertreten ist. Kulman lebte von 1808 bis 1825 und wurde damit nur 17 Jahre alt. Es ist erstaunlich, wie reif und poetisch ihre Gedichte anmuten. Die Texte sind nicht ausschließlich auf Weihnachten bezogen, sondern oft auch auf den Winter, z.B. wenn es ums Schlittschuhlaufen geht. Das ist eine wohltuende Mischung, da Weihnachts-Cds allzu leicht ins Kitschige abgleiten können.
Fazit: Eine stimmungsvolle und schöne Weihnachts/Winter-Cd, die von zwei ausgezeichneten Schauspielern - Ulrike Hübschmann und Christian Rode - wunderbar eingesprochen wurde. Nicht nur als Adventskalender geeignet!

Ulrike Hüschmann und Christian Rode (Sprecher)
Der Audiobuch-Adventskalender “Weihnachten in Russland”
www.audiobuch.com
79 Minuten

Mehlreisende Frieda Geier - ein Hörbuch über Dominanz, Abhängigkeit, Diskriminierung und Bevormundung

15. November 2011 lweser Keine Kommentare

Hörbuch-Tipp: Eine Zierde für den Verein. Roman von Rauchen, Sporteln, Lieben und Verkaufen von Marieluise Fleißer, gelesen von Eva Sixt, Musik von Norbert Vollath, Lohrbärverlag

Marieluise Fleißer wurde am 23. November 1901 in Ingolstadt als Tochter eines Eisenwarenhändlers geboren. Sie wurde im Klosterinternat in Gnadenthal, später bei den „Englischen Fräulein“ in Regenburg erzogen. In München studierte sie Germanistik. Zeitlebens verband sie ein sehr zwiespältiges Verhältnis zu ihrer Heimatstadt. Doch mehr als unter Ort ihrer Herkunft müsste sie unter den sie umgebenden und sie vereinnahmenden Männern gelitten haben. Ihr erster Mentor, Lion Feuchtwanger (der sie sogar dazu brachte, alles bis dahin Geschriebene zu vernichten) bevormundete sie während ihrer Zeit München ebenso, wie später Brecht oder ihr Lebensgefährte in Berlin und ihr Ehemann in Ingolstadt. Sie wurde von Brecht, mit dem sie auch eine Liebesbeziehung verband, protegiert und gleichzeitig ausgenutzt. Ihr Theaterstück Fegefeuer in Ingolstadt wurde 1926 unter Brechts Vermittlung an der Jungen Bühne uraufgeführt. Das Nachfolgestück Pioniere in Ingolstadt, führte Brecht selbst 1929 (nachdem es 1928 in Dresden durchfiel) am Theater am Schiffbauerdamm auf. Es kam zum Skandal und brachte die Ingolstädter aufgrund seiner drastischen Schilderung des Provinzalltags, gegen Fleißer auf. Brecht hatte das Stück eigenmächtig radikalisiert. Es kam zum Bruch mit Brecht. Sie lebte, reiste, schrieb und stritt drei Jahre mit dem äußerst schwierigen Egozentriker Hellmut Draws-Tychsen. 1932 kehrt sie nach Ingolstadt zurück. Ihr Jugendfreund und Ex-Verlobter Bepp Haindl wurde ihr Ankerpunkt im kleinbürgerlichen Milieus Ingolstadts. Als seine Tabak- und Spirituosenhändlersgattin wurde sie aufs Heimchen reduziert. Literarisch war sie nicht mehr aktiv. Die Nazi-Zeit überstand sie weitgehend unbehelligt.
Erst spät wurde sie wieder entdeckt. Brecht brachte ihr Nachkriegsstück Der starke Stamm auf die Bühne. Rainer Werner Fassbinder verfilmte 1971 Pioniere in Ingolstadt und sorgte damit für eine Wiederentdeckung. Anfangs verweigerte Marieluise Fleißer ihr Einverständnis zur Verfilmung, an die schlechten Erfahrungen mit Brecht denkend, wurde aber von den jungen Filmemachern überzeugt und daraufhin sogar zur großen Fürsprecherin und Mentorin einer neuen Generation und des neuen deutschen Films. Marieluise Fleißer starb 1974 in Ingolstadt.

