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Artikel Tagged ‘LohrBär-Verlag’

Hofer, Müller, Walser - Der Gehülfe

27. Dezember 2015 lweser Keine Kommentare

Hörbuch-Tipp: Der Gehülfe von Robert Walser gelesen von Martin Hofer und Heinz Müller; Lohrbärverlag

Alle Jahre wieder beschert uns der Regensburger Lohbärverlag mit Kleinoden in Sachen Hörkunst. Nachdem er in den letzten drei Jahren WeltschriftstellerInnen mit bayerischen (bzw. bayrtisch-böhmischen) Wurzeln wie Marieluise Fleißer, Lena Christ und Otfried Preußler gewidmed hat, fiel die Auswahl in diesem Jahr auf den Schweizer Autor Robert Walser, der großen Kreisen noch immer eher wenig bekannt ist.
Gelesen wird der Roman von den beiden regensburger Schauspielerkollegen schweizer Herkunft Martin Hofer und Heinz Müller.

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Der Gehülfe

von Robert Walser

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Gekürzte szenische Lesung
Sprecher: Martin Hofer, Heinz Müller
Musik: Robert Schumann – gespielt von Till Barmeyer
2 CDs, 155 min, 17,90 €
LohrBär-Verlag

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Mehlreisende Frieda Geier - ein Hörbuch über Dominanz, Abhängigkeit, Diskriminierung und Bevormundung

15. November 2011 lweser Keine Kommentare

Hörbuch-Tipp: Eine Zierde für den Verein. Roman von Rauchen, Sporteln, Lieben und Verkaufen von Marieluise Fleißer, gelesen von Eva Sixt, Musik von Norbert Vollath, Lohrbärverlag

Marieluise Fleißer wurde am 23. November 1901 in Ingolstadt als Tochter eines Eisenwarenhändlers geboren. Sie wurde im Klosterinternat in Gnadenthal, später bei den „Englischen Fräulein“ in Regenburg erzogen. In München studierte sie Germanistik. Zeitlebens verband sie ein sehr zwiespältiges Verhältnis zu ihrer Heimatstadt. Doch mehr als unter Ort ihrer Herkunft müsste sie unter den sie umgebenden und sie vereinnahmenden Männern gelitten haben. Ihr erster Mentor, Lion Feuchtwanger (der sie sogar dazu brachte, alles bis dahin Geschriebene zu vernichten) bevormundete sie während ihrer Zeit München ebenso, wie später Brecht oder ihr Lebensgefährte in Berlin und ihr Ehemann in Ingolstadt. Sie wurde von Brecht, mit dem sie auch eine Liebesbeziehung verband, protegiert und gleichzeitig ausgenutzt. Ihr Theaterstück Fegefeuer in Ingolstadt wurde 1926 unter Brechts Vermittlung an der Jungen Bühne uraufgeführt. Das Nachfolgestück Pioniere in Ingolstadt, führte Brecht selbst 1929 (nachdem es 1928 in Dresden durchfiel) am Theater am Schiffbauerdamm auf. Es kam zum Skandal und brachte die Ingolstädter aufgrund seiner drastischen Schilderung des Provinzalltags, gegen Fleißer auf. Brecht hatte das Stück eigenmächtig radikalisiert. Es kam zum Bruch mit Brecht. Sie lebte, reiste, schrieb und stritt drei Jahre mit dem äußerst schwierigen Egozentriker Hellmut Draws-Tychsen. 1932 kehrt sie nach Ingolstadt zurück. Ihr Jugendfreund und Ex-Verlobter Bepp Haindl wurde ihr Ankerpunkt im kleinbürgerlichen Milieus Ingolstadts. Als seine Tabak- und Spirituosenhändlersgattin wurde sie aufs Heimchen reduziert. Literarisch war sie nicht mehr aktiv. Die Nazi-Zeit überstand sie weitgehend unbehelligt.
Erst spät wurde sie wieder entdeckt. Brecht brachte ihr Nachkriegsstück Der starke Stamm auf die Bühne. Rainer Werner Fassbinder verfilmte 1971 Pioniere in Ingolstadt und sorgte damit für eine Wiederentdeckung. Anfangs verweigerte Marieluise Fleißer ihr Einverständnis zur Verfilmung, an die schlechten Erfahrungen mit Brecht denkend, wurde aber von den jungen Filmemachern überzeugt und daraufhin sogar zur großen Fürsprecherin und Mentorin einer neuen Generation und des neuen deutschen Films. Marieluise Fleißer starb 1974 in Ingolstadt.

