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Artikel Tagged ‘Oberpfalz’

Buch-Tipp: Rother Wanderführer Oberpfälzer Wald

23. März 2014 sgruen Keine Kommentare

Nordostbayerische Routen

(Sigrid Grün)

Der Rother Wanderführer Oberpfälzer Wald war Eva Krötz’ erster Wanderführer. Auf der Karte des Rother Verlages war die Region bis vor wenigen Jahren noch ein “weißer Fleck”, den die mittlerweile schon sehr erfahrene Wanderführerautorin ausfüllte. Damals wollte sie eigentlich nur wissen, ob denn kein Wanderführer für die Gegend geplant sei - und erhielt so vom Verlag die Möglichkeit, das Desiderat selbst aufzuheben. Mittlerweile hat Eva Krötz bereits vier Wanderführer verfasst oder überarbeitet und sie arbeitet schon an der Umsetzung weiterer Projekte. Der Wanderführer Oberpfälzer Wald liegt nun schon in der zweiten, aktualisierten und um GPS-Daten erweiterten Auflage vor.
Änderungen der Wegverläufe sind bei Wanderführern immer wieder vonnöten, erklärt die Autorin in einem Interview. Wege ändern sich. Zum Beispiel weil private Waldbauern ihre Grundstücke nicht mehr von Wanderern betreten wissen wollen. Dann müsse man eben Forstwegumleitungen in Kauf nehmen. Auch Ummarkierungen durch den Waldverein sind möglich. Deshalb erwandert Eva Krötz die Routen immer wieder, um die Streckenverläufe auf dem neuesten Stand zu halten und auch neue, interessante Wege jenseits der markierten Pfade in ihre Tourenvorschläge aufzunehmen.
Eine ausgesprochen witzige Besonderheit ist übrigens auf dem Weg über den Haselstein zum Mittelpunkt Europas (Tour 26) zu finden: Hier steht tatsächlich “Evas Bankerl” - eine Bank, die nach der Autorin benannt wurde, die die zuständige Stelle auf die großartige Aussicht von diesem Punkt aus auf die Burgruine Flossenbürg aufmerksam gemacht hatte.

Eva Krötz (Autorin)
Rother Wanderführer. Oberpfälzer Wald. Böhmischer Wald. Ceský les.
www.rother.de
176 Seiten; 178 Fotos

BurgFlair Open Air und Spectaculum Nordgavia vom 9. bis zum 11. Mai in Parsberg

6. Mai 2013 sgruen Keine Kommentare

Burgspektakel und ordentlich was auf die Ohren in historischem Ambiente

(Sigrid Grün)

Kommende Woche ist ordentlich was los auf der schönen Parsberger Burg. Von Donnerstag (ab 17.00 Uhr) bis einschließlich Samstag locken musikalische Leckerbissen und das 4. Mittelalterfest Spectaculum Nordgavia mit Kinderprogramm, Greifvogelshow, Handwerkskunst, Gauklern, Markt- und Lagerleben und Marktbespielung.

Am Donnerstag (9. Mai) gibt es beim BurgFlair Open Air Konzerte von Stefan Dettl, Moop Mama, Fuadadeimuada und Acoustic Circus. Am Freitag (10. Mai) rocken Mono Inc., Letzte Instanz und Vermaledeyt das Spectaculum. Und das alles in der wunderschönen historischen Kulisse der Parsberger Burg!

Mehr Infos und Tickets gibt es hier:

www.gavia-events.de

Wirtshauskultur in der Oberpfalz

16. Februar 2013 lweser Keine Kommentare

Buchvorstellung: 50 historische Wirtshäuser in der Oberpfalz

In Genuss mit Geschichte werden 50 historische Wirtshäuser in ganz Bayern vorstellt. Nun gibt es, herausgegeben vom Oberpfälzer Kulturbund, auch einen historischen Wirtshausführer speziell für die Oberpfalz. Wieder werden 50 Gasthäuser vorgestellt. Wieder wurden die Artikel von verschiedenen Autoren (31 genau) aus der Heimat-, Denkmal- und Archivpflege geschrieben. Von Waldsassen bis Mintraching, von Gnadenberg bis Bad Kötzting sind solche Kleinode zu finden. Geordnet sind sie grob geographisch (entgegen dem Uhrzeigersinn, startend bei ca. 10.30 Uhr). Die Karte auf der hinteren Innenseite hilft bei der Orientierung.

