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Artikel Tagged ‘Oper’

Carmen auf den Regensburger Schlossfestspielen

16. Juli 2016 sgruen Keine Kommentare

Gelungener Auftakt der diesjährigen Schlossfestspiele

Carmen gehört mit Arien wie der “Habanera” (L’amour est un oiseau rebelle) und “Près des remparts de Séville” und einer Geschichte um Liebe, Leidenschaft und tödliche Eifersucht zu den beliebtesten und meistgespielten Opern. Bei der Uraufführung im März 1875 sah das noch ganz anders aus. Georges Bizets bekanntestes Werk entpuppte sich als Flop. Die Rezeption der Oper änderte sich wenig später, als “Carmen” in Wien aufgeführt und vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt war Bizet allerdings schon tot. Er verstarb im Alter von nur 36 Jahren an einem Herzleiden. Man sagt, dass “Carmen” ihm das Herz gebrochen habe…

Auf den Regensburger Schlossfestspielen markierte Bizets Meisterwerk den Auftakt, der Schlossinnenhof bot eine perfekte Kulisse für die Oper in der Inszenierung der Staatsoper Prag unter Leitung von Tomasz Brauner.
Doch bevor die Geschichte um leidenschaftliche Liebe und Eifersucht begann, bat Veranstalter Reinhard Söll um eine Schweigeminute für die Opfer des Anschlags von Nizza. Ein bewegender Moment.
Die Inszenierung war solide, der Gesang überzeugte durch hohe Professionalität.
Alles in allem war der Opernabend eine gelungene und unterhaltsame Auftaktveranstaltung, die zwischen dem Anschlag in Nizza und dem Putschversuch in der Türkei einen schönen Kontrapunkt zum Tagesgeschehen setzte.

Operngala mit Piotr Beczala

27. Juli 2015 sgruen Keine Kommentare

Festlicher Abschluss der Schlossfestspiele

(Sigrid Grün)

Die Operngala bildet traditionsgemäß den krönenden Abschluss der Regensburger Schlossfestspiele. In diesem Jahr war der Gewinner des ECHO-Klassik, Piotr Beczala zu Gast. Der 1966 in Polen geborene lyrische Tenor ist einer der erfolgreichsten Konzertsolisten unserer Zeit und arbeitet u.a. mit Anna Netrebko zusammen. Sowohl auf den Salzburger Festspielen, als auch in der Mailänder Scala und in der New Yorker Met begeisterte er das Publikum.

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In Regensburg sang er verschiedene Arien, etwa „Di´ tu se fedele“ aus Verdis Oper „Un ballo in maschera”,  “La fleur que tu m´avais jetée“ aus „Carmen“, „Salut! Demeure chaste et pure“ aus aus Gounods „Faust“, das Gebet des Rodrigue aus „Le Cid“, „E lucevan le stelle“ aus Puccinis Tosca und schließlich „Nessun dorma“ aus „Turandot“.

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Beczalas Stimme und Ausdruck waren so vollkommen, dass das Regensburger Publikum bis zum Schluss wie verzaubert war.
Marc Piollet dirigierte die Hofer Symphoniker, die ihr Bestes gaben, aber teilweise etwas gehemmt wirkten. Dem Weltstar Beczala machte das nichts aus. Er beschenkte die Zuhörer mit einem glanzvollen Abend voller Höhepunkte. Das Publikum dankte ihm mit stehenden Ovationen.

Am 17. Juli starten die Schlossfestspiele

30. Juni 2015 sgruen Keine Kommentare

Hochkarätige Stars in Regensburg

Die Schlossfestspiele sind alljährlich ein Highlight des bayerischen Festspielsommers und auch dieses Jahr erwartet das Publikum ein exklusives und facettenreiches Programm.

