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Interview mit den beiden ostbayerischen Autorinnen Kristy und Tabita Lee Spencer / Beate Teresa und Susanne Hanika

3. Oktober 2012 sgruen Keine Kommentare
Kristy (links) und Tabita Lee Spencer

Kristy (links) und Tabita Lee Spencer

Ostbayern-Kultur: Wir sind ein Kulturportal für die Region Ostbayern und freuen uns immer, wenn unsere Themen einen Bezug zur Region haben. Ihr seid beide aus Ostbayern?

Beate Teresa Hanika: Ja, wir sind in einer Kleinstadt in der Nähe von Regensburg aufgewachsen.

Habt ihr einen besonderen Bezug zur Region oder gibt es etwas, was ihr hier besonders schätzt?

Susanne Hanika: Ja, das Wetter! (lacht) Ja, also Regensburg hat so einen tollen Flair, da fühl ich mich einfach zuhause.

BTH: Und die Landschaft, die ist wunderschön!

Und wo haltet ihr euch speziell in Regensburg am liebsten auf?

BTH: In ganz Regensburg. In der Altstadt. Ich wohn ja nicht mehr da, aber wenn ich komm, dann Bismarckplatz, Gesandtenstraße, Haidplatz. Die ganze Altstadt. Die ganzen Cafes, das Orphee zum Beispiel, oder das Anna.

Da können Fans euch also zu Gesicht bekommen!

SH: Ja, genau. Und auch in den Buchhandlungen sind wir zu finden.

In allen Buchhandlungen oder gibt’s da Favoriten?

SH: Ich geh überall gleichmäßig gerne hin, aber ganz besonders gerne geh ich in die Buchhandlung am Kohlenmarkt. Zum Altenbuchner.

Ihr seid Schwestern und ihr schreibt beide. Seit wann schreibt ihr und wie seid ihr dazu gekommen?

SH: Also, die Beate schreibt, seit sie vier Jahre alt ist. Sie konnte da noch nicht schreiben, aber sie hat meiner Mutter Geschichten diktiert. Und die musste meine Mutter ihr dann vorlesen, damit klar war, dass sie nichts ausgelassen hat.

BTH: Aber das ist nur passiert, weil meine Schwester da schon älter war und schon schreiben konnte und ich es nicht ertragen hab, dass sie mir da voraus ist.

Und du hast auch relativ früh angefangen zu schreiben und dich auch konkret an ein Publikum zu richten?

SH: Ja, genau. Das war von Anfang an meine Schwester und die Cousine. Also noch nicht die 40-jährige Frau, sondern eher so im Bekanntenkreis.

Was habt ihr als Kinder und als Jugendliche am liebsten gelesen? Und was lest ihr heute am liebsten?

SH: Ich hab ganz viel gelesen. Querbeet alles. Am Anfang so Sachen wie Pippi Langstrumpf und Michel von Lönneberga oder Joanne Aiken hab ich auch sehr gern gelesen. “Wölfe ums Schloss”, das war eine Zeit lang mein absoluter Favorit. Aber ich hab auch Enid Blyton gelesen.

BTH: Ja, unsere Mutter hat uns immer taschenweise Bücher mitgebracht. Sie war Lehrerin und hat viel aus der Bücherei mit heimgeschleppt und wir haben uns immer darauf gestürzt und alles gelesen, was da war.

Erinnert ihr euch noch an euer erstes Buch?

BTH: Ja, das war von Enid Blyton “Fünf Freund und die Schatzinsel”. Das weiß ich noch ganz genau, weil ich da kapiert hab, wie lesen funktioniert. Da war ich sechs oder so.

Und als Jugendliche dann?

SH: Also, ich hab ganz komische Sachen gelesen. Das ist jetzt vielleicht peinlich, aber ich hab ganz lang nicht kapiert, dass es etwas anderes gibt als die Bücher, die man in der Schule liest und deshalb hab ich ganz viel Bertolt Brecht, Max Frisch und Dürrenmatt gelesen. Und mit so 20 kam dann das Aha-Erlebnis: Es gibt ja noch ganz viele andere Bücher!

