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Artikel Tagged ‘Joseph Berlinger’

Bairisch-Crashkurs

12. Februar 2013 lweser Keine Kommentare

Das Regensburger Theaterstück Mei Fähr Lady nun auch als Hörspiel

Schon zwei Jahre lang auf dem Spielpan, über 50 ausverkaufte Vorstellungen und Gastauftritte in Neumarkt, Landshut und München - „Mei Fähr Lady“, ein Genremix aus Wissenschaft, Volkshochschulkurs und Theaterstück vom Regensburger Regisseur Joseph Berlinger ist eine Erfolgsgeschichte. Nun gibt es das Stück also für alle, die bisher noch keine Karten ergattern konnten, oder die es daheim einfach noch einmal nachhören wollen, auch als Hörspiel auf zwei CDs.
Der Regensburger Dialektologe Ludwig Zehetner (als er selbst) bringt der Chinesin Mei Ding (Eva Sixt), die auf einer Donaufähre arbeiten will, dem französischstämmigen Rapper Boulanger (Titus Horst), der eine Einheimische für sich gewinnen will und dem norddeutschen Manager Herrn Striede (auch Horst), in zwölf Wochen Bairisch bei. Außerdem ist da noch Zehetners Sekretärin (Alba Falchi), die briefeschreibend als eine Art Erzählerin fungiert.
Na dann mal los. Schade, dass es kein Begleitbuch zum Crashkurs gibt. Dann muss man sich wohl noch einen der drei Bände von Ludwig Zehtners Basst scho! besorgen.

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Mei Fähr Lady.
Ein Bairisch-Crashkurs mit Prof. Zehetner

von Joseph Berlinger.

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mit Ludwig Zehetner, Eva Sixt, Titus Horst
und Alba Falchi
2 Audio CDs, 105 min, 19,90 €
TYXart-Verlag
Reihe “Chromart Classics”

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www.tyxart.de

Mei Fähr Lady läuft noch immer im Turmtheater, wenn Sie weiterhin ihr Glück versuchen wollen, z.B. im Februar (AUSVERKAUFT) und dann wieder von April bis Juni. Der Vorverkauf für den neuen Spielplan April-Mai 2013 beginnt am 19.02.2013. Eintritt: 18 € bis 20 € + VVG

Leonce und Lena - ein Jahr danach

23. Juni 2010 lweser Keine Kommentare

Joseph Berlinger: Leonce und Lena, mit Texten von G. Büchner, A. Schopenhauer, Theater im Hesperidengarten, Wenzenbach

Ein Jahr nach der Hochzeit von Leonce und Lena in Büchners gleichnamigen Stück ist die Handlung des diesjährigen Dramas von Joseph Berlinger angesiedelt. Aufgeführt wird es im Hesperidengarten, zwölf Jahre nach der Aufführung von Büchners Stück (Regie: Joseph Berlinger) an jenem Ort, zwölf Jahre auch nach der Geburtsstunde des Sommertheaters in der romantischen Gärtnerei bei Wenzenbach. Seither gibt es fast jedes Jahr ein Theaterstück von Joseph Berlinger dort zu sehen. Das Besondere daran ist, dass das Publikum meist während der Aufführung zu den verschiedenen Bühnen auf dem Anwesen wandert. Berlinger arbeitet stark visuell, dementsprechend nennt er seine Szenen Bilder.