Als sich Wirt Löschenkohl im Knochenmann weigert Brenner zu bedienen, sagt letzter ironisch: „Hier ist der Gast noch König.“ Löschenkohl antwortet: „Das ist kein Gasthaus, das ist ein Wirtshaus.“ In den 50 hier vorgestellten Wirtshäusern wird es Ihnen hoffentlich nicht so ergehen.

Auf drei bis vier Seiten werden die einzelnen Lokale mit kurzem geschichtlichem Abriss, baulichen Änderungen, sowie mit zahlreichen Fotos vorgestellt. Dabei erfolgt meist auch eine kurze Beschreibung der Umgebung, der Stadt- oder Gemeindegeschichte, der Prägungen und vorherrschenden Traditionen.
Am Ende gibt es jeweils eine kurze Zusammenfassung mit Adresse, Kontaktdaten, Öffnungszeiten und Besonderheiten, wie z.B. dem Prädikat „musikantenfreundliches Wirtshaus“. Das muss kurz erklärt werden, was leider im Buch nicht geschieht. Nach Steiermarkschen Vorbild, die zur Belebung alter Tradition bereits 1980 die Initiative einführten, wurde in Niederbayern und der Oberpfalz 1996 das Konzept aufgegriffen. Mit dem Siegel werden Wirtshäuser ausgezeichnet, die Musiker für Speis und Getränke in ihren Räumlichkeiten spielen bzw. proben lassen. Damit soll das spontane (nicht gewerbsmäßige) Singen und Spielen in den Lokalitäten gefördert werden. Mittlerweile wurden über 500 Wirtshäusern in beiden Regierungsbezirken das Prädikat verleihen.
Ein gesondertes Kapitel widmet sich dem „Zoigl vom Kommunalbrauer“. Zoiglstuben, sind „Wirtshäuser auf Zeit“, die vor allem in der Nordoberpfalz verbreitet sind. Sie haben meist nur ein paar Tage im Monat geöffnet, immer dann wenn die Bürger auf Anwesen mit uralten Kommunalbraurechten ihr untergäriges, ungefiltertes Bier gebraut haben. Ganz uneigennützig verweist das Buch auf weiterführende Literatur, die sich vertieft mit den Zoiglstuben beschäftigt.

Das Buch bietet einen schönen Einblick in die lebendige Wirtshauskultur der Oberpfalz. Lassen Sie sich inspirieren und machen Sie sich auf. Es gibt sicher für Jeden noch ein paar schöne, alte Wirtshäuser zu entdecken. Oder vielleicht sieht man ein oft besuchtes Lokal plötzlich mit anderen Augen.

50-historische-wirtshauser
50 historische Wirtshäuser in der Oberpfalz

herausgegeben von Oberpfälzer Kulturbund

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Verlag Friedrich Pustet
192 Seiten
durchgehend farbig bebildert
gebunden; 22,00 €

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www.verlag-pustet.de | www.oberpfaelzerkulturbund.de

Buchtipp: Wildes Bayern

3. Juni 2011 sgruen Keine Kommentare

Wildromantisch und atemberaubend schön

(Sigrid Grün)

Zwischen Spessart und Karwendel wird dem Naturliebhaber eine Menge geboten, das weiß man ja. Wie wild und romantisch Bayern sein kann, führt uns der Fotograf Norbert Rosing vor Augen. Rosing, den 50 Reisen als Fotograf in die Arktis geführt haben, entdeckte nach 30 Jahren endlich die Schönheit der Natur vor der eigenen Haustür. Ein Jahr lang hat er sich dem wilden Bayern gewidmet und atemberaubende Motive und Stimmungen eingefangen.
Neben dem touristisch überaus beliebten Süden mit der Zugspitzregion, dem Allgäu und dem Berchtesgadener Land widmet sich der Fotograf auch dem Norden (Fichtelgebirge und Rhön) und dem “wilden Osten” - der Bayerische Wald und die Oberpfalz werden über das ganze Jahr hinweg fotografiert. Die beeindruckende Pflanzen- und Tierwelt werden hier einzigartig in Szene gesetzt: Herbst im Latschenfilz, knorrige Hutebuchen auf dem Hochschachten, Luchse und Wölfe - man wähnt sich im Urwald. Die mit Granitfelsen übersäte Gipfelregion des Lusen, der wildromantische Höllbachspreng, tief verschneite Fichten auf dem Großen Arber: Ostbayern hat wirklich eine Menge zu bieten.
Norbert Rosings Fotos zeigen auf, dass es den Indian Summer nicht nur in Kanada und unberührte Natur nicht nur fernab jeglicher Zivilisation gibt. Die Fotografien machen Lust auf Bayern. Man möchte gleich losziehen, um die Naturschönheiten vor der eigenen Haustür zu entdecken. Gut so!
Ein beeindruckend schöner Fotobildband, der die Augen öffnet und aufzeigt, wie nah das Paradies doch liegen kann! Unbedingt ansehen und staunen!