BTH: Also ich hab ganz viel Problemliteratur, so wie “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo”, gelesen. Ich hatte auch eine Freundin, die ganz viel gelesen hat und mit der bin ich dann immer in die Bücherei, weil was anderes durften wir nicht. Und dann haben wir dort so Sachen über Nationalsozialismus und so ausgesucht.

Dann zu eurem Schreiben. Spielt Recherche eine wichtige Rolle?

BTH: Wir haben für die Reihe (Anm. d. Red.: Dark Angels Summer) nicht besonders viel recherchiert. Also, ich hab mich mal bei einem Esoterikforum angemeldet, was ziemlich lustig war dann im Nachhinein. Ein bisschen gruslig und lustig. Aber das hat nicht viel Informationen gebracht. Und dann haben wir noch so Ortschaften recherchiert - weil’s ja in Amerika spielt. Wir haben uns Bilder angesehen von Straßenzügen, Friedhöfen und Ortschaften, Landschaften.

SH: Also ich hab zum Beispiel vor Kurzem eine Kampfszene geschrieben und da hab ich mir so ein Kampfvideo angesehen, in dem auch erklärt wurde, wer jetzt was macht und wie man den und den jetzt ausschalten kann. Das hört sich jetzt brutal an.

BTH: Wer uns auch ganz viel beim Recherchieren hilft, ist unser Bruder, weil der sich gut mit Waffen auskennt. Und immer wenn eine Frage auftaucht um Schießen oder Waffenbesitz oder wie man eine Waffe reinigt oder welche Waffen für was besonders geeignet sind, dann rufen wir immer unseren Bruder an und fragen ihn.

Ist der Polizist oder Verbrecher?

BTH: Der ist bei der Mafia. (lacht) Nein, er ist Arzt, aber er jagt auch. Er hat einen Jagdschein.

SH: Aber für meine Krimis hab ich auch andere Kontakte.

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Richtig, Susanne! Du schreibst ja auch Krimis, die hier in der Region spielen und dafür recherchierst du dann schon auch ausführlicher?

SH: Ja, genau. Da befrage ich dann schon Ballistiker von der Polizei.

Kann man da einfach so hingehen und fragen?

SH: Nein, aber ich hab den Vorteil, ich kenn einen Profiler, der auch ein Buch geschrieben hat und mit dem bin ich ständig in Kontakt und da fällt es natürlich immer leicht, zu fragen: “Hey, kannst du mir mal sagen, wie das und das geht?” Und der fragt dann auch bei den Ballistikern nach. Aber man kann auch mit der Pressestelle der Polizei sprechen. Die erzählen einem auch ganz viel. Mit denen kann man sich treffen und sie befragen. Ich sag dann zum Beispiel, “das soll passiert sein, ist das dann realistisch, dass die Kugel dann da und dorthin geht?”. Also ich hab dann schon ganz genaue Angaben und die sagen dann, nein, das funktioniert so nicht oder das ist ok.

Und sonst für die Krimis? Wie kommst du auf die Geschichten?

SH: Ich weiß auch nicht, wie einem die Dinge einfallen. Wahrscheinlich ist das schon aus dem eigenen Erfahrungsbereich, wobei das vor allem für das Außenherum wichtig ist. Bei Lesungen ist es aber oft so, dass die Leute sagen, ja, sie kennen genau diese Person - und ich kenn die eigentlich nicht.

Wenn man Regionalkrimis schreibt, kriegt man dann von Lesern häufig eine Rückmeldung?

SH: Nicht so viel. Wenn, dann bei Lesungen. Die Leute unterhalten sich dann schon gern mit mir.