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Im ersten Bild wird Büchners Stück als Theateraufführung während der Festlichkeiten zum ersten Hochzeitstag von Leonce und Lena zusammengefasst. Das geschieht mittels Verkehrsschilder. Braut und Bräutigam werden jeweils durch ein Einbahnstraßenschild symbolisiert - natürlich in verschiedene Richtungen weisend. Kurz darauf bemerkt der Hofstaat, dass Leonce fehlt. Im restlichen Stück zetert und klagt Lena über den ungetreuen Gemahl, der ihr noch vor einem Jahr die Sterne vom Himmel oder doch zumindest ein Theater, das Zerschlagen aller Uhren, das Verbieten aller Kalender usw. versprochen hat. Während die Zuschauer von Szene zu Szene, von Ort zu Ort wandern, entfaltet Berlinger mittels skurriler und deutlicher Bilder die Essenz des Büchnerschen Lustspiels und liefert die Interpretation in der letzten Szene gleich mit.
Das büchnersche wie das berglingersche Lustspiel kritisiert unter dem Mantel des Lustspiels mit absurd-melancholischen Mitteln soziale Missstände. Der Gegensatz der Stände, bzw. der Klassen wird durch das Verhältnis der Protagonisten zur Arbeit aufgezeigt. Lenas (und Leonces) Alltag ist geprägt von Müßiggang und Langeweile. Diese Langeweile gipfelt im letzten Bild. Nachdem Lena (Eva Sixt) Leonces Foto in winzige Stücke zerschnitten hat, befielt sie ihrer Gouvernante (Anika Kühl) die Stücke wieder zusammenzutragen. Mittels eines Siebes muss sie die einzelnen Fetzen aus dem Sand sieben, während Lena träge auf einer Schaukel in einem angedeuteten goldenen Käfig sitzt. Unverkennbar ist die bildliche Parallele zu Aschenputtel. Vielleicht ist eine sadistische Intention Lenas, (wie die der Stiefmutter bei Aschenputtel) bei diesem Befehl tatsächlich nicht ganz auszuschließen. Extremer Müßiggang vermag seltsame Blüten zu treiben. Letztlich ist der Schmerz um den Verlust Leonces ebenfalls nur Zeitvertreib. leonceundlena_2-280“Was die Leute nicht alles aus Langeweile treiben! Sie studieren aus Langeweile, sie beten aus Langeweile, sie verlieben, verheiraten und vermehren sich aus Langeweile und sterben endlich aus Langeweile […]” Entgegen dem Prinzip des Müßiggangs durch Lena, stellt Berlinger den Gärtner (Fritz Barth), der jedoch auch deutliche Züge von Büchners König Peter trägt. Dieser zeichnet sich nämlich durch eine Vorliebe fürs Denken aus. Doch während bei Büchner diese Vorliebe ebenfalls nur eine Marotte der Reichen ist, versucht Berlinger zusätzlich mit den philosophischen Ergüssen (aus der Feder Schopenhauers), die er den Gärtner in den Mund legt die Sozialkritik des Stückes zu untermauern. Doch wieder wandelt sich der Moment zur absurd-rührenden Situation, denn keiner hört zu, wenn der Gärtner die Welt erklärt und ihre Missstände anklagt.

Berlinger nimmt danach jede Kritik an seinem Stück und der Inszenierung vornweg und lässt Gärtner und Handwerksgesellen im Marcel Reich Ranicki Intonation Stück und Aufführung auseinandernehmen. Am Ende greift Berlinger wieder zum beliebten Mitteln der Videoeinspielung - ein Rückblick, wohl in der Erinnerung Lenas, auf die Hochzeit vor einem Jahr. Der fahrende Gesell (Julius Kreupl) spielt überflüssigerweise E-Gitarre und Eva Sixt singt natürlich.

Joseph Berlinger ist mit Leonce und Lena wieder eine frische Inszenierung geglungen und der Hesperidengarten kann nach zweijähriger Pause an seine erfolgreiche Sommertheatertradition anknüpfen.

Alle Vorstellungen (inklusive Zusatztermine) sind ausverkauft. Ein Besuch des Hesperidengartens lohnt aber auch ohne Theater. Neben Pflanzen jeder Art gibt es im Cafe auch Kaffee.

www.hesperidengarten.info

Tango und Tristesse auf Finnisch

10. Mai 2010 lweser Keine Kommentare

Joseph Berlinger Finnischer Tango mit Martin Hofer und Birgit Otter, Turmtheater, Regensburg

finnischertango2Das Stück Finnischer Tango von Joseph Berlinger wurde mit gleicher Besetzung bereit 2007 im Hesperidengarten mit großem Erfolg aufgeführt. Nun ist die Aufführungssituation eine andere: eine feste, geschlossene Bühne statt wechselnde Spielstätten im Gewächshaus.