Norbert Rosing (Fotograf)
Wildes Bayern. Bilder einzigartiger Naturschätze

www.nationalgeographic.de
159 Seiten

Oberpfälzische Sagen - Riesen, Zwerge und Rocken

7. Dezember 2010 lweser Keine Kommentare

Oberpfälzische Sagen. Legenden, Märchen und Schwänke. Aus dem Nachlass von Franz Xaver von Schönwerth, gesammelt von Karl Winkler.

2009 jährte sich der Geburtstag des oberpfälzer Heimat- und Volkskundeforschers Franz Xaver von Schönwerth zum 200. Mal. Der Verlag Laßleben in Kallmünz legte zu diesem Anlass Schönweths, erstmal im Jahr 1935 erschienenen, Oberpfälzische Sagen. Legenden, Märchen und Schwänke aus seinem Nachlass, neu auf. (Eine zweite Auflage gab es 1950.)
Der Heimatforscher J.B. Laßleben hat den unveröffentlichten Nachlass Schönwerths 1922 ausgewertet. Darin fanden sich auch zwei Briefe von Jakob Grimm an Schönwerth. Das dreibändige Hauptwerk Schönwerths Aus der Oberpfalz. Sitten und Sagen veröffentlichte er 1857-59. Jakob Grimm schrieb über den einstigen Ladenhüter, der später Jahrzehnte lang vergriffen war: “Nirgendwo in ganz Deutschland ist umsichtiger, voller und mit so leisem Gehör gesammelt worden”.

Neben dem Vorwort zur 2. Auflage, enthält der Band eine kurze Einführung und einen ebenso kurzen Abriss von Schönwerths Biographie, sowie einen Auszug der Einleitung zum ersten Teil des dreibändigen Hauptwerks Aus der Oberpfalz. Sitten und Sagen. Des Weiteren macht ein Kapitel mit dem “[…] Wesen der Sage” vertraut. Leider ist weder der Verfasser, noch das Jahr der Einführungen angegeben.
Die vorliegende Sammlung ist grob in die drei Gattungen des Titels Sagen, Legenden, sowie Märchen und Schwänke eingeteilt. Die Sagen sind nach natürlichen Stoffgruppen sortiert. So gibt es z.B. Sagen “Von der Seele und den geheimen Kräften Lebender”, von “Der Wiederkehr der Toten”, “Dem Totenheer im Berg und auf dem Gottesacker”, von “Riesen“, über “Zwerge“, “Wassermann und Wasserfrau“, “Verborgene Schätze”, “Vom Ende der Welt” oder “Geschichtliche Sagen”. Die Märchen und Schwänke wurden unter einem Kapitel zusammengefasst. Darunter befinden sich z.B. Tiermärchen und -Fabeln, “Lügenmärchen” und “Oberpfälzische Geschichten, Schnurren und Ortsneckereien”. Manche von ihnen sind im Dialekt, manche in Hochdeutsch, manche in beiden Varianten abgedruckt.

