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Artikel Tagged ‘Martin Hofer’

Warten auf Godot im Turmtheater

20. April 2011 lweser Keine Kommentare

Samuel Beckett: Warten auf Godot, Turmtheater Regensburg; mit Titus Horst, Martin Hofer, Heinz Müller, Peter Heeg; Inszenierung: Andreas Wiedermann; Kostüme: Bianca Schmid-Hedwig

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Warten auf Godot ist Samuel Beckett bekanntestes Theaterstück. Es ist der Innbegriff des Absurden Theaters und wird synonym dafür genannt. Die beckettsche Reduktion des Spiels, die Nihilierung der Dramaturgie ist ebenso kennzeichnend, wie die Infragestellung von Identität. Entsprechend hat Regisseur Andreas Wiedermann auf ein Bühnenbild verzichtet. Es gibt nur einen Stuhl und einen mit wenigen Kreidestrichen angedeuteten Baum auf der leeren schwarzen Bühne.

Die beiden Tramps Wladimir, genannt Didi (Martin Hofer) und Estragon, genannt Gogo (Titus Horst) leben in den Tag hinein und sind froh, wenn es endlich Abend ist. Gut dass sie wenigstens warten können - auf Jenen der nicht kommt. Oder war doch Pozzo (Peter Heeg) Godot? Pozzo hält Lucky (Heinz Müller) wie einen Sklaven in menschenunwürdigen Bedingungen. Er zehrt ihn an einer Leine und lässt ihn nach Belieben “Denken” oder Tanzen bis dieser zusammenbricht. Bei ihrem zweiten Auftauchen am nächsten Tag ist Lucky taub und Pozzo blind. Sind sie es überhaupt? Ihre Namen stimmen, doch Pozzo behauptet, das erste Mal hier zu sein und sein Leiden, wie das seines Dieners bestünde seit jeher. Didi beginnt an sich zu zweifeln, da auch Gogo fast alle Geschehnisse des Vortages vergessen hat. Wem sind hier die Erinnerungen abhanden gekommen oder durcheinander geraten? Wer ist er selbst? Eine Vergewisserung seiner Existenz erfährt er erst durch den Hütejungen, der ihm ausrichtet, Godot käme heut nicht. Es gibt ihn also. Oder?

Die vier Darsteller überzeugen. Man nimmt ihnen die abgerissenen, seelisch wie optisch verwahrlosten Gestalten ohne zu zögern ab. Martin Hofer überzeichnet seine Figur etwas. Seine Darstellung ähnelt fast einer Karikatur. Der Zuschauer empfindet Sympathie für die zwei Clochards, trotz dessen, dass auch sie zu Tätern werden und den blinden Pozzo verprügeln.

Fäkalien und Religion

7. November 2010 lweser Keine Kommentare

Die Präsidentinnen von Werner Schwab, Premiere am 29.Oktober 2010 im Turmtheater Regensburg

Mit Heinz Müller, Titus Horst und Martin Hofer, Regie: Gisela Maria Schmitz

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Hinter dem Deckmantel der Religion verstecken sich allzu oft menschliche Unzulänglichkeiten. Das wissen wir nicht erst seit den Missbrauchskandalen der letzten Zeit. Der Grazer Autor Werner Schwab (1958-1994) reiht sich in die Riege jener Weggefährten, die literarisch unter dem Begriff “Antiheimatliteratur”, im österreichischen Volksmund als “Nestbeschmutzer” zusammengefasst werden könnte. Ganz im Stile seiner Landsleute Thomas Bernhard, Josef Winkler oder Elfriede Jelinek skelettiert er mit spitzer Feder unter der Oberfläche die menschlichen Abgründe seiner Protagonisten heraus.