Das Stück beginnt mit einer Videoaufzeichnung einer Frau in einer Imbissbude - Christl, die große Liebe von Mika-Matti Akimäki (Martin Hofer), die nach Deutschland zurückgekehrt ist, um besagte Imbissbude zu betreiben. Mika trauert ihr nach, indes sein Alltag sich unaufgeregt Tag für Tag wiederholt. Während die Nachbarin Anne Läthhmäki (Birgit Otter) Akkordeon spielt und Blumen gießt, arbeitet Mika in einer Streichholz-Farbrik. Wenn der daheim ist schaut er finnisches Fernsehen oder spricht Christl auf die Mailbox. Nur manchmal schaut Anne vorbei.

Die ersten Bilder die wir von Mika auf der Bühne sehen sind durchaus schräg und fesselnd. Kostüme und Ausstattung (Katharina Dobner) sind sämtlich in Blau-Rot gehalten. Mika sitzt an einem 50er Jahre Kindertisch auf einem Kinderstuhl und testet Streichhölzer. Wenn ein Signal ertönt steht er auf, setzt seine Mütze auf, nimmt den Hammer und geht einen exakt vorgeschriebenen Weg. Dann lässt er ein 50er Jahre Papp-Miniatur-Auto an einer Wäscheleine fahren. An jeder dieser Stellen ist eine Wodkaflasche versteckt, von der er jedes Mal trinkt. Er tut das, wie seine Arbeit mit exakt den gleichen monotonen Bewegungsabläufen.  Echten Dialoge gibt es nicht. Entweder hört Mika seine Mailbox ab, dann sind Christls Nachrichten zu hören oder er spricht ihr auf die Box. Zwischen Mika und Anne fällt immer nur ein und der selbe Satz, der Titel eines deutschen Tangos: “Man kann sich beim Tanzen wunderbare Dinge sagen“. Dafür gibt es, wie der Titel verspricht, jede Menge finnischen Tango - live und vom Plattenspieler. Vordergründig mögen diese Klischees gepaart mit Skurrilität und Wiederholung durchaus die finnische Seele widerspiegeln. Auch mögen diese stimmungsvollen Bilder es schaffen den Zuschauer gut 20 Minuten zu fesseln - doch eben nicht 60 Minuten. Und genau das ist das Problem des ersten Aktes. Das handlungsarme Stück lebt vor allem von den Bildern. Doch die erschöpfen sich nach einer gewissen Zeit. Was Kaurismäki in seinen Filmen gelingt, schafft Berlinger auf der Bühne nicht unterhaltsam zu vermitteln. Der erste Teil benötigt entweder mehr Handlung oder weitere ausgefallenen Bildern. Sonst geschieht genau das, was leider im Turmtheater passiert ist: einige der Zuschauer verschwinden nach der Pause. Der zweite Teil hatte dann durchaus mehr Tempo. So gibt Martin Hofer genial Giovanni Trappatoni auf einer Pressekonferenz. Trappatoni ist der neue Trainer von Mikas Lieblingsmannschaft Klubi 04 Helsinki, die desaströs 0:7 gegen Bayer Leverkusen verloren hat. In seinem vertrauten Italienisch-Deutsch-Kauderwelsch zeigt Trappatoni im Interview die Parallelen zwischen Finnischem Fußball und finnischem Tango auf, sowie die Unterschiede zwischen letzterem und argentinischem Tango. Die Essenz des Stückes!

