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“Verbrennungen” im Akademietheater Regensburg

12. Mai 2013 sgruen Keine Kommentare

Intensiv, berührend und zutiefst beeindruckend

(Sigrid Grün)

Wajdi Mouawads “Incendies” / “Verbrennungen” ist eines der beliebtesten zeitgenössischen Stücke. Seit der deutschsprachigen Erstaufführung im Jahr 2006 war Mouawads Familiendrama in sehr unterschiedlichen Inszenierungen zu sehen. Mal opulent, wie etwa im Burgtheater, mal auf nur vier Darsteller reduziert, wie zum Beispiel in Bochum. Das Regensburger Akademietheater zeigte von Mittwoch bis Freitag zum letzten Mal eine zutiefst beeindruckende Inszenierung mit den diesjährigen Absolventen der Akademie für Darstellende Kunst.

Das Thema beherrscht immer noch die Weltnachrichten. Derzeit ist insbesondere Syrien ein akuter Krisenherd. Die mediale Aufarbeitung des Nahostkonfliktes wird auch in Meike Fabians Inszenierung von “Verbrennungen” an den Anfang gestellt. Die Schauspieler tragen aktuelle Zeitungsmeldungen vor - jeweils mit Quellenangabe. Anhand dieser Meldungen wird aufgezeigt, wie sich die Geschichte des Konfliktes immer weiter fortsetzt. Stets lassen sich Zorn und Rache als Ursache von Gewalt ausmachen. Ein Gewaltexzess befeuert den nächsten.
Acht Akteure, fast alle - mit Ausnahme von Nawal (Ella Schulz) - in mehreren Rollen besetzt, ergründen das Trauma von Nawal und die Tragödie eines Landes. Vorbild ist der Libanon, in dem der Autor geboren wurde. Nach einer Kindheit in Beirut, floh die Familie schließlich vor dem Bürgerkrieg nach Paris. Später siedelte sie ins kanadische Montreal über, wo Mouawad heute noch lebt und arbeitet.
Jeanne (Anna Günther), die beherrschte Mathematikerin und Simon (Johannes Aichinger), der unbeherrschte Boxer, sind Zwillinge. Der Notar Hermile Lebel (Benjamin Oeser) eröffnet das Testament der Mutter Nawal. Sie hatte die letzten fünf Jahre ihres Lebens geschwiegen, einen Tag vor dem 16. Geburtstag der Zwillinge war sie verstummt. Ihrer Tochter Jeanne vermacht Nawal Marwan eine Jacke aus grünem Tuch, Simon ein rotes Heft. Und jeder der beiden erhält einen Auftrag. Jeanne soll ihren und Simons Vater finden und ihm einen Umschlag überreichen. Simon soll einen Bruder, von dem die Zwillinge nichts wussten, finden und ihm ebenfalls einen Umschlag übergeben. Zunächst reagieren die Hinterbliebenen ablehnend, insbesondere Simon weigert sich vehement, den letzten Willen seiner verstorbenen Mutter zu erfüllen. Doch Jeanne macht sich schon bald auf die Suche nach den Wurzeln ihrer Mutter und damit auch nach einem integralen Bestandteil ihrer eigenen Identität. Sie reist ins Heimatland von Nawal und erfährt Dinge, die sie zutiefst erschüttern. Während sie mit dem Walkman dem auf Kassetten gebannten Schweigen der Mutter lauscht, ergründet sie die Geschichte einer Frau, die eine ganz andere war, als ihre Kinder gedacht haben. Auch Simon reist schließlich mit dem Notar Hermile Lebele in den Nahen Osten. Und was er dort erfährt, ist eigentlich mehr, als er ertragen kann. Die Geschichte wird aber nicht nur aus der Perspektive von Jeanne und Simon erzählt, sondern setzt sich aus  immer wieder auftauchenden Rückblenden zusammen, die sich zum Schluss zu einem großen Ganzen fügen. Erzählt wird die Geschichte von Nawal im Alter von 14-19 Jahren, mit 40 und mit 60 Jahren. Die junge Nawal verliebt sich in Wahab (János Kapitány) und bekommt einen Sohn, der ihr gleich nach der Geburt weggenommen wird. Nach dem Tod der Großmutter Nazira (Veronika Conrady) gibt sie ihr das Versprechen, lesen und schreiben zu lernen und dem ewigen Zorn, der von Generation zu Generation weitergetragen wird, ein Ende zu setzen. Nawal schafft es tatsächlich, das Dorf zu verlassen und kehrt als gebildete Frau zurück, die sich mit der gleichaltrigen Sawda (Hannah Baus) befreundet und sich mitten im grausamen Bürgerkrieg, der gerade wütet, auf die Suche nach ihrem Sohn macht. Von den Schrecken des Krieges, insbesondere von einem bestimmten Massaker schwer traumatisiert, setzt sie sich ein Ziel und stellt ihr Leben in den Dienst des Kampfes um ein Ende des Krieges. Schließlich landet sie in der “Hölle Kfar Rayat”. In diesem Gefängnis sitzt sie 10 Jahre und wird gefoltert. Und hier laufen auch über 20 Jahre später, als Jeanne und Simon sich auf die Suche nach den eigenen Wurzeln machen, alle Fäden zusammen…