Ihr einziger Roman Mehlreisende Frieda Geier (1931 erschienen) verdankt seine Wiederauflage 1972 – von Fleißer leicht überarbeitet und unter dem Titel Eine Zierde für den Verein – unter anderem auch Rainer Werner Fassbinder. Er bewirkte gemeinsam mit Franz Xaver Kroetz und Martin Sperr eine Gesamtausgabe beim Suhrkamp-Verlag.
Dieter Lohr wiederum sorgte 2011 für eine Hörbuchausgabe des Romans um jene Frieda Geier, die als selbstständige Vertreterin für ihren eigenen Lebensunterhalt und den ihrer Schwester Linchen sorgt, welche in einem höheren, katholischen Mädcheninternat (unter Zuständen wie Jane Eyre in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts) aufwächst. Gustl Gillich, ein Zigarrenladenbesitzersohn (!) ist Friedas Verlobter. Frieda, die für die damalige Zeit eine eigenständige und selbstbewusste Frau ist, lässt sich jedoch nicht von ihm vereinnahmen und löst die Verbindung, womit sie ihn in seinem selbstverständlichen, männlichen Überlegenheitsgefühl zutiefst kränkt. Leider nutzt Friedas Aufopferung, um ihrer Schwester ein besseres Leben zu ermöglichen, nicht. Sie wollte diese vor der Welt schützen, hat ihr damit aber auch alle Möglichkeiten sich gegen diese zu wehren entzogen. Weltfremd erzogen, mit aufoktroyiertem Schuldgefühl und übertriebener Demut, ohne das Selbstbewusstsein Friedas, muss sie bei ihrem ersten Kontakt mit dieser Welt zu Grunde gehen. Die Beziehung von Frieda und Gustl, sowie die Figur des Gustl beruht teilweise auf Bepp Haindl und Fleißers Beziehung zu ihm.

Titel (der sich auf Gustl bezieht) und Untertitel finden keinem Halt im stark gekürzten Text und suggerieren eine glücklicherweise nicht vorhandene Belanglosigkeit oder auch Leichtigkeit. Vielleicht wäre der ursprüngliche Titel (allerdings ohne den Titelzusatz) treffender und origineller gewesen. Frieda ist unzweifelhaft die Hauptfigur des Hörbuchs. Ihr Streben nach Unabhängigkeit, für Frauen heute eine Selbstverständlichkeit, war ein harter, ständiger Kampf. Das Hörbuch vermittelt uns eine Zeit, in der Frauen (trotz Wahlrecht und Zugang zu Universitäten) kaum Rechte und Chancen hatten. Das zentrale Thema ist das alltägliche Netz von Abhängigkeiten, in dem sich sowohl die unverheiratete, wie die verheiratete Frau befand. Ergreifend und erschütternd wirken diese fast beiläufigen Alltagsschilderungen. Den ZuhörerInnen wird bewusst, dass das alles gar nicht so entfernt ist, bedenkt man, dass z.B. im Kanton Appenzell-Innerrhoden erst 1990 das Komunalwahlrecht für Frauen eingeführt wurde oder Vergewaltigung in der Ehe in Deutschland erst seit 1997 strafbar ist. Neben der emanzipatorischen, bietet der Text auch einer biographische Interpretation viel Nahrung.

Gelesen wird der Roman mit dezentem bairischen Einschlag von Eva Sixt, die auch die Textauswahl vornahm. Musikalisch begleitet sie Norbert Vollath. Das Hörbuch befindet sich auf Platz 3 der HR2-Besten-Liste.
Die Vorstellung des Hörbuchs mit Eva Sixt und Norbert Vollath findet am Freitag, den 18. November 2011 um 20.00 Uhr in der Stadtbücherei Regensburg statt.