Letztlich hätte ein wenig mehr Bewegung das Stück retten können. Hofer und Otter überzeugen durchaus. Wunderbar ist sowohl ihr Finnisch, als auch ihr Deutsch mit finnischem Akzent. Das Potential der starken Bilder wird leider durch die endlose Wiederholung verschenkt. Also: ersten Teil straffen und Pause weglassen oder um es mit M.A. Numminen zu sagen: ein bisschen mehr Yes Sir, ich kann Boogie als Mit meiner Braut im Parlamentspark.

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Weitere Termine: Termine: So. 16.5./ Fr. 21.5./ So. 20.6. / Mo. 21.6.2010
Beginn 20.00 Uhr Eintritt: 15 Euro
www.regensburgerturmtheater.de

Von großen und von kleinen Leuten

21. Juli 2009 lweser Keine Kommentare

Joseph Berglinger: Napoleon in Alteglofsheim. Napoleon Schloss Festspiele, Alteglofsheim 17. - 26. Juli 2009

Titel

2. Chevauléger-Regiment Thurn & Taxis

Schloss Alteglofsheim beherbergte am 22. April 1809 einen weltberühmten und gefürchteten Mann: Napoleon. Er verbrachte nach der Schlacht von Eggmühl und vor der Schlacht um Regensburg eine Nacht dort.

Das Kulturforum des Schlosses nahm die 200ste Jährung des Ereignisses zum Anlass um ein Theaterstück zum Thema in Auftrag zu geben. Der Regensburger Schriftsteller und Regisseur Joseph Berlinger wurde mit der Aufgabe des Schreibens und der Inszenierung betraut.

Zwar basiert das Stück auf ein historisches Ereignis mit der historische Figur Napoleons als Protagonisten. Dennoch ist es ein Stück über die kleinen Leute, über die einfache Land-Bevölkerung. Vor allem die Frauen, sind die eigentlichen Helden des Stückes. Berlinger fragt nach dem, was am Rande des historisch überlieferten Ereignisses geschehen sein könnte. Während die Bevölkerung unter Plünderungen und Brandschatzungen, zuerst der Österreichischen und dann der Napoleonischen Truppen leidet, bemühen sich zwei Mägde um die Gunst des großen Feldherren.

Berlingers Szenen wirken assoziativ und stark visuell. Passend dazu nennt er die einzelnen Akte des Stückes „Bilder”.

Im sogenannten Zwergerlgarten des Schlosses spielt das erste Bild. Hier erhält der Zuschauer einen Einblick in das geschundene Dorf Alteglofsheim. Sowohl in den Nischen entlang der Mauern, als auch im Zentrum des Gartens finden zeitgleich die Spielszenen statt. Der Besucher kann beim Durchstreifen des Gartens nach eigenen Gutdünken Reihenfolge und Verweildauer bestimmen. Er kann einen Blick in die Baderstube werfen, in der akkord-amputiert wird, den Frauen des Dorfes zusehen, wie sie über das weitere Verfahren mit einem gefangenen Österreichischen Soldaten diskutieren, während die Napoleonischen Reiter Einlass ins Schloss begehren. Überall stolpert man über Verwundete, Flüchtlinge und verwaiste Kindern.

Auch auf dem Weg zur Spielstätte des zweiten Bildes begegnen dem Zuschauer Menschen des Dorfes und ein berittenes Flügelwesens aus einer anderen Welt.