Ihr einziger Roman Mehlreisende Frieda Geier (1931 erschienen) verdankt seine Wiederauflage 1972 – von Fleißer leicht überarbeitet und unter dem Titel Eine Zierde für den Verein – unter anderem auch Rainer Werner Fassbinder. Er bewirkte gemeinsam mit Franz Xaver Kroetz und Martin Sperr eine Gesamtausgabe beim Suhrkamp-Verlag.
Dieter Lohr wiederum sorgte 2011 für eine Hörbuchausgabe des Romans um jene Frieda Geier, die als selbstständige Vertreterin für ihren eigenen Lebensunterhalt und den ihrer Schwester Linchen sorgt, welche in einem höheren, katholischen Mädcheninternat (unter Zuständen wie Jane Eyre in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts) aufwächst. Gustl Gillich, ein Zigarrenladenbesitzersohn (!) ist Friedas Verlobter. Frieda, die für die damalige Zeit eine eigenständige und selbstbewusste Frau ist, lässt sich jedoch nicht von ihm vereinnahmen und löst die Verbindung, womit sie ihn in seinem selbstverständlichen, männlichen Überlegenheitsgefühl zutiefst kränkt. Leider nutzt Friedas Aufopferung, um ihrer Schwester ein besseres Leben zu ermöglichen, nicht. Sie wollte diese vor der Welt schützen, hat ihr damit aber auch alle Möglichkeiten sich gegen diese zu wehren entzogen. Weltfremd erzogen, mit aufoktroyiertem Schuldgefühl und übertriebener Demut, ohne das Selbstbewusstsein Friedas, muss sie bei ihrem ersten Kontakt mit dieser Welt zu Grunde gehen. Die Beziehung von Frieda und Gustl, sowie die Figur des Gustl beruht teilweise auf Bepp Haindl und Fleißers Beziehung zu ihm.

Titel (der sich auf Gustl bezieht) und Untertitel finden keinem Halt im stark gekürzten Text und suggerieren eine glücklicherweise nicht vorhandene Belanglosigkeit oder auch Leichtigkeit. Vielleicht wäre der ursprüngliche Titel (allerdings ohne den Titelzusatz) treffender und origineller gewesen. Frieda ist unzweifelhaft die Hauptfigur des Hörbuchs. Ihr Streben nach Unabhängigkeit, für Frauen heute eine Selbstverständlichkeit, war ein harter, ständiger Kampf. Das Hörbuch vermittelt uns eine Zeit, in der Frauen (trotz Wahlrecht und Zugang zu Universitäten) kaum Rechte und Chancen hatten. Das zentrale Thema ist das alltägliche Netz von Abhängigkeiten, in dem sich sowohl die unverheiratete, wie die verheiratete Frau befand. Ergreifend und erschütternd wirken diese fast beiläufigen Alltagsschilderungen. Den ZuhörerInnen wird bewusst, dass das alles gar nicht so entfernt ist, bedenkt man, dass z.B. im Kanton Appenzell-Innerrhoden erst 1990 das Komunalwahlrecht für Frauen eingeführt wurde oder Vergewaltigung in der Ehe in Deutschland erst seit 1997 strafbar ist. Neben der emanzipatorischen, bietet der Text auch einer biographische Interpretation viel Nahrung.

Gelesen wird der Roman mit dezentem bairischen Einschlag von Eva Sixt, die auch die Textauswahl vornahm. Musikalisch begleitet sie Norbert Vollath. Das Hörbuch befindet sich auf Platz 3 der HR2-Besten-Liste.
Die Vorstellung des Hörbuchs mit Eva Sixt und Norbert Vollath findet am Freitag, den 18. November 2011 um 20.00 Uhr in der Stadtbücherei Regensburg statt.

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Eine Zierde für den Verein.
Roman von Rauchen, Sporteln, Lieben und Verkaufen

von Marie Luise Fleißer.