Mouawads Stück ist viel mehr als eine Familiengeschichte, es ist der Versuch zu verstehen, wie sich menschliche Gewaltexzesse immer fortsetzen. Meike Fabian ist mit nur acht Darstellern eine behutsame und trotzdem ungeheuer intensive Inszenierung gelungen, die das Publikum zutiefst bewegt hat. Die Darsteller konnten durchweg überzeugen, schlüpften sie doch im Laufe des Stückes in insgesamt über 20 Rollen. Insbesondere die Leistungen von János Kapitány als Heckenschütze Nihad, Benjamin Oeser als Notar Hermile Lebel und natürlich Ella Schulz intensive Darstellung von Nawal sind hervorzuheben. Man kann der Regisseurin und den Darsteller zu dieser Inszenierung nur gratulieren und man wünscht sich noch viele weitere derart starke Stücke im jungen Regensburger Akademietheater.

www.adk-regensburg.de

“Verbrennungen” von Wajdi Mouawad vom 8. bis zum 10. Mai im Akademietheater

3. Mai 2013 sgruen Keine Kommentare

Veranstaltungstipp und Verlosung

Mit “eindrucksvoller Sprachgewalt” (Die Welt) erzählt der im Libanon geborene Autor von der Reise der Geschwister Jeanne und Simon in die Vergangenheit ihrer verstorbenen Mutter Nawal, die aus dem Krieg im nahen Osten in den Westen geflohen war. Ihr letzter Wille überträgt den Zwillingen die Aufgabe, zwei Briefe zu übermitteln: einen an ihren tot geglaubten Vater, den anderen an einen unbekannten Bruder. Widerwillig nehmen die beiden die Reise in die Heimat ihrer Mutter auf sich. Die Suche nach den eigenen Wurzeln führt sie in die kollektive Tragödie des Krieges zurück.

“Ein tief bewegendes Familienportrait über das Schweigen zwischen den Generationen” (Theater der Zeit)

Es spielen die diesjährigen Absolventen der Fachakademie:

Hannah Baus, Veronika Conrady, Anna Günther, Ella Schulz, Johannes Aichinger, Janos Kapitany, Benjamin Oeser.

Kultur Ostbayern verlost 5 x 2 Karten für jede der Veranstaltungen. Schickt Euren Wunschtermin (Mittwoch, Donnerstag oder Freitag) unter dem Stichwort “Verbrennungen” an sigrid.gruen@kultur-ostbayern.de

Das Los entscheidet. Viel Erfolg!

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Weitere Infos und Karten gibt es hier:

www.adk-regensburg.de

Wagner zwischen Wallküren und Wirklichkeit

1. Februar 2013 lweser Keine Kommentare

Premiere/Tanztheater mit Orchester: Ich, Wagner. Sehnsucht! Theater am Bismarckplatz, Regensburg

Zum 200sten Geburtstag Richard Wagners schuf der neue „Ballettdirektor“ am Regensburger Theater Yuki Mori ein Tanzstück in zwei Teilen. Bereits der Titel deutet diese Zweiteilung an. Während der erste Teil „Ich, Wagner“ sich weitgehend chronologisch an Wagners Biographie orientiert, wirkt der zweite Teil „Sehnsucht“, der aus Versatzstücken Wangers Werken zusammengesetzt ist, assoziativ. Mit orchestraler Begleitung unter Leitung von Philip van Buren entstand ein emotionales und spannendes Tanzstück.