Die Festspiele starten traditionsgemäß mit einer Oper im Innenhof des fürstlichen Schlosses. Am Freitag, den 17. Juli feiert Giacomo Puccinis La Bohème um 20.30 Uhr Premiere. Wer es zum Auftakt der Schlossfestspiele nicht schafft, kann die Oper aus dem Jahr 1896 auch am Samstag um 20.30 Uhr sehen.
Am Sonntag, den 19. Juli wird Frankreichs Shooting-Star Zaz den Schlosshof mit Chansons rocken und am Montag (20. Juli) heißt es schließlich Classic meets Cuba. Die Klazz Brothers werden gemeinsam mit Cuba Percussion einen temperamentvollen Mix aus Vivaldi, Beethoven und Co. mit Merengue, Swing und Afro- und Latin Jazz präsentieren.
Am Dienstag, den 21. Juli performen Local Heroes (Steffi Denk, Markus Engelstädter, Lisa Wahlandt, Bernd Meyer, Gerwin Eisenhauer sowie der Cantemus Chor gemeinsam mit Band und Orchester) Pink Floyd’s “The Wall”.
Am Mittwoch, den 22. Juli wird schließlich Placido Domingo sein einziges diesjähriges Deutschlandkonzert in Regensburg geben. Im Rahmen eines Gala-Abends wird der Jahrhundertsänger ab 20.30 Uhr Arien, Duette und Orchesterstücke aus Verdis “Nabucco”, “La Traviata” und “Il Trovatore”, sowie Stücke von Donizetti, Giordano, Strauss und Lehár singen.
Am Donnerstag (23. Juli) gibt sich ab 20.30 Uhr “Tiger” Tom Jones die Ehre im Schlosshof.
Am Freitag, den 24. Juli sorgen die vier Mitglieder von Adoro mit einem Crossover aus Klassik und Pop für eine romantische Sommernacht.
Xavier Naidoo singt am Samstag, 25. Juli ab 20.30 Uhr vom “Frei sein”.
Wie jedes Jahr steht am Sonntag Vormittag das Kinderstück auf dem Programm. In diesem Jahr ist es Conni - Das Kindermusical. Das Stück beginnt um 10.30 Uhr.
Am Abend bildet die Festliche Operngala mit Startenor Piotr Beczala schließlich den krönenden Abschluss der diesjährigen Schlossfestspiele. Ab 20.30 Uhr wird der diesjährige ECHO-Preisträger u.a. Opernarien von Verdi, Donizetti und Bizet singen.

Nähere Informationen und Karten gibt’s unter:
www.odeon-concerte.de

Operngala mit Angela Gheorghiu auf den Regensburger Schlossfestspielen

28. Juli 2014 sgruen Keine Kommentare

Rumänischer Opernstar begeistert das Regensburger Publikum

(Sigrid Grün)

Der Auftakt der die Schlossfestspiele abschließenden Operngala war etwas unsicher. Angela Gheorghiu, die gefeierte Sopranistin aus Rumänien, wirkte sichtlich irritiert als sie Händels “Lascia ch’io pianga” anstimmte. Doch der gänzlich undivenhafte Beginn machte die stimmgewaltige Sängerin nur sympathisch. Sie zupfte an ihren Haaren, ordnete ihr Kleid und wirkte dabei fast kindlich nervös, was eine Künstlerin von ihrem Rang vor allem menschlich macht.

Angela Gheorghiu

Angela Gheorghiu

An den Händel schloss sich Glucks „Che farò senza Euridice“ an, eine deutlich getragenere Arie. „Vive amour“ aus Jules Massenets „Chérubin“ sang die 48-Jährige schließlich nahezu in Perfektion. Leoncavallos „Stridono lassù“ bildete schließlich den dramatischen Abschluss vor der Pause - nach einer knappen Dreiviertelstunde. Nach der Pause ging es in neuer Robe mit Massenet und Puccini weiter und die Begeisterung beim Publikum wuchs stetig. Zwischendurch umrahmten auch immer wieder die Hofer Symphoniker unter der Leitung von Tiberiu Soare die Arien des Opernstars.

Gheorghiu und Tiberiu Soare

Gheorghiu und Tiberiu Soare

Nach einem erneuten Kleiderwechsel folgten Bizets “Habanera” und Catalanis „Ebben? Ne andrò lontana“. Das Regensburger Publikum spendete tosenden Beifall und wurde mit zahlreichen Zugaben, darunter auch mit dem rumänischen „Muzica“ von George Grigoriu belohnt. Den krönenden Abschluss des gelungenen Opernabends bildete schließlich das a Cappella gesungene “Guten Abend, gute Nacht”, mit dem sich Angela Gheorghiu von ihrem Regensburger Publikum verabschiedete.

www.odeon-concerte.de

“Opern auf Bayrisch” auf den Regensburger Schlossfestspielen

23. Juli 2014 sgruen Keine Kommentare

Operngaudi nach Verdi, Mozart und Wagner

(Sigrid Grün)

