Ein Stück Galizische Geschichte
O Lápis do Carpinteiro / Der Bleistift des Zimmermanns. In Anwesenheit des Regisseurs Antón Reixa während der Cinemania 2010 in der Filmgalerie im Leeren Beutel, Regensburg.
Zum dritten Mal fand kürzlich in Regensburg die spanische Film- und Kulturwoche (kurz Cinemania genannt) statt. Dabei steht jedes Jahr eine andere Region Spaniens im Mittelpunkt. In diesem Jahr war es also Galizien. Antón Reixa gilt als einer der vielseitigsten Künstler Galiziens. Neben seiner Betätigung als Musiker, Videokünstler und Produzent, ist er seit 2002 auch als Kino-Regisseur tätig. Gründe genug für die Veranstalter der Cinemania ihn nach Regensburg einzuladen.
So stand er nach der Vorführung seines Filmes O Lapis do Carpinteiro / Der Bleistift des Zimmermanns ein wenig verspätet, aber direkt vom Flughafen, dem Regensburger Publikum Rede und Antwort. Gut, dass das Flugzeug Verspätung hatte, so blieb Reixa die miserable Projektion (DVD und lichtschwacher Beamer) seines Filmes erspart.

Der galizische Regisseur Antón Reixa (Mitte) in der blonden Zwickmühle
O Lapis do Carpinteiro basiert auf den gleichnamigen Roman von Manuel Rivas. Er erzählt eine Liebesgeschichte während des spanischen Bürgerkrieges zwischen Marisa Mallo, der Tochter eines reichen Industriellen und Daniel Da Barca, ein Intellektueller und bekannter Widerstandskämpfer. Nachdem Daniel verhaftet wurde, kämpft Marisa für seine Freilassung. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive des Gefängniswärters Herbal, der sich nicht entscheiden kann ob er Da Barca retten oder beseitigen soll. Der Bleistift des Zimmermanns begleitet die Handlung des Film hinter dem Ohr wechselnder Besitzer. Nachdem der vorhergehende Besitzer, ein Maler, im Gefängnis erschossen wurde nimmt ihn Herbal an sich. So wird der Bleistift zu einer nochmals übergeordneten Instanz, der neben der Geschichte Marissas und Daniels, auch die Herbals von Außen beobachtet. Ein weiteres übergeordnetes Symbol taucht am Anfang und am Ende des Filmes auf. Ein paar weiße Schuhe. Danach stirbt jedes Mal ein Mensch. Stimmt die Geschichte von den zwei Schwestern, die der Maler im Gefängnis erzählt hat? Eine der Schwestern trägt Schwarz, ihr Name ist Leben, die andere, in Weiß gekleidet, den Namen Tod.
Das sind nur einige der vielen Metaphern, die Rivas in seinem vielschichtigen Roman verwoben hat. Reixa verriet, dass er im Film versucht hatte die verwobene Geschichte Rivas aufdröseln und linear zu erzählen. Der Schriftsteller Manuel Rivas war im Übrigen ebenfalls Gast der Cinemania. Bei der Literatur-Musik-Performance Los libros arden mal im Gloria in Regensburg und in der Pasinger Farbrik in München.
Obwohl in Galizien während des Bürgerkrieges keine Kampfhandlungen stattfanden, erzählt Reixa, kam der nordöstlichsten Region, als Heimat Francos dennoch eine große Aufmerksamkeit zu. Reixa und Rivas, beide Jahrgang 1957, seien, so Reixa, die ersten, die sich unbefangen des Themas Bürgerkrieg und der darauf folgenden faschistischen Herrschaft Francos, die immerhin bis zu dessen Tod 1975 währte, annahmen.
Übrigens im nächsten Jahr wird Asturien im Mittelpunkt der spanischen Film- und Kulturwoche stehen. Einen Vorgeschmack darauf kann man sich vom 10. -16. Juni schon mal in der Filmgalerie holen. Dann läuft dort nämlich der asturische Film Fredericos Kirschen / Cenizas del Cielo.
07. / 08. Mai 2010, 14.00-20.00 Uhr, Hutsalon Lilo, Schwarze-Bären-Str. 1, Regensburg