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Unumstritten vereint Wagner in seiner Figur eine ungeheuere Ambivalenz: einerseits das musikalische Genie und andererseits der Antisemit und Egomane, der sich vor allem mit seinen theoretischen Werk wie „Das Judentum in der Musik“ historisch gesehen ins moralische Abseits degradierte. Alle Facetten dieser umstrittenen und gefeierten Person und der Rezeption zu beleuchten, hätte die Möglichkeit der circa zweistündigen Aufführung gesprengt. Mori beschränkte sich auf wenige Figuren aus Wagners Leben, die diesen in seinem Schaffen beeinflussten. Neben seinen zwei Frauen Minna (Andrea Vallescar) und Cosima (Caroline Fabre), gibt Mori auch Wagners Gönner Otto Wesendonck (Riccardo Zandoná) und dessen Gattin Mathilde (herausragend: Ina Brütting), die zu Wagners Muse und wahrscheinlich auch Geliebten wurde, Raum. Mit Alessio Burani als König Ludwig II bekommt auch Wagners prominentester Mäzen im Stück seinen Platz. Zärtlich gestaltet sich Ljuba Avvakumova und Shota Inoues Tanz, die Wagners Wunschtraum verkörpern. Das einfache aber effektive Bühnebild verortet die Handlung räumlich in ein Zimmer des gehobenen Bürgertums des vorletzten Jahrhunderts, a la Villa Wahnfried. Zusätzlich zu Wagners Musik wird im ersten Teil auch Musik von Alexander Zemlinsky und Ernest Chausson, die stark von Wagner beeinflusst wurden, verwendet. Nach der Pause bricht Yuki Mori mit der narrativ geprägten Erzählstruktur des ersten Teils und lässt im Ensembletanz Wagners Erinnerungen zu fleischgewordenen Helden und Walküren werden.

Großartg!

Ich, Wagner. Sehnsucht!
Choreographie/Inszenierung: Yuki Mori;
Musikalische Leitung Philip van Buren;
mit: Claudio Costantino, Caroline Fabre Andrea Vallescar Ina Brütting, Riccardo Zandoná, Ljuba Avvakumova, Shota Inoue, Harumi Takeuchi, Alessio Burani, Fabian Moreira Costa, Pablo Sansalvador
weitere Vorstellungen: 01./17. Februar, 02./09. März, 28. April, 09./18./21./24. Mai, 09./23./29. Juni, 13./17. Juli 2013; jeweils 19.30 Uhr
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Wirtshaus-Tragödie

30. November 2012 lweser Keine Kommentare

Theater-Premiere: Little Hero. Wirtshauskomödie von Jörg Graser; Regie: Constanze Kreusch; Theater am Haidplatz, Regensburg

Der Regionalkrimi boomt. Egal wo. Und meist ist die Qualität dabei egal. Identifikation und Heimatgefühl sind wichtig. Handlung und Sprache sind da zweit oder drittrangig. Logisch eigentlich, dass auf diesen Zug auch das Theater aufspringt und teilhaben will an klingenden Kassen.

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Gut, dass mit Little Hero von Jörg Grasser ein Text gewählt wurde, dessen Erstverwertung tatsächlich die Bühne war. Kein adaptierter Roman also, sondern ein Theaterstück, welches erst später als Lesung bzw. Hörspiel (Sigi Zimmerschied gastierte damit erst im September im Lokschuppen) und noch später als Roman verwertet wurde. Und dennoch merkt man dem Text an, dass Grasser damit stark nach einer filmischen Adaption schielt. Grasser hat bereits bei seinem Theaterstück Videoeinspielungen eingeplant. Nichts abstraktes, ergänzendes, sondern ganze Szenen. Und das ist schade. Denn es wäre Schauspielern und Regisseur sicher zuzutrauen, das Geschehen der externen Szenen auch auf der Bühne darzustellen.

