märchenhaftes Roadmovie quer durch Deutschland
Der Mann der über Autos sprang, R: Nick Baker Monteys, D 2010, 105 min,
Als Vorpremiere bei den Feierlichkeiten zum 40jährigen Bestehen des Ostentor-Kinos in Regensburg
Das Ostentor-Kino gibt es schon länger als 40 Jahre und wurde auch nicht von Werner Hofbauer gegründet, verriet dieser, bei den Feierlichkeiten zum vierzigjährigen Bestehen. 1949 gründete Johann Schäfer aus Ostpreußen das Kino im zur Gaststätte „Neu Sankt Niklas“ gehörenden Tanzsaal. 1971 übernahm Werner Hofbauer dieses Kino, das seither Ostentor-Kino heißt. Seit Oktober 2010 wird es von vier Gesellschaftern in Gemeinschaftsarbeit betrieben, darunter Hofbauers Sohn Achim und alter Kino-Hase und Fahnenmagnat Richard Kattan. (Dazu siehe hier.) Zu den Festlichkeiten wurde bei kostenlosem Eintritt der erfolgreichste Film der Ostentor-Kino-Geschichte gezeigt: Harald und Maude aus dem Jahr 1971 von Hal Ashby. Dann spielte Mortimer, eine neue Regensburger Band mit vertrauten Mitgliedern, darunter Mosmann von Sublime und Pesi von G7-PA-Verleih, die mit ihren Repertoire an die andere Regensburger Instrumental-Band Containerhead oder an die Nürnberger Sutcliff erinnert. Und anschließend stand ein Überraschungsfilm auf dem Programm.
Der Titel Der Mann der über Autos sprang mag dem einen oder anderen vielleicht geschmacklos vorkommen, hat aber rein gar nichts mit dem “populären” Ereignis vor Kurzen zu tun. Welcher Überraschungsfilm zu sehen wäre, blieb darum bis zum Vorspann geheim. Die Kinobetreiber hatten Angst schon der Filmtitel, könnte die Leute aus dem Kino treiben. Eigentlich eine schlechte Vorraussetzung für einen Film, dessen Kinostart erst noch bevorsteht.

Pilgern ist spätestens seit Hape Kerkeling auch in der westlichen Welt wieder ziemlich angesagt. Der religiöse Aspekt steht dabei selten im Mittelpunkt. Die Meisten wollen durch das verlangsamte Tempo sich selbst und ihre Umwelt wieder anders und intensiver wahrnehmen. Eine Reise zu sich selbst also. In diesem Sinne trifft der Debutfilm von Regisseur Nick Baker Monteys den Nerv der Zeit.
Julian (Robert Stadlober) entflieht aus der Psychiatrie und wandert von Berlin nach Süddeutschland, um damit den Vater eines verstorbenen Freundes zur Genesung zu verhelfen. Auf seinem Weg bleibt er nicht lang allein. Er trifft die überlastete Ärztin Ju (Jessica Schwarz) und Ruth (Anna Schudt), die mit ihrer Familie auf dem Weg in den Urlaub ist. Während seines Weges wird er, vom aus der Bahn geworfenen Polizisten Jan (Martin Feifel) verfolgt, der Julian als eine Art Rehabilitation wieder zurückbringen soll.
Es handelt sich um ein märchenähnliches Roadmovie im Stile Der Bremer Stadtmusikanten oder Des Zauberers von Oz, allerdings mit spirituellen Anstrich. Mit dem esoterischen Teil bezieht sich Nick Baker Monteys eindeutig auf Werner Herzog, der 1974 von München nach Paris wanderte, um der Filmhistorikerin Lotte Eisner, die dort schwer erkrankt war, das Leben zu retten. Seine Erfahrungen schrieb Herzog in dem Buch Vom Gehen im Eis nieder.
Das Erzähltempo des Filmes ist ruhig. Anfangs wirken die wenigen Dialoge etwas hölzern, was vielleicht dem etwas gewöhnungsbedürftigem spirituellen Überbau geschuldet ist. Doch mit der Zeit entfaltet der Film einen magischen Sog. Die Wanderung wirkt, wie erwartet auf alle Beteiligten kathartisch. Auch der Zuschauer hat nach dem Film Lust das Tempo herunterzudrehen und vielleicht sogar die Wanderschuhe aus dem Schrank zu holen. Und die Kinobetreiber wiederum hatten nach den positiven Publikumsreaktionen Lust diesen Film ins Programm zu nehmen.
Der Mann der über Autos sprang, R: Nick Baker Monteys, D 2010, 105 min,
mit: Robert Stadlober, Jessica Schwarz, Martin Feifel, Anna Schudt, Robert Schupp
offizieller Kino-Start: 01.06.2011, auch in den Altstadtkinos in Regensburg
www.arsenalfilm.de/der-mann-der | www.altstadtkinos.de