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Gekürzte Lesung von Eva Sixt
mit Musik von Norbert Vollath
2 CDs, 120 min, 17,90 €
LohrBär-Verlag

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Regensburg Sammelsurium, Kurzfilmwoche und Blink And Remove

1. November 2011 lweser Keine Kommentare

Es ist endlich November, der Nebel hängt schwer über das mittelalterliche Gemäur unserer Stadt, das Laub ist bunt, ob am Boden oder gerade noch an den Bäumen. Es ist Herbst und Allerheiligen. Und der Allerheilgste hat uns kürzlich einer waschechten regensburger Institution beraubt, hat Michael Hinz aka Punker-Mike zu sich geholt, um Beastie-Boys-Lyrics mit Ihm zu analysieren. Farewell Mike.

Ebenjener taucht auch in einer neuen Publikation auf, auf Seite 92. In Das Lustige und interessante Regensburg Sammelsurium - Geheimnisse, Kuriositäten, Wissenswertes für Regensburger und alle anderen! von Philipp Starzinger taucht Punker-Mike zwischen den Schlagwörtern “Pflaster” und “Patronen der Stadt” auf (gemeint sind selbstverständlich die Schutzheiligen und nicht irgendwelches Arsenal). Philipp Starzinger hat während der letzten drei Jahre fleißig Anekdoten und Kuriositäten zu Regensburg gesammelt und nun in einem hübsch illustrierten und aufgemachten Buch im Eigenverlag veröffentlicht. Alphabetisch geordnet von A (wie AC/DC) bis Z (wie Zwerge) findet sich viel Wissenswertes, Seltsames, Amüsantes und überflüssiges Wissen, das vor allem Einheimischen, sowohl vergessene Erinnerungen wieder hervorholen, als auch mit Unbekanntem überraschen wird. Für Auswertige ist es eine wirklich schöne Aufstellung dessen, was Regensburg außerhalb der Marketingprospekte und neben Altstadt, Dom und Steinerner Brücke ausmacht.
Das Regensburg Sammelsurium wird am 29. November im Brandl-Bräu vorgestellt. Das Buch kann aber jetzt schon zum Subskriptionspreis von 12,95 € incl. Versand vorbestellt werden unter:
www.phista.de

apopos Buchvorstellung, es gibt auch bald wieder eine Hörbuchvorstellung aus DEM Hörbuchverlag unserer Stadt: der Lohrbär-Verlag ist nach seiner Nominierung 2009 zum Deutschen Hörbuchpreis für den Fahrradspeichenfabrikkomplex auch heuer wieder in den Top-Rankings für Hörspiele zu finden. Seine aktuelle Produktion, Marieluise Fleißers Eine Zierde für den Verein, belegt im November Platz 3 der Bestenliste von hr2 Kultur, knapp hinter Josef Bierbichler und Judith Schalansky.
Das Hörbuch Eine Zierde für den Verein wird am Freitag, den 18. November um 20.00 Uhr in der Stadtbücherei am Haidplatz vorgestellt. Es liest Eva Sixt und die Musik von Norbert Vollath spielt dazu.
www.lohrbaerverlag.de

Des Weiteren vermeldet die Regensburger Kurzfilmwoche die Verlängerung der Einreichungsfrist für Beiträge aus dem Regionalfenster. Wer also scharf ist auf einen der drei möglichen Preise in Höhe von 500 bis 1500 Euro, oder einfach nur sein Werk im Kino bewundern will, möge bis 25. November einen Film bei der Regensburger Kurzfilmwoche einreichen.
www.regensburger-kurzfilmwoche.de

Und zu guter Letzt noch einen Fernseh-Tip: Am Freitag, den 04. November ab 00.30 Uhr (ist eigentlich schon Samstag) sendet BR-Alpha in seiner Reihe Phase 3 | video.kunst.zeit einen Special über das Harry Klein in München. Mit dabei das regensburger VJ-Duo Blink And Remove.
www.br.de | blinkandremove.net

Lohrbuchpräsentation heute im Goldenen Fass

11. November 2010 lweser Keine Kommentare

Hörbuch: “Wie eine Ratte nagt am Putz die Zeit. Literatur aus Mähren.”