An sich ist die Handlung weder spannend noch witzig. Was aber kein Kritikpunkt ist, außer das Stück wird einem als solches verkauft. Jene, die sich im Wirtshaus treffen sind gar jammervolle Gestalten. Der lethargische, ständig betrunkene Kommissar Kreuzeder (Gerhard Hermann) und die von ihrem fetten Chef missbrauchte Kellnerin Gerda (Janina Schauer), sowie die Polizeipsychologin März (Franziska Sörensen), die sich von ihrem Liebhaber schlagen lässt, um wenigstens irgendetwas im Leben zu spüren. Gut, Kreuzeders Vorgesetzter (Michael Heuberger) und der Wirt Muhrlinger (Sven Pipping) scheinen durchaus mit ihrer Rolle im Leben zufrieden, aber die zwei sind Nebenfiguren.
Dank der enormen Präsenz der Schauspieler, ist der Zuschauer jedenfalls die meiste Zeit (der Bühnenpassagen, nicht der Videoszenen) gefesselt. Janina Schauer als zuerst sich bemühende und später nur noch betrunkene Kellnerin ist wirklich zum Schreien komisch - und zum Weinen tragisch. Gerhard Hermann nimmt man den desillusionierten Polizisten dem schnell mal einen Tipp für einen Mord herausrutscht mühelos ab.

Mit einem Werner Schwab kann sich Graser zwar nicht messen. Die drei Hauptprotagonisten auf der Bühne sind aber wahre Präsidentinnen im Schwabschen Sinne.

Little Hero. Wirtshauskomödie von Jörg Graser
Regie: Constanze Kreusch
mit Gerhard Hermann, Janina Schauer, Franziska Sörensen, Michael Heuberger, Sven Pipping;
Weitere Vorstellungen: 25./27./29./30. November, 01./05./06./07./08./09./10./12./13./14./16./18./19./20./21./ 22./26./31. Dezember 2012, jeweils 19:30 Uhr
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Das letzte Feuer

27. September 2012 lweser Keine Kommentare

Theater-Premiere: Dea Loher Das letzte Feuer, Theater am Haidplatz, Regensburg

Die Spielstätte am Haidplatz dient in Regensburg schon von jeher als Ort für zeitgenössische Theateraufführungen. Nun steht mit Das letzte Feuer auch endlich ein Stück von Dea Loher auf dieser Bühne. Sie gehört neben Luc Bärfuss, Kathrin Rögla, Moritz Rinke und Roland Schimmelpfennig zu den bedeutendsten zeitgenössischen deutschen Dramatikern.

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Ein Junge ist gestorben. Der Achtjährige Edgar wurde von der Polizistin Edna überfahren, während sie einen flüchtigen Attentäter verfolgte – meinte sie. Denn in Wirklichkeit handelte es sich nur um den zugekoksten Autodieb Olaf. Eigentlich ist er noch nicht mal ein Dieb. Er hat das Auto von Karoline schließlich jedes Mal wieder zurückgebracht. Das Ereignis verändert natürlich nicht nur das gewohnte Leben Ednas, Olafs und Karolines, sondern auch das von Edgars Eltern, Susanne und Ludwig, sowie der Großmutter Rosmarie und des einzigen Zeugen des Unfalls, des Kriegsheimkehrers Rabe. Nur Peter, Olafs Freund, passt nicht so recht in die sich zerfleischenden Seelen und bewahrt sich sein unbekümmertes Gemüt.

Schon die Ausgangssituation der Figuren ist aussichtslos: Demenz, posttraumatische Belastungstörung, Krebs, Drogensucht… Alle Figuren sind versehrt (außer vielleicht Peter), alle sind Verlierer. Und gemäß des Satzes, dass der Teufel immer auf den dicksten Haufen… spart Loher auch weiterhin nicht mit Schlägen in die Magengrube. Sie überhäuft ihre Figuren mit Leid. Man könnte fragen, ob sie nicht ein bisschen zu dick aufträgt. Die Antwort lautet erstaunlicherweise „nein“. Denn die Dialoge sind so eindringlich, so konsequent, so sprachgewaltig, fast poetisch, dass alles zwingend genauso in den Untergang führen muss.
Gemeinsam erzählen die Figuren die Geschehnisse. Sie sprechen von sich selbst in der dritten Person Singular, oder der ersten Person Plural. Das erzeugt einerseits Distanz zum Geschehen sowie der Figuren zu sich selbst und schafft gleichzeitig eine zweifelhafte Solidarität im „wir“. Der Text hat einen starken Prosacharakter, scheint Brechts Verfremdungsforderungen zuzuspitzen und erinnert gleichzeitig an Jelineks Suada. Karin Koller inszeniert diesen starken eindringlichen Text flüssig und stringent. Das neue Schauspielensemble überzeugt durchweg.