Seit den späten 70ern sind Paul Schallwegs “Opern auf Bayrisch” ein Dauerbrenner auf Volksbühnen und am Bayerischen Staatsschauspiel. Diesen Sommer waren drei der insgesamt 25 Texte auf den Regensburger Schlossfestspielen zu sehen. Verdis “Aida”, Mozarts “Zauberflöte” und Wagners “Lohengrin” in Mundart lasen die Schauspieler Conny Glogger, Gerd Anthoff und Michael Lerchenberg vor, begleitet vom Percussionisten Werner Hofmeister und einem Orchester unter der Leitung von Andreas Kowalewitz.

Bayrische Regenopern nach Verdi, Mozart und Wagner

Bayrische Regenopern nach Verdi, Mozart und Wagner

Zum Auftakt gab’s “Aida” und Regen. Die kurze Unterbrechung der Lesung wurde vom Orchester stimmungvoll begleitet - die Musiker stimmten “I’m singing in the Rain” an, während im Publikum die Regenponchos übergestreift wurden. Glogger, Anthoff und Lerchenberg setzten die Lesung in Reimform schließlich souverän fort und das Publikum amüsierte sich. Werner Hofmeisters Percussion auf Flaschen, Pfannen und Töpfen sorgte für besonders viele Lacher, untermalte er die Lesung doch nicht nur mit rhythmischen Elementen, sondern auch mit passenden Geräuschen, die ein ägyptisches Ambiente etablierten. Im Triumphmarsch konnte man Teile aus “Ja, mir san mit’m Radl da” hören.

Anthoff, Glogger und Lerchenberg

Anthoff, Glogger und Lerchenberg

Im Anschluss an den Verdi lasen die Schauspieler “Die Zauberflöte”, die Schallweg im märchenhaft schönen Berchtesgadener Land verortet hatte. Der Königssee ist der Schauplatz und der Ignaz der Held, der bisher noch nicht die Richtige gefunden hat, weil er stets an den offensichtlich zu hohen Ansprüchen scheitert. Doch dann erblickt er sie doch, seine Tamina, die hier eine Wiebke ist und genau das, was Ignaz eigentlich auf gar keinen Fall möchte: a Saupreißin. Doch das weiß der verzückte Ignaz zunächst nicht und folgt ihr liebestrunken nach St. Bartholomä, wo die Angebetete als Bedienung arbeitet. Doch bevor die beiden zusammenkommen, muss noch einiges geschehen. Ignaz muss die Schöne dem Watzmann-König abluchsen, bei dem sie gelandet ist, nachdem sie der Blaueisgletscherkönigin mit den Worten „Des Geisterleb’n kotzt mi o, ois was i wui, des is a Mo!“ davongelaufen war. Zum Schluss fügt sich natürlich alles zum Guten und die gesprächige Wiebke und Ignaz werden ein Paar und führen ein glückliches Leben unter den neidvollen Blicken ihres Umfeldes.

Werner Hofmeister

Werner Hofmeister

Wagners “Lohengrin” spielte in der Schallweg’schen Fassung in Wolfratshausen und endete natürlich wie das Original äußerst tragisch - bei einem Frageverbot, das im Zentrum einer Geschichte steht, ist etwas anderes auch schlichtweg nicht denkbar.
Trotz widriger Wetterverhältnisse konnte das Publikum sich über eine erstklassige musikalische Lesung mit hochkarätigen Rezitatoren und Musikern freuen. Amüsant, kurzweilig und volksnah kam diese Operngaudi daher - Attribute, die man sonst nicht unbedingt mit den opulenten, mehrstündigen Werken von Verdi, Mozart und Wagner assoziieren würde. Und bei so einer soliden Unterhaltung hat auch der Regen fast nicht gestört.

