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23. Internationale Kurzfilmwoche Regensburg

15. März 2017 lweser Keine Kommentare

15.-22. März 2017
23. Internationale Kurzfilmwoche Regensburg;
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Mit einigen positiven und leider auch negativen Neuerungen geht die Regensburger Kurzfilmwoche in die 23. Runde. Im vorletzten Jahr wurde das Budget der Kurzfilmwoche ja durch die Stadt Regensburg erhöht. Hoffentlich kann dies den Rückzug des langjärigen Hauptsponsors in diesem Jahr ausgleichen. Diesem Rückzug ist es auch geschuldet, dass es in diesem Jahr keinen Preisstifter für den Hauptpreis im Deutschen Wettbewerb gibt. Kurzerhand hat den Preis nun die Kurzfilmwoche selbst übernommen. Eine ähnliche Situation gab es vor Jahren beim Regionalfensterpreis. Dort hatte sich die Situation mit der Stärkung des Heimatbegriffs so gewandelt, dass es lange Zeit sogar zwei Preise gab. Die entstandene Situation, bei der der Nebenpreis (durch Online-Voting) höher dotiert war als der Hauptpreis der Fachjury, hat sich jedoch in diesem Jahr ebenfalls wieder geändert. Gut so: Im Regionalfenster gibt es wieder einen Preis. Dafür gibt es dieses Jahr mit Donaublut ein regionales Trash-Horrorfilmprogramm und damit eigentlich ein drittes Regionalfenster. Klingt spannend.
Es gibt einen neuen Preis der einen neues Filmfenster mit sich bringt: den wettbewerbsübergreifenden Architekturfilmpreis.
Das Bayernfenster wurde auf zwei Programme erweitert.
Es gibt zwei Jugendfilmprogramme.
Und… Traaraa: Der Wintergarten. Kino im Andreasstadel ist wieder mit dabei!!!

Zum diesjärigen Motto Stadt gibt es fünf spannende Programme. Das Herzstück des Festivals bilden wie immer die Wettbewerbs-Programme mit 117 Filmen aus 4500 Einreichungen: acht internationale, vier deutsche, zwei Bayernfenster- und zwei Regionalfenster-Programme. 3 Programme widmen sich dem Gastland Estland. Es gibt auch wieder Cinema mi vida und Cinema mi amor, die BR-Kurzfilmnacht zum Thema Landleben, Workshops, Partys und jede Menge andere Specials – alte und neue.
Nach den Vorstellungen am Mittwoch, Freitag, Samstag, Dienstag und Mittwoch gibt es wie immer die KuFiWo-After Hour mit wechselnden DJs in der Kinokneipe.

Meine handverlesenen Empfehlungen:
Mittwoch, 15. März, 19.00 Uhr, Eröffnungsfeier mit Liveact: Null; anschließend 22.00 Uhr Eröffnungsfilmprogramm und Party in der Kinokneipe
Freitag, 17. März, 19.30 Uhr, City Sound. Hochschule für katholische Kirchenmusík: die dritte Zusammenarbeiten der beiden Institutionen. Wer die ersten zwei Vorstellungen besucht hat, wird es auch diesmal und wer nicht, dem sei diese Veranstaltung als vielleicht interessanteste des Festivals ans Herz gelegt.
Freitag, 17. März, 21.00 Uhr, Leerer Beutel: Zündfunkparty mit Tanz- und Partyfilmen und einem dritten Zündfunk-DJ, neben Achim Bogdahn, wird Ralf Summer das Foyer einheizen. Außerdem wird Tobias Ruhland sein Hackbrettkönnen zum Besten geben. Sehr schön!
Freitag, 17. März, 23.00 Uhr, Ostentorkino: Midnight Movies 1: Sexy Shorts. Kurzfilme zum weitgefasstem Thema Sex, oder?
Samstag, 18. März + Sonntag 19. März, jeweils 14.00 Uhr, Filmgalerie: Kinderfilmprogramm
Samstag, 18. März, 23.00 Uhr, Ostentorkino, Midnight Movies 2: Funny Games. Neuer Name mit leichter Erweiterung des Themas der mittlerweile 7. Horror-Kurzfilmnacht.
Sonntag, 19. März, 10-16.00 Uhr, W1 - Kulturzentrum: Tablet-Filmwekstatt für Kinder von 7 bis 11 Jahren. Eine kostenlose, verbindliche Anmeldung ist erwünscht.
Sonntag, 19. März, 19.00 Uhr, Wintergarten: Cinema mi amore: Dorothee Ulrich
Sonntag, 19.03., 13.00 Uhr + Montag 20.03. 11.00 Uhr; Degginger: Workshop Hands-on DCP mit Carsten Kurz
Montag, 20. März, 20.00 Uhr, W1-Theatersaal: Donaublut. Regionale Genrefilme.
Montag, 20. März, 20.00 Uhr, W1-Cafe: Vortragsreihe Stadt und Film mit Michael Fleig, Silke Rösler-Keilholz und Ger Duijzings
Dienstag, 21. März, 19.30 Uhr, Ostentorkino, Die Plattenfilme auf neuem Sendeplatz. Die muss man natürlich ebensowenig ankündigen, wie die Zündfunkparty, der Vollständigkeits halber tun wir es dennoch. Mit den alten Plattenfilm-DJ-Hasen: Loonytunes, Tom Tiger und Markus Guentner. DJ Kredenzer darf wieder, DJ Flim, Knut Schön und Herta von Hinten dürfen auch mal.
Und
Mittwoch, 22. März, W1-Theatersaal, 20.00 Uhr: die Originale der Plattenfilme gibt es diesmal auch. Sehr gut!
Mittwoch, 22. März, 19.00 Uhr, Ostentor-Kino: Preisverleihung, anschließend/ 22.00 Uhr: Preisträgerfilme und parallel Publikumslieblinge in der Filmgalerie; und weil die so beliebt sind steht nicht nur der Donnerstag den beiden Sieger-Programmen zur Verfügung, sondern in der Filmgalerie hat das Publikum am Freitag, Samstag und Sonntag die Möglichkeit seine Lieblinge zu sehen.