Auch wenn alle Schauspieler durch ihr präzises Spiel bestechen, sollen doch zwei einzelne herausgehoben werden. Hildegard Krost gibt die demente Großmutter Rosmarie so überzeugend und berührend, dass man nicht wie so oft hinter ihr eine vor Selbstbewusstsein strotzende Best Agerin erkennt – nein, der Zuschauer sieht eine in Körper und Geist zerbrechliche Frau, so echt, als sei es die greise alte Nachbarin von Nebenan. Und auch Frerk Brockmeyer, ein Nordlicht wie es im Buche steht, bereichert das neue Ensemble mit perfektem Timing und erfrischender Vitalität.

Bei aller Sperrigkeit des schweren Themas, das sich vor allem in der minimalistischen Bühnendekoration widerspiegelt, ist Karin Koller mit ihrer reduzierten Inszenierung von Das letzte Feuer ein durchwegs fesselndes, bewegendes und niemals langweiliges Stück gelungen. Less is (eben doch) more, sowohl für die Schauspieler als auch für die Zuschauer.

Das letzte Feuer von Dea Loher
Inszenierung: Karin Koller
mit Susanne Berckhemer, Michael Heuberger, Hildegard Krost, Janinia Schauer, Ulrike Requadt, Sebastian Ganzert, Frerk Brockmeyer, Thomas Birnstiel
weitere Aufführungen: 26./27./28./29./30. September, 03./04./05./06./08./11./12./13./14./ 16./17./18./26./27./28./31. Oktober, 01./02. November 2012, jeweils 19.30 Uhr
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Bunt und trotzdem farblos

24. September 2012 lweser Keine Kommentare

Theater/Premiere: Phelim McDermott, Julian Crouch, Martyn Jacques : Shockheaded Peter, Inszenierung: Constanze Kreusch, Velodrom Regensburg

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Das Stück, mit dem die Schauspiel- bzw. Musical-Saison im Regensburger Theater unter neuer Intendanz eröffnet wurde, weckt Assoziationen mit Trash oder der Rocky Horror Show. Unweigerlich denkt man auch an die überkommenen Erziehungsvorstellungen, die der Kinder- und Nervenarzt Dr. Sowieso 1844 seinen Geschichten um den Stuwwelpeter zu Grunde legte und diesen über anderthalb Jahrhunderte zum Kinderschreck werden lies. Persifliert haben das ja schon viele, und natürlich wirken diese Erziehungsvorlagen aus heutiger Sicht wie eine Groteske oder eben wie eine Vorlage für Trash- und Horror-Filme. Das erkannt und für sich genutzt haben 1998 die londoner Thaetermacher Phelim McDermott und Julian Crouch in Zusammenarbeit mit Martyn Jacques von der britischen Vaudeville-Comdo Tiger Lillies. Sie haben aus und um die Geschichten von Paulinchen, Suppen-Kaspar, Zappel-Philipp, Hans-Guck-in-die-Luft, Daumenlutschender Konrad, vom fliegenden Robert und den Anderen ein Musical gebastelt. Sie nannten es „Junk-Opera“ („eine Mischung aus Kabarett, Nummernrevue und Rock-Musical“) und ersannen die Figur des Theaterdirektors, der die Songs, bzw. Geschichten einleitet, zusammenhält und so das Publikum durch den Abend führt. Mit seiner Hilfe und mit der des Elternpaars (Silke Heise und Gerhard Hermann in Biedermeiergaderobe) versucht Constanze Kreusch in Regensburg einen aktuellen Zeitbezug herzustellen. In wenigen Momenten gelingt das zwar (z.B. beim der Gegenüberstellung von Yuppie-Eltern, die ihre Kinder in Designerklamotten stecken und Harz-IV-Eltern, die ihren Kleinen rechtzeitig beibringen wie man am Ende des Monats noch genug Kohle für Alkohol und Kippen hat) fällt insgesamt allerdings etwas schwach aus und verebbt in belanglosem Geplapper. Derartig drastische Geschichten, wie die des Struwwelpeters hätte man ruhig stärker kontrastieren können.
Insgesamt erwarten den Zuschauer ein paar nette Lieder, von denen das ein oder andere auch ganz nett inszeniert ist. Das neue Ensemble (Michael Lämmermann, Sophie Sörensen, Jakob Keller, Felix Steinhardt und Pina Kühr) gibt sich ja auch sichtlich Mühe. Letztlich dürfte man sich aber doch eher gelangweilt fragen, ob der alte Stoff bei aller Rockmusik und Punk-Optik taugt, um aktuelle Fragen der Erziehung zu stellen oder auch nur, um wenigstens ein bisschen zu provozieren.

