Archiv

Artikel Tagged ‘Turmtheater’

Bairisch-Crashkurs

12. Februar 2013 lweser Keine Kommentare

Das Regensburger Theaterstück Mei Fähr Lady nun auch als Hörspiel

Schon zwei Jahre lang auf dem Spielpan, über 50 ausverkaufte Vorstellungen und Gastauftritte in Neumarkt, Landshut und München - „Mei Fähr Lady“, ein Genremix aus Wissenschaft, Volkshochschulkurs und Theaterstück vom Regensburger Regisseur Joseph Berlinger ist eine Erfolgsgeschichte. Nun gibt es das Stück also für alle, die bisher noch keine Karten ergattern konnten, oder die es daheim einfach noch einmal nachhören wollen, auch als Hörspiel auf zwei CDs.
Der Regensburger Dialektologe Ludwig Zehetner (als er selbst) bringt der Chinesin Mei Ding (Eva Sixt), die auf einer Donaufähre arbeiten will, dem französischstämmigen Rapper Boulanger (Titus Horst), der eine Einheimische für sich gewinnen will und dem norddeutschen Manager Herrn Striede (auch Horst), in zwölf Wochen Bairisch bei. Außerdem ist da noch Zehetners Sekretärin (Alba Falchi), die briefeschreibend als eine Art Erzählerin fungiert.
Na dann mal los. Schade, dass es kein Begleitbuch zum Crashkurs gibt. Dann muss man sich wohl noch einen der drei Bände von Ludwig Zehtners Basst scho! besorgen.

mei-fahr-lady-cd
Mei Fähr Lady.
Ein Bairisch-Crashkurs mit Prof. Zehetner

von Joseph Berlinger.

…………………………………………………………………….

mit Ludwig Zehetner, Eva Sixt, Titus Horst
und Alba Falchi
2 Audio CDs, 105 min, 19,90 €
TYXart-Verlag
Reihe “Chromart Classics”

…………………………………………………………………….

www.tyxart.de

Mei Fähr Lady läuft noch immer im Turmtheater, wenn Sie weiterhin ihr Glück versuchen wollen, z.B. im Februar (AUSVERKAUFT) und dann wieder von April bis Juni. Der Vorverkauf für den neuen Spielplan April-Mai 2013 beginnt am 19.02.2013. Eintritt: 18 € bis 20 € + VVG

Zwei wie Cindy und Bert

6. August 2012 lweser Keine Kommentare

Zwei wie Bonnie und Clyde mit Bettina Schönenberg und Oliver Severin, Regie: Till Rickelt, Turmtheater Regensburg

Für Theaterliebhaber ist der Sommer mit der Theaterpause immer eine Durststrecke. Diese Lücke in der Kulturlandschaft füllt glücklicherweise das Turmtheater unter Leitung von Martin Hofer in Regensburg. In diesem Jahr wird die Gaunerkomödie Zwei wie Bonnie und Clyde von Sabine Misiorny und Tom Müller aus dem Jahr 1999 auf der kleinen Bühne im 6. Stockwerk des Turms aufgeführt. Till Rickelt, der durch verschiedene Gastinszenierungen am Regensburger Theater, dem Kindertheater Cocodrillo oder bei den Burghofspielen Falkenstein bekannt ist, inszeniert das Stück mit zwei Schauspielern, die ebenfalls eng mit der Regensburger Theaterlandschaft verbunden sind. Bettina Schönenberg und Oliver Severin gehörten beide lange zum Theaterensemble in Regensburg.

zweiwiebonnieundclyde

Manni und Chantal sind zwei unterprivilegierte Möchtergern-Bankräuber. So oft sie es auch versuchen, es geht einfach immer etwas echt blöd daneben. Keine leichte Sache mit einen IQ knapp über Zimmertemperatur überhaupt etwas auf die Reihe zu kriegen. Aber was soll´s… das Publikum hat seinen Spaß den beiden schrägen Vögeln bei ihren Bemühungen zuzusehen.

Das Stück ist eigentlich nur eine Aneinanderreihung von Slapstickelementen, die Figuren sind Sterotypen, die Gags weder tiefsinnig, noch originell - und trotzdem stimmt alles! Die Kulisse ist ebenso einfach wie ansprechend. Die Gags sind gut getimt. Und die Schauspieler… nun: Oliver Severin mimt herrlich einen prolligen Manni und Bettina Schönenberg eine bezaubernd naive Chantal. Manchmal denkt man dabei vielleicht an Honey-Bunny und Pumpkin aus Pulp Fiction. Angesichts von Chantals geschmacklosem pink-gelben Outfit kommt einem jedoch eher Cindy aus Marzahn in den Sinn. Der ein oder andere fühlt sich (vor allem angesichts der Autofahrszene) vielleicht auch an die originelle und beliebte „Sex & Crime“-Reihe erinnert, mit der Bettina Schönenberg mit damaligen Theaterkollegen Anfang der 00er Jahre im Restaurant Profil und im Allegro das Regensburger Publikum beglückte.