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Eine Zierde für den Verein.
Roman von Rauchen, Sporteln, Lieben und Verkaufen

von Marie Luise Fleißer.

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Gekürzte Lesung von Eva Sixt
mit Musik von Norbert Vollath
2 CDs, 120 min, 17,90 €
LohrBär-Verlag

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Der Hörsaal und ein großer Dichter für Wohnzimmer (Arbeitszimmer oder Küche)

6. Januar 2011 lweser Keine Kommentare

Hörbuch: Robert Gernhardt: Was das Gedicht alles kann: Alles. Eine Führung durch das Haus der Poesie. Live-Mitschnitt seiner Frankfurter/Essener Poetikvorlesung aus dem Jahr 2002.

Der 1937 in Reval/Tallin geborene Robert Gernhardt gehört zu den wichtigsten deutschsprachigen Gegenwartslyrikern. Ebenso berühmt war er für seine Zeichnungen. Zusammen mit F.W. Bernstein, F.K. Waechter, Hans Traxler, Eckard Henscheid u.A. gründete er die “Neue Frankfurter Schule“. Seine letzte für Regensburg geplante Lesung entfiel leider wegen Krankheit. Im Juni 2006 starb er an Krebs.

Wo die aufgezeichnete Poetikvorlesung im Jahr 2002 stattfand, ist anhand der Hörbuch-Publikation nicht ganz ersichtlich, gibt es doch innerhalb der Veröffentlichung zwei verschiedene Angaben. In der Einführung des Booklets von Lutz Hagestedt, ist von Frankfurt die Rede, in der Einführung auf der CD selbst, von Essen. Im Sommersemester 2001 hielt Robert Gernhardt die Poetikvorlesung „Was das Gedicht alles kann: Alles“ in Frankfurt, im Wintersemester 2001/2002 in abgewandelter Form in Essen unter dem selben Titel, 2006 dann, wiederum variiert, auch noch in Düsseldorf. Aufgezeichnet wurde sie vom 4.-8. Februar 2002 in Essen. Die unterschiedlichen Angaben basieren wohl darauf, dass die Einführung des Booklets der Buch-Publikation entnommen ist, die zeitgleich bei S. Fischer erschien.

Robert Gernhardt führt also durch das Haus der deutsprachigen Poesie. Er benutzt die Metapher des Hauses (oder besser: eines Schlosses, mindestens aber einer Villa). So folgt der geneigte Hörer dem großen Gernhardt von der Krabbelstube durch Clubraum, Chatroom, Lesesaal, Werkstatt, Änderungsdichterei usw. bis zum Sterbezimmer. Darunter kann man sich erstmal nicht so viel vorstellen. Doch Gernhardt gelingt es trotz dieser künstlichen Kategorisierung zu fesseln, Wissen zu vermitteln und gleichzeitig aufs köstlichste in alter Gernhardt-Tradition zu unterhalten. Gernhardt war ein genialer Redner und ein strenger (im positiven Sinne) Formalist. Er skelettiert die Gedichte seiner Dichterkollegen, prüft sie, zerpflückt sie und setzt sie oft neu wieder zusammen. Immer prüft er das einzelne Gedicht anhand seiner Kriterien: „wie ein gutes Gedicht beschaffen sein sollte“, nämlich: „Gut gefühlt / Gut gefügt / Gut gedacht / Gut gemacht.“ Was seiner Prüfung stand hält ist gut, was nicht, stürzt er vom Sockel. Das ganze wird auf so humorvolle und unangestrengte Art vermittelt, dass es eine Freude ist, diese Vorlesung zu hören. Und man muss dafür noch nicht einmal selbst in den Hörsaal.

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Was das Gedicht alles kann: Alles.
Eine Führung durch das Haus der Poesie.

von Robert Gernhardt

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Live-Mitschnitt von 2002
der Hörverlag, 2010
5 Cds / 290 min; 29,95 €

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www.hoerverlag.de

Lohrbuchpräsentation heute im Goldenen Fass

11. November 2010 lweser Keine Kommentare

Hörbuch: “Wie eine Ratte nagt am Putz die Zeit. Literatur aus Mähren.”