Die Präsidentinnen aus dem Jahr 1990 ist das erste der sogenannten “Fäkaliendramen” des jung verstorbenen Autors. Gleichzeitig ist es das meistgespielte seiner sechzehn hinterlassenen Stücke. Das zwanzig Jahre alte Drama wirkt heute bereits antiquiert. Aber wir können uns die Präsidentinnen noch in der Nachbarschaft unserer Eltern oder Großeltern der 60er- bis 80er-Jahre vorstellen. Die eigenartige Rhythmik der Sprache, jene Schwabsche Besonderheit, die er in seinen späteren Dramen weiter perfektionieren sollte, entfalten auch heute noch ihren unwiderstehlichen Sog. Es ist die Mischung aus bayrischem Dialekt und Hochsprache, gepaart mit Wortneuschöpfungen, die jedoch so klingen als seien sie authentisches Sprachmaterial des Dialektes, die die Handlung sofort geographisch und die Figuren sozial verortet.

Schwab selbst wollte seine “Fäkaliendramen” vor allem als Trash verstanden wissen. Die Inszenierung von Gisela Maria Schmitz am Regensburger Turmtheater wird diesem Trash-Charakter mit einem einfachen aber wirkungsvollem Mittel gerecht: die drei Protagonistinnen, die Präsidentinnen wurden kurzerhand mit Männern besetzt. Die drei ehemaligen Schauspieler des Stadttheaters Regensburg Heinz Müller, Martin Hofer und Titus Horst waren im Turmtheater in der letzten Spielzeit bereits in Yasmina Rezas Kunst wiedervereint.
In schwarzen Anzügen mit Metall-Aktenkoffern in den Händen betreten sie die Bühne. Mit wenigen Utensilien (Kittelschürze, Minirock oder Dirndl (Kostüme: Bianca Schmid-Hedwig) werden einfach über die Anzüge gezogen) verwandeln sie sich in Erna, Grete und Mariedl - die drei Putzfrauen, die Präsidentinnen der Toilette. Sie befinden sich in Ernas Wohnung. Das Bühnenbild (Alexandra von Fumetti) ist ebenso reduziert und angedeutet wie die die Kostüme. Neben allerlei Zitaten, befindet sich auch ein Foto von Werner Schwab. Es stellt Hermann dar, Ernas Sohn und Alter Ego Schwabs.

Die Präsidentinnen sitzen an Ernas Küchentisch und reden über die kleinen Widrigkeiten des Lebens. Was wie ein Volksstück beginnt, offenbart kurz darauf bereits seine abgründige Seite. Das vermeintliche Volksstück hält den Finger auch dorthin wo es weh tut und wird zur Groteske. Hermann ist Alkoholiker, weil seine bigotte und geizige Mutter ihn noch immer auf Schritt und Tritt (sogar auf der Toilette) kontrolliert. Die „mannstolle“ Grete ließ jahrelang zu, dass ihr Mann die gemeinsame Tochter missbrauchte, und das geistig zurückgebliebene Mariedl erfährt nur Lustgewinn im handschuhlosen Reinigen von Toilettenabflüssen. Hinter allem vermeidlich Normalem lauert das Grauen und hinter jedem noch so Perversem, verbirgt sich ein zutiefst menschlicher Wunsch nach Liebe und Anerkennung. Nach einem Gläschen Schnaps geben sich die drei Präsidentinnen Tagträumereien hin: Auf einem Volksfest hält Metzger Karl Wottila um Erna an. Der Musiker Freddy macht Grete schöne Augen und bittet sie nach einer Zurechtweisung „rechtschaffend“ um ihre Hand. Mariedl darf bei einer Massenverstopfung alle „Aborte“ ausräumen und findet darin lauter vom Pfarrer für sie versteckte Präsente.

Das Stück bietet den Schauspielern viele Möglichkeiten zur Typenstudie und zur Überzeichnung. Müller, Horst und Hofer lassen sich darauf ein, ohne den großen Holzhammer zu zücken. Sie spielen souverän bis großartig. Bald hat der Zuschauer vergessen, dass es Männer sind, die die Präsidentinnen mimen. Auf der Bühne sind die drei unterprivilegierten Frauen, denen das Leben nichts geschenkt hat, Opfer und Täterinnen zugleich. Das zurückhaltende Bühnenbild und die aufs Wesentliche reduzierte Inszenierung unterstützt die Konzentration auf die Figuren. Die Regensburger Inszenierung verzichtet auf das blutige Ende Schwabs. Mariedl wird nicht abgeschlachtet, nur in Zeitlupentempo durch die Wohnung gejagt.

