Joseph Berglinger: Napoleon in Alteglofsheim. Napoleon Schloss Festspiele, Alteglofsheim 17. - 26. Juli 2009

2. Chevauléger-Regiment Thurn & Taxis
Schloss Alteglofsheim beherbergte am 22. April 1809 einen weltberühmten und gefürchteten Mann: Napoleon. Er verbrachte nach der Schlacht von Eggmühl und vor der Schlacht um Regensburg eine Nacht dort.
Das Kulturforum des Schlosses nahm die 200ste Jährung des Ereignisses zum Anlass um ein Theaterstück zum Thema in Auftrag zu geben. Der Regensburger Schriftsteller und Regisseur Joseph Berlinger wurde mit der Aufgabe des Schreibens und der Inszenierung betraut.
Zwar basiert das Stück auf ein historisches Ereignis mit der historische Figur Napoleons als Protagonisten. Dennoch ist es ein Stück über die kleinen Leute, über die einfache Land-Bevölkerung. Vor allem die Frauen, sind die eigentlichen Helden des Stückes. Berlinger fragt nach dem, was am Rande des historisch überlieferten Ereignisses geschehen sein könnte. Während die Bevölkerung unter Plünderungen und Brandschatzungen, zuerst der Österreichischen und dann der Napoleonischen Truppen leidet, bemühen sich zwei Mägde um die Gunst des großen Feldherren.
Berlingers Szenen wirken assoziativ und stark visuell. Passend dazu nennt er die einzelnen Akte des Stückes „Bilder”.
Im sogenannten Zwergerlgarten des Schlosses spielt das erste Bild. Hier erhält der Zuschauer einen Einblick in das geschundene Dorf Alteglofsheim. Sowohl in den Nischen entlang der Mauern, als auch im Zentrum des Gartens finden zeitgleich die Spielszenen statt. Der Besucher kann beim Durchstreifen des Gartens nach eigenen Gutdünken Reihenfolge und Verweildauer bestimmen. Er kann einen Blick in die Baderstube werfen, in der akkord-amputiert wird, den Frauen des Dorfes zusehen, wie sie über das weitere Verfahren mit einem gefangenen Österreichischen Soldaten diskutieren, während die Napoleonischen Reiter Einlass ins Schloss begehren. Überall stolpert man über Verwundete, Flüchtlinge und verwaiste Kindern.
Auch auf dem Weg zur Spielstätte des zweiten Bildes begegnen dem Zuschauer Menschen des Dorfes und ein berittenes Flügelwesens aus einer anderen Welt.

Frauensturm und Bürgermeister
Die Spielstätte des zweiten Aktes gleicht einem kleinen Amphitheater im Garten. Hier treffen verschieden Menschen aufeinander. Die Weiler Simone (hervorragend gespielt von Eva Sixt) ist jene Magd, welche mit einem Lied Napoleons Aufmerksamkeit erlangen will. Der Frauenthaler Georg (Rainer Sporer) begleitet sie an der Quetschen. Wer hier wen schikaniert bleibt offen. Ihre Konkurrentin, die Danzer Maria (Ruth Wahl) wittert ihre Chance. Es wird gezankt und gezickt und schließlich eine Wette geschlossen. Die Danzerin scheint sich mit einem österreichischen Attentäter (Hans Steinberger) verbunden zu haben, der Napoleon nach dem Leben trachtet. Auch der „Frauensturm“ aus dem ersten Bild hat wieder einige sehr gut inszenierte Einsätze. Und endlich tritt auch Napoleon (Martin Hofer) auf. Bei einem Spaziergang durch den Garten begegnet er dem Bürgermeister und Bader (Josef Ettl) der sich soeben in napoleonischen Gesten übt. Nachdem Napoleon seine Kavalleristen empfangen hat und den ihm lästigen Bürgermeister hinfortgeschickt hat, widmet er sich der Schlachtplanung. Hier betritt nun das bereits erwähnte Fabelwesen die Szenerie: eine Stelzenfrau (Lene Husch) in schwarzen Tüll, die Napoleons Eingebungen zu sein scheint. Dem Programmheft entnimmt man, dass sie die Kriegsgöttin darstellen soll. Ein äußerst effektvolles und optisch sehr ansprechendes Motiv. Martin Hofer ist einer der wenigen professionelle Schauspieler in dem Stück. Als Napoleon muss er durchgehend französisch sprechen. Als gebürtiger Schweizer meistert er dies natürlich mit Bravour. Doch auch wenn er nicht spricht, erkennt man in ihm den routinierten Profi. Den Rest leisten, zum Teil sehr überzeugend, Laienschauspieler der Alteglofsheimer und Tahlmassinger Theatergruppe. Sie geben auch ein bairisches Volkslied zum Besten. Das Stück ist weitestgehend im Dialekt angesiedelt. Das verleiht sowohl Authentizität, als auch Charme und ist eine absolute Bereicherung für das Stück.
Die ersten zwei Bilder waren durchgehend sehr atmosphärisch und beeindruckend inszeniert.

Napoleon (Martin Hofer) vom Geist des Krieges (Lene Husch) beflügelt
Nach der Pause fällt das Stück leider, vor allem dramaturgisch, aber auch inszenatorisch, ab. Berlinger trägt einfach ein bisschen zu dick auf. Das dritte Bild spielt vor der östlichen Fassade des Schlosses. Die eingeblendete Videoaufnahme einer nachgestellten Kampfschlacht zerstört Atmosphäre, statt zu schaffen und ist zudem zum Handlungsverständnis völlig überflüssig. Die Wahrsagerszene wirkt ebenfalls sehr aufgesetzt und plakativ. Geschuldet ist das sowohl dem Inhalt, als auch der Musikuntermalung und der elektronische Verstärkung. Die Live-Musik des vierköpfigen Ensembles für alte Musik La Sfera, passt thematisch, wäre ein wenig reduzierter eingesetzt und ohne elektronische Verstärkung, sicher stimmungsvoller.
Zum Schluss kommt die geflügelte Stelzenfrau nochmals zum Einsatz, diesmal in Weiß gekleidet als Friedensbotin. Napoleon läuft ihr nach. Das Stück ist beendet. Doch auf der Wiese neben dem Schloss kommt es zu einem kleinem Nachspiel: Der Friedensengel reitet mit einem kleinem Napoleon davon und hinterlässt ein brennendes Dorf.
Fazit: Trotz des schwachen dritten Aktes, ist Napoleon in Alteglofsheim ein ästhetisch gelungenes, dabei kritisches und vielschichtiges Stück. Berlingers Stärke liegt hier vor allem in den kleinen Szenen der einfachen Leute.
Sie können Joseph Berglingers Napoleon in Alteglofsheim noch an folgenden Terminen sehen: Mi. 22. Juli, Fr. 24. Juli, So. 26. Juli; Beginn jeweils 20.00 Uhr