Omnibus Festival - Trickfilme aus Osteuropa im Kunstverein Graz und Limebridge, im Club Heimat, Regensburg am 07.09.2009
Nachdem die diesjährige Regensburger Kurzfilmwoche ins Wasser fällt, kommt uns jetzt ein Trickfilm-Festival gerade recht. Diesen haben wir Jelena Vukmanović (Serbien), Ksenia Volkova (Russland), Yana Varbanova (Bulgarien) und Małgorzata Ćwikła (Polen) zu verdanken, vier Stipendiatinnen der Robert Bosch Stiftung, die jeweils für ein Jahr in einer deutschen Kulturinstitution tätig sind. Ein Teil Ihrer Arbeit ist nun das Omnibus-Festival, eine Auswahl an Trickfilmen aus dem östlichen Europa. In ihrer Mehrheit Werke, die noch nie ein richtiges Festival gesehen haben, sondern hauptsächlich auf diversen Internetplattformen laufen. Bei aller Mühe, die sich die Vier gemacht haben, und so löblich es ist, uns Kulturgut aus dem frischen und neuen Osteuropa näher bringen zu wollen, umso enttäuschender war die Qualität der hier gezeigten Streifen. Unterteilt in vier Kategorien liefen insgesamt 20 Filme mit einer Gesamtlaufzeit von fast zwei Stunden. Definitiv viel zu lange für eine unscharfe, mickrige und verzerrte Projektion und die improvisierte Bestuhlung.
Unbeeindruckt von diesen Umständen, waren glücklicherweise sehr viele Zuschauer gekommen, und der große Raum des Kunstvereins war ordentlich gefüllt. Die volle Bandbreite des Mediums wurde gezeigt, vom klassischen Trickfilm im Lolek & Bolek-Stil oder in Knetmasse-Technik, über flatternden Bleistiftzeichnungen, popeligen Flash-Animationen bis hin zu aufwendigen digitalen Experimenten. Leider wirkte eine Vielzahl der Filme inhaltlich belanglos, gestalterisch platt, plump und einfallslos und waren ästhetisch zum Teil unter aller Kanone.

Életvonal von Tomek Ducki
Um dieses harte Urteil zu relativieren sei zumindest ein herausragender Beitrag erwähnt. “Életvonal“ (Life Line) des in London lebenden Ungarns Tomek Ducki. Eine Animation von Figuren aus Zahnrädern, ständig in Bewegung und immer wieder in Metamorphose. Dieser Film ist flott, spannend und beeindruckend, eine meisterhafte Komposition aus Bild und Bewegung und eine ästhetische Augenweide.
Der zweite Akt des Abends fand in der Heimat statt, wo die Band Limebridge aus Krasnojarsk (Das ist eine Millionenstadt zwischen Moskau und Wladiwostok) auftreten sollte. Was? Eine Indie-Rock-Band aus Sibirien? Gibt‘s denn Sowas? Eine Sensation? Dass Folklore, Klassik, Jazz und alle Formen des Metals in den Weiten des Ostens hohes Ansehen genießt war mir bekannt, aber Indie-Rock..? Nun, tatsächlich stehen an diesem Abend fünf junge sympathische Burschen mit Mikro, Gitarren, Bass und Schlagzeug auf der nichtvorhandenen Bühne, und sind gleich bemüht ordentlich Stimmung zu verbreiten. In einer, im Pop-Biz ungewöhnlichen Mischung aus Bescheidenheit und aufrechter Freude darauf, ihrem Publikum zu gefallen, zeigen uns die fünf Russen, was sie drauf haben. Dem Thema der Veranstaltung entsprechend beginnen sie mit ihren Interpretationen von sowjetischen Trickfilmmelodien während hinter ihnen ebenjene Filme laufen. Das klingt alles noch sehr russisch und fremd, doch um unsere westlichen Herzen zu gewinnen haben sie eine Überraschung parat. „In einem unbekannten Land, vor gar nicht allzu langer Zeit, war eine Biene sehr bekannt..“, ja, das ist Karel Gotts Biene Maja. Vorgetragen auf deutsch und in einer total schrägen Beat/Surf-Version, die die Anwesenden sofort begeistert. Etwas später geben Sie noch das Wickie-Titellied in ähnlicher Form zum Besten.

Limebridge aus Krasnojarsk vor Trickfilmerei
Beeindruckend wie diese jungen Kerle all die Filmmusikklassiker hinrotzen, als wären sie eine Repertoire-Combo bei der 673sten Hochzeit. Aber Limebridge können auch anders, denn sie haben auch eigene Stücke. Da singen sie auf Englisch und klingen so wie ihre globalen Vorbilder, also wie Bloc Party und Co. Und das ist in der Tat Indie-Rock!
Glücklicherweise war die Heimat ebenso gut gefüllt wie vorhin das Graz, so dass die Stimmung, vor allem Dank der anwesenden Osteuropäer, stets ausgezeichnet war. Schön war‘s mit Limebridge und ich weiß jetzt, das die russische Seele auch ohne Wodka und Balalaika ihre Tiefen offenbart.
www.myspace.com/limebridge
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