Bei Dark Angels Summer ist es ja so, dass die Leser via Facebook manchmal sogar Tipps geben, wie etwas in einer bestimmten Szene sein könnte. War das von Anfang an euer Anliegen, dass die Leser da ein bisschen “mitentscheiden?”

SH: Naja, “mitentscheiden” ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Aber es ist interessant, was Leser erwarten.

Versucht ihr dann eher mit den Lesermeinungen zu brechen?

SH: Wir schreiben meistens sehr intuitiv. Wir sammeln das und haben das dann im Hinterkopf, aber letztendlich entscheiden dann Dawna und Indie, was sie machen.

Habt ihr besondere Schreibrituale? Vielleicht auch erstmal bei deinen Krimis, Susanne?

SH: Am liebsten schreibe ich, wenn meine Kinder nicht dabei sind. Deshalb schreibe ich meistens am Vormittag oder am Abend, wenn sie im Bett sind.

Wie viele Stunden hast du dafür täglich veranschlagt?

SH: Ich hätte gerne 4 Stunden am Tag, aber das geht nicht, weil ich noch was anderes machen muss, zum Beispiel Interviews geben (lacht).

Und bei dir Beate? Hast du bestimmte Schreibrituale?

BTH: Ich schreibe am liebsten zuhause, wenn die Kinder im Bett sind, am liebsten abends, aber manchmal wird’s einfach zu spät. Und nur am Rechner.

SH: Also ich schreib auch manchmal in ein Notizbuch rein.

BTH: Echt? Szenen?

SH: Ja! Dark Angels Summer weniger. Aber wenn ich zwischendurch eine Idee habe, dann schreib ich das schon auf. Das sind dann keine Szenen, sondern eher Bruchstücke.

Und wie macht ihr das, wenn ihr zwei Projekte parallel habt?

SH: Ich versuche, dass es nicht parallel ist. Bisher hat es immer so einigermaßen geklappt. Die einzige Ausnahme war mal in den Weihnachtsferien, da hatte ich zusätzlich zu Dark Angels Summer auch noch das Lektorat von meinem Krimi am Hals. Und das war schon stressig. Wobei es komischerweise schon gut funktioniert hat. Das ist wahrscheinlich, wenn man in den Figuren drinnen ist. Aber was Neues zu entwickeln, stelle ich mir ganz schwer vor.

BTH: Ich mach das gar nicht.

Wenn ihr zusammen etwas schreibt, wie ist da das Vorgehen?

SH: Ganz am Anfang ist es so, dass wir ganz lange drüber reden. Bei Dark Angels Summer haben wir schnell angefangen. Aber jetzt bei den Nachfolgern ist es schon so, dass es eine Phase gibt, in der wir nur drüber reden. Wenn klar ist, wie wir es haben wollen, besprechen wir immer vier Kapitel, dann schreibt jeder ein Kapitel und dann treffen wir uns wieder und besprechen wieder vier Kapitel.

Und wie macht ihr es, dass es zu keinen Überschneidungen kommen? Dass das nicht immer das Gleiche ist?

SH: Eine schreibt immer und gibt es der anderen. Manchmal funktioniert es aber auch, dass wir parallel schreiben.

Die Reihe spielt in Amerika und ihr habt euch auch mit amerikanischen Pseudonymen versehen. Habt ihr einen besonderen Bezug zu Amerika? Habt ihr mal da gelebt?

BTH: Du, Susanne, warst schon da, ich auch. Aber eigentlich soll es nicht Amerika sein. Es soll ein Land sein, das nicht Deutschland ist. Das würde nicht passen, dass es in Deutschland spielt. Das wäre komisch. Wegen der Atmosphäre.

Wie entwerft ihr eure Figuren?

BTH: Die tauchen einfach auf und spielen mit!

Haben die teilweise auch reale Vorbilder? (lacht)

SH: Nein, sie haben, bis auf die Comtesse keine realen Vorbilder.

