Archiv

Artikel Tagged ‘Regensburger Kurzfilmwoche’

Hochgenuss für Film- und Musikliebhaber mit Lotte Reiniger

18. März 2013 lweser Keine Kommentare

Lotte Reiniger, die Kurzfilmwoche zu Gast in der Hochschule für katholische Kirchenmusik, Regensburg

kufi2013_lotte-reiniger1Mit großer Spannung wurde bei der diesjährigen Regensburger Kurzfilmwoche auf eine neue Zusammenarbeit der besonderen Art geblickt: die des Festivals mit der Hochschule für katholische Kirchenmusik und gleichzeitig mit der Regensburger Stummfilmwoche. Das mag nur auf den ersten Blick eine absolute Neuheit sein, denn mit den “Plattenfilmen” gibt es ja bereits eine Tradition der Live-Vertonung von Kurzfilmen bei der Kurzfilmwoche. Zugegeben, das ist nur halb-live, kommt doch die Musik, die aufgelegt wird, aus der “Konserve”.

Die Studenten der Hochschule für Kirchenmusik vertonten einige der liebevoll gestalteten Silhouettenfilme von Lotte Reiniger aus den Jahren 1921 bis 1954, die sich neben der Detailgenauigkeit auch durch viel Witz auszeichnen. Dabei offenbarte sich eine musikalische Bandbreite, die von Kirchenmusikstudenten nicht unbedingt erwartet wurde. Da gab es zarte Einzelbegleitung mit Orgel (Max Pöllner) zu Carmen oder Cello (Stefan Shen) zu Galathea, eine Adaption der Pygmalionsage. Ein klassisches Ensemblespiel mit zwei Violinen, Kontrabass, Klavier, Klarinette und Cello kam bei einer Adaption des Rattenfängers von Hameln zum Einsatz. In der Auftragsarbeit, die Reinigner zum Tag der Hausmusik produzierte, werden statt Kinder Musikinstrumente entführt. Zum Kleinen Schornsteinfeger waren jazziger Clubsound und bekannte Filmmusikmotive von James Bond bis zum Rosaroten Panther zu hören. Henriette Olbertz, Katrin Schmidmayr und Armin Weinfurter sind ein eingespieltes Trio mit Astor-Piazzolla-Vorliebe, die mit Cello, Klavier und Geige, Reinigers Dornröschen in Tangoflair versetzten. Der fliegende Koffer von 1921, nach einem Märchen von Hans Christian Andersen, das im fernen China spielt, wurde von Franzi Kießl und Kristin Schorr mit Geige und einer Vielzahl Percussioninstrumenten zauberhaft akzentuiert. Georg Zeller (Klavier, Akkordeon und Kazoo) und Stefan Shen (Cello, Geige) unterstrichen den Witz von Reinigers expressionistischem Aschenputtel aus dem Jahr 1922 sogar mit Gesang und mit Hilfe eines Luftballons.
Dass die Kirchenmusikstudenten dabei nicht hinter den routinierten Vertonungen der Stummfilmwoche zurückstehen müssen, bestätigten neben einigen Gästen auch Nicole Litzl, die Leiterin der Regensburger Stummfilmwoche, die mit viel Hindergrundwissen zum Stummfilm im Allgemeinen und dem Silhouettenfilm im Besonderen, sowie mit einigen Anekdoten aus Lotte Reinigers Leben, durch den Abend führte.
Die Zuschauer der knapp dreistündigen Veranstaltung hätten gut eine kleine Pause vertragen können. Insgesamt war der Abend ein Hochgenuss für Film- und Musikliebhaber.
Mit einigen kleinen Verbesserungen (z.B. einer etwas größeren Projektion, einem geheizten Konzertsaal und einer professionelleren Vorstellung der Musiker) wäre es wünschenswert, wenn diese Art der Zusammenarbeit weitergeführt und ausgebaut würde.

Alle, die Lust auf mehr Lotte Reiniger bekommen haben, können bei der 31. Regensburger Stummfilmwoche im August 2013, ihren Langfilm, und den ersten Lang-Trickfilm der Filmgeschichte überhaupt (1923-1926), Die Abenteuer des Prinzen Achmed sehen. Vertont wird er von den Gebrüdern Teichmann und Leo Hurt.
Bei der Kurzfilmwoche, die noch bis zum 20 März geht, kann man morgen, am Dienstag 21.00 Uhr im Ostentor-Kino die Plattenfilme sehen und hören. Es soll noch Karten geben.
www.kurzfilmwoche.de | www.filmgalerie.de | www.hfkm-regensburg.de
Mit Dank an www.photographie-fischer.de

Auf das Timing kommt es an, auch in Bayern

15. März 2013 ffranc Keine Kommentare

Bavarian MuVis bei der 19. Regensburger Kurzfilmwoche am 15.03.2013 @ Filmgalerie im Leeren Beutel

Das einzige Programm der Reihe The World of Shorts - The World of Music bei der diesjärigen Kurzfilmwoche in dem ausschließlich Musikvideos gezeigt werden, nennt sich Bavarian MuVis. Kurator Stefan Grunwald-Wiese hat darin ganze 26 Beiträge von ausschließlich bayerischen Interpreten versammlet, daher auch der Programmname. Ein gewagtes Unterfangen. Weniger durch die eingeschränkte geografische Auswahl, als darin begündet, A) eine möglichst große Bandbreite sowohl in musikalischer als auch in filmischer Hinsicht zu zeigen, und B) dass Musikvideos allzu oft aus cineastischem Blickwinkel nach unten ausschlagen, weil das Hauptanliegen vieler Musiker darin besteht, als Person einen möglichst guten Eindruck zu machen. Andererseits bot das “Genre” des Musikvideos Filmemachern schon immer die Möglichkeit sich möglichst frei und experimentell auszutoben.
Dass die Bavarian MuVis sowohl das eine als auch das andere unter Beweis stellt ist selbstredend. Auffallend jedoch ist, dass weder ein fränkischer Beitrag, noch einer aus früheren Regionalfenstern, wie die eines Säm Wagners oder Blink & Remove, den Weg ins Programm fanden.