Prädikat: Unbedingt sehenswert!!!

weitere Termine: 26., 27. und 28. November, sowie 1., 2., 18. und 19. Dezember, jeweils 19.30 Uhr im Turmtheater Regensburg
www.regensburgerturmtheater.de

Tango und Tristesse auf Finnisch

10. Mai 2010 lweser Keine Kommentare

Joseph Berlinger Finnischer Tango mit Martin Hofer und Birgit Otter, Turmtheater, Regensburg

finnischertango2Das Stück Finnischer Tango von Joseph Berlinger wurde mit gleicher Besetzung bereit 2007 im Hesperidengarten mit großem Erfolg aufgeführt. Nun ist die Aufführungssituation eine andere: eine feste, geschlossene Bühne statt wechselnde Spielstätten im Gewächshaus.

Das Stück beginnt mit einer Videoaufzeichnung einer Frau in einer Imbissbude - Christl, die große Liebe von Mika-Matti Akimäki (Martin Hofer), die nach Deutschland zurückgekehrt ist, um besagte Imbissbude zu betreiben. Mika trauert ihr nach, indes sein Alltag sich unaufgeregt Tag für Tag wiederholt. Während die Nachbarin Anne Läthhmäki (Birgit Otter) Akkordeon spielt und Blumen gießt, arbeitet Mika in einer Streichholz-Farbrik. Wenn der daheim ist schaut er finnisches Fernsehen oder spricht Christl auf die Mailbox. Nur manchmal schaut Anne vorbei.

Die ersten Bilder die wir von Mika auf der Bühne sehen sind durchaus schräg und fesselnd. Kostüme und Ausstattung (Katharina Dobner) sind sämtlich in Blau-Rot gehalten. Mika sitzt an einem 50er Jahre Kindertisch auf einem Kinderstuhl und testet Streichhölzer. Wenn ein Signal ertönt steht er auf, setzt seine Mütze auf, nimmt den Hammer und geht einen exakt vorgeschriebenen Weg. Dann lässt er ein 50er Jahre Papp-Miniatur-Auto an einer Wäscheleine fahren. An jeder dieser Stellen ist eine Wodkaflasche versteckt, von der er jedes Mal trinkt. Er tut das, wie seine Arbeit mit exakt den gleichen monotonen Bewegungsabläufen.  Echten Dialoge gibt es nicht. Entweder hört Mika seine Mailbox ab, dann sind Christls Nachrichten zu hören oder er spricht ihr auf die Box. Zwischen Mika und Anne fällt immer nur ein und der selbe Satz, der Titel eines deutschen Tangos: “Man kann sich beim Tanzen wunderbare Dinge sagen“. Dafür gibt es, wie der Titel verspricht, jede Menge finnischen Tango - live und vom Plattenspieler. Vordergründig mögen diese Klischees gepaart mit Skurrilität und Wiederholung durchaus die finnische Seele widerspiegeln. Auch mögen diese stimmungsvollen Bilder es schaffen den Zuschauer gut 20 Minuten zu fesseln - doch eben nicht 60 Minuten. Und genau das ist das Problem des ersten Aktes. Das handlungsarme Stück lebt vor allem von den Bildern. Doch die erschöpfen sich nach einer gewissen Zeit. Was Kaurismäki in seinen Filmen gelingt, schafft Berlinger auf der Bühne nicht unterhaltsam zu vermitteln. Der erste Teil benötigt entweder mehr Handlung oder weitere ausgefallenen Bildern. Sonst geschieht genau das, was leider im Turmtheater passiert ist: einige der Zuschauer verschwinden nach der Pause. Der zweite Teil hatte dann durchaus mehr Tempo. So gibt Martin Hofer genial Giovanni Trappatoni auf einer Pressekonferenz. Trappatoni ist der neue Trainer von Mikas Lieblingsmannschaft Klubi 04 Helsinki, die desaströs 0:7 gegen Bayer Leverkusen verloren hat. In seinem vertrauten Italienisch-Deutsch-Kauderwelsch zeigt Trappatoni im Interview die Parallelen zwischen Finnischem Fußball und finnischem Tango auf, sowie die Unterschiede zwischen letzterem und argentinischem Tango. Die Essenz des Stückes!