www.kurzfilmwoche.de

Hochgenuss für Film- und Musikliebhaber mit Lotte Reiniger

18. März 2013 lweser Keine Kommentare

Lotte Reiniger, die Kurzfilmwoche zu Gast in der Hochschule für katholische Kirchenmusik, Regensburg

kufi2013_lotte-reiniger1Mit großer Spannung wurde bei der diesjährigen Regensburger Kurzfilmwoche auf eine neue Zusammenarbeit der besonderen Art geblickt: die des Festivals mit der Hochschule für katholische Kirchenmusik und gleichzeitig mit der Regensburger Stummfilmwoche. Das mag nur auf den ersten Blick eine absolute Neuheit sein, denn mit den “Plattenfilmen” gibt es ja bereits eine Tradition der Live-Vertonung von Kurzfilmen bei der Kurzfilmwoche. Zugegeben, das ist nur halb-live, kommt doch die Musik, die aufgelegt wird, aus der “Konserve”.

Die Studenten der Hochschule für Kirchenmusik vertonten einige der liebevoll gestalteten Silhouettenfilme von Lotte Reiniger aus den Jahren 1921 bis 1954, die sich neben der Detailgenauigkeit auch durch viel Witz auszeichnen. Dabei offenbarte sich eine musikalische Bandbreite, die von Kirchenmusikstudenten nicht unbedingt erwartet wurde. Da gab es zarte Einzelbegleitung mit Orgel (Max Pöllner) zu Carmen oder Cello (Stefan Shen) zu Galathea, eine Adaption der Pygmalionsage. Ein klassisches Ensemblespiel mit zwei Violinen, Kontrabass, Klavier, Klarinette und Cello kam bei einer Adaption des Rattenfängers von Hameln zum Einsatz. In der Auftragsarbeit, die Reinigner zum Tag der Hausmusik produzierte, werden statt Kinder Musikinstrumente entführt. Zum Kleinen Schornsteinfeger waren jazziger Clubsound und bekannte Filmmusikmotive von James Bond bis zum Rosaroten Panther zu hören. Henriette Olbertz, Katrin Schmidmayr und Armin Weinfurter sind ein eingespieltes Trio mit Astor-Piazzolla-Vorliebe, die mit Cello, Klavier und Geige, Reinigers Dornröschen in Tangoflair versetzten. Der fliegende Koffer von 1921, nach einem Märchen von Hans Christian Andersen, das im fernen China spielt, wurde von Franzi Kießl und Kristin Schorr mit Geige und einer Vielzahl Percussioninstrumenten zauberhaft akzentuiert. Georg Zeller (Klavier, Akkordeon und Kazoo) und Stefan Shen (Cello, Geige) unterstrichen den Witz von Reinigers expressionistischem Aschenputtel aus dem Jahr 1922 sogar mit Gesang und mit Hilfe eines Luftballons.
Dass die Kirchenmusikstudenten dabei nicht hinter den routinierten Vertonungen der Stummfilmwoche zurückstehen müssen, bestätigten neben einigen Gästen auch Nicole Litzl, die Leiterin der Regensburger Stummfilmwoche, die mit viel Hindergrundwissen zum Stummfilm im Allgemeinen und dem Silhouettenfilm im Besonderen, sowie mit einigen Anekdoten aus Lotte Reinigers Leben, durch den Abend führte.
Die Zuschauer der knapp dreistündigen Veranstaltung hätten gut eine kleine Pause vertragen können. Insgesamt war der Abend ein Hochgenuss für Film- und Musikliebhaber.
Mit einigen kleinen Verbesserungen (z.B. einer etwas größeren Projektion, einem geheizten Konzertsaal und einer professionelleren Vorstellung der Musiker) wäre es wünschenswert, wenn diese Art der Zusammenarbeit weitergeführt und ausgebaut würde.