beigegt-faq

Zwei Videos waren eigentlich total überflüssig: ein Live-Mitschnitt mit animiertem Intro von Hans Söllner und eine Studio-Session von Nixon In China - beides filmisches Nichts! Zwei andere fielen aus unterschiedlicher Sicht aus dem Rahmen. Die United Balls als einzige Vertreter aus der Musikvideo-Steinzeit (1981) und das Ost Hafen Duo mit einer Musik jenseits aller Kategorien und einem Bild als stilllebenhafte Homage an den Gäuboden.
Besonders beliebt im Musikvideo-Biz scheint die Stop-Motion-Technik zu sein. Egal ob als Realfilm (Slut), Puppenanimation (The Notwist) oder Zeichentrick (Missent to Denmark), die Ergebnisse darin erübrigen nicht einer gewissen Niedlichkeit, sind ansonsten sehr durchschnittlich, wenig originell und meist mies bis gar nicht choreografiert.
Wie wichtig Timing bei Musikvideos ist zeigen die Höhepunkte dieses Programms. Blumentopf aus München haben zu einem der wahrscheinlich bescheuertsten Deutsch-Hip-Hop-Nummern ein Zu-Fuß-Roadmovie ohne Schnitt realisiert, nicht besonders originell, aber eben perfekt getimt und schlüssig. Ebenso Ebow mit einem reinen “Tanzfilm” im Eighties-Look, beige GT mit einer eher grafischen Optik und anheimelnden Szenen aus einem Nordoberpfälzischen Auto-Tuning-Treffen, und der Fast-Oldie der Sportfreunde Stiller Wellenreiten ‘54, mit simplen Aufnahmen aus einem Freibad mit Dreifach-Sprungturm.

Drei Videos, die besonders herausstachen, waren zum einen Fittenbudes Wings. Der einzige Teilnehmer, der einem kleinen Spielfilm glich und völlig vom musikalischen Takt losgelöst, das Coming-Out eines Lehrers thematisiert. ZiehGäuner aus dem Bayerischen Wald haben mit Ihrem Film zu Mamabua nicht nur einen Mitreißer erster Güte, sondern auch ein traumhaftes Video aus 50er-Jahre-Found-Footage und darin integrierten und nicht merkbaren Aufnahmen der Band geschaffen. Ein perfekter Spaß auf ganzer Linie und ein positiver Beitrag aus der ON3-Werkstatt des Bayerischen Rundfunks, die ansonsten eher aufgeblasene Teenie-Selbstdarstellung unterstützt. Und zu Guter Letzt sei noch Zombie Nations Gizmode erwähnt, ein perfekt choreografierter, klassischer Musikclip mit optimal ins Bild gesetzten Aufnahmen aus Tokyo. Einfach, gut, stimmig.

Die anschließend im Foajee der Filmgalerie stattfindende Foyerstelle-Party war ebenso stimmungvoll wie schlecht besucht. Um so mehr konnten die Anwesenden beinahe schulterzuckend über die sich viral mündlich verbreitenden Neuigkeit des Ausfalls der morgigen “großen” Zündfunk-Party hinwegsehen. Ihren Spass hatten sie ja schon gehabt, egal ob flätzend im Fatboy oder aktiv auf den Tanzplanken des Leeren Beutels. Wer die Feuerstelle nicht ehrt, ist des Zündfunkes nicht wert.

Alle, die sich einen Überblick über bayerische Musikvideoproduktionen verschaffen möchten und über einen breitgefächerten Musikgeschmack verfügen, können sich noch heute und am Dienstag den 19.03.2013 im W1, jeweils um 21.00 Uhr die “Bavarian MuVis” anschauen.
www.kurzfilmwoche.de | www.filmgalerie.de

Ansonsten sind alle Videos auch im Web zufinden, wie zum Beispiel aus Sympathie-Gründen:

(Nicht)Veranstaltungen vom 15. - 21.03.2013

14. März 2013 lweser Keine Kommentare

imgp7832bweb2
13.-20. März 2013, Regenburg
19. Regensburger Kurzfilmwoche
Neben acht internationalen, vier deutschen Wettbewerbs-Programmen, einem Bayernfenster- und zwei Regionalfenster-Programmen gibt es dieses Jahr viel zum Thema Musik und ein bisschen Griechenland. Hier noch ein paar ausgesuchte Tipps von uns:
Donnerstag, 14. März, 00.00 Uhr, Foyer Filmgalerie, Foyerparty: eine einst beliebte Veranstaltung, die nun wieder belebt und erstmals in die Kurzfilmwoche integriert wird; das könnte schön werden
Freitag, 15. März, 20.00 Uhr, Kunstverein GRAZ, MA Julia Bayerl kuratiert die digitale Installation “The Rhythm of Polizeiruf 110
Freitag, 15. März, 21.00 Uhr, (neue) Heimat (nicht zu verwechseln mit der ehemaligen Neuen Heimat, nicht dass noch jemand in ein Bauloch fällt), Zündfunkparty; schon immer völlig überlaufen, jetzt auf noch begrenzterem Raum
ACHTUNG KEIN WITZ: DIE ZÜNDFUNK-PARTY FÄLLT AUS!
Samstag, 16. März, 21.00 Uhr, Hochschule für kath. Kirchenmusik (Andreasstr./Stadtamhof), Lotte Reininger; die liebevoll gestalteten Scherenschnitt-Filme werden live vertont von Studenten der Kirchenmusikhochschule;
Samstag, 16. März, 23.00 Uhr, Ostentorkino, Horror-Kurzfilmnacht; die jüngste Kult-Veranstaltung der Kurzfilmwoche und Publikumsmagnet geht in die 3. Runde
Sonntag, 17. März, 14.00 Uhr, Sportplatz des Albrecht Altdorfer Gymnasiums (bei der königlichen Villa) Shorts United Fußballmatch; Eine der wenigen Gelegenheiten Kurzfimwochenbeteiligte und Gäste bei Tageslicht zu sehen; wie immer gegen die Damenmannschaft Kosmos Ost.
Dienstag, 19. März, 20.00 Uhr, W1, Der Journalist Matthias Dell liest aus seinem Buch “Herrlich inkorrekt“: Die Thiel-Boerne-TATORTE.
Dienstag, 19. März, 21.00 Uhr, Ostentorkino, Die Plattenfilme muss man natürlich ebensowenig ankündigen, wie die Zündfunkparty, der Vollständigkeitshalber tun wir es natürlich dennoch. Es vertonen live Looney Tune, Tom Tiger, Linus Quick, Markus Guentner und weitere.
Außerdem gibt es nach den Vorstellungen am Mittwoch, Samstag, Dienstag und Donnerstag die KuFiWo-After Hour mit wechselnden DJs in der Kinokneipe. Ein paar mal weniger als sonst.
www.kurzfilmwoche.de