Die tradierten und gesammelten Sagen, Legenden, Märchen usw. sind in erster Linie bewahrtes Volks- und Kulturgut. Zum Vorlesen für Kinder eignen sich bei weitem nicht alle. Hier sollte sorgsam ausgewählt werden. In der Einführung (vermutlich aus dem Jahr 1935) wird bereits darauf hingewiesen und folgendermaßen erklärt: “unser Volk hat ja leider schon längst nicht mehr das zutrauliche Verhältnis zu seinem Herrgott wie unsere Vorfahren noch vor hundert Jahren.“

Zwar sind die Texte mit ein paar Fußnoten versehen, dennoch wäre es schön, wenn der Band ein Glossar und einen Erläuterungsteil hätte. Denn nochmals fünfundsiebzig Jahre später hat sich das Volk nicht nur noch weiter vom Herrgott entfernt, sondern hat auch teilweise keinen Bezug mehr zu vielen erwähnten Alltagsdetails. Dennoch ist es schön, dass der Band neu aufgelegt wurde und wir dadurch Zugang zu diesem ehemals alltäglichen Kulturgut haben, welches ohne Leute wie Schönwerth, J.B. Laßleben oder Karl Winkler heute verschwunden wäre. Die nächste Ausgabe (die dann vermutlich 2059 erscheint) sollte aber überarbeitet und erläutert werden.

Es ist ein wunderschönes in oranges Leinen gebundenes Buch mit Prägung und Schutzumschlag. Die auf Buchdeckel und Schutzumschlag dargestellt Figur ist übrigens das “Rockfüßl”. Es entstammt einer Amberger Sage. Das “Rockfüßl ist klein, mit rundem Reifrock, zwei Hühnerfüßen, sehr großem Kopf mit Dreispitz und springt, statt zu gehen. Sie zeigt sich auf der Hollerwiese” Der Namensbestandteil “Rock” stammt übrigens nicht von dem Kleidungsstück, sondern vom Rocken, einem Teil des Spinnrades, wie eine andere Definition belegt. Die Illusttration stammt wie alle 28 Holzschnitten von Michael Mathias Prechtl. Der Band ist ein Kleinod aus einem echten Oberpfälzer Familien-Verlag.

oberpflaezischesagen
Oberpfälzische Sagen. Legenden, Märchen und Schwänke.

Aus dem Nachlass von Franz Xaver von Schönwerth,
gesammelt von Karl Winkler
mit 28 Originalholzschnitten von Michael Mathias Prechtl

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Verlag Michael Laßleben, 2009
308 Seiten. Ganzleineneinband
18,00 €

www.oberpfalzverlag-lassleben.de

Buch-Tipp: Fischköpf und Wasserratzen

20. April 2010 sgruen Keine Kommentare

Auf Entdeckungstour durch die “nasse” Oberpfalz

(Sigrid Grün)

Menschen aus dem “hohen” Norden Deutschlands werden ja gerne mal als “Fischköpf” abgewertet. Aber in der Oberpfalz? Da soll es diese Spezies auch geben? Allein schon der Titel dieses großformatigen Buches, das der Bezirk Oberpfalz im vergangenen Jahr herausgebracht hat, macht neugierig. Und wenn man dann einmal angefangen hat, in dem herrlich bebilderten Buch zu blättern, liest man sich unweigerlich fest. Man ist sofort fasziniert von der facettenreichen oberpfälzer Wasserwelt, die gar nicht so unspektakulär ist, wie man das vielleicht meinen - oder vielmehr vor der Lektüre dieses Buches gemeint haben - mag.

Dr. Josef Paukner (in Zusammenarbeit mit Dr. Thomas Ring) hat sich auf den Weg gemacht, um “Wasser, Fische und Menschen in der Oberpfalz” zu entdecken. Herausgekommen ist ein höchst interessanter und vor allem bereichernder Blick auf eine faszinierende Kulturlandschaft, die einiges zu bieten hat.
Die Geschichte der Oberpfalz ist eng mit der Geschichte der oberpfälzer Gewässer verknüpft. Um diese These zu untermauern, muss man nicht zwangsläufig die mächtige Donau heranziehen. Auch die Teichwirtschaft spielt eine wichtige Rolle. Die Oberpfalz ohne Teiche und Seen? Kaum vorstellbar! Und dann erfährt man, dass es in der gesamten Oberpfalz nur einen einzigen (!) natürlich entstandenen See gibt - den Kleinen Arbersee im Bayerischen Wald, der übrigens erst im Zuge der Landkreisreform 1972 oberpfälzisch wurde.

