“Deine Mutter” in der Mälze
Moop Mama bringen die Mälze zum Kochen
(Sigrid Grün)
Wer Nase und vor allem Ohren voll hat von Gangstas und Rumgepose, der sollte, bevor er sich enttäuscht vom deutschsprachigen HipHop abwendet, mal bei Moop Mama reinhören.
Die Münchner Kapelle um den Creme-Fresh MC Keno ist wirklich was besonderes.
Hier trifft eine richtige Jazz-Band auf fette Reime, die durchaus mal ins Politische gehen können.
Sieben Bläser treffen auf zwei Drummer und einen hauptamtlichen MC (auch gerne mit Gästen).
Das Album „Deine Mutter“ spricht auch Leute an, die sonst vielleicht keinen HipHop hören. Erstaunlich ist, dass hier nur mit echten Sounds und Instrumenten, gearbeitet wird, u.a. ist auch ein waschechtes Sousaphon dabei, was für einen ordentlichen cruisingtauglichen Wums sorgt.
HipHop direkt von der Straße, das kann man hier ruhig auch mal ein bisschen wörtlicher verstehen als sonst, Moop Mama sind eine Marching Band mit HipHop-Vocals. Marching Bands sind ursprünglich Bläserbands, die gerne in Massen auf öffentlichen Plätzen aufmarschieren, gerne auch mal mit politischer Attitüde, was ja in Bayern auch als Charivari eine gewisse Tradition hat.
Eine andere Eigenbezeichnung ist auch Urban Brass und ich denke das trifft den Sound ganz gut. Moop Mama sind immer für unangekündigte Überraschungskonzerte gut, die fast im Sinne eines Flashmobs plötzlich in der Fußgängerzone auftauchen und richtig einheizen.
Entsprechend ist auch das spontane und die Überraschung auf dem Album Programm, der HipHop-Kenner wird immer wieder ironische Seitenhiebe und unerwartete Zitate finden. Busta Rhymes „Fire it Up“-Sound angespielt durch Sousaphon bei König der Stadt oder auch „Paranoia“, das ein Urgestein des deutschen HipHops zumindest in Andeutung in die heutige Zeit hebt: Paranoia von Die Allianz, anno 1993. Wohlgemerkt, nicht geklaut, aber stellenweise äußerst geschickt zitiert.
Keno und Fatoni die beiden MC´s kommen spürbar aus der Freestyle-Battle-Szene – es ist oft unglaublich wie schnell und wendig ihnen die Worte über die Lippen kommen. Kein Wunder, sie gewannen zwischen 2002 und 2005 fast sämtlicher Münchner Battle-Contests.
Für Komplettisten hier nochmal schnell die Auflistung der Instrumente, die auf dem Album verwendet werden: mit dabei Trompete, Altsaxophon, Tenorsaxophon, zwei Posaunen, das bereits erwähnte Sousaphone und Drums.
Meine Anspieltipps sind übrigens „Orientierungssinn“, eine Jazzfusion mit tollen Drums und nachdenklichem Text, ein wirklich total relaxter Song; das bereits erwähnte Paranoia mit seinem eher politischen Anspruch, gleichzeitig ein partytauglicher Abgehsong und Helden, der letzte Song aus dem ich hier ein sehr passendes Zitat bringen will: „Doch diese Band hier macht sich auf den Weg. Hier kommt das erste wirklich neue Ding seit einigen Jahren. Wie ein schwarzer Präsident in den Vereinigten Staaten. Hast Du Angst, Du brauchst keine zu haben. Denn wir sind nur gekommen um Dir Einen zu blasen und zwar so…“ und dann folgt ein fantastisches Trompetensolo…traumhaft, das nenne ich nicht nur Humor sondern auch Sinn für Musik. Moop Mama haben´s einfach drauf.
Das Konzert war ausverkauft, die Mälze voll und die Stimmung gigantisch - Moop Mama aus München bewiesen eindrucksvoll, dass deutscher HipHop einfach großartig sein kann!
Moop Mama
Deine Mutter
www.millaphon.com
45 Minuten