Freitag, 15. März 2013, 19.00 Uhr, Kunst- und Gewerbeverein Regensburg
Ausstellungseröffnung: Manfred Hamm: „Konzerthäuser und andere Räume“; Einführung: Hubert Schwarz (Galerist, Greifswald) und Reiner R. Schmidt (3. Vorsitzender Kunst- und Gewerbeverein); bis 14. April 2013

Freitag, 15. März 2013, 19.00 Uhr, galerie konstantin b. (Brixner Hof) Regensburg
Lesung: Gerd Burger liest im Rahmen der aktuellen Ausstelleung Entstauner – Bilder von Thomas Hart aus Eugen Okers “Der Kuckuck von Timbuktu” - Oder Tiere sind auch Menschen. Ein Bilderbuch über Vögel und andere Viecher. Für die Neuausgabe dieses Buches - im Lichtung Verlag erschienen - hat Thomas Hart schräge Szenarien mit Tieren kongenial passend zu Okers Texten ins Bild gesetzt. Thomas Hart wird ebenfalls anwesend sein.

Freitag, 15. März 2013, 20.00 Uhr, Jazzclub im Leeren Beutel, Regensburg
Konzert: Rebecca Bakken, Eintritt: 27/29 €
www. jazzclub-regensburg.de

Mittwoch, 20. März 2013, Bücher Pustet, Regensburg
Lesung: Barbara Krohn: Regensburger Requiem. Kurzkrimis von der Donau; Eintritt: 9/7 €
www.verlag-pustet.de

Donnerstag, 21. März 2013, 20.30 Uhr, Kinos im Andreasstadel, Regensburg
Party: Pecha Kucha Vol. 12, Eintritt: 3 €
www.hotel-des-artistes.org

21. März - 6. August 2013, div., Regensburg
Schleudertraum 9. Festival für aktuellen Tanz in Bayern
Veranstaltungsorte: Städtischen Galerie im Leeren Beutel, Kunstverein Graz, Theater an der Universität, Wintergarten, Kino im Andreasstadel und im Künstlerhaus am selben Ort, Ballett in der Altstadt
das komplette Programm finden Sie unter:
www.tanzstelle-R.de

19. Regensburger Kurzfilmwoche mit noch mehr Musik als sonst

7. März 2013 lweser Keine Kommentare

regensburger-kurzfilmwoche-2013
13.-20. März 2013, Regenburg
19. Regensburger Kurzfilmwoche steht diesmal ganz unter dem Thema Musik. 7 Programme zum Thema (von Metal Heavy über Punk bis Bavarian MuVis) werden zu sehen sein. Gastland wird das stark gebeutelte Griechenland sein, dessen Kurzfilmschaffen in drei Programmen vorgestellt wird.
Weiterhin gibt es natürlich die Wettbewerbs-Programme: acht internationale, vier deutsche, ein Bayernfenster- und zwei Regionalfenster-Programme.
Mittwoch, 13. März, 19.00 Uhr, Eröffnungsfeier mit der Band Missent to Denmark, anschließend 22.00 Uhr Eröffnungsfilmprogramm
Donnerstag, 14. März, 00.00 Uhr, Foyer Filmgalerie, Foyerparty: eine einst beliebte Veranstaltung, die nun wieder belebt und erstmals in die Kurzfilmwoche integriert wird; das könnte schön werden
Freitag, 15. März, 20.00 Uhr, Kunstverein GRAZ, MA Julia Bayerl kuratiert die digitale Installation “The Rhythm of Polizeiruf 110
Freitag, 15. März, 21.00 Uhr, (neue) Heimat (nicht zu verwechseln mit der ehemaligen Neuen Heimat, nicht dass noch jemand in ein Bauloch fällt), Zündfunkparty; schon immer völlig überlaufen, jetzt auf noch begrenzterem Raum
Samstag, 16. März, 21.00 Uhr, Hochschule für kath. Kirchenmusik (Andreasstr./Stadtamhof), Lotte Reininger; die liebevoll gestalteten Scherenschnitt-Filme werden live vertont von Studenten der Kirchenmusikhochschule;
Samstag, 16. März, 23.00 Uhr, Ostentorkino, Horror-Kurzfilmnacht; die jüngste Kult-Veranstaltung der Kurzfilmwoche und Publikumsmagnet geht in die 3. Runde
Sonntag, 17. März, 14.00 Uhr, Sportplatz des Albrecht Altdorfer Gymnasiums (bei der königlichen Villa) Shorts United Fußballmatch; Eine der wenigen Gelegenheiten Kurzfimwochenbeteiligte und Gäste bei Tageslicht zu sehen; wie immer gegen die Damenmannschaft Kosmos Ost.
Dienstag, 19. März, 20.00 Uhr, W1, Der Journalist Matthias Dell liest aus seinem Buch “Herrlich inkorrekt“: Die Thiel-Boerne-TATORTE.
Dienstag, 19. März, 21.00 Uhr, Ostentorkino, Die Plattenfilme muss man natürlich ebensowenig ankündigen, wie die Zündfunkparty, der Vollständigkeitshalber tun wir es natürlich dennoch. Es vertonen live Looney Tune, Tom Tiger, Linus Quick, Markus Guentner und weitere.
Außerdem gibt es nach den Vorstellungen am Mittwoch, Samstag, Dienstag und Donnerstag die KuFiWo-After Hour mit wechselnden DJs in der Kinokneipe. Ein paar mal weniger als sonst.
www.kurzfilmwoche.de