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22. Juli 2014 lweser Keine Kommentare

Giuseppe Verdi: Rigoletto, Staatsoper Breslau, Thurn und Taxis Schlossfestspiele 2014, Schloss St. Emmeram, Regensburg

Eigentlich ist alles wie immer. Eine Oper genießt man zwar besser im Theater, aber der Innenhof des Schlosshofes St. Emmeram hat eben seinen eigenen, ganz besonderen Reiz. Die herrlichste Sommernacht gibt, neben der Kulisse des Schlosses, der Aufführung einen eigenen Anstrich. Da ist es vielleicht auch ganz egal, ob das Orchester irgendwo im Schloss spielt und nur live zugeschalten wird (was übrigens auch im Theater vorkommen kann, wenn wie z.B. 2011 in Regensburg bei Korngolds „Die Tote Stadt“, nicht das ganze Orchester in den Orchestergraben passt), die Inszenierung sich auf Stellungswechesl der Figuren auf der Bühne beschränkt oder dass das Bühnenbild nicht viel hergibt. Verdis Oper „Rigoletto“, nach einer literarischen Vorlage von Victor Hugo, genügt sich selbst. Die Dramatik entspringt der Musik. Bariton Boguslaw Szynalski, wenn auch im fortgeschrittem Alter, weiß gesanglich als Hofnarr Rigoletto ebenso zu überzeugen wie Aleksandra Kubas als Gilda, dessen Tochter oder Victor Campos als Rigolettos Herr, der Herzog von Mantua.
Als nach der Pause Szynalski Mikro nicht mehr hielt, ist nur eine sympathische Panne, die Improvisation verlangt und beweist, dass eben doch alles live ist.
Und so erfüllt sich zum Schluss die Bestimmung der Oper: Einen Helden gibt es nicht. Die Heldin ist tot. Der antiken Tragödie wurde Genüge getan - ebenso wie die Bestimmung der Schlossfestspiele: das Orchester darf aus dem Schatten des Schlosses in den Schatten der Bühne treten. Und die die da waren um gesehen zu werden, gehen ebenso nach Hause, wie jene die da waren um zu sehen.

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Violetta und Alfredo, Gloria und Wowi

14. Juli 2013 lweser Keine Kommentare

GiuseppeVerdi: „La Traviata“, Thurn und Taxis Schlossfestspiele 2013, Schloss St. Emmeram, Regensburg

Endlich mal wieder eine rundum gelungene Opernpremiere bei den Thurn- und Taxis-Schlossfestspielen. Zu sehen gab es die vom Publikum von 3Sat 2010 als schönste ihrer Gattung gewählte Verdi-Oper „La Traviata“ in einer Inszenierung des tschechischen Nationaltheaters Brünn. Die berühmt Oper hat eine nicht weniger berühmte Vorlage: „Die Kameliendame“ von Alexandre Dumas d.J. aus dem Jahr 1848.
Die Brünner Inszenierung bedient sich eines schlichten aber funktionalen Bühnebildes, das wunderbar mit der Kulisse des Schlosses harmonierte. Zwar wirkten die Kostüme etwas billig, aber Chor, Orchester und Solisten waren dafür umso professioneller. Auch technisch gab es diesmal nichts auszusetzen. Ein klarer Sound in einer klaren Sommernacht.

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GiuseppeVerdi: „La Traviata
Produktion mit Solisten, Chor und Orchester des Nationaltheaters Brünn
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Urban Priol und der Club der Rothaarigen

14. Juli 2012 lweser Keine Kommentare

W. A. Mozart: Die Zauberflöte, Libretto von Emanuel Schikaneder, Thurn und Taxis Schlossfestspiele 2012, Schloss St. Emmeram, Regensburg

Gleich vornweg: Nein, die Inszenierung der Zauberflöte bei den diesjährigen Thurn und Taxis Schlossfestspielen hat nichts mit Sherlock Holmes und auch nichts mit politischen Kabarett zu tun, wie unsere Überschrift vielleicht nahe legen mag.

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In diesem Jahr feiern die Schlossfestspiele ihr zehnjähriges Bestehen. Vielleicht war auch deshalb bei der Eröffnung mit Mozarts Zauberflöte eine besonders große Zahl prominenter und pseudoprominenter Gäste anwesend, von denen die Hausherrin nur einen namentlich erwähnte. Die anderen Vorgestellten mussten sich bei der Begrüßung mit einer kurzen Umschreibung begnügen. Neben „einer wichtigen Persönlichkeit aus Ruanda“ und dem „Botschafter von Barbados“ nebst besonders herzlich willkommen geheißener Gattin, begrüßte Ihre Durchlaucht auch „den Wissenschaftsminister Bayerns“ und die “Wirtschaftsministerin“ (gemeint war vermutlich die Europaministerin Emilia Müller), sowie „den Oberbürgermeister“. Bei der Vorstellung des Ministerpräsidenten Ungarns Urban Priol - Tschuldigung, ich meine natürlich: Viktor Orbán, gab sie nicht nur einen recht langen ungarischen Satz zum Besten, sondern ließ die Robert-Schumann-Philharmonie auch die ungarische Nationalhymne intonieren. Von den fast 3000 Gästen stand der Großteil dabei auf. Der Großteil allerdings nur, denn neben einigen Applaus- und Standing Ovationen-Verweigerern, gab es auch vereinzelte Buh-Rufe. Der hauptsächlich wegen seines antidemokratischen Mediengesetzes in Kritik geratene rechte Politiker, wird davon vielleicht nicht allzu viel mitbekommen haben.

