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Artikel Tagged ‘Klassik’

Cd-Tipp: Das Ungarische Staatsorchester spielt Brahms’ Ungarische Tänze

27. September 2011 sgruen Keine Kommentare

Zwischen Volksmusik und Kunstmusik

(Sigrid Grün)

Brahms’ Ungarische Tänze gehören zu seinen populärsten Werken und sie begegnen uns noch heute - etwa als Filmmusik bei Charlie Chaplins Der große Diktator oder als Hintergrundmusik der Zeichentrickserie Ren and Stimpy.

Interessant ist insbesondere die Mischung aus Volks- und Kunstmusik - denn Brahms ließ sich eigenen Aussagen zufolge stark von populären Volksliedern inspirieren: “Es sind übrigens echte Puszta- und Zigeunerkinder. Also nicht von mir gezeugt, sondern nur mit Milch und Brot großgezogen”, schrieb Brahms einst seinem Verleger. Trotzdem handelt es sich um Kunstmusik, denn Brahms überformte die Melodien stark nach den Maßgaben der Klassik. Der mitreißende und lebendige Charakter der Stücke blieb trotzdem erhalten. Das Temperament und die Lebensfreude der ungarischen Volksmusik schlägt sehr stark durch - aber auch der Ernst und die Melancholie.
Wechsel zwischen Dur und Moll und Tempowechsel sorgen für die unglaubliche Dynamik der Stücke und machten die Ungarischen Tänze auch so populär.

Hungaroton hat nun eine Aufnahme herausgebracht, die 1987 unter der Leitung von Mátyás Antal in der Heimat der Ungarischen Tänze entstanden ist. Das Ungarische Staatsorchester spielt mitreißend und temperamentvoll auf der einen und warm und voller Melancholie auf der anderen Seite. Wer dieses facettenreiche Werk von Brahms noch nicht oder nur in Auszügen kennt, wird begeistert sein von der mitreißenden Musik, die eine unglaubliche Energie versprüht.

59918132699281

Johannes Brahms (Komponist); Mátyás Antal (Leitung)
Hungarian Dances - Hungarian State Orchestra
www.classicdisc.de
ca. 56 Minuten
Best.-Nr.: 5991813269928

Kit Armstrong spielte im Regensburger Audimax

18. Januar 2011 sgruen Keine Kommentare

Ein Wunderkind zu Gast in der Domstadt

(Sigrid Grün)

Gerade mal 18 Jahre alt ist Kit Armstrong, das “Wunderkind” mit außerordentlichen musikalischen, mathematischen, naturwissenschaftlichen und sprachlichen Fähigkeiten. Mit fünf Jahren nahm er bereits sein Kompositions- und Klavierstudium auf, mit sieben immatrikulierte er sich an der Chapman University of California, als Jugendlicher spielte er in der New Yorker Carnegie Hall - und am vergangenen Freitag im Regensburger Audimax.

Einer seiner Lehrer, der weltweit bekannte österreichische Pianist und Essayist Alfred Brendel, bezeichnete Armstrong als “die größte musikalische Begabung, der ich in meinem Leben begegnet bin.”
Im vollen Audimax der Universität Regensburg spielte das junge Ausnahmetalent Johann Sebastian Bachs Fantasie und Fuge g-Moll BWV 542 in der Bearbeitung für Klavier von Franz Liszt, Liszts Variationen über “Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen” über das Thema aus dem ersten Satz der Bach-Kantate BWV 12 sowie Bachs Chromatische Fantasie und Fuge d-Moll (BWV 903), das vermutlich ein Stück “Trauerarbeit in Tönen” war, das Bach vielleicht anlässlich des Todes seiner ersten Frau Maria Barbara im Sommer 1720 komponiert hatte.

Besonders begeistert reagierte das Publikum, als Armstrong das letzte Stück in deutscher Sprache ankündigte. Für sein sprachliches und natürlich sein musikalisches Talent wurde der Pianist und Komponist entsprechend mit anhaltendem Applaus belohnt.
Ein Konzerterlebnis, das einem eindrucksvoll vor Augen geführt hat, welche Begabungen in dem jungen Amerikaner stecken.