13. - 18. März, 14. Landshuter Kurzfilmfestival
Das zweitgrößte ostbayerische Kurzfilmfestival soll natürlich auch nicht vergessen werden. Dumm dass seit der Terminverschiebung des Regensburger Festivals beide wirklich zeitgleich laufen müssen. Neben den normalen Kurzfilmpreisen gibt es in Landshut auch einen einem Horrorfilmpreis, den Deadline Award.
www.landshuterkurzfilmfestival.de

Donnerstag, 14. März 2013, 20.30 Uhr, Bücher Pustet, Gesandtenstr., Regensburg
Lesung: Stephan Thome: Fliehkräfte; Roman über einen Spätaussteiger mit „atemberaubendem Gespür für die Niederlage“; Eintritt: 9/7 €
www.pustet.de | www.suhrkamp.de

Out of Ostbayern - Veranstaltungstip

bis 26.05.2013; ZEPHYR, Mannheim
Fotoausstelltung: Miroslav Tichý: DIE STADT DER FRAUEN
der Tscheche Miroslav Tichý (1926-2011) hat klassische Malerei an der Prager Akademie studiert. Wurde vom kommunistischen Regime mit Arbeitsverbot belegt, verbrachte 8 Jahre im Gefängnis und schuf unzählige Fotos mit selbstgebauten Kameras von Frauen aus seinem Heimatort. Trotz seiner späten Berühmtheit lebte er bis zu seinem Tod im Jahr 2011 in selbst gewählter Askese und bitterer Armut. Seine meist schemenhaften Fotos wirken wie aus einer anderen Welt.
ZEPHYR - Raum für Fotografie / C4.9b / 68159 Mannheim /
Öffnungszeiten täglich außer Montag 11 bis 18 Uhr
www.zephyr-mannheim.de | www.tichyfotograf.cz

18. Regensburger Kurzfilmwoche - Regionalfenster 1

20. März 2012 sgruen Keine Kommentare

Recht durchwachsen

(Sigrid Grün)

Eine herbe Enttäuschung konnte der Zuschauer beim Regionalfenster 1 der diesjährigen Regensburger Kurzfilmwoche erleben. Die Moderatorin wirkte unvorbereitet, die Filme lieblos zusammengestellt und erst während (!) des dritten Films wurden die drei Sofas zur Seite geschoben, die die Sicht auf die Leinwand behinderten. Die meisten Filme wurden im falschen Format gezeigt und alle Filme wurden ohne Pause abgespielt, so dass man die Übergänge zwischen manchen Streifen überhaupt nicht richtig bemerkte und das soeben Gesehene kaum auf sich wirken lassen konnte.
Bei der Auswahl der Filme musste man sich unweigerlich die Frage stellen, nach welchen Kriterien ausgewählt wurde. Einige wenige Filme konnten überzeugen - und gingen leider in der scheinbar sehr beliebigen Auswahl unter.

Den Auftakt machte ein netter kleiner Animationsfilm von Tim Schwaiger und Katharina Klier. Ein Kamel ist in LUCKY STRIKES der lachende Dritte.
KLAPPENTEXT von David Liese wirkte stark aufgesetzt. Die dramatisch intendierte Handlung rutsche schon nach wenigen Sekunden ins banale Befindlichkeitskino ab und wurde so leider auch unfreiwillig komisch.
Lysann Wesers Geschichten vom Fluss waren dann wiederum eine runde Sache. Eine berührende Dokumentation, in der das Leben der vier Mattinger Fährmänner reflektiert wird. Hier konnte man einen Film der leisen Töne sehen, der den Donaufährverkehr auf wunderbare Weise einfängt und die Fährleute selbst zu Wort kommen lässt. Der Schluss des Films stimmt nachdenklich - der Fährverkehr in Matting wird wohl über kurz oder lang eingestellt werden. Einer der mitwirkenden Fährmänner war bei der Premiere von Wesers Dokumentarfilm auch anwesend. Leider beeinträchtigte das Sofagerücke zu Beginn des Films die meditative Atmosphäre sehr stark - und auch das Format, in dem die Geschichten vom Fluss abgespielt wurden, entsprach nicht dem Originalformat (16:9). Ein weiterer ärgerlicher Fauxpas, der bei einem professionellen Filmfestival nichts verloren hat.
Murphy’s Snow. Murphy’s Gesetz erklärt an sieben Beispielen von Christopher Baumann entbehrte nicht einer gewissen Komik - aber nicht an den Stellen, an denen er es wohl sein sollte. Schade!
Auch Blasenfrei zapfen sollte das Publikum zum Lachen reizen - aber auf eine Pointe wartete man vergeblich und für einen “Anti-Humor-Streifen” war er einfach zu bemüht.
Wolfgang Wrobleskis Einer weint immer greift das Konzept von letztem Jahr wieder auf: Eine Handlung wird nicht im Film dargestellt, sondern nur erzählt. Was einmal vielleicht lustig ist, ist es in den seltensten Fällen beim zweiten Mal wieder.
Decks an the City war wiederum ein Musikvideo - oder viele eher Visuals - die in einem soliden Kurzfilmprogramm eine schöne Abwechslung inmitten von handlungsreichen Filmen gewesen wäre - in einem derart schwachen Programm ging er leider unter.
Auch die 1000 Augen des Klaus Kinski wäre im Prinzip eine tolle Idee gewesen. Leider wirkte das zusammengeschnittene Material, das Klaus Kinski in den typischen Posen mit weit aufgerissenen Augen zeigt, eher konzept- und lieblos.
Alles Bürste, oder was? - wiederum eine Dokumentation, diesmal über das Bürstengeschäft in der Regensburger Innenstadt, hätte eigentlich aufgehen müssen. Die Bürstenmacherin ist einfach ein Original. Da hätte man einfach nur die Kamera draufhalten müssen. Die unbeholfenen Fragen des Interviewers wirkten leider unfreiwillig komisch, die Kamera zeigte vieles, nur allzu oft nicht den Bildausschnitt, der von Interesse gewesen wäre und ein falsch gesetzter Schnitt unterbrach die Bürstenmacherin mitten im Wort! Kann man so etwas - Regionalfenster hin oder her - wirklich im Rahmen eines professionell aufgezogenen Kurzfilmfestivals zeigen?
Ganz schön war wiederum das Musikvideo von Zarate - Felizidad Zarate, ein “kleines Musikvideo mit Eseln und Autos”. Die Musik war einfach nett und die Band ist sympathisch. Wenigstens zum Schluss bekam der Zuschauer noch einen kleinen Glanzpunkt zu sehen.