Nach der Hörbuchanthologie Das Leben ist zum Verrücktwerden schön. Böhmische Geschichte literarisch herausgegeben von Arthur Schnabl aus dem Jahr 2007, erscheint jetzt eine weitere Anthologie mit Literatur aus und über eine tschechische Region, diesmal aus Mähren. Wieder wurde sie von Arthur Schnabl zusammengestellt und herausgegeben, wieder erscheint sie im Regensburger Lohrbär-Verlag.

Mähren, der kleine Bruder Böhmens, wird oft übersehen. Dabei stammen nicht wenige berühmte Persönlichkeiten aus dem östlichen Drittel der tschechischen Republik. Kürzlich gab es zu diesem Thema auch eine Ausstellung in der Universitätsbibliothek Regensburg. Ferdinand Porsche und Sigmund Freund, sowie der Pionier der Vererbungslehre, der Augustinermönch Gregor Mendel stammen aus Mähren. Doch von ihnen gibt es keine Texte auf diesem “Sampler”. Und auch nicht von Milan Kundera, der wohl nicht wollte. Dafür können wir Texte von Marie von Ebner Eschenbach, die in Mähren geboren wurde, hören, von Robert Musil, der in Brün aufwuchs, von Peter Härtling, der in Olmütz zur Schule ging, von Jan Skácel, Joseph Roth, Hermann Ungar, Ota Filip, Erica Pedretti, Jiri Krachtovil und Rainer Kunze.

Lenka Hubácková und Arthur Schnabl lesen die Texte. Musikalisch werden sie von Sepp Frank mit Akkordeon und Bass unterstützt.

maehrenlohrHeute, Donnerstag, den 11. November 2010 um 20.00 Uhr wird im Goldenes Fass (Spiegelgasse) in Regensburg das Hörspiel präsentiert. Der Eintritt ist frei.

Wie eine Ratte nagt am Putz die Zeit. Literatur aus Mähren

Arthur Schnabel (Hrg.)

2 CD, 148 min, mit 8-seitigem Booklet

17,90 €

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www.lohrbaerverlag.de | www.goldenes-fass-regensburg.de

“Lerne Tschechisch beim Wandern”

16. April 2010 lweser Keine Kommentare

Hörbuch-Tipp: Friedrich Brandl, Harald Grill, Bernhard Setzwein: Zu Fuß auf der goldenen Straße. Drei Autoren unterwegs. Begleitet vom Duo De Clarinettes-Basses

Drei Oberpfälzer Autoren wanderten vierzehn Tage lang, im August 2006 im bayrisch-böhmischen Grenzgebiet. Friedrich Brandl (Amberg), Harald Grill (Wald) und Bernhard Setzwein (Waldmünchen) reisten auf der historischen Goldenen Straße von Pilsen nach Amberg. Den Handelsweg lies einst Kaiser Karl IV.  erbauen. Doch die historische Bedeutung steht nicht im Vordergrund der Reise. Wenn man langsam unterwegs ist, sieht man anders - sieht man mehr.

Jeder der drei Autoren setzt sich in seiner eigenen literarischen Sprache mit dem Erlebten auseinander. Die einzelnen Beiträge in ihrer unterschiedlichen Art, ergänzen sich dabei. Friedrich Bandl fasst seine Erlebnisse in reimlosen Gedichten zusammen. Er bedenkt damit die dunklen Stellen am Wegesrand (z.B. Die Schließung der Maxhütte). Harald Grill nutzt die tschechische Sprache, um anhand eines kleinen, ganz persönlichen Sprachkurses die Reise zu reflektieren. So findet sich im Harald Grills Tschechisch-Wander-Kurs unter anderem die Wörter Kamel (Velbloud), heiße Wüstchen (horká klobása), Schnitzel (Rízek), Ertrunkene (Utopenci) und Vorsicht Hund (Pozor Pes). Ein bisschen speise-lastig ist das Ganze allerdings. In der Oberpfalz hält er das Sprach-Konzept aufrecht. Hier philosophiert er, inspiriert von dem schönen Wort Doost. Bernhard Setzwein erzählt kleine Anekdoten in Tagebuchform. Er “trifft” auf der Reise Kaiser Rudolpf II. Dadurch kann er unterhaltsam historische mit gegenwärtigen Elementen konfrontieren. Ganz konsequent bleibt er jedoch nicht bei diesem Konzept.