Nach der Hörbuchanthologie Das Leben ist zum Verrücktwerden schön. Böhmische Geschichte literarisch herausgegeben von Arthur Schnabl aus dem Jahr 2007, erscheint jetzt eine weitere Anthologie mit Literatur aus und über eine tschechische Region, diesmal aus Mähren. Wieder wurde sie von Arthur Schnabl zusammengestellt und herausgegeben, wieder erscheint sie im Regensburger Lohrbär-Verlag.

Mähren, der kleine Bruder Böhmens, wird oft übersehen. Dabei stammen nicht wenige berühmte Persönlichkeiten aus dem östlichen Drittel der tschechischen Republik. Kürzlich gab es zu diesem Thema auch eine Ausstellung in der Universitätsbibliothek Regensburg. Ferdinand Porsche und Sigmund Freund, sowie der Pionier der Vererbungslehre, der Augustinermönch Gregor Mendel stammen aus Mähren. Doch von ihnen gibt es keine Texte auf diesem “Sampler”. Und auch nicht von Milan Kundera, der wohl nicht wollte. Dafür können wir Texte von Marie von Ebner Eschenbach, die in Mähren geboren wurde, hören, von Robert Musil, der in Brün aufwuchs, von Peter Härtling, der in Olmütz zur Schule ging, von Jan Skácel, Joseph Roth, Hermann Ungar, Ota Filip, Erica Pedretti, Jiri Krachtovil und Rainer Kunze.

Lenka Hubácková und Arthur Schnabl lesen die Texte. Musikalisch werden sie von Sepp Frank mit Akkordeon und Bass unterstützt.

maehrenlohrHeute, Donnerstag, den 11. November 2010 um 20.00 Uhr wird im Goldenes Fass (Spiegelgasse) in Regensburg das Hörspiel präsentiert. Der Eintritt ist frei.

Wie eine Ratte nagt am Putz die Zeit. Literatur aus Mähren

Arthur Schnabel (Hrg.)

2 CD, 148 min, mit 8-seitigem Booklet

17,90 €

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www.lohrbaerverlag.de | www.goldenes-fass-regensburg.de

Regensburger Wirtshausgeschichten

13. Dezember 2009 lweser Keine Kommentare

Regensburger Wirtshausgeschichten. Ein BilderLeseHörbuch von Marita A. Panzer, Karin Holz, Angela Kreuz, Dieter Lohr, Florian Sendtner, illustriert von Tom Meilhammer

In Genuss mit Geschichte stellen die Herausgeber historische Wirtshäuser Bayerns vor. 2006 haben ein paar Regensburger das für Regensburg bereits geleistet - zumindest so ähnlich.
In Regensburger Wirtshausgeschichten stellt die Historikerin Marita A. Panzer acht Regensburger Gasthäuser vor: Auerbräu, Orkan, Colosseum, Augustiner, Kneitinger Keller, Goldenes Kreuz, Zum Walfisch, Brauereigaststätte Röhrl und Brandlbräu. (Die zwei zuletzt genannten wurden auch in Genuss mit Geschichte berücksichtigt.) Vier lokale Autoren (Katrin Holz, Angela Kreuz, Dieter Lohr und Florian Sendtner) fiktionalisierten um diese Gasthäuser, z.T. um überlieferte Begebenheiten, unterhaltsame Geschichten. Diese Geschichten liegen als Hörbuch auf CD dem Buch bei. Der Maler und Ilustrator Tom Meilhammer wählte aus diesen Geschichten einzelne Szenen und illustrierte sie. Diese Zeichnungen nebst der Zitate aus den Geschichten, schmücken zwischen den einzelnen Gasthaus-Porträts das Buch.
Das Buch ist also zu Recht drei in einem: Sachbuch, Hörbuch und Bilderbuch.

Ausführlich stellt Marita A. Panzer die Gashäuser vor und geht auch auf die nicht immer gesicherten, aber überlieferten kleinen Alltagsgeschichten um diese Gasthäuser ein. Das ist auch wichtig, schließlich ranken genau um diese kleinen Überlieferungen die Geschichten des Hörbuchs. Darin geht es immer um die kleinen Leute, den einfachen Gast oder den Wirt. So treffen sich in Traktat der Legendenbildung am Beispiel Regensburg von Dieter Lohr, drei Gäste des Auerbräus und klären den Ursprung und also die Wahrheit des Zusatzes des Gasthaus(es) zum Bär an der Kette. Jeder Regensburger kennt wohl die Legende zu diesem Beinamen. Lohr bietet hier eine mindestens ebenso spannende Alternative - und natürlich im Dialekt. Die Sprecher sind, in allbekannter LohBär-Verlag-Manier wieder eine Mischung aus Laien- und Profi-Sprechern.