OK: Das können wir ja sagen, weil die ist wahrscheinlich nicht so viel online…

SH: Genau! Die hat ihr Telefon nämlich in den Bach geworfen.

Greift manchmal eine von euch in das, was die andere geschrieben hat manchmal ein?

BTH: Es geht eigentlich nur um Kleinigkeiten. Zum Beispiel, wenn noch eine Information fehlt, etwas ein bisschen zu kurz ist.

Stand von euch von Anfang an fest, wer welche Schwester ist?

BTH & SH: Jaaa!

Und ihr denkt euch nicht manchmal, ja, jetzt könnte sich aber zum Beispiel die Dawna ein bisschen entwickeln?

BTH: Doch, die Dawna, die muss schon ein bisschen rausgehen aus sich. Das wird auch passieren. Das ist im zweiten Band auch angelegt. Die wird sich auch verändern.

SH: Die Indie muss sich auch verändern. Sie muss verantwortungsbewusster werden.

In der Dark Angels Summer Reihe ist es so, dass auch übersinnliche Phänomene eine Rolle spielen. Habt ihr da einen Bezug dazu? Glaubt ihr selber an übersinnliche Phänomene? Oder schreibt ihr einfach nur drüber?

BTH: Also ich glaube schon daran, aber meine Schwester glaubt nicht daran.

Das merkt man ja auch an den Figuren. Da ist die Indie ja auch skeptischer. Und habt ihr bei der Reihe literarische Vorbilder?

BTH: Fantasy oder so lesen wir überhaupt nicht. Die Geschichte ist ja jetzt nicht eine richtige Fantasy-Geschichte, die überhaupt nicht in der Realität angesiedelt ist und ich würde mich auch ungern beeinflussen lassen von anderen Autoren. Ich muss auch sagen, dass mir diese Bücher vom Schreibstil her auch überhaupt nicht gefallen. Ich hab schon Harry Potter gelesen und Herr der Ringe, aber die “Biss”-Reihe und so ist gar nicht mein Fall.

Habt ihr, wenn ihr einen neuen Band anfangt, schon vor Augen, wie die Geschichte verlaufen wird? Worauf alles hinauslaufen soll. Wisst ihr auch schon, wie die ganze Reihe enden wird?

BTH: Ja, also das Ende wissen wir schon. Nicht Punkt für Punkt. Aber wir wissen schon wie der dritte Band enden wird und wie der vierte Band enden soll und was grob im vierten passiert.

Gibt es irgendwelche Reaktionen oder Rückmeldungen von Lesern? Die Reihe ist ja schon stark im Online-Bereich vertreten. Es gibt viele Besprechungen…

BTH: Ja, wir haben eine Facebook-Seite, auf der wir Fragen beantworten und Kommentare kriegen. Was auch total schön ist, weil man den direkten Kontakt zum Leser hat und auch die Leser zu uns. Das ist irgendwie nett.

SH: Damit haben wir im Januar angefangen. Und es macht total Spaß mit den Leuten zu kommunizieren und auch die Rezensionen zu lesen.

Dark Angels Summer ist eher ein Buch, das sich an Frauen oder an Mädchen richtet, kriegt ihr auch mit, dass Jungs es lesen?

BTH: Wir haben auf alle Fälle viele Likes von Männern… Woran das liegt, wir wissen es nicht!

SH: Ich glaube, dass viele Männer es wegen des Covers nicht lesen und deswegen haben wir jetzt beschlossen so Schutzumschläge zu basteln. Beate hat vorgeschlagen, das aus dem Playboy zu basteln und ich hab die ct vorgeschlagen, diese Computerzeitschrift.

Und vielleicht noch ein Auto drauf!

BTH: Und das verlosen wir dann auch. Die kann man dann im Zug drum machen. (lacht)

Und wie ist das beim Cover? Redet ihr da auch mit?

BTH: Wir kriegen Vorschläge und dann können wir sagen: “Das gefällt uns nicht”.