Frauensturm und Bürgermeister

Frauensturm und Bürgermeister

Die Spielstätte des zweiten Aktes gleicht einem kleinen Amphitheater im Garten. Hier treffen verschieden Menschen aufeinander. Die Weiler Simone (hervorragend gespielt von Eva Sixt) ist jene Magd, welche mit einem Lied Napoleons Aufmerksamkeit erlangen will. Der Frauenthaler Georg (Rainer Sporer) begleitet sie an der Quetschen. Wer hier wen schikaniert bleibt offen.  Ihre Konkurrentin, die Danzer Maria (Ruth Wahl) wittert ihre Chance. Es wird gezankt und gezickt und schließlich eine Wette geschlossen. Die Danzerin scheint sich mit einem österreichischen Attentäter (Hans Steinberger) verbunden zu haben, der Napoleon nach dem Leben trachtet. Auch der „Frauensturm“ aus dem ersten Bild hat wieder einige sehr gut inszenierte Einsätze. Und endlich tritt auch Napoleon (Martin Hofer) auf. Bei einem Spaziergang durch den Garten begegnet er dem Bürgermeister und Bader (Josef Ettl) der sich soeben in napoleonischen Gesten übt. Nachdem Napoleon seine Kavalleristen empfangen hat und den ihm lästigen Bürgermeister hinfortgeschickt hat, widmet er sich der Schlachtplanung. Hier betritt nun das bereits erwähnte Fabelwesen die Szenerie: eine Stelzenfrau (Lene Husch) in schwarzen Tüll, die Napoleons Eingebungen zu sein scheint. Dem Programmheft entnimmt man, dass sie die Kriegsgöttin darstellen soll. Ein äußerst effektvolles und optisch sehr ansprechendes Motiv. Martin Hofer ist einer der wenigen professionelle Schauspieler in dem Stück. Als Napoleon muss er durchgehend französisch sprechen. Als gebürtiger Schweizer meistert er dies natürlich mit Bravour. Doch auch wenn er nicht spricht, erkennt man in ihm den routinierten Profi. Den Rest leisten, zum Teil sehr überzeugend, Laienschauspieler der Alteglofsheimer und Tahlmassinger Theatergruppe. Sie geben auch ein bairisches Volkslied zum Besten. Das Stück ist weitestgehend im Dialekt angesiedelt. Das verleiht sowohl Authentizität, als auch Charme und ist eine absolute Bereicherung für das Stück.

Die ersten zwei Bilder waren durchgehend sehr atmosphärisch und beeindruckend inszeniert.

Napoleon

Napoleon (Martin Hofer) vom Geist des Krieges (Lene Husch) beflügelt

Nach der Pause fällt das Stück leider, vor allem dramaturgisch, aber auch inszenatorisch, ab. Berlinger trägt einfach ein bisschen zu dick auf. Das dritte Bild spielt vor der östlichen Fassade des Schlosses. Die eingeblendete Videoaufnahme einer nachgestellten Kampfschlacht zerstört Atmosphäre, statt zu schaffen und ist zudem zum Handlungsverständnis völlig überflüssig. Die Wahrsagerszene wirkt ebenfalls sehr aufgesetzt und plakativ. Geschuldet ist das sowohl dem Inhalt, als auch der Musikuntermalung und der elektronische Verstärkung. Die Live-Musik des vierköpfigen Ensembles für alte Musik La Sfera, passt thematisch, wäre ein wenig reduzierter eingesetzt und ohne elektronische Verstärkung, sicher stimmungsvoller.

Zum Schluss kommt die geflügelte Stelzenfrau nochmals zum Einsatz, diesmal in Weiß gekleidet als Friedensbotin. Napoleon läuft ihr nach. Das Stück ist beendet. Doch auf der Wiese neben dem Schloss kommt es zu einem kleinem Nachspiel: Der Friedensengel reitet mit einem kleinem Napoleon davon und hinterlässt ein brennendes Dorf.

Fazit: Trotz des schwachen dritten Aktes, ist Napoleon in Alteglofsheim ein ästhetisch gelungenes, dabei kritisches und vielschichtiges Stück. Berlingers Stärke liegt hier vor allem in den kleinen Szenen der einfachen Leute.

Sie können Joseph Berglingers Napoleon in Alteglofsheim noch an folgenden Terminen sehen: Mi. 22. Juli, Fr. 24. Juli, So. 26. Juli; Beginn jeweils 20.00 Uhr

Totentanz auf Ozeandampfer

11. Juni 2009 lweser Keine Kommentare

Joseph Berlinger: Hoffnung Havanna. Die Odyssee des Regensburger Kunstradfahrers Simon Oberndorfer

Kennen Sie Simon Oberdorfer? Nein? Die meisten in dem Feature befragten Velodrombesucher, Kassen- und Garderobenservicekräfte auch nicht oder nur schlecht.