Letztlich hätte ein wenig mehr Bewegung das Stück retten können. Hofer und Otter überzeugen durchaus. Wunderbar ist sowohl ihr Finnisch, als auch ihr Deutsch mit finnischem Akzent. Das Potential der starken Bilder wird leider durch die endlose Wiederholung verschenkt. Also: ersten Teil straffen und Pause weglassen oder um es mit M.A. Numminen zu sagen: ein bisschen mehr Yes Sir, ich kann Boogie als Mit meiner Braut im Parlamentspark.

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Weitere Termine: Termine: So. 16.5./ Fr. 21.5./ So. 20.6. / Mo. 21.6.2010
Beginn 20.00 Uhr Eintritt: 15 Euro
www.regensburgerturmtheater.de

Kleine Eheverbrechen

13. Januar 2010 lweser Keine Kommentare

Eric Emmanuel Schmitt: Kleine Eheverbrechen mit Adele Neuhauser und Martin Hofer im Turmtheater Regensburg

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Die Gastdarsteller im Turmtheater scheinen neuerdings nach ihrer Präsenz im ARD-Tatort ausgesucht zu werden. Nachdem Titus Horst im Turmtheater in Kunst von Yasmina Reza zu sehen war, wurde am 13. Dezember 2009 der Münchner Tatort Wir sind die Guten ausgestrahlt, in dem Horst den Gerichtsmediziner spielte. Kurz vor der Premiere von Kleine Eheverbrechen von Eric Emmanuel Schmitt mit Adele Neuhauser im Turmtheater,  war sie im Frankfurter Tatort Weil sie böse sind ( 3. Januar 2010) zu sehen. Aber Horst und Neuhauser haben außer dem zeitnah zur Aufführung ausgestrahlten Tatort, noch etwas anderes gemeinsam: beide gehörten dem Ensemble des Regensburger Theaters an und waren somit Schauspieler-Kollegen voneinander und von Martin Hofer, der seit ca. einem dreiviertel Jahr das Turmtheaters betreibt. Adele Neuhauser war der Star des Regensburger Theaters. Vielen ist sie noch aus legendären Rollen wie dem Mephisto (in Goethes Faust), der Medea (in Euripides gleichnamigen Stück) oder der Maria Callas (in Meisterklasse) bekannt. Seit sie Regensburg ca. im Jahr 2002 verlassen hat, arbeitet sie vor Allem fürs Fernsehen. Das Faustisch-Mephistophelische Duo Hofer-Neuhauser gab es in Regensburg immer mal wieder zu sehen (z.B. bei von der Buchhandlung Dombrowski initiierten Lesungen). Nun sind beide endlich auch wieder auf der Theaterbühne vereint.
Das Zwei-Personen Stück von Eric Emmanuel Schmitt aus dem Jahre 2003 (deutschsprachige Erstaufführung 2004 ) hat eigentlich alle Eigenschaften, die einen abwechslungsreichen und spannenden Abend versprechen: Es vereint Komödie, Tragödie und Kriminalstück.
Eine Frau bringt ihren Mann, der unter Amnesie leidet nach seinem zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt in die gemeinsame Wohnung. Es ist wie das erste Mal. Beide wirken steif und verkrampft. Er siezt sie. Sie lernen einander vorsichtig kennen. Oder doch nicht? Dass etwas nicht stimmt, wird schnell klar. Wer manipuliert hier wen? An dem Buch “Kleine Eheverbrechen”, dass er geschrieben hat und für sein bestes hält, dass sie aber hasst, facht ein alter Streit neu auf.
„Jedes Ehepaar ist ein Mörderpaar, das sich gegenseitig zu ermorden sucht“ ist die Grundthese des Buches und des Stückes. Bald wird klar, dass diese These weder ironisch, noch metaphorisch gemeint ist. Die sehr konstruierte Verstrickung aus Liebe, Abhängigkeit, Mordversuchen und Lüge, die nach und nach aufgedeckt werden, sind effektiv. Allerdings schlägt Schmitt im Laufe seines Stück zunehmend mit Binsenweisheiten a la Grönemeyers Song Männer um sich. So versteiften die Dialoge immer mehr. Ohne die zwei hervorragenden Schauspieler, würde der Einakter wohl zur Farce verkommen. Hofer und Neuhauser mimen das Paar Sobiri in allen Nuancen: zurückhaltend, leidenschaftlich, verzweifelt und abgründig. Die Inszenierung bleibt, abgesehen von einigen Kürzungen, streng am Text.