Cd-Tipp: J.S. Bach - Suiten No. 1,4,5 - Maxim Rysanov

1. September 2010 sgruen Keine Kommentare

“Bach zu spielen ist wie eine Beichte”

(Sigrid Grün)

Der 1978 in der Ukraine geborene Bratschist Maxim Rysanov verehrt Bach zutiefst und versucht doch, ihn sich als “einfachen Menschen” vorzustellen, als sei seine Musik “eben erst komponiert worden”. Bei dieser Aufnahme wurden die Cello-Suiten, die Bach vermutlich etwa um 1720 als Kapellmeister in Köthen komponierte, von Simon Rowland-Jones für die Viola arrangiert. Möglicherweise wurden die Suiten schon zu Lebzeiten Bachs auf der Viola gespielt, denn Bach mochte das Instrument sehr gerne.

Bachs Suiten haben lange Zeit ein Schattendasein geführt. Zu ihrer Entdeckung hat maßgeblich Pablo Casals beigetragen, der sich dazu folgendermaßen äußerte: “Man hatte diese Suiten für akademisches Zeug gehalten, für mechanischen Etüdenkram [...] - sie, die Poesie, Wärme und Raumgefühl förmlich ausstrahlen! Sie sind die Quintessenz von Bachs Schaffen, und Bach selbst ist die Quintessenz aller Musik.”

Maxim Rysanov schafft es bei dieser Einspielung, den Suiten frischen Wind einzuhauchen. Die Interpretation wirkt durchweg lebendig und kein bisschen etüdenhaft. Der Bratschist, der übrigens ein Instrument von Giuseppe Guadanini, das im Jahr 1780 gebaut wurde spielt, charakterisiert die russische Aufführungstradition im Hinblick auf Bach folgendermaßen: “In der Tradition der sowjetischen Schule sollte Bach eher schwer und getragen, sostenuto und mit viel Vibrato gespielt werden.”
Dass Rysanov sich von dieser eher “romantischen” Art Bach zu spielen entfernte, ist eine erfreuliche Entwicklung, von der man als Zuhörer nur profitieren kann.

Fazit: Eine lebendige, stimmige und wunderschöne Interpretation dieses Gesamtkunstwerkes!

Johann Sebastian Bach (Komponist); Maxim Rysanov (Viola)
Suites No. 1,4,5
www.KlassikCenterKassel.de
ca. 66 Minuten
Best.-Nr.: 7318599917832

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Cd-Tipp: Visionen von Gerald Humel

27. April 2010 sgruen Keine Kommentare

Eindrucksvolles vom “Dramatiker der Klänge”

(Sigrid Grün)

Gerald Humel zu hören, ist keine sehr entspannende Angelegenheit - das muss gesagt werden. Seine Musik eignet sich nicht zum eben mal Nebenbeihören oder zum “Abschalten”. Es geht überaus dramatisch zu und die Kompositionen erfordern Konzentration. Humel zu hören ist als ob man ein Bühnenstück verfolgen würde.

Neben dem aus zwei Sätzen bestehenden Konzert für Bratsche und Ensemble sind auf dieser Einspielung vom modern art sextett sieben Visionen für Bariton und Ensemble enthalten. Diese Stücke sind Vertonungen von Nicolas Born-Gedichten.

Gerald Humel (1931-2005), Sohn tschechischer Einwanderer in Ohio, war ein Erzähltalent. In seinen Erzählungen stand aber nie die “friedliche Erbauung” im Mittelpunkt, ihn interessierte der “dramatische Konflikt”: “Man hat mich einen narrativen Komponisten genannt und das bin ich wohl mein ganzes Leben lang gewesen. Es ist nicht meine direkte Absicht, aber aus meinem Unterbewusstsein heraus möchte ich, dass meine Musik eine Geschichte erzählt. Musik besitzt für mich den emotionalen Gehalt des Dramas und es geht um erzählerische Qualität, die der Musik zu Eigen ist und sich auf die Zuhörer übertragen kann.”