Auf dem Weg durch die “nasse” Oberpfalz begegnet der Autor zahlreichen Menschen, die mit dem Wasser zu tun haben. Da gibt es zum Beispiel den Wassermeister Johann Mühlbauer, der erzählt, wie sauber das Wasser in Neunburg vorm Wald ist. Der Leser erfährt eine Menge über die Trinkwasserversorgung - in Wort und Bild - und über die Bodenwöhrer Senke, die noch öfter Thema sein wird.
Es geht um eine Begegnung mit dem Betriebsleiter des Forstbetriebs Roding, Hubert Meier, der uns die Waldweiher in der Nähe von Bodenwöhr zeigt. Es geht um die Fischwelt im Weißen Regen, durch die der Biologe Dr. Thomas Ring führt - und hier erfährt man auch gleich noch, was Elektrofischen ist und wie es funktioniert.
Und es geht um viele andere Menschen, die sich um die oberpfälzer Gewässer kümmern und sich damit hervorragend auskennen.
Der Autor schafft es, sämtliche Facetten eines spannenden Themas auszuleuchten. Und zwar auf eine sehr lebendige und sympathische Weise. Der Ton ist nie belehrend oder trocken (wie auch, bei solch einem Thema?), sondern immer lebensnah.

Auf dem Weg durch die Wasserwelten der Oberpfalz gelangen wir von den Teichlandschaften, Flüssen und Bächen im Oberpfälzer Wald schließlich nach Regensburg und damit an die Donau, die sämtliche Gewässer der Region auffängt und bis ans Schwarze Meer trägt.

Dem Autor gelingt es, für ein Thema zu sensibilisieren, das uns alle betrifft: Unsere eigene unmittelbare Umwelt, die wir nicht nur für uns selbst, sondern auch für unsere Nachkommen intakt halten sollten. Und letztendlich sind die Gewässer in der Region nicht nur wichtig als Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie als Trinkwasserreservoir für den Menschen, sondern auch als Raum der Erholung, in dem man die Schönheit der Natur direkt vor der eigenen Haustür erleben kann.

Dr. Josef Paukner (Autor)
Fischköpf und Wasserratzen. Wasser, Fische und Menschen in der Oberpfalz
www.bezirk-oberpfalz.de
222 Seiten

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Buchtipp: “Küchenklassiker - neu interpretiert”

26. November 2009 sgruen Keine Kommentare

Ostbayerischer Sternekoch modernisiert Küchenklassiker

(Sigrid Grün)

Der Sternekoch Hubert Obendorfer aus Neunburg vorm Wald (Restaurant Eisvogel im Landhotel Birkenhof) ist ein ausgesprochen kreativer Koch, der im vergangenen Jahr ein Buch über die ostbayerische Spitzenküche geschrieben hat (”Die feine Ostbayerische Landküche”). In diesem Herbst ist sein neues Buch beim Matthaes Verlag erschienen: Küchenklassiker - neu interpretiert. Obendorfer möchte Dinge, die ihm wichtig sind weitergeben und dafür sorgen, dass Küchenklassiker, also besonders vorbildliche Gerichte, die einen “Zubereitungsstandard gesetzt” haben immer wieder neu entdeckt werden.

Nach einigen einführenden Seiten, in denen der Koch z.B. über Menügestaltung, Menütypen und Produkte und Speisenfolgen im Menü schreibt und mit dem Leser einen kleinen Ausflug in die Küchengeschichte unternimmt, beginnt der aufwändig bebilderte Rezeptteil. Zunächst stellt Obendorfer internationale Klassiker, dann deutsche Klassiker, schließlich moderne Klassiker und zuletzt Obendorfers Klassiker vor. Jede dieser Sparten gliedert sich wiederum in Vorspeise, Suppe, Zwischengang, Hauptgang und Dessert. Auf eine großformatige Farbfotografie (Doppelseite) folgt jeweils eine Doppelseite mit Zutaten, Kochanleitung und ergänzenden Ausführungen zum Gericht. Darin erfährt man (kultur)geschichtliches und Erläuterungen zu Obendorfers Variationen. Das Buch ist also nicht nur ein Kochbuch, sondern führt den Leser auch in die Geschichte der einzelnen Gerichte ein. Warum ist ein Klassiker ein Klassiker? Welche Rolle kommt dem Gericht in der Feinschmeckerküche zu? Was heißt Florentiner Art? Und warum ist die Sacher-Torte eigentlich so berühmt? Diese und viele weitere Fragen werden hier beantwortet.
Wer etwas nachkochen möchte, hat eine große Auswahl - vom klassischen Wiener Tafelspitz über den Hummer Thermidor, den Inbegriff der Luxusküche bis hin zum bodenständigen - aber hier sehr raffiniert angerichteten - Borschtsch. Ob süß oder pikant - Obendorfers Küche hält für jeden vielfältige Geschmackserlebnisse bereit. Die luxuriöse Gestaltung des Bandes wird den exquisiten Gaumenfreuden auch noch sehr schön gerecht.