Die Premiere am Freitag war nicht nur ausverkauft, sondern es mussten sogar zusatz-betuhlt werden. Die Darsteller erhielten tosenden Applaus und Bravo-Rufe. Sämtliche Vorstellungen von Kleine Eheverbrechen waren bereits vor dem Start ausverkauft. Regensburg vergisst seine Stars eben nicht. Schön, dass Adele Neuhauser Regensburg auch nicht vergessen hat.

Kleine Eheverbrechen von Eric Emmanuel Schmitt
mit Martin Hofer und Adele Neuhauser im Turmtheater, Regensburg
Weitere Termine (ausverkauft): 13.15.16.17.18.19.20.21.22.23. Januar, jeweils: 19.30 Uhr, Eintritt: 15,00 €. Wegen der großen Nachfrage gibt es Zusatztermine vom 3. bis 8.April. Die Reservierung läuft. telefonisch unter: 0941 - 56 22 33 ( 10.00 Uhr - 14.00 Uhr ) oder im Tourist Büro / Altes Rathaus

www.regensburgerturmtheater.de

Kunst im Turmtheater

23. November 2009 lweser Keine Kommentare

Yasmina Reza: „Kunst“, Turmtheater Regensburg

Vor über acht Jahren wurde Yasmina Rezas „Kunst“ bereits am Theater Regensburg aufgeführt. Die Regie führte damals Michael Bleiziffer. In den Rollen: Michael Heuberger, Titus Horst und Martin Hofer.
Nun, da Martin Hofer sein eigenes Theater hat, darf er auch selbst inszenieren. Und natürlich spielt er wieder Marc, den Zyniker unter den drei Freunden. Titus Horst (mittlerweile wie Hofer und Müller freier Schauspieler, nur meist nicht in Regensburg) spielt Serge, den Kunstliebhaber. Heinz Müller mimt den Yvan, den gutmütigen Schlichter.

Kunst“ ist ein Stück über Freundschaft, nicht über Kunst. Das Kunstwerk, ein weißes Bild mit weißen Streifen, für 50.000 €, ist nur ein Motiv. Es ist austauschbar. Auf Grund der unterschiedlichen Einstellungen der drei Freunde zu diesem Bild, offenbaren sich deren Charaktere und werden ihre Positionen in ihrer Freundschaft verortet. Jeder der Freunde hat in seiner Wohnung ein Bild (die Handlung spielt abwechselnd in Serge, Ivans und Marcs Wohnung), durch welches er charakterisiert wird. Das spartanische Bühnenbild, nur weiße Wände und das jeweilige Bild wurde von Reza in den Regieanweisungen bestimmt.
Irgendwann merkt man dem Stück an, dass es von einer Frau geschrieben wurde. Soviel reden Männer nicht über ihre Beziehung zueinander. Über Frauen ja, über Kunstwerke auch. Und das würde auch genügen. Der Zuschauer hat verstanden. Es wäre nicht nötig gewesen die Freundschaftsprobleme mit allen Entfremdungen, Emanzipationsstreben und Eifersüchteleien auch noch direkt anzusprechen. Reza hätte getrost auf die Kraft ihrer Motive vertrauen können.