Nach diesem Programm muss man sich als Zuschauer die Frage stellen, ob es nicht besser wäre mangels genügend geeignet erscheindener Filme das Regionalfensterprogramm bei Bedarf auf ein einziges Programm einzudampfen und dafür auf Qualität zu setzen. Das Publikum würde es danken!

Schleudertraum und Kurzfilmwoche

8. März 2012 lweser Keine Kommentare

banner-kurzfilmwoche2012

Freitag, 09. März 2012, 19.00 Uhr, Kunst- und Gewerbeverein, Ludwigstr., Regensburg
Austellungeröffnung: Die Treppe - Leiter der Sinne. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Regensburg, Architektur.
www.kunst-und-gewerbeverein.de

9. März - 23. Mai 2012, Sigismundkapelle/Theater an der Universität, Regensburg
Schleudertraum 8, beginnt am 9. März 19.30 Uhr mit der Uraufführung der Tanzperformance „Zoes Bios Box“ von Alexandra Karabelas in Zusammenarbeit mit der Regensburger Kurzfilmwoche in der Sigismundkapelle bei freiem Eintritt. Am 15. März gibt es zur gleichen Zeit am gleichen Ort ein Künstlergespräch zur Performance.
Am 24. März findet „Choreograhic Communities“ statt. Es besteht aus dem Jugend-TanzTheater-Projekt „Susi Orange mit Augen“ von Eva Eger, „Komplizierte Einfachheit“ von und mit Martina Feiertag und „E-Motion. Private Space 2“ von Berenika Kmiec. Eintritt: 15/12 €. Vor den Vorstellungen von „Choreograhic Communities“ läuft der Tanz-Kurzfilm „Findlinge“ mit der Tanzkompanie „here we are“ über die Elbe-Werkstätten in Hamburg von Anke Böttcher, Alexandra Heneka un Filip Piskorzynski.
Ab 25. März gibt es am Theater an der Universität das aus vier Tanzprojekten bestehende Stück „Mixed Pickles“. Die Teile: „Love:Hate:Desire“ von Eva Eger, „Passing Through“ von Ute Steinbergger, „Huljet“ von Sebastian Bonivento und „Hungary Butterflies 2“ von Alexandra Karabelas mit Olaf Schmidt und Kilta Rainprechter. Eintritt: 12/10 (VVK) bzw. 15/12 € (AK)
www.tanzstelle-r.de | vhs-regensburg.de

9.-17. März 2012, u.A. Theater am Hagen, Straubing
16. Figurentheaterfestival u.a. mit Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer, Alibaba und die 40 Räuber und Romeo und Julia.
www.straubing.de

10. März 2012, 19.30 Uhr, Theater am Bismarckplatz, Regensburg
Ballett-Premiere Schatten, ein Ballettabend mit Orchester von Olaf Schmidt und Walter Matteini und Musik von von Arvo Pärt, Arnold Schönberg und Gustav Mahler.
Weitere Vorstellungen: 13./24./31. März, 07./15. (15 Uhr)/21./29. April, 12. Mai, 23. Juni 2012; jeweils 19.30 Uhr.
www.theaterregensburg.de