Alle, die Lust auf mehr Lotte Reiniger bekommen haben, können bei der 31. Regensburger Stummfilmwoche im August 2013, ihren Langfilm, und den ersten Lang-Trickfilm der Filmgeschichte überhaupt (1923-1926), Die Abenteuer des Prinzen Achmed sehen. Vertont wird er von den Gebrüdern Teichmann und Leo Hurt.
Bei der Kurzfilmwoche, die noch bis zum 20 März geht, kann man morgen, am Dienstag 21.00 Uhr im Ostentor-Kino die Plattenfilme sehen und hören. Es soll noch Karten geben.
www.kurzfilmwoche.de | www.filmgalerie.de | www.hfkm-regensburg.de
Mit Dank an www.photographie-fischer.de

Auf das Timing kommt es an, auch in Bayern

15. März 2013 ffranc Keine Kommentare

Bavarian MuVis bei der 19. Regensburger Kurzfilmwoche am 15.03.2013 @ Filmgalerie im Leeren Beutel

Das einzige Programm der Reihe The World of Shorts - The World of Music bei der diesjährigen Kurzfilmwoche in dem ausschließlich Musikvideos gezeigt werden, nennt sich Bavarian MuVis. Kurator Stefan Grunwald-Wiese hat darin ganze 26 Beiträge von ausschließlich bayerischen Interpreten versammlet, daher auch der Programmname. Ein gewagtes Unterfangen. Weniger durch die eingeschränkte geografische Auswahl, als darin begündet, A) eine möglichst große Bandbreite sowohl in musikalischer als auch in filmischer Hinsicht zu zeigen, und B) dass Musikvideos allzu oft aus cineastischem Blickwinkel nach unten ausschlagen, weil das Hauptanliegen vieler Musiker darin besteht, als Person einen möglichst guten Eindruck zu machen. Andererseits bot das “Genre” des Musikvideos Filmemachern schon immer die Möglichkeit sich möglichst frei und experimentell auszutoben.
Dass die Bavarian MuVis sowohl das eine als auch das andere unter Beweis stellt ist selbstredend. Auffallend jedoch ist, dass weder ein fränkischer Beitrag, noch einer aus früheren Regionalfenstern, wie die eines Säm Wagners oder Blink & Remove, den Weg ins Programm fanden.

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Zwei Videos waren eigentlich total überflüssig: ein Live-Mitschnitt mit animiertem Intro von Hans Söllner und eine Studio-Session von Nixon In China - beides filmisches Nichts! Zwei andere fielen aus unterschiedlicher Sicht aus dem Rahmen. Die United Balls als einzige Vertreter aus der Musikvideo-Steinzeit (1981) und das Ost Hafen Duo mit einer Musik jenseits aller Kategorien und einem Bild als stilllebenhafte Homage an den Gäuboden.
Besonders beliebt im Musikvideo-Biz scheint die Stop-Motion-Technik zu sein. Egal ob als Realfilm (Slut), Puppenanimation (The Notwist) oder Zeichentrick (Missent to Denmark), die Ergebnisse darin erübrigen nicht einer gewissen Niedlichkeit, sind ansonsten sehr durchschnittlich, wenig originell und meist mies bis gar nicht choreografiert.
Wie wichtig Timing bei Musikvideos ist zeigen die Höhepunkte dieses Programms. Blumentopf aus München haben zu einem der wahrscheinlich bescheuertsten Deutsch-Hip-Hop-Nummern ein Zu-Fuß-Roadmovie ohne Schnitt realisiert, nicht besonders originell, aber eben perfekt getimt und schlüssig. Ebenso Ebow mit einem reinen “Tanzfilm” im Eighties-Look, beige GT mit einer eher grafischen Optik und anheimelnden Szenen aus einem Nordoberpfälzischen Auto-Tuning-Treffen, und der Fast-Oldie der Sportfreunde Stiller Wellenreiten ‘54, mit simplen Aufnahmen aus einem Freibad mit Dreifach-Sprungturm.

Drei Videos, die besonders herausstachen, waren zum einen Fittenbudes Wings. Der einzige Teilnehmer, der einem kleinen Spielfilm glich und völlig vom musikalischen Takt losgelöst, das Coming-Out eines Lehrers thematisiert. ZiehGäuner aus dem Bayerischen Wald haben mit Ihrem Film zu Mamabua nicht nur einen Mitreißer erster Güte, sondern auch ein traumhaftes Video aus 50er-Jahre-Found-Footage und darin integrierten und nicht merkbaren Aufnahmen der Band geschaffen. Ein perfekter Spaß auf ganzer Linie und ein positiver Beitrag aus der ON3-Werkstatt des Bayerischen Rundfunks, die ansonsten eher aufgeblasene Teenie-Selbstdarstellung unterstützt. Und zu Guter Letzt sei noch Zombie Nations Gizmode erwähnt, ein perfekt choreografierter, klassischer Musikclip mit optimal ins Bild gesetzten Aufnahmen aus Tokyo. Einfach, gut, stimmig.