Die formatfüllenden Illustrationen von Meilhammer runden das ganze ab. Seine Figuren erinnern an Zille. Die Farben sind dezent gewählt und zumeist auf Beige-, Braun und Weinrot-Töne reduziert. Einige Textbruchstücke in Kurrent (oder Sütterlin) sind in die Zeichnungen eingefügt. Meilhammer ist übrigens auch der Urheber des LohrBären.

Regensburger Wirtshausgeschichten verflicht Geschichte und Geschichten. Das ist informativ und unterhaltsam. Eine schöne und runde Sache.

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Regensburger Wirtshausgeschichten.

Ein BilderLeseHörbuch von Marita A. Panzer,
Karin Holz, Angela Kreuz, Dieter Lohr, Florian
Sendtner, illustriert von Tom Meilhammer

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LohrBär-Verlag
48 Seiten mit 16 Abbildungen und CD
24,80 €

www.lohrbaerverlag.de

Donaureise in die Vergangenheit - Hörbuch

28. August 2009 lweser Keine Kommentare

Eva Demski: Mama Donau

Eva Demskis Reise auf und entlang der Donau ist eine Reise in die Vergangenheit. Auch wenn sie die Gegenwart beschreibt, spiegelt sich darin immer das Vergangene. Sie vergleicht die besuchten Orte mit denen ihrer Erinnerung. Es ist ein sehr persönliches Buch. Sie reist, wenn sie am Ufer der Donau steht an die Orte ihrer Kindheit (wie in Regensburg), oder ihrer frühen Erwachsenenjahre. Als noch junge Journalistin hatte sie bereits Budapest und Bukarest besucht und beschreibt sie nun aus ihrer Erinnerung. Diese Geschichten sind interessant und voll Leben. Es scheint unwahrscheinlich, dass diese Städte heute mehr Charme und Seele besitzen als damals.

Eva Demskis Beschreibungen beginnen in Regensburg, ihrer Geburtsstadt. Dann reist sie zur Donauquelle bei Donaueschingen. Viele kurze Stopps legt sie in Donauorten nahe Regensburg ein: Donauwörth, Neuburg, Weltenburg, die Walhalla in Donaustauf und Straubing. Sogar Kallmünz, obwohl an der Naab und nicht an der Donau gelegen, erhält in dem Kapitel “Ausfüge und Nebenflüsse” eine Würdigung. Dann geht es weiter donauabwärts. In Passau besteigt sie die “Donauprinzessin”, ein Kreuzfahrtschiff. Damit geht es weiter nach Grein, Ypps, Melk, Dürnstein, Wien. Dann werden die Abstände zwischen den Stationen immer größer: es folgen Erinnerungen an Budapest 1977 und an Bukarest 1971.

Eva Demski Sprache ist facettenreich: von poetisch verklärt wenn sie im Vergangen schwelgt bis zum Teil zynisch verbittert wenn sie die Freveleien der Gegenwart beschreibt. Wer mag das nicht verstehen angesichts von Donauausbau, Betonbauten und Obi-Baumärkten in der Puszta. Die Autorin unterfüttert ihre Beschreibungen auch mit politischen, kunst- und kulturgeschichtlichen Informationen. 

Mama Donau gibt es auch als Hörbuch. Eva Demski liest hier selbst und zwar sehr überzeugend mit fester Stimme. Für die eingeflochtenen Zitate zum Beispiel von Georg Britting, Joseph Roth, Helmut Qualtinger, Tibor Déry und Günter Buchheim, erhält sie Unterstützung unter Anderem von Martin Hofer und Peter Heeg. Die Atmosphäre der Erinnerungen und der Charakter der Donau wird durch Pianobegleitung betont. Vor allem Stücke romantischer Komponisten: Schumann und Brahms, aber auch von Haydn und Beethoven, lassen die Donau plätschern, rauschen und tosen.