14.-21. März 2012, 18. Regensburger Kurzfilmwoche
diesmal in teilweise neuen Orten: darunter Gloria und Kunstverein Graz, wie immer Filmgalerie Leerer Beutel und Ostentor-Kino.
Die diesjährige Kurzfilmwoche kreist ganz um das Thema Porno. Alle acht Poneaux-Programme laufen im Kunstverein Graz (Schäffnerstraße) inmitten der gleichnamigen Ausstellung.
Leider kommt der Länderschwerpunkt dafür ein wenig zu kurz. Die zwei Rumänien-Programme laufen nur Mittwoch, 22. März 20.00 und 22.00 Uhr - zeitgleich zur Preisverleihung.
Weiterhin gibt es natürlich die Wettbewerbs-Programme: acht internationale, vier deutsche, ein Bayernfenster- und zwei Regionalfenster-Programme.
Mittwoch, 14. März, 19.00 Uhr, Eröffnungsfeier mit der regensburger Band Mortimer, anschließend 22.00 Uhr Eröffnungsfilmprogramm
Freitag, 16. März, 21.00 Uhr, Gloria, Zündfunkparty
Samstag, 17. März, 19.00 Uhr, Neupfarrplatz, „A Wall is a Screen“ ist ein kostenloser Kurzfilmrundgang durch die Stadt. Ein Projekt der gleichnamigen? Hamburger Künstlergruppe. Dauer: 1,5-2 Stunden.
Sonntag, 18. März, 14.00 Uhr, Sportplatz des Albrecht Altdorfer Gymnasiums (bei der königlichen Villa) Shorts United Fußballmatch; Eine der wenigen Gelegenheiten Kurzfimwochenbeeiligte und Gäste bei Tageslicht zu sehen; wie immer gegen die Damenmannschaft Kosmos Ost.
Dienstag, 20. März, 21.00 Uhr, Ostentorkino, Die Plattenfilme muss man natürlich ebensowenig ankündigen, wie die Zündfunkparty, der Vollständigkeitshalber tun wir es natürlich dennoch. Die Teichmänner und Acid Maria sind wieder nicht (mehr) dabei. Dafür kehrt Maritim an die Plattenteller der KFW zurück. Spruce, Looneytunes, Tom Tiger und Markus Guentner bilden mittlerweile den festen Kern und neu hinzu kommt Mathias Schaffhäuser und Linus Quick.
Außerdem “wie immer”: täglich (außer Feitag) nach den Vorstellungen: Musik, Getränke und Gespräche mit wechselnden DJs in der Kinokneipe.
www.kurzfilmwoche.de | www.filmgalerie.de | www.kunstvereingraz.de

Donnerstag, 15. März 2012, 20.30 Uhr, Kino Akademiesalon, Andreasstadel, Regensburg
Cinoche: J’ai toujours rêvé d’être un gangster (F 2007) von Samuel
Benchetrit mit den schönsten Schnauzbarttäger Jean Rochefort und Alain Bashung.
www.kinos-im-andreasstadel.de

Regensburg Sammelsurium, Kurzfilmwoche und Blink And Remove

1. November 2011 lweser Keine Kommentare

Es ist endlich November, der Nebel hängt schwer über das mittelalterliche Gemäur unserer Stadt, das Laub ist bunt, ob am Boden oder gerade noch an den Bäumen. Es ist Herbst und Allerheiligen. Und der Allerheilgste hat uns kürzlich einer waschechten regensburger Institution beraubt, hat Michael Hinz aka Punker-Mike zu sich geholt, um Beastie-Boys-Lyrics mit Ihm zu analysieren. Farewell Mike.

Ebenjener taucht auch in einer neuen Publikation auf, auf Seite 92. In Das Lustige und interessante Regensburg Sammelsurium - Geheimnisse, Kuriositäten, Wissenswertes für Regensburger und alle anderen! von Philipp Starzinger taucht Punker-Mike zwischen den Schlagwörtern “Pflaster” und “Patronen der Stadt” auf (gemeint sind selbstverständlich die Schutzheiligen und nicht irgendwelches Arsenal). Philipp Starzinger hat während der letzten drei Jahre fleißig Anekdoten und Kuriositäten zu Regensburg gesammelt und nun in einem hübsch illustrierten und aufgemachten Buch im Eigenverlag veröffentlicht. Alphabetisch geordnet von A (wie AC/DC) bis Z (wie Zwerge) findet sich viel Wissenswertes, Seltsames, Amüsantes und überflüssiges Wissen, das vor allem Einheimischen, sowohl vergessene Erinnerungen wieder hervorholen, als auch mit Unbekanntem überraschen wird. Für Auswertige ist es eine wirklich schöne Aufstellung dessen, was Regensburg außerhalb der Marketingprospekte und neben Altstadt, Dom und Steinerner Brücke ausmacht.
Das Regensburg Sammelsurium wird am 29. November im Brandl-Bräu vorgestellt. Das Buch kann aber jetzt schon zum Subskriptionspreis von 12,95 € incl. Versand vorbestellt werden unter:
www.phista.de

apopos Buchvorstellung, es gibt auch bald wieder eine Hörbuchvorstellung aus DEM Hörbuchverlag unserer Stadt: der Lohrbär-Verlag ist nach seiner Nominierung 2009 zum Deutschen Hörbuchpreis für den Fahrradspeichenfabrikkomplex auch heuer wieder in den Top-Rankings für Hörspiele zu finden. Seine aktuelle Produktion, Marieluise Fleißers Eine Zierde für den Verein, belegt im November Platz 3 der Bestenliste von hr2 Kultur, knapp hinter Josef Bierbichler und Judith Schalansky.
Das Hörbuch Eine Zierde für den Verein wird am Freitag, den 18. November um 20.00 Uhr in der Stadtbücherei am Haidplatz vorgestellt. Es liest Eva Sixt und die Musik von Norbert Vollath spielt dazu.
www.lohrbaerverlag.de

Des Weiteren vermeldet die Regensburger Kurzfilmwoche die Verlängerung der Einreichungsfrist für Beiträge aus dem Regionalfenster. Wer also scharf ist auf einen der drei möglichen Preise in Höhe von 500 bis 1500 Euro, oder einfach nur sein Werk im Kino bewundern will, möge bis 25. November einen Film bei der Regensburger Kurzfilmwoche einreichen.
www.regensburger-kurzfilmwoche.de

Und zu guter Letzt noch einen Fernseh-Tip: Am Freitag, den 04. November ab 00.30 Uhr (ist eigentlich schon Samstag) sendet BR-Alpha in seiner Reihe Phase 3 | video.kunst.zeit einen Special über das Harry Klein in München. Mit dabei das regensburger VJ-Duo Blink And Remove.
www.br.de | blinkandremove.net

Wohin Kurzfilmwoche? Ein Resümee.