Die anschließend im Foajee der Filmgalerie stattfindende Foyerstelle-Party war ebenso stimmungvoll wie schlecht besucht. Um so mehr konnten die Anwesenden beinahe schulterzuckend über die sich viral mündlich verbreitenden Neuigkeit des Ausfalls der morgigen “großen” Zündfunk-Party hinwegsehen. Ihren Spass hatten sie ja schon gehabt, egal ob flätzend im Fatboy oder aktiv auf den Tanzplanken des Leeren Beutels. Wer die Feuerstelle nicht ehrt, ist des Zündfunkes nicht wert.

Alle, die sich einen Überblick über bayerische Musikvideoproduktionen verschaffen möchten und über einen breitgefächerten Musikgeschmack verfügen, können sich noch heute und am Dienstag den 19.03.2013 im W1, jeweils um 21.00 Uhr die “Bavarian MuVis” anschauen.
www.kurzfilmwoche.de | www.filmgalerie.de

Ansonsten sind alle Videos auch im Web zufinden, wie zum Beispiel aus Sympathie-Gründen:

DVD-Tipp: Erotische Geschichten

15. Mai 2011 sgruen Keine Kommentare

Amüsant, sinnlich und märchenhaft - Eine erotische Reise um die Welt

(Sigrid Grün)

29 kurze Filme beinhaltet die “Erotische Geschichten”-Box. Filme, die auf 400 Festivals gezeigt, für den Oscar nominiert und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. Filme, die von unterschiedlichen Regisseuren - Newcomern und alten Hasen - gemacht und allesamt von Regina Ziegler produziert wurden. Schön ist die Box, die 10 DVDs beinhaltet: Ein echter Hingucker. Und die Filme sind ein faszinierendes Potpourri aus märchenhaften, witzigen, sinnlichen und schrägen Geschichten aus der ganzen Welt.

Da wäre zum Beispiel der etwa halbstündige Rosa von Praunheim-Steifen Can I be your Bratwurst, please?
Weihnachten in Hollywood: Der knackige Schönling Jeff steigt in einem freakigen Hotel ab. Der Hotellier, seine Mutter und sämtliche Hotelgäste verfallen dem neuen Gast. Sie ergehen sich in hemmungslosen Fantasien, in denen “das fleischgewordene Weihnachtswunder” Jeff Stück für Stück verehrt wird. Ein Erdbeben, Hypnose und Momente zwischen Tag und Traum, die an Peter Greenaway in seinen besten Jahren erinnern, machen aus “Can I be your Bratwurst, please?” ein herrlich schräges Filmvergnügen, getreu dem Motto: “Was wollen wir lieber? Essen oder gegessen werden?”

Ganz anders, aber nicht minder komisch: Die Georgischen Trauben. Eine Autowerkstatt in der georgischen Provinz, eine ausländische Filmschönheit und ein Eifersuchtsdrama bringen eine Menge ins Rollen. Zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten verbünden sich und schon fallen dem Automechaniker Sandro beim Anblick der eigenen Ehefrau die Augen aus dem Kopf. Und was sich im Weingarten abspielt, muss man schon selbst gesehen haben. 28 Minuten feinste georgische Kost, in der man auch noch eine Menge Eindrücke aus einer hierzulande unbekannten Gegend vor Augen geführt bekommt.

Die Grenzenlosigkeit männlicher Fantasien werden in Die unersättliche Mrs. Kirsch, vom britischen Regisseur Ken Russell, der bereits Ende der 1960er skandalträchtige Filme machte, thematisiert. Was tut die geheimnisvolle Blondine in ihrem Zimmer? Was sind das für rätselhafte Geräusche? Und wie kommt man an diese Schönheit heran?

Einer meiner persönlichen Favoriten: Vroom - vroom - vroom von 1994. Melvin van Peebles, Amerikas renommiertester schwarzer Regisseur hat hier einen Film gemacht, der einem die Tränen vor Lachen in die Augen treibt. Ein junger pickeliger Schwarzer, ein ewiger Außenseiter, der davon träumt, wovon viele junge Männer träumen: Frauen und Motorräder…

Filme aus der ganzen Welt (u.a. Indien, Georgien, USA, Deutschland, Finnland u.v.m.) und von bekannten Regisseuren wie Mika Kaurismäki, Rosa von Praunheim, Detlev Buck u.a. machen diese Box zu einer hervorragenden und unterhaltsamen Sammlung, die Einblick in 10 Jahre (1993-2003) Film- und Kulturgeschichte gewährt. Für Liebhaber von guten Kurzfilmen und/oder hochwertigen Erotikfilmen ein Muss!

Regina Ziegler (Produzentin)
Erotische Geschichten

www.wvg.com
870 Minuten

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Belanglosigkeiten, Porno, Maschinenliebe und Flüchtlingsdrama

23. März 2011 lweser Keine Kommentare

Bayernfenster, 17. Regensburger Kurzfilmwoche

Seit 2003 gibt es bei der Regensburger Kurzfilmwoche das Bayernfenster. Ein Programm für den langjährigen Förderer Film Fernseh Fond Bayern, der seit 1999 den FFF-Förderpreis vergibt. Neben den Filmen des Bayernfensters, konkurrieren alle in Bayern produzierten Filme aus dem Deutschen Wettbewerb und die Regionalfensterbeiträge um diesen Preis.