Humels Musik ist ungeheuer expressiv, erinnert an Tanztheater oder an Stummfilme. Das modern art sextet (Flöte, Klarinette, Violine, Viola, Violoncello und Klavier), der Trompeter Raphael Mentzen und der Bariton Simon Berg interpretieren die Stücke überaus dramatisch. Bei den Visionen kommen noch die Gedichttexte von Nicolas Born (1937-1979) hinzu, die mal poetisch, mal verstörend sind. Beispielsweise im Liebesgedicht:
Es ist Frühling, schlanker Trompetenjubel des Brandenburgischen Konzerts
der Kaffeeduft steht still vor unserm Fenster
am Mantelhaken bleiben Husten und Schwermut
und im Park sind fremde Wesen gelandet in Kinderwagen auf den grünen Rasenflächen
ein schönes Stück Machtwechsel
Hier wächst der Andenkaktus, die Felsen
sind blinde Säcke aus Stein, unbarmherzige Statuen die das Tal bewachen.

Oder der sozialkritische Protest im Puff (eines Bürgers im Essener Puff 1966):
Auch das noch: Negerinnen!
Sind wir hier in Deutschland
Oder wo sind wir hier?

Born verweist in seinen Gedichten immer wieder auf das “Wahnsystem Realität”. Seine ausdrucksstarke Sprache eignet sich hervorragend für die Vertonung. Dies hat Gerald Humel erkannt.
Hier gilt es zwei große Künstler zu entdecken - und eine wunderbare Interpretation.

Gerald Humel (Komponist); Simon Berg (Bariton); Jean-Claude Velin (Viola); modern art sextet
Visionen
www.KlassikCenterKassel.de
ca. 63 Minuten
Best.-Nr.: 4032824000627

Cd-Tipp: Alison Balsom spielt Bach

16. Dezember 2009 sgruen Keine Kommentare

Ungewöhnlich und sehr gelungen

(Sigrid Grün)

Johann Sebastian Bach hat - bis auf das 2. Brandenburgische Konzert - kein Werk für die Trompete komponiert. Kann denn dann eine ganze Cd mit Bachwerken auf der Trompete überhaupt gelungen sein? Sie kann! Alison Balsom beweist dies auf eindrucksvolle Weise. Die junge Britin hat den alten Meister gehörig aufgefrischt. Hierbei geht es aber kein bisschen effektheischerisch zu, die Interpretation der verschiedenen Stücke von Bach mit Orgel und Trompete sind einfach nur brillant.
Die vielfach ausgezeichnete Trompeterin verleiht den Stücken eine unglaubliche Wärme und gleichzeitig eine große Klarheit. Der Klang der Trompete wird durch die Orgelbegleitung optimal ergänzt, so dass man hier eine Einspielung vorliegen hat, die ungeheuer stimmungsvoll und ausdrucksstark ist.
Besonders eindrucksvoll sind die Interpretationen des Agnus Dei aus der h-Moll-Messe (BWV 232) sowie die Arie “Du bist bei mir” aus dem “Klavierbüchlein für Anna Magdalena Bach”.

Eine wunderbare Einspielung, die (nicht nur) hervorragend in die Vorweihnachtszeit passt. Wer Alison Balsom am vergangenen Freitag nicht live erleben konnte, wird dank dieser CD einen Eindruck vom Können der jungen Trompeterin bekommen.

Im Februar wird übrigens die neue CD der Tropetenvirtuosin erscheinen. Darauf werden - ähnlich wie am vergangenen Freitag im Regensburger Audimax - italienische Trompetenkonzerte der Barockzeit zu hören sein: Vivaldi, Tartini, Albinoni, Marcello und Cimarosa.