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Eva Damski: Mama Donau,
LOhrBär-Verlag (2007)
3 Audio-CDs; 19,90 €

WAA Wackersdorf-20 Jahre danach

3. Juli 2009 lweser Keine Kommentare

Angela Kreuz, Dieter Lohr: Der Fahrradspeichenfabrikkomplex

Zugegeben, der Titel der neuesten Produktion aus dem Hause Lohrbär ist zunächst irritierend. Er bezieht sich auf die Aussage von Franz Josef Strauß, dass die geplante Wiederaufbereitungsanlage in der Nähe des Oberpfälzer Ortes Wackersdorf “nicht gefährlicher als eine Fahrradspeichenfarbrik” sei.
1980 ließ Bayern Standorte im Land für eine atomare Wiederaufbereitungsanlage von Kernbrennstäben prüfen. Der bis dahin für ruhig und autoritätshörig gehaltnen Oberpfälzer begehrte auf. Es folgten in den nächsten acht Jahre die bis dato größten Demonstrationen, die größten Polizeieinsätze und das größte Rockkonzert in der Geschichte der Bundesrepublik. Zwanzig Jahre nach dem Aus für die Bauarbeiten (Mai 1989) an dem geplanten Großprojekt haben die Autoren Angela Kreuz und Dieter Lohr Zeitzeugen interviewt und daraus dieses unfangreiche Feature zusammengestellt. Die Herangehensweise ist dabei eher ungewöhnlich. Kein Sprecher führt den Hörer. Die Interviews werden weder eingeleitet noch kommentiert. Jede Aussage steht mehr oder weniger für sich, wird höchstens durch den jeweiligen Kontext oder im Verhältnis zu den Aussagen der Anderen Interviewten “kommentiert“. Es gleicht einer Stimmensammlung. Begründet wird diese Vorgehensweise von den Autoren mit der Unmöglichkeit objektiver Berichterstattung.

Dass der Hörer trotzdem nicht überfordert ist, ist der guten (chronologischen und thematischen) Gliederung geschuldet. Das Feature ist keineswegs ein Hörgenuss für Nebenbei. Es verlangt Eigeninitiative. Unabdingbar ist deshalb die Inhaltsangabe im Begleitheft. Nur dort erfährt man nämlich wer spricht. Und wer alles spricht! Befürworter und Gegner, Journalisten und Juristen, Regional- und Bundes-Politiker, Wissenschaftler und Musiker, Polizisten und Anwohner, Pfarrer und Demonstranten, Hausfrauen und Unternehmer, Schriftsteller und Professoren. Ein paar bekannte Namen gefällig? Bitteschön: Monika Hohlmeier, Harald Grill, Margit Wild, Wolfgang Niedecken, Jutta Ditfurth, Hans Schuierer. 110 Tracks auf zwei CDs mit einer Gesamtlaufzeit von 156 Minuten. Dennoch werden einige Fragen aufgeworfen, die offen bleiben. Der interessierte Hörer muss, wenn er nicht zu den Experten zählt, sich die Antworten weiterführend besorgen.

Ist es eigentlich tatsächlich so, dass für die “Nachgeborenen” alles, was mit dem Kampf um und gegen die WAA Wackersdorf zusammenhängt, ebenso weit entfernt ist wie der 2. Weltkrieg, wie ein Interviewter (Gerhard Götz, ehemaliger Bundesgrenzschutz-Beamter und Foto-Journalist) bemerkte? Vielleicht ist es das. Harald Grill (Schriftsteller) sprach von einem “Lehrstück an Demokratie” und meint vielleicht auch ein Leerstück. Er bemerkt, dass das Ereignis Wackersdorf zeigt, dass es selbst in einer Demokratie für den Staat und große Konzerne genügend Möglichkeiten der Tranksahle am Bürger und letztlich also der Beugung der Demokratie gebe. Rolf Thymi (Journalist) beklagt im nachhinein, dass es keine Aufarbeitung der Wiederaufbereitung gab und gibt. Weder Soziologen, noch Politologen hätten sich damit auseinandergesetzt. um ein Sozigramm der Entwicklung zu liefern und damit zu zeigen wie es nie wieder sein dürfe. Monika Hohlmeier wiederum merkt an, dass letztlich das Problem der atomaren Wiederaufarbeitung nicht gelöst sei. Nur die Verantwortung sei nach außen verlagert wurde.