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Drei Filme von der HFF München und drei der Hochschule Augsburg befinden sich in diesem Jahr im Programm.
In Vicki Ficki von Natalie Spinell besteht eine starke Frauenbeziehung – die von Mutter und Tochter - gegen äußere Widerstände. Eine mutiger Film, der ein heikles Thema, angesichts einer engen, vertrauensvollen Mutter-Tochter-Beziehung, zur Nebensache erklärt. Leider ist der Film am Ende etwas übermotiviert und zu moralisierend. Überzeugender wäre es gewesen den Fokus der Geschichte auf den kleineren Kreis von Mutter, Tochter und den verfeindeten Schulkameraden zu belassen, als die dramatische Ansprache vor der Klasse.
Georg Utz, Miriam Frank und Xaver Böhm mischten in Kurzschluss Animationen mit Wellpapp-Kulissen. Sie schufen mit einem Augenzwinkern eine kleine liebevolle Geschichte in Anlehnung an die Melodrame Hollywoods der 30er Jahre.
Silent River von Anca M. Dunga ist ein starkes rumänisches Flüchtlingsdrama, welches eigentlich in den deutschen Wettbewerb gehört hätte. Die Handlung, eine lebensgefährliche Fluchtversuch zweier Männer durch die Donau ins blockfreie Jugoslawien, ist im Jahr 1986 angesiedelt. Das Verhältnis beider bewegt sich im Spannungsverhältnis von Misstrauen und Abhängigkeit. Die bedrohliche Atmosphäre des Filmes wird bis zum Schluss aufrechterhalten. Der unbestritten beste Film des Bayernfensters.

Der Erstjahresfilm (3 Rollen SW- 16 mm Material, a 10 min) Kunstsein von Anne Mona Hilliges zeigt eine Friseurin, deren Tatoos ihr Leben erzählen. Leider vermag Inhalt und Form der Idee nicht gerecht zu werden. Im Mittelpunkt der aufwändige Animation A lost and found Box of Human Sensation von Martin Wallner und Stefan Leuchtenberg steht ein über den Tod reflektierender junger Mann. Spiel des Lebens ist die Diplomarbeit von Johannes Berner. Ein Selbstfindungsversuch der verschiedenen Techniken vereint.

Ostbayerische Filmperlen und mehr

22. März 2011 sgruen Keine Kommentare

Ostbayerische Kurzfilme aus dem Regionalfenster 1

(Sigrid Grün)