Das Problem bei Hörbüchern, die von Autoren gelesen werden, ist oft die fehlende Sprechausbildung der Vorleser. Doch das stört hier (zumindest bei Setzwein und Grill) nicht. Bunt und plastisch klingen ihre Erlebnisse. Unterstützt durch ein paar atmosphärischen Naturaufnahmen und auch durch die musikalische Begleitung des Duo De Clarinettes-Basses. Zwischen und zum Teil während der einzelnen literarischen Beiträge spielen die zwei Bass-Klarinettisten Michael Reisinger und Norbert Vollath auf ihren Instrumenten.

Die CD ist im Digipak erschienen. Im mehrseitigen Booklet sind die einzelnen Beiträge im Inhaltsverzeichnis zusammengefasst. Auf einer Karte und einer Tages-Etappen-Liste, kann man den Stationen der Reise folgen. Weiterhin wird das Projekt und alle Beteiligten (auch Musiker, Regisseur und Techniker) kurz vorgestellt. Amüsant und interessant wäre, wenn die Wörter des Harald-Grill-Sprach-Kurses abgedruckt wären. Dafür, gibt es als Bonus ein Gedicht des Pilsner Lyrikers Josef Hrubý.

Also, lassen sie sich inspirieren: wandern und schreiben sie los!

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Zu Fuß auf der goldenen Straße.
Drei Autoren unterwegs.

von Friedrich Brandl, Harald Grill, Bernhard Setzwein

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Verlag Sankt Michaelsbund , 2008
Audio CD, oder
Buch, 176 Seiten, jeweils 16,50 €

www.st-michaelsbund.de | www.brandl-amberg.de
www.haraldgrill.de | www.bernhardsetzwein.de

Regensburger Wirtshausgeschichten

13. Dezember 2009 lweser Keine Kommentare

Regensburger Wirtshausgeschichten. Ein BilderLeseHörbuch von Marita A. Panzer, Karin Holz, Angela Kreuz, Dieter Lohr, Florian Sendtner, illustriert von Tom Meilhammer

In Genuss mit Geschichte stellen die Herausgeber historische Wirtshäuser Bayerns vor. 2006 haben ein paar Regensburger das für Regensburg bereits geleistet - zumindest so ähnlich.
In Regensburger Wirtshausgeschichten stellt die Historikerin Marita A. Panzer acht Regensburger Gasthäuser vor: Auerbräu, Orkan, Colosseum, Augustiner, Kneitinger Keller, Goldenes Kreuz, Zum Walfisch, Brauereigaststätte Röhrl und Brandlbräu. (Die zwei zuletzt genannten wurden auch in Genuss mit Geschichte berücksichtigt.) Vier lokale Autoren (Katrin Holz, Angela Kreuz, Dieter Lohr und Florian Sendtner) fiktionalisierten um diese Gasthäuser, z.T. um überlieferte Begebenheiten, unterhaltsame Geschichten. Diese Geschichten liegen als Hörbuch auf CD dem Buch bei. Der Maler und Ilustrator Tom Meilhammer wählte aus diesen Geschichten einzelne Szenen und illustrierte sie. Diese Zeichnungen nebst der Zitate aus den Geschichten, schmücken zwischen den einzelnen Gasthaus-Porträts das Buch.
Das Buch ist also zu Recht drei in einem: Sachbuch, Hörbuch und Bilderbuch.