Alison Balsom (Interpretin) Johann Sebastian Bach (Komponist)
Bach. Works for Trumpet
www.emiclassics.de
Cd; 71 Minuten

Alison Balsom lässt im Regenburger Audimax ihre Trompete singen

13. Dezember 2009 sgruen Keine Kommentare

Startrompeterin verzaubert Regensburg

(Sigrid Grün)

Im Rahmen der Odeon Concerte kommen immer wieder Weltstars nach Regensburg. Diesmal handelte es sich um eine besonders junge und charmante Musikerin, die in diesem Jahr von sich reden machte: Alison Balsom, die gerade mal 31-jährige Trompeterin aus England, die bereits mit verschiedenen wichtigen Klassikpreisen ausgezeichnet wurde.

Gerade in der Vorweihnachtszeit konnte man also gespannt sein auf das Konzert einer Ausnahmekünstlerin, die gemeinsam mit den Dresdner Kapellsolisten unter anderem Trompetenkonzerte von Torelli, Albinoni und Neruda spielte.
Und man war als Zuhörer wirklich überrascht von der Virtuosität und Kraft des Trompetenspiels dieser jungen Frau. Das Konzert war entsprechend gut besucht, denn der Erfolg der blonden Künstlerin hat natürlich die Neugierde vieler Musikliebhaber geweckt. Balsom beherrschte das Laut/Leise-Spiel perfekt und verlieh dem Klang ihres Instruments eine unvergleichliche Brillanz.

Besonders hervorzuheben ist auch die Leistung der Violinistin Susanne Branny, die in Vivaldis Winter als Solistin zu beeindrucken wusste.

Einziger Wermutstropfen nach diesem außergewöhnlichen Abend mit so überragenden Interpretationen verschiedener Werke: Das Kammerorchester konnte bei der Interpretation von Bachs Brandenburgischem Konzert Nr.1 leider nicht überzeugen. Nach den Leistungen von Balsom und Branny lag die Latte allerdings auch sehr hoch.

Alles in allem ein sehr gelungener Konzertabend, der besonders gut in die Vorweihnachtszeit gepasst hat.

Grigorij Sokolov spielt im Regensburger Audimax

1. Dezember 2009 jneidh Keine Kommentare

Grigorij Sokolov spielte Schubert und Schumann im Audimax

(Jan Neidhardt)

Es war voll geworden am vergangenen Freitagabend im Audimax der Universität Regensburg. Grigorij Sokolov, einer der derzeit renommiertesten Pianisten sollte im Rahmen der Odeon Concerte Klaviersonaten von Franz Schubert und vor Robert Schumann spielen. Sokolov gilt nicht nur als Virtuose, sondern auch ein bisschen als Exzentriker und so konnte man gespannt sein, auf einen gleichzeitig interessanten und musikalisch anspruchsvollen Abend.
Das Konzert fand auch unter besonderen Bedingungen statt; das Foyer war anlässlich der gegenwärtig stattfindenden Studentenproteste mit Spruchbändern behängt, aus dem gegenüber dem Audimax liegenden besetzten H 2 roch es nach Erbsensuppe. Zu nennenswerten Zwischenfällen kam es indes nicht.

Grigorij Sokolov, der 1950 in Leningrad (heute St. Petersburg) geborene Pianist spielte jedenfalls überwältigend gut. Er gab Schuberts Klaviersonate D-Dur op 53 D 850 (von 1825) in vier Teilen und Robert Schumanns Klaviersonate f-moll op 14, das “Konzert ohne Orchester” in 5 Teilen.