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Die im Regionalfenster gezeigten Filme der Regensburger Kurzfilmwoche lassen sich im Wesentlichen in fünf Kategorien einteilen: Professionelle Animationsfilme, erfrischend unprofessionelle Produktionen von filmbegeisterten Laien, entsetzlich bemühte Filme, die vorgeben “mehr” zu sein und ungefähr auf HFF-Bewerbungsfilmniveau boxen, total abgefahrene Experimentalfilme, die ihren Reiz daraus beziehen, dass sie kein Mensch versteht, die uns aber trotzdem anrühren und dann noch kleine Filmperlen, die zeigen, dass Ostbayern ein Händchen für gute Bilder haben. Alle Kategorien waren auch in diesem Jahr vertreten - und manchmal müsste vielleicht eine Schublade eröffnet werden, für Filme, die eine Mischung aus zwei oder mehr Kategorien darstellen. Ins Rennen gingen dieses Jahr im Regionalfenster 1 zehn unterschiedlich kurze (oder lange) Kurzfilme.
Ins Programm wurde der Zuschauer mit dem animierten Musikvideo “BRIGHT ORANGE AIR” geworfen, das man anfangs vielleicht zunächst für einen zu lange geratenen Trailer der Kurzfilmwoche halten könnte. An anderer Stelle positioniert hätte der Film vielleicht nachhaltiger gewirkt. Erhard Babloks Film “Willkommen daheim” versuchte schließlich das komische Genre zu bedienen, was jedoch nur teilweise gelingt - zu theaterhaft wirken die Szenen, Licht und Ton sind nicht ideal. Die Grundidee ist freilich schon gagig.
“Es war spät abend als K. ankam” ist dann schließlich der Treppenwitz des 20. Filmjahrhunderts. Cineasten können in dem Treppenfilm (wo zur Hölle haben die Regisseure Weser und Kasbauer nur diese unzähligen Treppenhäuser aufgetan?) wahre Leckerbissen finden. Sage und schreibe 6 Anspielungen auf filmische und literarische Vorbilder werden zitiert. Welche, verrate ich an dieser Stelle natürlich nicht. 463 Treppenhäuser und einen verhängnisvollen Aufzug in knapp 12 Filmminuten zu packen, ist ein Kunststück, das nicht jedem gelingt. Co-Regisseur Kasbauer verkörpert auch den kafkaesken Hauptdarsteller, der sich treppauf, treppab durch den Abend kämpft - und schlussendlich doch verliert. Die ganze Atmosphäre wirkt kafkaesk - die Begegnungen mit anderen Figuren, die auch schon diese Stufen gegangen sind. Ein faszinierender Film mit einem überraschenden Schluss - eine kleine Filmperle in schwarz-weiß - mit einem echten böhmischen Prinzen!
Keinen echten Prinzen, aber wenigstens eine Ausstattung mit “Palastmöbeln” bietet dann “Amantes Amentes” von Martin Weck. Die gute Ausleuchtung des Films sticht sofort ins Auge. Leider sind Inhalt und Schauspiel eher der HFF-Kategorie zuzurechnen. Es wird nicht klar, dass Max eine Art Frankenstein und sein Gegenüber seine Schöpfung (ein Roboter) sein soll.
Und dann folgt der “Kaffeegenuss”, der neue - und in meinen Augen bisher beste - Grun. Eine Dokumentation, die die Kaffeekannenleidenschaft einer mitteilungsfreudigen Dame bezeugt. Grun hatte eine glückliches Händchen - solche Originale muss man erstmal finden und gekonnt in Szene setzen! Eigentlich müsste für die Regensburger Kurzfilmwoche noch eine sechste Schublade eingerichtet werden, in der Erik Grun es sich dann gemütlich machen könnte - seit mindestens 134 Jahren: Kein Regionalfenster ohne ihn!
Philip Singhs “HEIM@”, ein auf einem C64 programmiertes Kleinod wirkt auf der Kinoleinwand etwas weniger als auf dem heimischen Rechner (der Film nimmt auch am Online-Wettbewerb zum Thema “Heimat” teil).
Die tänzerisch umgesetzten “GEDANKEN ZUM TAG” von Hanna Sachau und Kilta Rainprechter setzen sich experimentell mit Alltagssituationen auseinander. Vor mehreren Jahren begannen die Macherinnen damit, zum Tanzen “raus zu gehen” um zu sehen, wie das wirkt.
Und dann gab es noch den typischen Vertreter einer Mischkategorie: Eine Produktion der Eschlkamer Filmschmiede - “SCHAUFLMO” - kein Druckfehler, kein Schaumflo oder ähnliches, sondern eine scheichtsame Geschichte aus dem Bayerwald, eine immer noch aktuelle Weizgeschichte, die der Eschlkamer Jugend aufgetischt wird, um ihnen Angst vor allzu exzessiven Saufexzessen einzujagen. Was die Jugend selbst daraus gemacht hat, zeigt dieser Film :) - man kann sich nur schwer dem umwerfend authentischen Charme der ostbayerischen Jugend entziehen. Man weiß nicht genau wie es gemeint ist - als Persiflage auf die immer noch beliebten Jugend-Slasher-Filme? Als Hommage an die ostbayerische Heimat? Oder einfach nur als Fetzengaudi beim wochenendlichen Saufen?
Der Experimentalfilm “Nova Express” und Florian Geiss’ Mangagerparabel “Einfach mal rausgehen” bilden den eher ruhigen Schluss des ersten Regionalfensterprogrammes.

Fazit: Es lohnt sich auf alle Fälle, den ostbayerischen Filmnachwuchs und auch die “alten Hasen” im Auge zu behalten. Wer die Regionalfensterfilme sehen möchte, hat heute noch einmal Gelegenheit dazu: Um 19.00 Uhr wird das Regionalfenster 1, um 21.00 Uhr das Regionalfenster 2 im Wintergarten (Andreasstadel) gezeigt. Man sollte allerdings früh da sein, am vergangenen Samstag mussten zahlreiche Filmbegeisterte aufgrund der großen Nachfrage leider draußen bleiben!