Sowohl Hobbyköche als auch Profis werden hier sicher einiges finden. Gerade in der Weihnachtszeit will man vielleicht mal etwas besonderes ausprobieren.
Obendorfers Küchenklassiker sind sicher auch ein schönes und hochwertiges Geschenk für alle, die Wert auf eine abwechlungsreiche, klassische und doch außergewöhnliche Küche legen.

Hubert Obendorfer (Autor)
Küchenklassiker neu interpretiert
www.matthaes-verlag.de
271 Seiten für 49,90 Euro

Buchvorstellung: Wanderführer Oberpfälzer Wald am 10.09.09

11. September 2009 sgruen Keine Kommentare

Von der Kunst, einen schönen Weg zu finden

(Sigrid Grün)

Zahlreiche Oberpfalzinteressierte hatten sich gestern in der Regensburger Filiale der Reisebuchhandlung Freytag und Berndt eingefunden, um Eva Krötz’ Diashow zu sehen. Die Autorin des neuen Wanderführers Oberpfälzer Wald - Böhmischer Wald hatte auch einiges zu zeigen, denn das Gebiet im Nordosten Bayerns hält etliche Überraschungen bereit. Seltsam, dass die Region in Deutschland so wenig bekannt ist. Vielleicht kann ja der kleine, feine Wanderführer einen Beitrag dazu leisten, dass sich dieser betrübliche Umstand ändert.

Die Bilder, die Krötz dem Publikum präsentierte, zeigten eindrucksvoll, wie facettenreich die Oberpfalz ist. Jede Jahreszeit hat ihren besonderen Reiz, das kam bei der Diashow sehr schön zur Geltung. Winterliche Aufnahmen, leuchtende Herbststimmungen und strahlend blauer Sommerhimmel - hier war alles dabei. Die Autorin, die alle Bilder des Wanderführers selbst gemacht hat (was für eine Wohltat bei der Schwemme von nichtssagenden Agenturfotos), konnte auch einiges erzählen. Was hat die Region alles zu bieten? Eine Menge Geologie (Vulkane, Basalthalden u.v.m.), Natur pur (weitläufige Wälder, romantische Flusstäler) und Kultur (Burgen, Theater, Museen usw.).
Als Zuschauer war man fast ein bisschen beschämt, dass man so wenig kennt, obwohl man den Oberpfälzer Wald doch fast vor der Nase hat. Sofort bekommt man Lust, gleich loszuwandern. Morgen ist ja schon Wochenende…

Buchvorstellung bei Freytag & Berndt

Buchvorstellung bei Freytag & Berndt

Im Anschluss an die Diashow sorgten zwei Musiker (Gitarre und Gesang) für den richtigen Rahmen. Die Autorin stand für Gespräche zur Verfügung und gab gerne darüber Auskunft, wie der Wanderführer entstanden ist. Am Anfang stand ein Ferienhaus in der Nähe von Vohenstrauß. Das war 2003. Die passionierten