Ihr schreibt immer noch unter Pseudonym, habt eure Pseudonyme aber auffliegen lassen, wie habt ihr das gemacht?

SH: Wir haben da zusammen mit dem Arena-Verlag eine Enthüllungsstory gemacht. Der Arena-Verlag hat über einige Wochen jeden Tag einen Tipp gegeben, wer wir sind und die Tipps sind immer spezieller geworden, so dass man erraten konnte, wer wir sind. Und die, die’s erraten haben, konnten dann signierte Bücher und Taschen gewinnen.

Und haben viele schon früh erraten, wer ihr seid?

BTH: Nein, komischerweise nicht! Die meisten haben geschrieben: “Die Autorinnen heißen Kristy und Tabita Lee Spencer. Das war echt witzig. Aber es ist auch nicht verstanden worden, dass wir Deutsche sind…

SH: Wir haben ja auch Bilder eingestellt und was aus unserem Leben erzählt. Also, es war wirklich lustig.

BTH: Aber ich bin auf Facebook mit total vielen Spencers befreundet. Und das hat wohl viele irritiert.

Was würdet ihr Menschen, die davon träumen Autor zu sein, mit auf den Weg geben?

SH: Man braucht Durchhaltevermögen! Ganz viel! Und man sollte sich nicht frustrieren lassen.

BTH: Und man sollte sich eine Agentur suchen.

SH: Und sehr selbstkritisch sein.

Und was sollte man auf keinen Fall tun?

BTH: Bei Selbstverlagen veröffentlichen, bei denen man auch zahlen muss. Es schaffen die wenigsten, aber Selbstverlag ist einfach nicht gut.

Und was ist euer Lieblingstier?

SH: Hund!

BTH: Alle! Ja, vor allem auch Hund und Pferd.

Was ist euer Lieblingsessen?

SH: Schnitzel mit Kartoffelsalat! Bei beiden. Aber eigentlich esse ich alles total gerne.

Rucola ohne alles?

SH: Ja, genau!

Welche Fragen habt ihr vermisst?

BTH: Ob wir uns manchmal schlagen? (lacht)

Und? Schlagt ihr euch manchmal?

BTH: Nein, das ist ja das Schöne, dass wir uns so gut verstehen! Wir halten einfach durch, bis zum Ende des vierten Bandes und dann kommt der Crash. (lacht)

Hat das vielleicht auch mit eurem gemeinsamen Buchprojekt zu tun?

BTH: Wir haben uns davor auch schon gut verstanden, aber jetzt telefonieren wir auch täglich mindestens drei bis vier Mal.

Würdet ihr Geschwistern auch empfehlen gemeinsam ein Buch zu schreiben?

SH: Also, das kann ziemlich in die Hose gehen. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, nicht mehr zusammen mit Freunden was zu schreiben, weil das ziemlich schiefgehen kann. Ich könnte auch mit meinem Mann nie zusammen ein Buch schreiben. Ich hab mit ihm zusammen und einem Freund mal ein Biologiebuch übersetzt und das war einfach gruselig. Man muss da total viel festsetzen, wer was macht, weil es hat jeder seine Zeitroutinen.

Habt ihr schon Dark Angels Summer vorgehabt, zusammen ein Buch zu schreiben? Also, bevor Beate davon geträumt hat?

SH: Nein! Erst nach dem Traum sind wir unter dem Nussbaum gesessen und ich musste überzeugt werden. Ich hab darauf bestanden, dass ich die bin, die nicht an Engel glaubt und in der Realität verwurzelt ist. Dummerweise kam es dann so, dass ich die bin, die sich in einen Engel verliebt…

Ja, das ist wirklich eine Ironie des Schicksals! Seit Mitte August ist der zweite Band, Dark Angels Fall, lieferbar. Wir freuen uns auf weitere Bände. Vielen Dank fürs Interview und alles Gute euch beiden!

