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Hunger!

23. September 2009 lweser Keine Kommentare

Knut Hamsun: Hunger, gelesen von Oskar Werner

Am 4. August 2009 wäre der der norwegische Nobelpreisträger Knut Hamsun 150 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass gibt Hörbuch Hamburg eine kleine Besonderheit heraus: Die Neuauflage einer Aufnahme des SWR einer gekürzten Lesung von Hunger aus dem Jahr 1961. Der Leser ist kein geringerer als der große, 1984 verstorbene Oskar Werner.

Hunger (norw.: Sult) erschien 1890. Der handlungsarme Roman ist geprägt von assoziativen Beobachtungen und Gedanken des Ich-Erzählers. Es handelt sich um einen anonymen, jungen und gebildeten Mann, der am Rande der Gesellschaft lebt. Er versucht dem Hungertod zu entkommen und läuft ständig Gefahr obdachlos zu werden. Er schafft es mehr schlecht, als recht, einzig durch die gelegentliche Veröffentlichung einiger seiner Artikel und das Versetzen seiner gesamten Habseligkeiten im Pfandhaus. Der Hunger beherrscht bald sein gesamtes Denken. Im Hunger entwickelt er Wahnvorstellungen und eine gesteigerte Beobachtungsgabe. Die Not bringt ihn immer wieder in moralische Zwickmühlen. So versetzt er seine Weste um einem Mann zu helfen, den er selbst beinah nach Geld gefragt hätte. Er stürzt sich auf die Kuchen einer armen Kuchenfrau, der er vor mehreren Tagen Geld geschenkt hatte, da er die Schuld es ungerecht erhalten zu haben, nicht ertragen konnte. Er lehnt jede ihm angebotene Hilfe aus Stolz ab. Wäre die gesamte Situation nicht so tragisch, würde er in seiner unangemessenen Eitelkeit lächerlich wirken.

Die Hörbuch-Version ist stark gekürzt. Dadurch wirkt die Erzählung dichter, verliert jedoch ein wenig seine psychologischen Feinheit. Oskar Werner ist die ideale Besetzung für die Rolle. Die gedämpfte, fast monotone Stimme, zwischen Resignation und Wahn und Werners typischer Wiener Zungenschlag prägen die Darstellung.

Die Doppel-CD ist in einem ansprechendem Digipak erschienen.

Fazit: Eine bedrückende, fesselnde und seltene Produktion, die durch ihre Wiederauflage der Vergessenheit entrissen wurde.

Und hier unser Ostbayern-Bezug: Unser jüngst nach Kopenhagen ausgewanderter Schinderwies-Label-Betreiber Archie Müller, heiratet in die Familie des Mannes ein, der 1966 Hunger verfilmte und dafür in Cannes für die Goldene Palme nominiert wurde: Henning Carlsen.

hunger

Knut Hamsun: Hunger
Gekürzte Lesung von Oskar Werner
Hörbuch Hamburg (2009)
2 Audio-CDs, 156min; 19,95 €