Ausführlich stellt Marita A. Panzer die Gashäuser vor und geht auch auf die nicht immer gesicherten, aber überlieferten kleinen Alltagsgeschichten um diese Gasthäuser ein. Das ist auch wichtig, schließlich ranken genau um diese kleinen Überlieferungen die Geschichten des Hörbuchs. Darin geht es immer um die kleinen Leute, den einfachen Gast oder den Wirt. So treffen sich in Traktat der Legendenbildung am Beispiel Regensburg von Dieter Lohr, drei Gäste des Auerbräus und klären den Ursprung und also die Wahrheit des Zusatzes des Gasthaus(es) zum Bär an der Kette. Jeder Regensburger kennt wohl die Legende zu diesem Beinamen. Lohr bietet hier eine mindestens ebenso spannende Alternative - und natürlich im Dialekt. Die Sprecher sind, in allbekannter LohBär-Verlag-Manier wieder eine Mischung aus Laien- und Profi-Sprechern.

Die formatfüllenden Illustrationen von Meilhammer runden das ganze ab. Seine Figuren erinnern an Zille. Die Farben sind dezent gewählt und zumeist auf Beige-, Braun und Weinrot-Töne reduziert. Einige Textbruchstücke in Kurrent (oder Sütterlin) sind in die Zeichnungen eingefügt. Meilhammer ist übrigens auch der Urheber des LohrBären.

Regensburger Wirtshausgeschichten verflicht Geschichte und Geschichten. Das ist informativ und unterhaltsam. Eine schöne und runde Sache.

regensburgerwirtshausgeschichten
Regensburger Wirtshausgeschichten.

Ein BilderLeseHörbuch von Marita A. Panzer,
Karin Holz, Angela Kreuz, Dieter Lohr, Florian
Sendtner, illustriert von Tom Meilhammer

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LohrBär-Verlag
48 Seiten mit 16 Abbildungen und CD
24,80 €

www.lohrbaerverlag.de

Hunger!

23. September 2009 lweser Keine Kommentare

Knut Hamsun: Hunger, gelesen von Oskar Werner

Am 4. August 2009 wäre der der norwegische Nobelpreisträger Knut Hamsun 150 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass gibt Hörbuch Hamburg eine kleine Besonderheit heraus: Die Neuauflage einer Aufnahme des SWR einer gekürzten Lesung von Hunger aus dem Jahr 1961. Der Leser ist kein geringerer als der große, 1984 verstorbene Oskar Werner.

Hunger (norw.: Sult) erschien 1890. Der handlungsarme Roman ist geprägt von assoziativen Beobachtungen und Gedanken des Ich-Erzählers. Es handelt sich um einen anonymen, jungen und gebildeten Mann, der am Rande der Gesellschaft lebt. Er versucht dem Hungertod zu entkommen und läuft ständig Gefahr obdachlos zu werden. Er schafft es mehr schlecht, als recht, einzig durch die gelegentliche Veröffentlichung einiger seiner Artikel und das Versetzen seiner gesamten Habseligkeiten im Pfandhaus. Der Hunger beherrscht bald sein gesamtes Denken. Im Hunger entwickelt er Wahnvorstellungen und eine gesteigerte Beobachtungsgabe. Die Not bringt ihn immer wieder in moralische Zwickmühlen. So versetzt er seine Weste um einem Mann zu helfen, den er selbst beinah nach Geld gefragt hätte. Er stürzt sich auf die Kuchen einer armen Kuchenfrau, der er vor mehreren Tagen Geld geschenkt hatte, da er die Schuld es ungerecht erhalten zu haben, nicht ertragen konnte. Er lehnt jede ihm angebotene Hilfe aus Stolz ab. Wäre die gesamte Situation nicht so tragisch, würde er in seiner unangemessenen Eitelkeit lächerlich wirken.