Das Interview führte Sigrid Grün.

Buch-Tipp: “Und bitte für uns Sünder” von Susanne Hanika

21. Januar 2012 sgruen Keine Kommentare

Wehe, wenn sie losgelassen

(Sigrid Grün)

Mittlerweile werden schon alle möglichen Bücher als “Krimi” bezeichnet, die eigentlich Thriller sind - grausame Geschichten voller Gewaltexzesse, die ich abends eigentlich nicht lesen möchte, vielleicht auch generell nicht lesen möchte…
Wie schön war es da, mal einen “klassischen” Krimi zu lesen, einen, bei dem man auch lachen kann, weil ein guter Krimi immer auch ein bisschen Gesellschaftskritik, ein bisschen Satire sein sollte und vor allem gute Unterhaltung. Bei diesem neuen Niederbayernkrimi von der in Regensburg lebenden Autorin Susanne Hanika kann man genau dies finden!
“Und bitte für uns Sünder” ist der zweite Lisa-Wild-Krimi. Aber auch ohne den ersten Band zu kennen, versteht man schnell, worum es geht. Bald sind einem alle Figuren bekannt - Lisa und ihre Großmutter, Lisas Freund, der Kriminalkommissar Max Sander, ein “Zuagroaster”, der des Bayerischen noch nicht mächtig ist, sich mittlerweile aber gern darin versucht - sehr zum Missfallen von Lisa, die sich stark fremdschämt, und natürlich die ganze Dorfmenagerie, bestehend aus mehr oder weniger knorzeligen Originalen und Rosenkranzweiberln.
Gleich zu Beginn der Geschichte findet Lisa - wieder einmal - eine Leiche. Zumindest menschliche Knochen in einem Knochenkistl. Wilde Spekulationen geistern bald durchs Dorf. Sollte es sich bei den Knochen etwa um die Überreste des heiligen Ignaz handeln? Als dann auch noch ein Dorfbewohner verschwindet und Lisa einen Drohbrief in der Post findet, fängt die Sache langsam an, aus dem Ruder zu laufen…

Die Geschichte wird aus der Perspektive von Lisa Wild erzählt. Die junge Volontärin, die sich zusätzlich zu ihrem mageren Gehalt noch ein Zeilengeld von 10 Cent/Zeile dazuverdienen kann, arbeitet bei der Lokalpostille und muss sich um ihre zwar noch recht robuste, aber zusehends vergessliche Großmutter kümmern, die sich alle Naslang ein neues Anti-Strahlungs-Tool ins Haus holt. In ihrer Freizeit findet Lisa Leichen und kümmert sich gleich auch um die Ermittlungen. Dass dabei einiges anders läuft als gedacht, versteht sich von selbst. Als Leser lernt man ein Dorforiginal nach dem anderen kennen, ihre Nöte, wie zum Beispiel den neuen Kreisel, der so schief ist, dass es den Dorfsäufer regelmäßig aus der Kurve haut und man erfährt auch einiges über die Vergangenheit.
Ganz unbefangen erzählt Lisa ganz normale “Dorfgschichterln”, wie z.B. die Sache mit dem Pfarrer mit dem “Börnout”, dessen Ursache jeder woanders vermutet und man lernt den neuen Pastoralrefereten kennen, der seine Unterwäsche tatsächlich im Internet bestellt! Das Übliche eben - und gerade weil diese Geschichten in ihrer Abgefahrenheit so authentisch sind, ist dieses Buch so eine herrliche Lektüre.

Fazit: Ein klassischer Krimi mit viel Lokalkolorit. So stelle ich mir eine unterhaltsame Lektüre vor! Man kann sich auf alle Fälle schon auf die nächsten Leichen freuen, die Lisa Wild finden wird.

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Susanne Hanika (Autorin)
Und bitte für uns Sünder
www.piper-verlag.de
304 Seiten, gebunden