Die drei Darsteller, Titus Horst, Heinz Müller und Martin Hofer, die auch für die Inszenierung verantwortlich zeichnen, werden  dem komödiantischen, wie den psychodramatischen Charakter des Stückes gleichermaßen gerecht. Der intime Raum des Turmtheaters (die Grenzen zwischen Bühne und Zuschauerraum sind wieder fließend), lassen das Publikum die Schauspieler hautnah erleben. (Man sieht sogar die Schweißtropfen auf Hofers Gesicht.) Vor allem die psychisch entblösenden Szenen entfalten so ihre volle Wirkung. So nah ist das Publikum dem Geschehen auf der Bühne selten. Das ist eindringlich und beeindruckend.

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Yasmina Rezas „Kunst“ mit Martin Hofer, Titus Horst und Heinz Müller läuft im Turmtheater Regensburg. Die Termine finden sie unter: www.regensburgerturmtheater.de

Von großen und von kleinen Leuten

21. Juli 2009 lweser Keine Kommentare

Joseph Berglinger: Napoleon in Alteglofsheim. Napoleon Schloss Festspiele, Alteglofsheim 17. - 26. Juli 2009

Titel

2. Chevauléger-Regiment Thurn & Taxis

Schloss Alteglofsheim beherbergte am 22. April 1809 einen weltberühmten und gefürchteten Mann: Napoleon. Er verbrachte nach der Schlacht von Eggmühl und vor der Schlacht um Regensburg eine Nacht dort.

Das Kulturforum des Schlosses nahm die 200ste Jährung des Ereignisses zum Anlass um ein Theaterstück zum Thema in Auftrag zu geben. Der Regensburger Schriftsteller und Regisseur Joseph Berlinger wurde mit der Aufgabe des Schreibens und der Inszenierung betraut.

Zwar basiert das Stück auf ein historisches Ereignis mit der historische Figur Napoleons als Protagonisten. Dennoch ist es ein Stück über die kleinen Leute, über die einfache Land-Bevölkerung. Vor allem die Frauen, sind die eigentlichen Helden des Stückes. Berlinger fragt nach dem, was am Rande des historisch überlieferten Ereignisses geschehen sein könnte. Während die Bevölkerung unter Plünderungen und Brandschatzungen, zuerst der Österreichischen und dann der Napoleonischen Truppen leidet, bemühen sich zwei Mägde um die Gunst des großen Feldherren.

Berlingers Szenen wirken assoziativ und stark visuell. Passend dazu nennt er die einzelnen Akte des Stückes „Bilder”.

Im sogenannten Zwergerlgarten des Schlosses spielt das erste Bild. Hier erhält der Zuschauer einen Einblick in das geschundene Dorf Alteglofsheim. Sowohl in den Nischen entlang der Mauern, als auch im Zentrum des Gartens finden zeitgleich die Spielszenen statt. Der Besucher kann beim Durchstreifen des Gartens nach eigenen Gutdünken Reihenfolge und Verweildauer bestimmen. Er kann einen Blick in die Baderstube werfen, in der akkord-amputiert wird, den Frauen des Dorfes zusehen, wie sie über das weitere Verfahren mit einem gefangenen Österreichischen Soldaten diskutieren, während die Napoleonischen Reiter Einlass ins Schloss begehren. Überall stolpert man über Verwundete, Flüchtlinge und verwaiste Kindern.

Auch auf dem Weg zur Spielstätte des zweiten Bildes begegnen dem Zuschauer Menschen des Dorfes und ein berittenes Flügelwesens aus einer anderen Welt.