Die Handlung der Zauberflöte, deren Libretto bekanntlich der temporäre Wahl-Regensburger Emanuel Schikaneder schrieb, ist wirr, widersprüchlich und geheimnisvoll. Schikaneder soll das Libretto umgeschrieben haben, nachdem Wenzel Müller eine Oper nach der gleichen Vorlage („Lulu oder die Zauberflöte“) ankündigte. Das soll die Brüche und logischen Aussetzer erklären. Ein anderer Erklärungsansatz besteht darin, dass Schikaneder das Libretto möglicherweise nicht allein schrieb.

Wilgenbus Inszenierung, von der man sich recht viel versprach, immerhin handelt es sich um einen namenhaften, hochgelobten Regisseur, konnte leider in der ersten Hälfte nicht zünden. Bühnenbild und Auftritte wirkten statisch und einfallslos. Ein großes weißes Dreieck in der Mitte dominierte lange Zeit das Bühnenbild. Unmotiviert hingen Planetenpappscheiben an der Decke und die drei Drachen hatte man sich wohl von Peter Maffay ausgeliehen. Die Drei Knaben waren mehr damit beschäftigt, in ihre Spieluhr rein und raus zu klettern, als dort wirklich zu wirken. Lag es an diesen Details, dass einige Zuschauer nach der Pause nicht wieder erschienen, oder doch am, zum Ende der Pause einsetzenden Regen? Zwar gewann die Aufführung in der zweiten Hälft, wurde bunter, abwechslungsreicher und lebhafter, doch bis dahin musste man schon eine gewisse Gelassenheit an den Tag legen. Die Pappscheiben, nach der Pause angestrahlt, wenn nicht über Regensburg, so doch auf der Bühne einen sternenklareren Nachthimmel imaginierten. Warum Papageno, Tamino sowie ein weiterer Herr sich mit feurig rotem Haar schmückten, blieb indes auch am Ende ein Rätsel.

Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte
eine Produktion der Oper Chemnitz. Inszenierung: Dominik Wilgenbus, Musikalische Leitung: Frank Beermann, Chor der Oper Chemnitz und die Robert-Schumann-Philharmonie. Mit André Riemer, Guibee Yang, Julia Bauer, Andreas Kindschuh, Kouta Räsänen, u.a.

Heute noch bei den Schlossfestspielen sonst an der Oper Chemnitz
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Grauer Beton, rote Rosen und weiße Kamelien

6. November 2011 lweser Keine Kommentare

Oper/Wiederaufnahme: Giuseppe Verdi: La Traviata, Theater am Haidplatz, Regensburg

Der Roman Die Kameliendame (La dame aux camélias) von Alexandre Dumas d. J aus dem Jahr 1848 trägt in der Grundhandlung autobiographischen Züge. Die Beziehung Dumas zu der Kurtisane Marie Duplessis wurde auf Intervention seines Vaters getrennt. Marie Duplessis, starb nur 23jährig an Schwindsucht. Verdi befasste sich zeitnah mit dem Stoff, sah 1852 auch die Bühnenfassung, die Dumas selbst verantwortete. 1853 wurde La Traviata in Venedig uraufgeführt und fiel gnadenlos durch. Zum einen wegen der Vorverlegung der Handlung zu Beginn des 18. Jahrhunderts, zum anderen wegen einer Fehlbesetzung.