Das Begleitheft ergänzt die CD und bleibt der Grundidee treu. Auch hier wird weder kommentiert noch erläutert. Die abgebildeten Fotos sind weitere Zeitzeugen.

Fazit: Ein umfangreiches und interessantes Feature, das sowohl als Auffrischung als auch als Einführung in das Thema WAA Wackersdorf geeignet ist.

Der Fahrradspeichenfabrikkomplex

Der Fahrradspeichenfabrikkomplex

Angela Kreuz, Dieter Lohr:
Der Fahrradspeichenfabrikkomplex
Lohrbär-Verlag (2009)
2 Audio CDs, 17,90 €

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Totentanz auf Ozeandampfer

11. Juni 2009 lweser Keine Kommentare

Joseph Berlinger: Hoffnung Havanna. Die Odyssee des Regensburger Kunstradfahrers Simon Oberndorfer

Kennen Sie Simon Oberdorfer? Nein? Die meisten in dem Feature befragten Velodrombesucher, Kassen- und Garderobenservicekräfte auch nicht oder nur schlecht.

Dieses Feature von Joseph Berlinger, das 2003 in der Rubrik Zeit für Bayern von Bayern 2 gesendet wurde, leistet eine gut recherchierte und ansprechend aufbereitete Einführung, nicht nur in das Leben von Simon Oberndorfer und der Geschichte des Regensburger Velodroms, sondern vor allem über die Irrfahrt der St. Louis, einem Ozeandampfer, der 1939 mit 906 jüdischen Flüchtlingen vergeblich auf eine Landegenehmigung wartend vor Havanna ausharrte.

Simon Oberndorfer - Kunstradfahrer, Radfahrlehrer, Varieteedirektor, Großveranstalter, Kinobesitzer und Autohändler. 1897/98 ließ er auf seinem Grundstück am Arnulfsplatz in Regensburg das Velodrom erbauen. Das Velodrom war zuerst als Radfahrvarietee geplant, wurde bald auch zum Großveranstaltungsort und Kino und war Regensburgs erste Stadthalle. Doch Oberndorfer war auch Jude. Er floh 1939 in der Hoffnung auf ein Leben ohne Verfolgung mit der MS St. Louis. Zielhafen: Havanna.

Berlinger hat wirklich gründlich recherchiert. So kommen sämtliche Experten des Bereiches zu Wort: der Simon Oberndorfer-Biograph Günther Schießl. Georg Reinfelder, der zwanzig Jahre über die Hintergründe der Fahrt der MS. St. Louis in der ganzen Welt recherchiert hat. Der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Hans-Dieter Schäfer. Mautner Markhof mit einer Spionagetheorie. Und der Schriftsteller und Journalist Florian Sendtner, der 1992 eine Ausstellung im Velodrom mit dem Titel “Das Boot ist voll” initiiert hat.

Es werden auch Zeitzeugen der damaligen Fahrt befragt und aus Tagebuchaufzeichnung zitiert. Gut die Hälfte der Passagiere hat die Naziherrschaft überlebt. Simon Oberndorfer leider nicht. 1943 wurde er in Narden bei Amsterdam deportiert und im selben Jahr im Vernichtungslager Sobibor getötet. Auch zu Wort kommt Hans Rosengold, der heutige Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Regensburg, der mit einem der letzten Schiffe, die Europa verließen nach Argentinien fliehen konnte.

Dem Regensburger Velodrom wäre beinah das selbe Schicksal beschieden gewesen, wie Simon Oberndorfer. Die Stadt Regensburg hätte es, Immobilienspekulationen wegen, abreissen lassen wollen. Nur durch den jahrelangen Kampf von Günter Schießl und Jacob Kaiser, die um das Velodrom zu retten extra einen Verein gründeten, konnte es vor der Zerstörung bewahrt werden. Zuerst hatte ein Stahlbaufachmann in einer heimlichen Nacht- und Nebelaktion Proben genommen, um die Stabilität der Bausubstanz zu beweisen. Von 1990 - 1996 dauerte der Kampf um die Bevölkerung und schließlich die Stadt zu überzeugen. 1997-98 wurde dann das Velodrom im Auftrag von Oswald Zitselsberger saniert. Heute ist es Spielstätte des Theaters Regensburg. Im Eingangsbereich befindet sich dort eine Gedenktafel für Simon Oberndorfer.