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www.kurzfilmwoche.de

Kurzfilmer kurz vor der Kurzfilmwoche

14. März 2011 lweser Keine Kommentare

Klaus Scheier - ein regensburger Super-8-Experimental-Filmer

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Zur Einstimmung auf die diesjährige Regensburger Kurzfilmwoche, wollen wir den hiesigen Super8-Experimental-Filmer Klaus Schreier vorstellen. Einst war er regelmäßig im Regionalfenster (2004 auch im Bayernfenster) mit seinen Filmen vertreten. Seit einigen Jahren ist es still geworden um ihn. Dabei hat sich seine Leidenschaft zu dem fast verschwundenen Medium keinesfalls verringert. Er hat durchaus einige Projekte in der Schublade. Als Abonnent der Zeitschrift „Schmalfilm“ und Teilnehmer eines Schmalfilm-Internet-Forums ist er auch mit der Super 8-Comunity weltweit verbunden. Seit 2009 sind seine Filme auf youtube zu sehen. Das ist das einzige Zugeständnis, dass der ansonsten strenge Verfechter der analogen Film-Arbeit gemacht hat.
Doch beginnen wir von vorn. Klaus Schreier wurde 1968 geboren. Von seinem ersten Praktikumsgeld, das er während seines Architekturstudiums verdiente, kaufte er sich 1989 die erste (gebrauchte) Super 8-Kamera. Danach entstand sein erster Film Meine 10jährige Angst. Nach zehn Jahren hat er den Film noch einmal neu geschnitten. Im Herbst 1999 begann er wieder zu filmen. Klaus Schreier lies sich vor allem von Stummfilmen oder Horrorfilmen der 30er bis 60er Jahre beeinflussen. Er steht zu Trash oder zu B-Movies. Aber er mag auch Filme von Truffaut und Godard. Ungefähr 25 publikumsfähige Filme hat er bisher geschaffen. Dabei ist jeder Schritt analog: filmen, entwickeln, schneiden, kleben, vertonen und vorführen. Bei der Kurzfilmwoche musste er meist seine eigenen Projektoren mitbringen, da später kaum noch funktionierende Super 8-Tonfilmprojektoren zur Verfügung standen. Denn das ist ja das eigentlich Bemerkenswerte: Klaus Schreier hat erst richtig begonnen mit Super 8 zu arbeiten als diese Technik bereits im Sterben lag. Auch Daggi Brunderts Filme liefen schon auf seinen Projektoren. Bei Ihrer Werkschau während der letzten Regensburger Kurzfilmwoche zeigte sie ihre Filme, der gleichen Erfahrung und der fehlenden Projektoren wegen, jedoch von DVD.
Auch mit abgelaufenem oder beschädigtem Material experimentiert Klaus Schreier gern. Mein Favorit ist der Found Footage-Film Am Sichelwerk. Dabei handelt es sich um einen mindestens 50 Jahre alten Film, der schon deutliche Materialzerstörungen aufweist. Doch gerade diese Zerstörung hat ihren eigenen Reiz und eröffnet eine weitere Bedeutungsebene: die Vergänglichkeit des Lebens oder der Liebe oder eben des Super 8 Films.
Die Entscheidung seine Filme irgendwann doch zu digitalisieren und online zu stellen traf er, um zu verhindern, dass sie für immer im Keller verschwinden. Dass Wie ein wilder Brem, so der Titel seines oberpfälzer “Gänse-Doku-Splatters”, dadurch bereits über 3500 Male angesehen wurde, freut ihn natürlich.
2002 gab es im Kunstverein Graz eine Werkschau von Klaus Schreier. Das ist immerhin schon fast zehn Jahre her. Da könnte doch langsam mal eine überarbeiten Neuauflage an der Reihe sein.

offizielle Projektionen:

2000 Meine 10jährige Angst - Regionalfenster Regensburger Kurzfilmwoche
2001 Usher - Regionalfenster Regensburger Kurzfilmwoche
2002 eMotion1 - Regionalfenster Regensburger Kurzfilmwoche
2002 Atack of the mutant plastic Bags“ - Regionalfenster Regensburger Kurzfilmwoche
2002 Werkschau - Kunstverein GRAZ
2004 Wie ein wilder Brem - Bayernfenster Regensburger Kurzfilmwoche
2005 Atack of the mutant plastic Bags - Global Super 8 Day, Basel (CH)
2007 u.A. eMotion, Am Sichelwerk Loop-Installationen beim Offenen Atelier

Alle Filme von Klaus Schreier sind auf youtube zu sehen: www.youtube.com/user/FilmfreundeMetaluna

Alle möglichen Informationen zum Schmalfilm sind hier zu finden: www.filmvorfuehrer.de/forum/13-schmalfilm/

Piranhas gegen Traktoren

10. Juli 2009 ffranc 1 Kommentar

RAM-Vorspiel am 09.07.2009 im Leeren Beutel, Regensburg

Anlässlich der am Samstag, den 18. Juli stattfindenden 11. RAM (Regensburger Alternative Meisterschaft) haben die Organisatoren erneut zu einem kulturellen Warm-Up mit integrierter Gruppenauslosung im Leeren Beutel-Kino geladen. FKK Piranhas-Kapitän und BR-Journalist Thomas Muggenthaler ist es erneut gelungen, ein abwechslungsreiches und interessantes Programm zu präsentieren, das wieder einmal bewies, dass Fußball und Kultur sich nicht ausschließen müssen.

RAM-Vorspiel im Kino Im Leeren Beutel

RAM-Vorspiel im Kino im Leeren Beutel

Den Abend eröffnete Tobias Niklas, Professor für Biblische Theologie an der Universität Regensburg, Fan der TSV 1860 München und Trainer der F2-Jugend beim FC Sinzing, und las seinen Beitrag aus “Fußballgott: Elf Einwürfe”, einem anlässlich der WM 2006 von seinem Uni-Kollegen Andreas Merkt herausgegebenes Buch. Darin haben diverse Theologen sich mit dem Thema Fußball auseinander gesetzt. Niklas betonte, welch besondere Herausforderung darin lag sich, zwar theologisch, jedoch nicht allzu wissenschaftlich, mit der Thematik zu befassen. In seinem Text zum “Titan” Oli Kahn stellt er dessen Schicksal, dem der echten hellenischen Titanen gegenüber und vergleicht den Mythos “gottgleicher” Spieler mit dem antiker Gestalten wie Alexander der Große, Caligula oder Apollonios von Tyana. Während seine Analyse vom Aufstieg und Fall des Nationaltorhüters während der WM 2002 recht gelungen war, schien mir die anschließend dargebrachte Parallele zur Antike die meisten Zuhörer etwas zu überfordern, waren sie doch zum größten Teil Amateurfußballer. Zu Recht jedoch wies er darauf hin, dass die Titanen einst von den Götter gestürzt wurden. Was den Autor in Bezug auf Oliver Kahn wohl immer noch zum Schmunzeln bringt, besonders wenn er über Bayern Münchens 2004er Champions League Viertelfinalespiel gegen Real Madrid berichtet, in dem der Titan brutal versagte.