Frauensturm und Bürgermeister

Frauensturm und Bürgermeister

Die Spielstätte des zweiten Aktes gleicht einem kleinen Amphitheater im Garten. Hier treffen verschieden Menschen aufeinander. Die Weiler Simone (hervorragend gespielt von Eva Sixt) ist jene Magd, welche mit einem Lied Napoleons Aufmerksamkeit erlangen will. Der Frauenthaler Georg (Rainer Sporer) begleitet sie an der Quetschen. Wer hier wen schikaniert bleibt offen.  Ihre Konkurrentin, die Danzer Maria (Ruth Wahl) wittert ihre Chance. Es wird gezankt und gezickt und schließlich eine Wette geschlossen. Die Danzerin scheint sich mit einem österreichischen Attentäter (Hans Steinberger) verbunden zu haben, der Napoleon nach dem Leben trachtet. Auch der „Frauensturm“ aus dem ersten Bild hat wieder einige sehr gut inszenierte Einsätze. Und endlich tritt auch Napoleon (Martin Hofer) auf. Bei einem Spaziergang durch den Garten begegnet er dem Bürgermeister und Bader (Josef Ettl) der sich soeben in napoleonischen Gesten übt. Nachdem Napoleon seine Kavalleristen empfangen hat und den ihm lästigen Bürgermeister hinfortgeschickt hat, widmet er sich der Schlachtplanung. Hier betritt nun das bereits erwähnte Fabelwesen die Szenerie: eine Stelzenfrau (Lene Husch) in schwarzen Tüll, die Napoleons Eingebungen zu sein scheint. Dem Programmheft entnimmt man, dass sie die Kriegsgöttin darstellen soll. Ein äußerst effektvolles und optisch sehr ansprechendes Motiv. Martin Hofer ist einer der wenigen professionelle Schauspieler in dem Stück. Als Napoleon muss er durchgehend französisch sprechen. Als gebürtiger Schweizer meistert er dies natürlich mit Bravour. Doch auch wenn er nicht spricht, erkennt man in ihm den routinierten Profi. Den Rest leisten, zum Teil sehr überzeugend, Laienschauspieler der Alteglofsheimer und Tahlmassinger Theatergruppe. Sie geben auch ein bairisches Volkslied zum Besten. Das Stück ist weitestgehend im Dialekt angesiedelt. Das verleiht sowohl Authentizität, als auch Charme und ist eine absolute Bereicherung für das Stück.

Die ersten zwei Bilder waren durchgehend sehr atmosphärisch und beeindruckend inszeniert.

Napoleon

Napoleon (Martin Hofer) vom Geist des Krieges (Lene Husch) beflügelt

Nach der Pause fällt das Stück leider, vor allem dramaturgisch, aber auch inszenatorisch, ab. Berlinger trägt einfach ein bisschen zu dick auf. Das dritte Bild spielt vor der östlichen Fassade des Schlosses. Die eingeblendete Videoaufnahme einer nachgestellten Kampfschlacht zerstört Atmosphäre, statt zu schaffen und ist zudem zum Handlungsverständnis völlig überflüssig. Die Wahrsagerszene wirkt ebenfalls sehr aufgesetzt und plakativ. Geschuldet ist das sowohl dem Inhalt, als auch der Musikuntermalung und der elektronische Verstärkung. Die Live-Musik des vierköpfigen Ensembles für alte Musik La Sfera, passt thematisch, wäre ein wenig reduzierter eingesetzt und ohne elektronische Verstärkung, sicher stimmungsvoller.

Zum Schluss kommt die geflügelte Stelzenfrau nochmals zum Einsatz, diesmal in Weiß gekleidet als Friedensbotin. Napoleon läuft ihr nach. Das Stück ist beendet. Doch auf der Wiese neben dem Schloss kommt es zu einem kleinem Nachspiel: Der Friedensengel reitet mit einem kleinem Napoleon davon und hinterlässt ein brennendes Dorf.

Fazit: Trotz des schwachen dritten Aktes, ist Napoleon in Alteglofsheim ein ästhetisch gelungenes, dabei kritisches und vielschichtiges Stück. Berlingers Stärke liegt hier vor allem in den kleinen Szenen der einfachen Leute.