Shockheaded Peter
Inszenierung: Constanze Kreusch,
mit Gunnar Blume, Silke Heise, Gerhard Hermann, Michael Lämmermann, Sophie Sörensen, Jacob Keller, Felix Steinhardt, Pina Kühr, Adrian Stuhlfelder
musikalische Leitung und Arrangements / Bandleitung: Wolfgang Böhmer / Uli Forster
Weiter Termine: 23./25./27./29./30. September, 03./04./05./06./07./10./11./12./14./15./19./20. Oktober 2012, jeweils 19.30 Uhr; 21. Oktober 2012: 15 Uhr
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Zwei wie Cindy und Bert

6. August 2012 lweser Keine Kommentare

Zwei wie Bonnie und Clyde mit Bettina Schönenberg und Oliver Severin, Regie: Till Rickelt, Turmtheater Regensburg

Für Theaterliebhaber ist der Sommer mit der Theaterpause immer eine Durststrecke. Diese Lücke in der Kulturlandschaft füllt glücklicherweise das Turmtheater unter Leitung von Martin Hofer in Regensburg. In diesem Jahr wird die Gaunerkomödie Zwei wie Bonnie und Clyde von Sabine Misiorny und Tom Müller aus dem Jahr 1999 auf der kleinen Bühne im 6. Stockwerk des Turms aufgeführt. Till Rickelt, der durch verschiedene Gastinszenierungen am Regensburger Theater, dem Kindertheater Cocodrillo oder bei den Burghofspielen Falkenstein bekannt ist, inszeniert das Stück mit zwei Schauspielern, die ebenfalls eng mit der Regensburger Theaterlandschaft verbunden sind. Bettina Schönenberg und Oliver Severin gehörten beide lange zum Theaterensemble in Regensburg.

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Manni und Chantal sind zwei unterprivilegierte Möchtergern-Bankräuber. So oft sie es auch versuchen, es geht einfach immer etwas echt blöd daneben. Keine leichte Sache mit einen IQ knapp über Zimmertemperatur überhaupt etwas auf die Reihe zu kriegen. Aber was soll´s… das Publikum hat seinen Spaß den beiden schrägen Vögeln bei ihren Bemühungen zuzusehen.

Das Stück ist eigentlich nur eine Aneinanderreihung von Slapstickelementen, die Figuren sind Sterotypen, die Gags weder tiefsinnig, noch originell - und trotzdem stimmt alles! Die Kulisse ist ebenso einfach wie ansprechend. Die Gags sind gut getimt. Und die Schauspieler… nun: Oliver Severin mimt herrlich einen prolligen Manni und Bettina Schönenberg eine bezaubernd naive Chantal. Manchmal denkt man dabei vielleicht an Honey-Bunny und Pumpkin aus Pulp Fiction. Angesichts von Chantals geschmacklosem pink-gelben Outfit kommt einem jedoch eher Cindy aus Marzahn in den Sinn. Der ein oder andere fühlt sich (vor allem angesichts der Autofahrszene) vielleicht auch an die originelle und beliebte „Sex & Crime“-Reihe erinnert, mit der Bettina Schönenberg mit damaligen Theaterkollegen Anfang der 00er Jahre im Restaurant Profil und im Allegro das Regensburger Publikum beglückte.

Wie gesagt: das mag zwar keine große Kunst sein, großartige Unterhaltung ist es allemal.

Zwei wie Bonnie und Clyde
mit Oliver Severin und Bettina Schönenberg, Regie: Till Rickelt;
Weitere Vorstellungen: 9./10./12./16./17./18./19./23./24./25./26./30./31. August, 1./2./6./7./8./9. September, jeweils 20.00 Uhr, Eintritt: 18 €.
www.regensburgerturmtheater.de

Creative Attack zum letzten

4. Juli 2012 lweser Keine Kommentare

Creative Attack - Junge Choreografen VIII - letzte Vorstellungen am Freitag, den 06. Juli 2012, um 19.30 Uhr im Velodrom

Zum 8. Mal dürfen die Mitglieder des Balletts Regensburg ihr Können als Choreographen unter Beweis stellen. Nur vier Stücke von drei Choreographen (Tu Ngoc Hoang, Andrea Bibolotti und Jonatan Salgado Romero) gab es diesmal zu sehen.