Autorin Eva Krötz

Autorin Eva Krötz

Wanderer und Radfahrer Krötz merkten bald, dass die Region einiges zu bieten hatte, ein richtig guter und aktueller Wanderführer aber nicht auf dem Markt war. Eva Krötz wandte sich also an den Rother Verlag und bekam prompt nach der Abgabe einer “Probewanderung” einen Vertrag. Die Region war nämlich noch ein “weißer Fleck” im Programm des renommierten Reiseverlages. Seit 2006 arbeitete die Autorin an der Ausarbeitung des Buches. Die Routen sind alle mehrfach getestet. Oft zu verschiedenen Jahreszeiten. Eine gute Wanderstrecke zu “erfinden” ist eine Kunst. Krötz versuchte möglichst abwechlungsreiche Pfade mit schönen Stationen am Wegesrand zu erwandern. Langweilige Forstwege und Straßen sollten außen vor bleiben. Nicht jede Strecke eignet sich als Wanderweg. So hatte sie beispielsweise in der Nähe von Stamsried eine wunderschöne Burg entdeckt - aber selbst nach mehreren Versuchen konnte sie keine geeignete Wanderstrecke finden. Die Burg steht nun als zusätzlicher Tipp im Buch - eine eigene Wanderstrecke gibt es nicht dazu. Das ist mal eine gewissenhafte Recherche!
Man kann der Autorin zu ihrem gelungenen Buch nur gratulieren und sich auf das nächste Wochenende freuen. Da kann man die schönen Strecken einmal ausführlich testen.

Wallfahrtskirche Heilbrünnl bei Roding

26. August 2009 sgruen Keine Kommentare

Kirche mit eigener Quelle

(Sigrid Grün)

Westlich von Roding befindet sich an einem Uferhang des Regens eine ganz besondere Kirche, die viele Besucher anlockt.  “Heilbrünnel”, oder früher “Hochbrünnel” genannt, heißt die hochgelegene Wallfahrtskirche, die im 17. Jahrhundert mitten im Wald errichet wurde. In der Mitte des Kirchenschiffes steht ein ovales, gebuckeltes Brunnenbecken aus rot-weiß gesprenkeltem Marmor. In dieses Becken ergießt sich das Quellwasser des Heilbrünnls, dem große Heilkraft nachgesagt wird.

Hauptaltar mit Andachtsbild

Hauptaltar mit Andachtsbild

Der Name der Wallfahrtskirche weist bereits auf die Entstehung des Kultes hin. Ein Hirte, der seine Schafe in den Abendstunden an der Quelle trinken ließ, entdeckte im Wasser ein Bild der Muttergottes. Er wollte danach greifen, doch das Bild entglitt ihm immer wieder. Noch am gleichen Tag berichtete er dem Rodinger Pfarrer von seinem Erlebnis. Dieser begab sich am nächsten Tag in feierlicher Prozession zur Quelle und nahm das Marienbild aus dem Wasser. Schnell wurde ein Bildstock errichtet. 1668 folgte eine Kapelle, die von vielen Kranken besucht wurde, die sich Heilung erhofften. Bald ist der Andrang so groß, dass die Kapelle 1684 erweitert werden muss. 1730 entstand der Rokokobau, wie wir ihn heute kennen. Die Ausstattung ist für Rokoko-Verhältnisse relativ gediegen - man wird von der Pracht nicht gleich “erschlagen”. Betritt man die Wallfahrtskirche, überkommt einen ein heimeliges Gefühl. Die Lage inmitten des Waldes und die leise murmelnde Quelle lassen den Besucher zur Ruhe kommen.

Aus einer Kreuzwallfahrt (Christuswallfahrt), auf die noch ein Kreuzbild im linken Seitenaltar hinweist, ist hier eine Marienwallfahrt entstanden.
Das Gnadenbild der Muttergottes, eine Ikone aus dem 17. Jahrhundert, bildet den Mittelpunkt des Hochaltares, der von vier Säulen verziert wird. Zwei große Engel halten es empor, darüber befinden sich zwei Putten, die einen roten Vorhang fernhalten. Das Gnadenbild ist eine Kopie des Gnadenbildes der Alten Kapelle in Regensburg. Dieses wiederum ist dem berühmten Gnadenbild “Salus populi Romani” in der Basilika S. Maria Maggiore in Rom nachempfunden.
Joachim und Anna, die Eltern Mariens, flankieren das Marienbild. Die überlebensgroßen Figuren stammen übrigens aus dem nahegelegenen Kloster Reichenbach.
Im linken Altar befinden sich der heilige Florian, der Feuerschutzpatron, der heilige Josef mit dem Zimmermannswerkzeug sowie der Apostel Petrus mit Kreuz und Schlüssel.
Am rechten Seitenaltar bildet das Bild des heiligen Sebastian den Mittelpunkt. Daneben ist die heilige Irene zu sehen, die den Märtyrer gepflegt hat. An dieser Stelle hat sich früher ein Pestbild befunden, das allerdings nach Prag verkauft wurde. Die Figuren des Apostels Paulus (mit Schwert und Buch), des heiligen Wendelin und des heiligen Leonhard schmücken ebenfalls den rechten Seitenaltar. Im 19. Jahrhundert war am Heilbrünnl noch der Leonhardiritt üblich.