Die Hörbuch-Version ist stark gekürzt. Dadurch wirkt die Erzählung dichter, verliert jedoch ein wenig seine psychologischen Feinheit. Oskar Werner ist die ideale Besetzung für die Rolle. Die gedämpfte, fast monotone Stimme, zwischen Resignation und Wahn und Werners typischer Wiener Zungenschlag prägen die Darstellung.

Die Doppel-CD ist in einem ansprechendem Digipak erschienen.

Fazit: Eine bedrückende, fesselnde und seltene Produktion, die durch ihre Wiederauflage der Vergessenheit entrissen wurde.

Und hier unser Ostbayern-Bezug: Unser jüngst nach Kopenhagen ausgewanderter Schinderwies-Label-Betreiber Archie Müller, heiratet in die Familie des Mannes ein, der 1966 Hunger verfilmte und dafür in Cannes für die Goldene Palme nominiert wurde: Henning Carlsen.

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Knut Hamsun: Hunger
Gekürzte Lesung von Oskar Werner
Hörbuch Hamburg (2009)
2 Audio-CDs, 156min; 19,95 €

Irm und Emmy

22. September 2009 lweser Keine Kommentare

Werner Fritsch: Enigma Emmy Göring, gelesen von Irm Hermann

Dies ist ein fiktiver Monolog von Emmy Göring, der Ehefrau von Hermann Göring. Im lockeren Plauderton erinnert sie sich ihres Lebens, das immer von starken Männern dominiert wurde, zu denen sie aufsah, die sie bewunderte. Sei es ihren Vater, ihren Mann, Hitler oder Gründgens.

Emmy Görings Erinnerungen plätschern naiv und versnobt dahin und amüsieren dabei köstlich. Ich kann mir keine bessere Besetzung für Emmy vorstellen als Irm Hermann. Hermann, typische Fassbinder-Laienschauspielerin (und Ex-Geliebte), spielt nicht, sondern ist Emmy. Sie gibt alles. Die typische Hermann-Intonation, mit zu unterdrücken versuchten bairischen Akzent. Herrlich! (Ganz nebenbei: Es gibt auch eine optische Ähnlichkeit zwischen Emmy und Irm. Ein Vergleich ermöglicht das CD-Cover.)
Die literarische Figur der Emmy Göring ist laut Fritsch über zehn Jahre entstanden. Fritsch hat sowohl die Prozessakten (Emmy Göring stand 1948 wegen ihrer Nazimachenschaften vor Gericht.), als auch ihre 1967 erschienene Biographie An der Seite meines Mannes gelesen. Dort hat er ihren „Tonfall, den Grad der Verblendung und Verblödung“ studieren können. Das war für die Entstehung, neben den „genuin grotesken” Fakten Hauptquelle für das Hörspiel.

Hier wird bloßgestellt, was im Deutschland der Nazizeit stark verbreitet und dadurch so gefährlich wurde: eine unkritische Bewunderung, die auf Oberflächlichkeiten beruht und damit einem Hitler den Aufstieg ohne Hindernisse ermöglichte.

Ist das kritisch genug? Ist das nicht nur banale, politisch unkorrekte Unterhaltung? Darf man das - dürfen das Deutsche? Ja, sie müssen! Lächerlich-Machen und Bloßstellen ist eine Form der Kritik. Eine unverbissene, einfallsreiche und intelligente.

Fazit: Eine ironische Persiflage, mit hervorragendem Unterhaltungseffekt!

Werner Fritsch wurde 1960 in Waldsassen/Oberpfalz geboren. 1987 erschien sein Roman Cherubim. Er veröffentlicht seither regelmäßig Prosa und Dramen, sowohl für Theater, Rundfunk und Kino. Enigma Emmy Göring ist eine Produktion des SWR, wurde 2006 Hörspiel des Jahres und erhielt 2007 den ARD-Hörspielpreis. Werner Frisch lebt in Hendelmühle (Oberpfalz) und in Berlin.