Anschließend wurden Filme gezeigt. Vier Mal hintereinander konnten wir das erste Tor Des Monats sehen, geschossen 1971 vom legendären Jahn-Spieler Gerd Faltermeier. Gefolgt von zwei Bewerbungsfilmen zur DAM (Deutsche Alternative Meisterschaft) der Mannschaft Traktor Bukowski. Denn für die DAM qualifiziert man sich nicht nur durch fußballerisches Können, sondern durch eine möglichst originelle Bewerbung. Diesem Umstand geschuldet waren auch die vier Werbespots für die FKK Piranhas. Diese kamen Dank prominenter Unterstützung, jodelnde Raith-Schwestern, Gerhard Polt als Papst und der Kabarettist Wolfgang Krebs jeweils in der Rolle von Seehofer und Stoiber, sehr professionell rüber. Traktor Bukowskis Werke hingegen bestachen eher durch dilettantischen Witz und Spielfreude. Während im ersten Film noch unter der schauspielerischen Leitung von Erik Grun in Blue-Screen-Technik vom Traktor aus gekickt wurde, übernahm beim zweiten die Mannschaft selbst die Regie und produzierte eine “Deutschland - Ein Sommermärchen“-Parodie. Hierzu wurde unter anderem in den Katakomben des Bezirksklinikums, im Jahnstadion, im RVV-Bus und auf dem Balkon des Thon-Dittmer-Palais zum Haidplatz hin gedreht. Eine klasse Leistung, die auch bei der Regensburger Kurzfilmwoche neben den Filmen der Drei Raketen locker bestehen könnte. Von eben jenen Drei Raketen aka Rudi Wilhelm aus Kemnath am Buchberg, dem zweimaligen Gewinner der Kurzfilmwoche, stammen die letzten vier Filme vor der Pause. Darunter der Siegerfilm “Kracher 1” und ihre Interpretation des legendären Wembley-Tores.

Nach der Pause wurden die Gruppen für das kommende Turnier ausgelost. Danach konnte man drei Kurzfilme aus der Short Kicks-Compilation von der Kurzfilmagentur Hamburg sehen. Inzwischen scheint, besonders bei Kurzfilmern, der Fußballfilm weltweit ein eigenes Genre geworden zu sein.

Anschließend las Schwafi alias Klaus Schwarzfischer Szenen aus seinem Roman “Der Verein, der Metzger und der Tod”. Diesmal ohne Begleitband und ohne Blut im Gesicht, ganz zivil also. Wie im Titel bereits treffend beschrieben geht es darin hauptsächlich um einen Verein, die SpVgg Randsperg, das Metzgern an sich - nicht nur von Nutzvieh, sondern vor allem von Menschen - und folglich nach so viel Splatter auch um Tote. An diesem Abend beschränkte sich der Autor hauptsächlich um ersteres. Seine Beschreibung der Bemühungen eines Provinzvereins auch mal ganz Oben mitspielen zu wollen, waren genauso real wie der süd-nördlich von Regensburg gelegene Ort Randsperg, jedoch so realistisch und echt wie Roding oder Ramspau. Die Figuren rund um die Spielvereinigung kennt jeder, der hier lebt oder aufgewachsen ist. Der Präsident mit viel Vitamin B und wenig Hirnschmalz, der dubiose Geldgeber aus dem Rotlichtmilieu oder der Immobilienwirtschaft und der schrullige introvertierte Kassier. Auch Wick, der Redakteur der Lokalzeitung, der sich viel lieber als Poeten sehen würde, ist ein sehr treffend gezeichneter Charakter. Das, von Wick anlässlich einer in der Grünabfallsammelstelle gefundenen Leiche eines unliebsamen Schiedsrichters, verfasste lyrische Ode an den Unparteiischen war mit Sicherheit der Höhepunkt von Schwafis Lesung.

Zum Abschluss musste Moderator Muggenthaler den Traktorfilm der Bukowskis auf Drängen der zahlreich anwesenden Nicht-Piranhas-Anhänger erneut zeigen, und zwar in der ungekürzten Fassung. Darin werden in einem Art Prolog, drei im Dreck liegende Piranha-Spieler von einem Traktor überrollt. Hoffentlich geht’s bei der diesjährigen RAM friedlicher zu.

Die RAM 2009 findet übrigens am Samstag, den 18. Juli in der städtischen Sportanlage Am Weinweg statt. Zuschauer sind herzlich willkommen.