Sie können Joseph Berglingers Napoleon in Alteglofsheim noch an folgenden Terminen sehen: Mi. 22. Juli, Fr. 24. Juli, So. 26. Juli; Beginn jeweils 20.00 Uhr

Freiluftsaison in vollem Gange

9. Juli 2009 lweser Keine Kommentare

Freitag, 10. Juli 2009, 20.00 Uhr, Kunstverein Graz, Regensburg Beat me with your Love 3, Ausstellungseröffnung.
Diesmal mit zwei serbischen Künstlern: Rauminstallation: „Romantikersalon“ von Rastko Stefanovic, Zrenjanin (Serbien) und Fotoausstellung von Jelena Prekajski, Zrenjanin (Serbien)
Dauer der Ausstellung: bis 31.07.09 Öffnungszeiten: Do bis So 16.00 bis 19.00 Uhr

An diesem und den folgendem Wochenenden wird nochmals die Landshuter Hochzeit nachgestellt. An vier aufeinanderfolgenden Wochenenden alle vier Jahre wird so an die Hochzeit des Bayrischen Herzogs Georg des Reichen mit der 18-jährigen Tochter des polnischen Königs Kasimir IV, Hedwig Jagiellonica im Jahre 1475 erinnert. Die Reise der Braut von Krakau über Berlin, Wittenberg und Nürnberg bis nach Landshut dauerte damals zwei Monate. Getraut wurde das Paar vom Salzburger Erzbischoff Bernhard von Rohr in der Pfarrkirche St. Martin (noch heute der Bau mit dem mit 131 m weltweit höchsten Backsteinturm). Kaiser Friedrich III geleitete die Braut von der Kirche zum Rathaus durch die Altstadt. 10 000 Gäste waren zum Hochzeitsfest geladen.
1903 wurde die Landshuter Hochzeit erstmals nachgestellt. Mit 145 Mitwirkende wurde der Zug vom Verein Die Förderer e.V., der ein Jahr zuvor gegründet wurde, organisiert. Seither findet sie alle vier Jahre an vier aufeinanderfolgenden Wochenenden im Juli statt. Mittlerweile allerdings mit 2300 Mitwirkenden in historisch nachempfundenen Kostümen. Ähnlich den Ammergauer Festspielen sind die Einwohner der Stadt die Darsteller des Schauspiels. Für die Authentizität lassen sich sämtliche Mitwirkenden extra für dieses Ereignis die Haare wachsen.

Also: Wer es heuer verpasst, hat erst in vier Jahren wieder die Gelegenheit an diesem Spektakel teilzuhaben.

Fr. 17. Juli 2009 ca.21.30 Erik Grun: Freiwild, Open-Air-Kino Schloss Pürkelgut, Regensburg

Fr. 17. Juli 2009 ca 21.30 Uhr, Missent to Denmark, Alte Mälze Regensburg
Support: Sir Simon Battle (Indie-Pop), Mexican Elvis (Folk-Electroakustik), Eintritt: 8,00 €

17.Juli -26. Juli 2009 Schlossfestspiele, Regensburg

17. 07.    20.30 Uhr:Verdi: Aida
18.07.     20.30 Uhr:Verdi: Aida
19.07.     10.30 Uhr: Pippi Langstrumpf ; 20.30 Uhr:
Verdi: Aida
20.07.    20.30  Uhr: Schwanensee

Alle weiteren Veranstaltungen entnehmen sie bitte: http://www.odeon-concerte.de/regensburg

Fr. 17. Juli 20.00 Uhr Schloss Alteglofsheim: Napoleon in Alteglofsheim, Freilichtschauspiel von Joseph Berglinger.
Diesmal hat Berlingers Freilichtschauspiel aus gegebenen Anlass das Barockschloss Alteglofsheim als Spielstätte , statt wie gewohnt den Hesperidengarten. Napoleon verbrachte nämlich am 22. April nach der Schlacht von Eggmühl und vor Schlacht um Regensburg eine Nacht auf dem Schloss. Das Stück wird auch diesmal als „Wanderspiel“ aufgeführt, wobei verschiedene Schauplätze auf dem Gelände des Schlosses bespielt werden. Mit Martin Hofer als Napoleon und Livemusik von La Sfera. Bei jedem Wetter; Eintritt: 25 € / 20 € ermäßigt
Weitere Termine, jeweils 20.00 Uhr:
So. 19. Juli
Mi. 22. Juli
Fr. 24. Juli
So. 26. Juli