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Werner Fritsch: Enigma Emmy Göring
Der Hörverlag; (2008)
1 Audio CD, 54 min; 14,95 €

CD-Tipp: Shakespeare auf Bairisch 2

16. September 2009 sgruen Keine Kommentare

Weltliteratur aus Bayern und auf Bairisch

(Sigrid Grün)

Shakespeares Königsdramen gehören zweifelsohne zu den Meisterwerken der Literatur, die man sich dauernd vornimmt zu lesen, es aber irgendwie nie ganz hinbekommt. In den tragischen Geschichten um Richard II, Heinrich IV und Heinrich V kommen Dinge zur Sprache, die bis heute aktuell sind. Es geht um Ehre (”Was ist Ehre? Ein Wort. Was steckt in dem Wort Ehre?” Falstaff in König Heinrich IV, 1. Teil), Liebe und Gerechtigkeit. Es geht um Rache und um erbitterte Kämpfe und es geht ums Saufen, “weil im Wein liegt das Wahre” (Valentin Staffinger in Die ehrhaften Abenteuer vom Heinzi und am Staffinger).

Was für eine fulminante Bearbeitung der Königsdramen über die Rosenkriege! Hätte Shakespeare seine Lancaster-Tetralogie nicht schon Ende des 16. Jahrhunderts verfasst, könnte man glatt glauben, dass er bei Curt Werner und Oscar Schmidt abgeschrieben hat, denn auch der zweite Teil von Da Shakespeare auf Bairisch steht dem Original in keiner Weise nach. Es ist eine Freude, diesem “dramatischen Weltliteraturhoagartn” beizuwohnen.
In der Gschicht vom Pfleger Langkastner (!) geht es um den rigiden Ehrbegriff, der Kaspar Langkastner dazu treibt, nicht nur den Wilderer aus dem Geschlecht der Jorgl (!), sondern auch seinen eigenen Sohn in die Verbannung zu schicken. Vor dem historischen Hintergrund der sich wandelnden Situation in Bayern im Jahr 1597 (Regierungsantritt des Kurfürsten Maximilian I.) bekommt die Geschichte auch den entsprechenden sozialkritischen Anstrich. Überaus spannend und lebendig wird die Geschichte um die verfeindeten Familien, die Jägersippe Langkastner und die Wilderer vom Jorgl-Hof, erzählt.
Die ehrhaften Abenteuer vom Heinzi und am Staffinger greift die unglückliche Beziehung der beiden Häuser erneut auf. Analog zum englischen Vorbild zieht der Heinzi mit dem Weinliebhaber Valentin Staffinger um die Häuser. Der bairische Falstaff wird hier treffenderweise als dick wie ein “auseinandgfallener Semmelknödl” charakterisiert - sehr schön! Thematisiert wird hier die Zeit der Napoleonischen Kriege.

Wie bereits im ersten Teil von Da Shakespeare auf Bairisch sorgen hochkarätige Schauspieler wie Conny Glogger (Erzählerin, Jorglin, Radigunde, Urschl, Burgl), Ferdinand Dörfler (Lenz Langkastner, Sepp, Heinrich Langkastner), Winfried Frey (Prolog, Clement Jorgl, Quirin, Peter Jorgl, Girgl u.a.) und Peter Weiß (Kaspar Langkastner, Harti, Bartl Langkastner, Valentin Staffinger) dafür, dass die Hörbücher unglaublich authentisch und wunderbar herzhaft interpretiert sind. Die musikalischen Einlagen (Toni Bartl jun., Daniel Neuner und Eduard Schönach) tragen weiterhin dazu bei, dass man davon ausgehen kann, dass Shakespeare seine wahre Freude an dieser Darbietung gehabt hätte.

Unbedingt anhören!

Curt Werner; Oscar Schmidt (Autoren); Conny Glogger; Ferdinand Dörfler; Winfried Frey; Peter Weiß (Sprecher); Toni Bartl jun.; Daniel Neuner; Eduard Schönach (Musik)
Da Shakespeare auf Bairisch 2
www.tebito.de
2 Cds für 14,80 Euro