Dieses Feature von Joseph Berlinger, das 2003 in der Rubrik Zeit für Bayern von Bayern 2 gesendet wurde, leistet eine gut recherchierte und ansprechend aufbereitete Einführung, nicht nur in das Leben von Simon Oberndorfer und der Geschichte des Regensburger Velodroms, sondern vor allem über die Irrfahrt der St. Louis, einem Ozeandampfer, der 1939 mit 906 jüdischen Flüchtlingen vergeblich auf eine Landegenehmigung wartend vor Havanna ausharrte.

Simon Oberndorfer - Kunstradfahrer, Radfahrlehrer, Varieteedirektor, Großveranstalter, Kinobesitzer und Autohändler. 1897/98 ließ er auf seinem Grundstück am Arnulfsplatz in Regensburg das Velodrom erbauen. Das Velodrom war zuerst als Radfahrvarietee geplant, wurde bald auch zum Großveranstaltungsort und Kino und war Regensburgs erste Stadthalle. Doch Oberndorfer war auch Jude. Er floh 1939 in der Hoffnung auf ein Leben ohne Verfolgung mit der MS St. Louis. Zielhafen: Havanna.

Berlinger hat wirklich gründlich recherchiert. So kommen sämtliche Experten des Bereiches zu Wort: der Simon Oberndorfer-Biograph Günther Schießl. Georg Reinfelder, der zwanzig Jahre über die Hintergründe der Fahrt der MS. St. Louis in der ganzen Welt recherchiert hat. Der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Hans-Dieter Schäfer. Mautner Markhof mit einer Spionagetheorie. Und der Schriftsteller und Journalist Florian Sendtner, der 1992 eine Ausstellung im Velodrom mit dem Titel “Das Boot ist voll” initiiert hat.

Es werden auch Zeitzeugen der damaligen Fahrt befragt und aus Tagebuchaufzeichnung zitiert. Gut die Hälfte der Passagiere hat die Naziherrschaft überlebt. Simon Oberndorfer leider nicht. 1943 wurde er in Narden bei Amsterdam deportiert und im selben Jahr im Vernichtungslager Sobibor getötet. Auch zu Wort kommt Hans Rosengold, der heutige Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Regensburg, der mit einem der letzten Schiffe, die Europa verließen nach Argentinien fliehen konnte.

Dem Regensburger Velodrom wäre beinah das selbe Schicksal beschieden gewesen, wie Simon Oberndorfer. Die Stadt Regensburg hätte es, Immobilienspekulationen wegen, abreissen lassen wollen. Nur durch den jahrelangen Kampf von Günter Schießl und Jacob Kaiser, die um das Velodrom zu retten extra einen Verein gründeten, konnte es vor der Zerstörung bewahrt werden. Zuerst hatte ein Stahlbaufachmann in einer heimlichen Nacht- und Nebelaktion Proben genommen, um die Stabilität der Bausubstanz zu beweisen. Von 1990 - 1996 dauerte der Kampf um die Bevölkerung und schließlich die Stadt zu überzeugen. 1997-98 wurde dann das Velodrom im Auftrag von Oswald Zitselsberger saniert. Heute ist es Spielstätte des Theaters Regensburg. Im Eingangsbereich befindet sich dort eine Gedenktafel für Simon Oberndorfer.

Das Feature wurde im kleinen Regensburger Lohrbär-Verlag herausgegeben. Das passt sehr gut. Schön, dass der Hörer dieses ergreifende und vielschichtige Feature auf CD nachhören kann.

Joseph Berlinger: Hoffnung Havanna

Joseph Berlinger: Hoffnung Havanna

Joseph Berlinger: Hoffnung Havanna.
Lohrbär-Verlag (2007)
1 Audio CD, 14,90 €

www.Lohrbärverlag.de