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Ein bis zweier Fehlbesetzungen macht sich auch die Regensburger Aufführung schuldig. Deshalb fällt sie hier aber noch lange nicht durch. Die Inszenierung von Arila Siegert, feierte im Mai Premiere, wurde in dieser Spielzeit wiederaufgenommen und war sofort ausverkauft. Das Bühnenbild von Marie-Luise Strandt, die seit 1996 mit Arila Siegert zusammenarbeitet, erinnert stark an den Brutalismus eines Le Corbusiers oder an die Hörsäle der Regensburger Universität, wo der maßgebliche Ton verschmutzter grauer Beton ist. Das passt rein farblich natürlich gut zu der Vielzahl roter Rosen, die mit ein wenig Phantasie als Kamelien interpretiert werden können, und dem roten Negligée, das Violetta ab dem dritten Akt trägt. Rein metaphorisch handelt es freilich um recht abgenutzte Bilder. Theodora Varga strahlt so viel Vitalität und Gesundheit aus, dass ihr, ebenso wie bei jener oben erwähnten Uraufführung, eine siechende Violetta kaum abzunehmen ist. Wahrscheinlich sinkt sie deshalb all zu oft zu Boden. So dass man am Ende nur noch wünscht sie möge es doch endlich hinter sich bringen und liegen bleiben. Doch weit gefehlt. Arila Siegert lässt Violetta nach ihrem Tod auferstehen, bzw. ihre Seele sich vom Körper lösen. Rein optisch wieder ein sehr schönes Bild, inhaltlich gibt es der Oper eine religiöse Ebene, die Verdi nicht vorgesehen hat. Was auch nicht nötig ist, denn an Pathos mangelt es der Oper nun wirklich nicht. Dass Arila Siegert vom Tanztheater kommt merkt man der Aufführung an. Da muss Theodora Varga schon mal kopfüber auf einer Treppe hängend singen. Sie meistert das scheinbar und überraschend mühelos. Auch die Passagen wo Tanz und Gesang vereinigt werden, bewältigt das gesamte Ensemble meisterhaft. Diese Leistung verlangt auch Ballettdirektor Olaf Schmidt in seiner Inszenierung der lustigen Witwe seiner Truppe ab. Auch dort singt Theodora Varga die Titelrolle.

Sonst kann man Dirigent Philip van Buren nur gratulieren. Denn trotz der inszenatorischen Schwächen, ist die Aufführung, dank der großartigen Orchester- und Gesangsleistung vor allem hörenswert. Neben Theodora Varga, erhielt Seymor Karimov, als Alfredos Vater enormen Applaus. Auch wenn er in Wirklichkeit, statt des Vaters wohl eher der Sohn Enrico Lees sein könnte.

Giuseppe Verdi: La Traviata, Theater am Haidplatz, Regensburg
Musikalische Leitung: Philip van Buren
Inszenierung: Arila Siegert
Bühne und Kostüm: Marie-Luise Strandt
Mit Theodora Varga, Enrico Lee, Seymor Karimov u.v.A.
weitere Termine: 30. Nov., 19. Dez. 2011, 14. Jan., 17. März 2012, jeweils 19.30 Uhr
www.theaterregensburg.de

Glaubenskrieg im Schloss St. Emmeram

18. Juli 2010 lweser Keine Kommentare

Giuseppe Verdi: Nabucco, Text: Temistocle Solero, Regie: György Salmeczi, mit Michele Kalmandi, Peter Berger, Martin Gurbal, Csilla Boross, Jana Wallingerová, Jurrij Gorbunov, Petr Levicek, Daniela Stratková-Sedrlová, Chor und Orchester der Janácek Oper des Nationaltheaters Brünn, bei den Thurn und Taxis Schlossfestspielen 2010, Regensburg

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Am Freitagabend wurde mit der Brünner Inszenierung der Verdi-Dauererfolgsoper Nabucco die diesjährigen Thurn und Taxis Schlossfestspiele im Innenhof des Schlosses St. Emmeram in Regensburg eröffnet. 3000 Zuschauer genossen in wärmster Sommernacht dieser opulenten Inszenierung. Wettertechnisch gab es am Premiereabend einen klaren Vorteil gegenüber der verregneten zweiten Vorstellung am Samstag.

Zugegeben, an das sperrige Bühnenbild musste man sich erst einmal gewöhnen. Doch wenn das geschafft war oder man es aus seinem Aufmerksamkeitsfeld auszublenden vermochte, konnte man sich voll und ganz auf den Kampf der Juden für ihre Freiheit und ihren Glauben im Jahre 578 v. Chr. und die hervorragende Leistung von Sängern, Chor und Orchester konzentrieren.