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Athener, Handwerker und Elfen in langen Unterhosen

6. Juni 2012 lweser Keine Kommentare

Freilicht-Theater: Ein Sommernachtstraum. Komödie von William Shakespeare; Regie: Michael Bleiziffer, Innenhof des Thon Dittmer Palais, Regensburg

Der Sommernachtstraum gehört in Deutschland zu den meistgespielten Stücken Shakespeares und eignet sich wie kein zweites zur Freilichtaufführung in lauen Sommernächten. Auch wenn die Sommernächte in Regensburg derzeit von lau weit entfernt sind, ist das Treiben auf der Bühne gewohnt wild, schrill und bunt.

sommernachtstraum

Shakespeares voll Anzüglichkeiten reiche Komödie (hier kommt Michael Bleiziffer ganz auf seine Kosten) bringt drei verschiedene Personenkreise in einer mondbeschienen Sommernacht im Wald zusammen: Ein paar gutsituierte Athener Bürger und Edelleute, von denen vier Liebende in den Wald fliehen, eine Hand voll Handwerker, die für eine festliche Hochzeit, abseits der Stadt ein Stück proben und das Volk aus Feen, Elfen und Kobolde an deren Spitze das verstrittene Paar Oberon und Titania steht. In jener Nacht kreuzen sich die Wege der gegensätzlichen Welten und die Grenzen von Realität und Traum verschwimmen.
Die interessantesten Rollen des Stücks sind die von Oberons Diener Puck und die des selbstverliebten Handwerkers Zettel.

Wie auch schon der Luftgeist Ariel in Shakespeares Sturm in der letzten Spielzeit, wird Puck von Gabriele Fischer gespielt. Die nicht mehr ganz junge Gabriele Fischer gibt einen jugendlichen, frisch-frechen und charmanten Kobold. Eine großartige, absolut überzeugende Leistung! Hubert Schedlbauer treibt als Zettel, mit seinem gewohnten komödiantischen Talent, Lachtränen in die Augen des Publikums. Überhaupt hat die ganze Entourage der Handwerker (Oliver Severin, Peter Papakostidis, Jan-Hinnerk Arnke, Paul Kaiser), einen sehr großen Unterhaltungswert. Als die gleichen Schauspieler auch noch als wenig zauberhafte Elfen in herrlichen Kostümen (Uschi Haug) auftreten, liegt das Publikum fast unter den Bänken vor Lachen. Eine weitere Erwähnung verdient auch Christoph Bangerter als gelenkiger/geschmeidiger Oberon sowie als schnösliger Theseus.

Für eine vielseitig musikalische Untermalung sorgten wieder Helmut Nieberle, Franziska Forster und Multiinstrumentalist Heinz Grobmeier. Überflüssig hingegen waren die schalen, völlig unwitzigen Gags, sowie einige seichte Lieder, a la Walt-Disney-Musical-Songs, die teilweise den Geschmack einer Nummernrevue verströmten. Zum Glück hielten sich diese Einlagen in diesem Jahr in Grenzen, so dass man alles in allem von einem unterhaltsamen und lustvollen Theaterabend sprechen kann.

Ein Sommernachtstraum eine Komödie von William Shakespeare
Regie: Michael Bleiziffer.
mit Anna Dörnte, Julia Baukuss, Daniel Tille, Thomas Birnstiel, Gabriele Fischer, Christoph Bagerter, Nikola Norgauer, Hubert Schedlbauer, Oliver Severin, Peter Papakostidis, Jan-Hinnerk Arnke, Paul Kaiser, Miko Greza
Musik: Helmut Nieberle, Franziska Forster, Heinz Grobmeier

weitere Vorstellungen: 6./7./9./12./13./14./15./17./19. Juni, 2./3./4./11./13. Juli 2011, jeweils 20.30 Uhr
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Spätromantischer bis Moderner Abschied

13. März 2012 lweser Keine Kommentare

Ballett-Premiere/Uraufführung: Schatten: Mahler - Verklärte Nacht, Ballett von Olaf Schmidt und Walter Matteini mit Orchester, musikalische Leitung: Arne Willimczik; Theater am Bismarckplatz, Regensburg

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Vier Tanz-Stücke vereint Olaf Schmidt in seiner letzten großen Ballettaufführung mit Orchesterbegleitung am Theater Regenburg. Unterstützung erhielt er dabei von italienischen Gastchoreographen Walter Matteini. Die Kompositionen, auf die Schmidt und Matteini für die Themensammlung Schatten zurückgreifen, stammen von Arnold Schönberg, Gustav Mahler und Arvo Pärt.