27. März 2011 lweser 2 Kommentare

Während die Bedeutung der Regensburger Kurzfilmwoche national und international immer mehr zunimmt (erstmals gehört sie zu den acht Referenzfestivals* Deutschlands), scheint die Anerkennung in der eigenen Stadt zu schwinden. Oder wie soll man die Tatsache bewerten, dass weder zur Eröffnung, noch zur Preisverleihung - zu Terminen, die bereits seit einem Jahr feststehen - keiner der drei Bürgermeister anwesend war? Kulturreferent Klemens Unger schlich sich immerhin zur Eröffnung noch verspätet hinein. Auch finanziell scheint es der Kurzfilmwoche schlechter zu gehen. Die Festival-Doppel-Spitze des letzten Jahres wurde zur Einzel-Leitung. Das passierte 2007 auch schon einmal, die Konsequenzen indes waren eindeutig. Der verbliebene Festivalleiter Markus Prasse warf 2008 das Handtuch. Im folgenden Jahr gab es in Regensburg keine Kurzfilmwoche. Aus Fehlern lernt man nicht. Oder ist die Existenz des Festivals der Stadt wirklich so egal? Wie viele Millionen will die Stadt zum Bau dieses Hauses der Musik noch einmal ausgeben? Andererseits musste die Band in diesem Jahr zur Eröffnung der Kurzfilmwoche kostenlos spielen. Alles eine Frage der Priorität. Wohin das über kurz oder lang führen wird, ist nicht allzuschwer auszumalen.
Ein gutes zum Schluss: zumindest das Publikum hält dem Festival die Treue. In diesem Jahr waren die Zuschauerzahlen wieder besser. Trotz frühlingshaftem Wetter, schein sich der neue März-Termin etabliert zu haben.

Die Preisträger des diesjährigen Festivals sind hier nachzulesen: www.regensburger-kurzfilmwoche.de (PDF)

*Die FFA (Filmförderanstalt) fördert Filme auch über ein Punktesystem, die sogenannte Referenzförderung. Filme die auf bedeutenden Festivals (Referenzliste) laufen, erhalten Punkte. Ab einer bestimmten Anzahl kann man dann Förderung beantragen.

Belanglosigkeiten, Porno, Maschinenliebe und Flüchtlingsdrama

23. März 2011 lweser Keine Kommentare

Bayernfenster, 17. Regensburger Kurzfilmwoche

Seit 2003 gibt es bei der Regensburger Kurzfilmwoche das Bayernfenster. Ein Programm für den langjährigen Förderer Film Fernseh Fond Bayern, der seit 1999 den FFF-Förderpreis vergibt. Neben den Filmen des Bayernfensters, konkurrieren alle in Bayern produzierten Filme aus dem Deutschen Wettbewerb und die Regionalfensterbeiträge um diesen Preis.

kufiwo11_bayernfenster

Drei Filme von der HFF München und drei der Hochschule Augsburg befinden sich in diesem Jahr im Programm.
In Vicki Ficki von Natalie Spinell besteht eine starke Frauenbeziehung – die von Mutter und Tochter - gegen äußere Widerstände. Eine mutiger Film, der ein heikles Thema, angesichts einer engen, vertrauensvollen Mutter-Tochter-Beziehung, zur Nebensache erklärt. Leider ist der Film am Ende etwas übermotiviert und zu moralisierend. Überzeugender wäre es gewesen den Fokus der Geschichte auf den kleineren Kreis von Mutter, Tochter und den verfeindeten Schulkameraden zu belassen, als die dramatische Ansprache vor der Klasse.
Georg Utz, Miriam Frank und Xaver Böhm mischten in Kurzschluss Animationen mit Wellpapp-Kulissen. Sie schufen mit einem Augenzwinkern eine kleine liebevolle Geschichte in Anlehnung an die Melodrame Hollywoods der 30er Jahre.
Silent River von Anca M. Dunga ist ein starkes rumänisches Flüchtlingsdrama, welches eigentlich in den deutschen Wettbewerb gehört hätte. Die Handlung, eine lebensgefährliche Fluchtversuch zweier Männer durch die Donau ins blockfreie Jugoslawien, ist im Jahr 1986 angesiedelt. Das Verhältnis beider bewegt sich im Spannungsverhältnis von Misstrauen und Abhängigkeit. Die bedrohliche Atmosphäre des Filmes wird bis zum Schluss aufrechterhalten. Der unbestritten beste Film des Bayernfensters.

Der Erstjahresfilm (3 Rollen SW- 16 mm Material, a 10 min) Kunstsein von Anne Mona Hilliges zeigt eine Friseurin, deren Tatoos ihr Leben erzählen. Leider vermag Inhalt und Form der Idee nicht gerecht zu werden. Im Mittelpunkt der aufwändige Animation A lost and found Box of Human Sensation von Martin Wallner und Stefan Leuchtenberg steht ein über den Tod reflektierender junger Mann. Spiel des Lebens ist die Diplomarbeit von Johannes Berner. Ein Selbstfindungsversuch der verschiedenen Techniken vereint.