Die Liebesgeschichte der Handlung zwischen Fenena und Ismael ist dem hehreren Kampf des Volkes Israel für ihre Freiheit gegen die Babyloner untergeordnet. Mit der Uraufführung der Oper 1842 wurde wohl der Nerv der Zeit getroffen. Die Italiener sehnten sich nämlich nach einer Befreiung von der Österreichisch-Habsburger Fremdherrschaft. Das Libretto stammt von Temistocle Solero. Der Auftrag es zu vertonen wurde Verdi, der sich (nach dem Tod seiner beiden Töchter und seiner Frau) in einer schweren persönlichen Krise befand, geradezu aufgedrängt. Verdis Musik ist stark textorientiert. Der musikalische Schwerpunkt liegt bei den Chören. Die Vertonung von Soleros Vers am Anfang des Gefangenenchors “Va Pensiero, sull´ali dorate” (Flieg, Gedanke, auf goldnen Schwingen), wurde zum in ganz Italien gesungenen Befreiungslied und gilt als heimliche Hymne der Italiener.

Fenena (Jana Wallingerová), die Tochter des Babylonerkönigs Nabucco (Michele Kalmandi), hatte einst Ismael (Peter Berger), dem Neffen des jüdischen Königs Zedekia, zur Flucht verholfen, der dereinst als jüdischer Gesandter in Babylon Abigail (Csilla Boross), Fenenas Halbschwester, abwies. Fenena ist mit ihm geflohen. Nun, wo die Babyloner Jerusalem belagert, spricht deshalb der Hohenpriester der Juden Zacharias (Martin Gurba) seinem Volk Mut zu, schließlich habe man Fenena, die man als Geisel einsetzen könne. Doch Abigail gelingt mit ihren Truppen als Hebräer verkleidet, der Vorstoß in die jüdische Stadt. Nochmals gibt sie Ismael die Möglichkeit sich zwischen ihr oder dem Untergang seines Volkes einschließlich Fenena, zu entscheiden. Ismael lehnt ihren Antrag ab und verhilft Fenena zur Flucht zu ihrem Vater. Daraufhin bezichtigt das jüdische Volk Ismale während es gefangen gesetzte wird, des Verrates. Währendessen hatte Nabucco seine Nachfolge nicht an Abigail, sondern an Fenena übertragen, was Erstere bewegt erneut Racheplänen zu schmieden und sich mit dem Baalpriester (Jurrij Gorbunov) zu verbünden. Als Nabucco die Pläne Abigails entdeckt, sucht er sie zu vereiteln und wird von ihr gefangen genommen. Nachdem Nabucco den Gott der Hebräer um Hilfe angefleht hat, gelingt es ihm sich zu befreien, Fenena und die Hebräer zu retten, sowie seine Thron zurückzugewinnen. Er bekennt sich zum jüdischen Glauben und gibt Ismale Fenena zur Frau.

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Die Kostüme sind sehr aufwendig. Wer das mag, wird es mögen, den anderen erscheinen sie vielleicht eine Spur zu opulent. Die funktionale Bühne besteht aus einem zweigeteilten Baugerüst. Im ersten Akt stellt die vordere Seite des Gerüstes wohl den Tempelberg in Jeusaelm dar. Als Abigail mit ihren Mannen eindringt und das jüdische Volk in Fesseln legt, teilt sich der Berg. Die Bühne wird nach dem ersten Akt gedreht. Die Königsburg der Babyloner des zweiten Aktes wird durch die Rückseite der der Bühnenstellwände verbildlicht, die nun den Blick auf die Baugerüste freigibt auf denen ein paar roten Pappbildern im Stile des Futurismus befestigt sind. Sie sollen wohl den anderen Glauben der Babyloner verdeutlichen. Ab dem dritten Akt symbolisieren die schräg gestellten Gerüste die hängenden Gärten von Babylon. In ihrer Mitte thront das Götzenbild des Baals wieder im Stil des italienischen Futurismus.

Gesanglich konnte  neben dem Brünner Opernchor und Barriton Michele Kalmandi (Nabucco) vor allem die Sopranistin Csilla Boross in der Rolle der Abigail überzeugen. Mit große Begeisterung und Bewunderung wurde die Brünner Inszenierung vom Publikum aufgenommen.

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