Franz Schubert (1797-1828), früh populär geworden aber auch früh verstorben, war bestimmend für die Entwicklung der Klaviermusik des 19. Jahrhunderts. Immer in Konkurrenz zu dem in Wien schaffenden Ludwig van Beethoven, geriet er doch schließlich bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts stark in seinen Schatten. Als Komponist von Klaviersonaten war Schubert Mitte der 20er Jahre des 19. Jahrhunderts an die Öffentlichkeit getreten. In diese Phase (1825) fällt auch das von Sokolov an diesem Abend als erstes präsentierte Werk, das auch unter dem Namen “Gasteiner Sonate” bekannt geworden ist. Schubert hatte sie auf einer Sommerreise nach Oberösterreich komponiert und dem Prager Musiker Karl Maria Bocklet gewidmet. Ein sehr vielschichtiges und harmonisch anspruchsvolles Stück. Das zweite Stück, das sich Sokolov für diesen Abend vorgenommen hatte, stammt von Robert Schumann. -Auch eine Klaviersonate, die ein bisschen später als das Stück von Schubert veröffentlicht wurde. Zu dieser Zeit schrieb Schumann selbst, der auch Herausgeber einer musikalischen Zeitung war, über Klaviersonaten: “Das Publikum kauft schwer, der Verleger druckt schwer und die Komponisten halten allerhand, vielleicht innere Gründe ab, dergleichen altmodisches zu schreiben. Die es trotzdem tun, sollten uns doppelt wert sein.” Er hat das wohl wörtlich genommen und sich selbst an die Komposition gemacht. Das heute dargebotene Werk, das Schumann übrigens oft überarbeitet hat, da sein Verleger Kürzungen verlangte, was Schumann schließlich um 1850 wieder rückgängig machte, ist auch ein harmonisch interessantes Stück in dem viele Spannungsbögen aufgebaut werden. Den Kern der Komposition bildet das “Andantino de Clara Wieck” womit Schumann seiner zukünftigen Ehefrau schon einmal eine Huldigung ausgesprochen hat. So weit, ein Weniges an Hintergrundwissen zu einem großartigen musikalischen Erlebnis, einem charismatischen Grigorij Sokolov, der am Schluss auch noch 6 Zugaben absolvierte - Wirklich ein schönes und über weite Strecken sogar meditatives Konzert. Es hat mir sehr gut gefallen.

Der Maestro stürmt auf die Bühne

Der Maestro stürmt auf die Bühne

Kent Nagano dirigierte im Audimax

20. November 2009 sgruen Keine Kommentare

Stardirigent begeistert das ausverkaufte Audimax

(Sigrid Grün)

Konzerte sind anders. Die Stimmung, das Ambiente, der Klang, das Gewaltige, die Interpretation.
Wiewohl der Zuhörer ein Werk vielleicht in- und auswendig kennen mag, das Erleben eines live dargebotenen Konzertes, das Erleben der Musik wie sie vom Komponisten intendiert war, ist und bleibt etwas besonderes.
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Die Gelegenheit Schuberts 7. (”Unvollendete”) und Bruckners 7. Symphonie zu erleben bot sich letzten Sonntag. Aufgeführt durch das Bayerische Staatsorchester unter Leitung von Kent Nagano, wurde dem Zuhörer musikalisch erlesene Kost geboten.

Gelungen war auch die Gestalung des Abends. Die “Unvollendete” von Schubert bot gut bekannte Romantik, während Bruckners Symphonie Nr.7 in E-Dur, die gewaltig und groß daherkommt, vielleicht auf den ersten Blick weniger zugänglich ist. Bruckner, ein großer Bewunderer Wagners, erlebte erst im höheren Alter mit diesem Werk den Durchbruch als Komponist. Man merkt dem Werk Bruckners Hintergrund als bester Organist seiner Zeit an, die Komplexität und auch die punktiert gesetzten Disharmonien und Crescendi (so 3. ‘Scherzo’ Satz) sind nur mit einem erweiterten Orchesterumfang (Wagnertuben) möglich.

Nagano führte souverän durch die beiden anspruchsvollen Werke und das Orchester wurde seinem außerordentlichen Ruf ebenfalls gerecht. Ein komplett ausverkauftes Audimax (plus Zusatzbestuhlung) und die Begeisterung der Zuhörer nach ca. 90 Minuten zeigten, dass auch in Regensburg ein Bedarf für symphonisch anspruchsvolle Kost besteht. Man kann nur gratulieren zu dem gelungenen Abend und wünscht sich mehr davon.