Ostbayerische Filmperlen und mehr

22. März 2011 sgruen Keine Kommentare

Ostbayerische Kurzfilme aus dem Regionalfenster 1

(Sigrid Grün)

kufiwo11_rf1a

Die im Regionalfenster gezeigten Filme der Regensburger Kurzfilmwoche lassen sich im Wesentlichen in fünf Kategorien einteilen: Professionelle Animationsfilme, erfrischend unprofessionelle Produktionen von filmbegeisterten Laien, entsetzlich bemühte Filme, die vorgeben “mehr” zu sein und ungefähr auf HFF-Bewerbungsfilmniveau boxen, total abgefahrene Experimentalfilme, die ihren Reiz daraus beziehen, dass sie kein Mensch versteht, die uns aber trotzdem anrühren und dann noch kleine Filmperlen, die zeigen, dass Ostbayern ein Händchen für gute Bilder haben. Alle Kategorien waren auch in diesem Jahr vertreten - und manchmal müsste vielleicht eine Schublade eröffnet werden, für Filme, die eine Mischung aus zwei oder mehr Kategorien darstellen. Ins Rennen gingen dieses Jahr im Regionalfenster 1 zehn unterschiedlich kurze (oder lange) Kurzfilme.
Ins Programm wurde der Zuschauer mit dem animierten Musikvideo “BRIGHT ORANGE AIR” geworfen, das man anfangs vielleicht zunächst für einen zu lange geratenen Trailer der Kurzfilmwoche halten könnte. An anderer Stelle positioniert hätte der Film vielleicht nachhaltiger gewirkt. Erhard Babloks Film “Willkommen daheim” versuchte schließlich das komische Genre zu bedienen, was jedoch nur teilweise gelingt - zu theaterhaft wirken die Szenen, Licht und Ton sind nicht ideal. Die Grundidee ist freilich schon gagig.
“Es war spät abend als K. ankam” ist dann schließlich der Treppenwitz des 20. Filmjahrhunderts. Cineasten können in dem Treppenfilm (wo zur Hölle haben die Regisseure Weser und Kasbauer nur diese unzähligen Treppenhäuser aufgetan?) wahre Leckerbissen finden. Sage und schreibe 6 Anspielungen auf filmische und literarische Vorbilder werden zitiert. Welche, verrate ich an dieser Stelle natürlich nicht. 463 Treppenhäuser und einen verhängnisvollen Aufzug in knapp 12 Filmminuten zu packen, ist ein Kunststück, das nicht jedem gelingt. Co-Regisseur Kasbauer verkörpert auch den kafkaesken Hauptdarsteller, der sich treppauf, treppab durch den Abend kämpft - und schlussendlich doch verliert. Die ganze Atmosphäre wirkt kafkaesk - die Begegnungen mit anderen Figuren, die auch schon diese Stufen gegangen sind. Ein faszinierender Film mit einem überraschenden Schluss - eine kleine Filmperle in schwarz-weiß - mit einem echten böhmischen Prinzen!
Keinen echten Prinzen, aber wenigstens eine Ausstattung mit “Palastmöbeln” bietet dann “Amantes Amentes” von Martin Weck. Die gute Ausleuchtung des Films sticht sofort ins Auge. Leider sind Inhalt und Schauspiel eher der HFF-Kategorie zuzurechnen. Es wird nicht klar, dass Max eine Art Frankenstein und sein Gegenüber seine Schöpfung (ein Roboter) sein soll.
Und dann folgt der “Kaffeegenuss”, der neue - und in meinen Augen bisher beste - Grun. Eine Dokumentation, die die Kaffeekannenleidenschaft einer mitteilungsfreudigen Dame bezeugt. Grun hatte eine glückliches Händchen - solche Originale muss man erstmal finden und gekonnt in Szene setzen! Eigentlich müsste für die Regensburger Kurzfilmwoche noch eine sechste Schublade eingerichtet werden, in der Erik Grun es sich dann gemütlich machen könnte - seit mindestens 134 Jahren: Kein Regionalfenster ohne ihn!
Philip Singhs “HEIM@”, ein auf einem C64 programmiertes Kleinod wirkt auf der Kinoleinwand etwas weniger als auf dem heimischen Rechner (der Film nimmt auch am Online-Wettbewerb zum Thema “Heimat” teil).
Die tänzerisch umgesetzten “GEDANKEN ZUM TAG” von Hanna Sachau und Kilta Rainprechter setzen sich experimentell mit Alltagssituationen auseinander. Vor mehreren Jahren begannen die Macherinnen damit, zum Tanzen “raus zu gehen” um zu sehen, wie das wirkt.
Und dann gab es noch den typischen Vertreter einer Mischkategorie: Eine Produktion der Eschlkamer Filmschmiede - “SCHAUFLMO” - kein Druckfehler, kein Schaumflo oder ähnliches, sondern eine scheichtsame Geschichte aus dem Bayerwald, eine immer noch aktuelle Weizgeschichte, die der Eschlkamer Jugend aufgetischt wird, um ihnen Angst vor allzu exzessiven Saufexzessen einzujagen. Was die Jugend selbst daraus gemacht hat, zeigt dieser Film :) - man kann sich nur schwer dem umwerfend authentischen Charme der ostbayerischen Jugend entziehen. Man weiß nicht genau wie es gemeint ist - als Persiflage auf die immer noch beliebten Jugend-Slasher-Filme? Als Hommage an die ostbayerische Heimat? Oder einfach nur als Fetzengaudi beim wochenendlichen Saufen?
Der Experimentalfilm “Nova Express” und Florian Geiss’ Mangagerparabel “Einfach mal rausgehen” bilden den eher ruhigen Schluss des ersten Regionalfensterprogrammes.

Fazit: Es lohnt sich auf alle Fälle, den ostbayerischen Filmnachwuchs und auch die “alten Hasen” im Auge zu behalten. Wer die Regionalfensterfilme sehen möchte, hat heute noch einmal Gelegenheit dazu: Um 19.00 Uhr wird das Regionalfenster 1, um 21.00 Uhr das Regionalfenster 2 im Wintergarten (Andreasstadel) gezeigt. Man sollte allerdings früh da sein, am vergangenen Samstag mussten zahlreiche Filmbegeisterte aufgrund der großen Nachfrage leider draußen bleiben!

kufiwo11_rf1b

www.kurzfilmwoche.de