Mit Frates, einem Stück für Streichorchester des estnischen Komponisten Arvo Pärt aus dem Jahr 1977/1990, beginnt der Abend assoziativ mit Begegnungen von sechs Menschen in einem Treppenhaus. Die Idee diese Begegnungen auf verschiedenen Etagen in einer einzigen Ebene darzustellen ist gelungen. Nur die roten waagerechten Neonbalken im Hintergrund zeigen das Stockwerk an, in dem sich die Begegnung abspielt. Eine kühle Umgebung für einen warmen Klangkosmos aus Streicher und Percussions, denen Pärt mittels Klanghölzer eine japanische Note gibt. Tom Tykwer benutzte das Stück als Filmmusik für seinen Film Winterschläfer.

Walter Matteinis Choreographie zu Arnold Schönbergs Verklärte Nacht bezieht sich direkt auf das Gedicht Richard Dehmels, dass den Komponisten zu seinem Stück „für sechs Streichinstrumente“ (1899/1917) inspirierte. Spätromantisch beeinflusst und alles andere als atonal kommt diese Musik aus Schönbergs Frühwerk daher, und liefert eine stimmungsvolle Atmosphäre für eine, von Matteini eher düster und der klassischen griechischen Tragödie angelehnten Inszenierung um Schwangerschaft, Schuld und Vergebung. Acht Tänzer stellen das von Dehmel beschriebene Paar im Mondschein dar. Dominiert wird die Choreographie ganz unromantisch von stakkatohaften, epileptischen Bewegungen. Wie ein roter Faden ziehen sich weiße Seile durch die Inszenierung. Sie hängen von der Decke auf die Bühne herab und setzten sich auf den Kostümen der Tänzer fort. Symbolisieren sie Gefangenschaft? Die Interpretation als Nabelschnur mutet ein wenig eindimensional an. Eine Schwangerschaft als Gefängnis der Frau, oder die Gesellschaft, die ein Gefängnis aus Konventionen bildet, setzt da schon eine Ebene tiefer an.

Nach der Pause ließ Schmidt zum Cantus in Memory of Benjamin Britten (1977/1980) von Arvo Pärt durch sechs Tänzer das Schicksal unzähliger Soldaten in Stalingrad verdeutlichen. Als Einsieg wurde der letzte Brief eines deutschen Soldaten an seine Eltern vorgelesen. Auch Olaf Schmidts Großvater fiel in Stalingrad. Am Ende bedeckt der Schnee (symbolisiert durch ein riesiges weißes Tuch) die Toten und die (Toten-)Glocken Pärts haben ihre Prophezeiung erfüllt.

Mit den Kindertotenliedern (1901/1904) von Gustav Mahler nach den gleichnamigen Gedichten Friedrich Rückerts beschließt der Abend. Trotz des schweren Themas schaffte es Mahler eine positive, hoffnungsvolle Stimmung zu schaffen. Seine Kindertotenlieder beginnen in Mol und enden in Dur. Auch Schmidts Choreographie widerspiegelt diese positive Färbung. Sie ist die temporeichste und dynamischste der vier Choreographien mit den fließensten Bewegungen. Katharina Hebelkova singt die Gedichte Rückerts. Der Anspruch Mahlers, die Stimme solle dabei wie ein Instrument klingen, geht ganz auf.

Mit: Rutsuki Kanazawa, Yahsmine Maçaira, Mana Miyagawa, Natalia Palshina, Giselle Poncet, Silke Woschnjak • Andrea Bibolotti, Mattia Cambiaghi, Tu Ngoc Hoang, Fabian Moreira Costa, Brendon Feeney, Jonatan Salgado • Philharmonisches Orchester Regensburg sowie Jasmin Etezadzadeh, Katerina Hebelkova
Weitere Vorstellungen: 13./24./31. März, 07./15. (15 Uhr)/21./29. April, 12. Mai, 23. Juni 2012; jeweils 19.30 Uhr.
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