Eine Bilderfolge an der Orgelempore erzählt von der Entstehung der Wallfahrtskirche.

Entstehungsgeschichte der Wallfahrt

Entstehungsgeschichte der Wallfahrt

Vor allem an den “Frauentagen”, d.h. an den Sonntagen um Maria Heimsuchung, Maria Magdalena, Mariä Aufnahme in den Himmel und Maria Geburt, pilgern zahlreiche Gläubige zum Heilbrünnl.

Neben der Kirche befindet sich eine Gaststätte, vor der Kirche ist der große Marienbrunnen zu sehen. Wer 10 Pfennige bereit hält, kann sogar die Forellen füttern. Außerdem gibt es noch eine sehr gut gepflegte Kneipp-Anlage, die den Besuchern eiskalte Arm- oder Fußbäder ermöglicht.
Die Wallfahrtskirche Heilbrünnl ist eine besonders beeindruckende Andachtsstätte - ein Besuch lohnt sich auf alle Fälle.

Forellenfutter nur 10 Pfennig!

Forellenfutter nur 10 Pfennig!

Buchtipp: Naturschatz Bayerischer Wald

18. August 2009 sgruen Keine Kommentare

Kreuz und quer durch eine der schönsten Regionen Europas

(Sigrid Grün)

Wilfried und Lisa Bahnmüller haben bereits mehrere Bücher über Ostbayern publiziert. Unter anderem über Regensburg, Passau und über die bayerische Donau. Nun liegt endlich auch ein Band über den Bayerischen Wald vor.
Darin geht es um Natur und Kultur, um die märchenhafte Landschaft und um Kirchen, Klöster und (ost)bayerische Bräuche.
In einer mehrseitigen Einführung widmen sich die Autoren der Geschichte des Bayerischen Waldes und erklären die Route, der sie im Bildband folgen werden.
Die Rundfahrt ist in drei Abschnitte gegliedert. Von Regensburg aus geht es donauabwärts Richtung Passau. Donaustauf, die Benediktinerabtei Frauenzell, Brennberg, Falkenstein, Straubing, das Prämonstrantenkloster Windberg, das Kloster Metten und die Abtei Niederaltaich sind nur einige Stationen, die einem auf dem Weg nach Passau begegnen.
Auf der Bundesstraße 85 geht es vom Dreiburgenland nach Rinchnach, über Regen, Viechtach, Kötzting, Cham und Roding, Nittenau und Regenstauf schließlich zurück nach Regensburg.
Die dritte Route folgt dem tschechischen und österreichischen Grenzverlauf. Von Rötz über Waldmünchen, Furth im Wald, Neukirchen, Bodenmais und den Großen Arber, Zwiesel, Frauenau und Spiegelau, Freyung und Ringelai geht es schließlich wieder nach Passau.
Der umfangreiche Bildteil zeigt eindrucksvolle Kirchenbauten, festliche Bräuche (Kötztinger Pfingstritt usw.) und natürlich die oft noch ursprüngliche Natur, für die der “Woid” bekannt ist.
Sowohl Touristen als auch Einheimische werden hier viele interessante Ausflugsziele finden, die jedem etwas zu bieten haben. Kunst, Kultur, Natur - der bayerische Wald ist immer eine Reise wert!
Eine ergänzende Karte wäre aus Gründen der Übersicht noch wünschenswert gewesen. Da es sich aber um einen Bildband und erst in zweiter Reihe um einen Reiseführer handelt, ist das auch nicht wirklich zu bemängeln.

Der deutsch-englische Paralleldruck macht aus dem Bildband auch ein tolles Gastgeschenk. Sehr zu empfehlen!

Lisa und Wilfried Bahnmüller (Autoren; Fotografen)
Naturschatz Bayerischer Wald. Landschaft - Kultur - Leute. Deutsch / Englisch
Bayerland Verlag
108 Seiten für 19,90 Euro