Das Feature wurde im kleinen Regensburger Lohrbär-Verlag herausgegeben. Das passt sehr gut. Schön, dass der Hörer dieses ergreifende und vielschichtige Feature auf CD nachhören kann.

Joseph Berlinger: Hoffnung Havanna

Joseph Berlinger: Hoffnung Havanna

Joseph Berlinger: Hoffnung Havanna.
Lohrbär-Verlag (2007)
1 Audio CD, 14,90 €

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Nettes Ratespiel für Regensburger

28. Mai 2009 lweser Keine Kommentare

Ludwig Bemelmans: Die blaue Donau, Hörspiel, Lohrbär-Verlag

Die Handlung spielt in Regensburg, Ende des 2. Weltkrieges.
Auf einer kleinen Insel in der Donau leben vier Menschen, die dort Rettich anbauen und ein frommes, genügsames Leben, abseits der politischen Geschehnisse, führen.
- Bis Gauleiter Stolz („das Tier mit der menschlichen Stimme„) beschließt, dass dies der Idylle zu viel sei. Durch Intrigen und Tranksahle versucht er dem ein Ende zu bereiten und es gelingt ihm auch - bedingt. Denn auch er muss dabei einige Federn lassen, bis zum Showdown, dem Fliegerangriff der Alliierten.

Das Hörbuch ist ein Who-is-Who der Regensburger Kulturszene (Sogar der Übersetzer hat eine kleine Rolle). Doch was bei kleineren Rollen kaum stört und für den Eingeweihten halbwegs charmante und unterhaltsam sein mag, ist für den, der all die „bunten Hunde“ nicht kennt, doch eher lästig. Zu viele Laien, die versuchen einer Sprecherrolle gerecht zu werden und daran scheitern. Nun, Laienschauspieler bzw. -sprecher müssen aber noch kein Grund für Misserfolg sein (siehe Fassbinder).

Und tatsächlich kann man der kleinen Produktion durchaus etwas abgewinnen.
Zum einem sind nicht alle Sprecher gleich untalentiert. Schließlich gibt es den Erzähler Peter Heeg (Schauspieler!), der doch einiges heraus reißt. Stellvertretend unter den Laien, könnte man Eva Demski (wenngleich vielleicht nicht in der passenden Rolle besetzt) als positive Ausnahme hervorheben und auch Eginhard König hat durchaus einige annehmbare Passagen. Außerdem steht außer Frage, dass das Hörspiel prinzipiell im Dialekt angesiedelt sein sollte. Das verleiht Charme und Authentizität.

Nicht zuletzt profitiert das Hörspiel natürlich von der guten Vorlage, die von Ironie und Satire durchzogen ist und eine treffliche Groteske auf den damaligen Zeitgeist bildet (Bemerkenswert, denn Bemelmans lebte bereits seit 1914 in den USA). Ebenso leistet die Musik der Negerländer einen großen Beitrag zum Gelingen des Hörbuchs. Sie bildet gleichzeitig ethnologische und emotionale Atmosphäre und ist damit tragender Pfosten des Spannungsbogens.

Eine 6-seitige Beilage mit einer Art Vorwort (zum Buch, allerdings und nicht zum Hörspiel), des Übersetzers Florian Sendtner dient als kleine Erhellung der Entstehung der Erzählung. Details über Bemelmans Biographie, seine Verhältnis zu Regensburg, das tatsächliche Regensburg während der Naziherrschaft und die Tatsache dass die Erzählung erst gut 60 Jahre nach ihrer Erscheinung ins Deutsche übersetzt wurde, sind interessante Zusatzinformationen.

Fazit: für Regensburger ein nettes Ratespiel. Auch dem zu empfehlen, der lieber hört als liest, denn das Stück besitzt Qualitäten, die es lohnen sich damit auseinander zusetzen (ob als Buch oder Hörspiel mag jeder selbst entscheiden).

 

Ludwig Bemelmans: Die Blaue Donau

Ludwig Bemelmans: Die Blaue Donau

Ludwig Bemelmans: Die blaue Donau
LohrBär-Verlag
3 Audio CDs für 19,90 Euro

überall im Buchhandel  und direkt beim LohrBär-Verlag
www.lohrbaerverlag.de