Wie gesagt: das mag zwar keine große Kunst sein, großartige Unterhaltung ist es allemal.

Zwei wie Bonnie und Clyde
mit Oliver Severin und Bettina Schönenberg, Regie: Till Rickelt;
Weitere Vorstellungen: 9./10./12./16./17./18./19./23./24./25./26./30./31. August, 1./2./6./7./8./9. September, jeweils 20.00 Uhr, Eintritt: 18 €.
www.regensburgerturmtheater.de

Warten auf Godot im Turmtheater

20. April 2011 lweser Keine Kommentare

Samuel Beckett: Warten auf Godot, Turmtheater Regensburg; mit Titus Horst, Martin Hofer, Heinz Müller, Peter Heeg; Inszenierung: Andreas Wiedermann; Kostüme: Bianca Schmid-Hedwig

warten-auf-godot-turmtheater

Warten auf Godot ist Samuel Beckett bekanntestes Theaterstück. Es ist der Innbegriff des Absurden Theaters und wird synonym dafür genannt. Die beckettsche Reduktion des Spiels, die Nihilierung der Dramaturgie ist ebenso kennzeichnend, wie die Infragestellung von Identität. Entsprechend hat Regisseur Andreas Wiedermann auf ein Bühnenbild verzichtet. Es gibt nur einen Stuhl und einen mit wenigen Kreidestrichen angedeuteten Baum auf der leeren schwarzen Bühne.

Die beiden Tramps Wladimir, genannt Didi (Martin Hofer) und Estragon, genannt Gogo (Titus Horst) leben in den Tag hinein und sind froh, wenn es endlich Abend ist. Gut dass sie wenigstens warten können - auf Jenen der nicht kommt. Oder war doch Pozzo (Peter Heeg) Godot? Pozzo hält Lucky (Heinz Müller) wie einen Sklaven in menschenunwürdigen Bedingungen. Er zehrt ihn an einer Leine und lässt ihn nach Belieben “Denken” oder Tanzen bis dieser zusammenbricht. Bei ihrem zweiten Auftauchen am nächsten Tag ist Lucky taub und Pozzo blind. Sind sie es überhaupt? Ihre Namen stimmen, doch Pozzo behauptet, das erste Mal hier zu sein und sein Leiden, wie das seines Dieners bestünde seit jeher. Didi beginnt an sich zu zweifeln, da auch Gogo fast alle Geschehnisse des Vortages vergessen hat. Wem sind hier die Erinnerungen abhanden gekommen oder durcheinander geraten? Wer ist er selbst? Eine Vergewisserung seiner Existenz erfährt er erst durch den Hütejungen, der ihm ausrichtet, Godot käme heut nicht. Es gibt ihn also. Oder?

Die vier Darsteller überzeugen. Man nimmt ihnen die abgerissenen, seelisch wie optisch verwahrlosten Gestalten ohne zu zögern ab. Martin Hofer überzeichnet seine Figur etwas. Seine Darstellung ähnelt fast einer Karikatur. Der Zuschauer empfindet Sympathie für die zwei Clochards, trotz dessen, dass auch sie zu Tätern werden und den blinden Pozzo verprügeln.

Nicht immer ist Theater Hochkultur

14. Februar 2011 lweser Keine Kommentare

Kristof Magnusson: Männerhort. Eine Inszenierung des Theaters Regensburg aufgeführt im Turmtheater

maennerhort1

Helmut, Eroll, Lars und Mario treffen sich jeden Samstag im Heizungskeller des Einkaufszentrums, immer dann wenn sie nach fünf Stunden „shoppen“ ihren Frauen entkommen können. Im Keller sehen sie Fußball, trinken Bier, rauchen und lästern über ihre Frauen. Wer denkt, dass wenn derlei auf die Theaterbühne kommt, es noch mindestens eine weitere Ebene geben muss, irrt. Da gibt es ist wirklich nicht mehr. Keine Feinsinnigkeit, keine Ironie, nicht mal Trash, nur plumpe und eindimensionale Gags, beruhend auf einem klischeehaften Männer- und Frauenbild.
Die Schauspieler Christoph Bangerter, Markus Boniberger, Michael Haake und Hubert Schedlbauer geben dennoch ihr Bestes, haben auch sichtlich selber Freude daran. Auch Regisseurin Susi Weber hat das Maximale aus der Vorlage gemacht. Die Inszenierung der vier Schauspieler auf der kleinen Bühne, die die Enge des Heizungskellers gut widerspiegelt, ist ausgeklügelt. Bei den kleinen Umbauphasen wird jeweils das Licht gelöscht und Frauengezetere ertönt aus dem Off. Das reicht dem Publikum. Ganz offensichtlich hat es seinen Spaß dabei, die Vorstellungen sind regelmäßig ausverkauft.

Kristof Magnusson: Männerhort. Inszeniert von Susi Weber, mit Christoph Bangerter, Markus Boniberger, Michael Haake, Hubert Schedlbauer, eine Produktion des Theaters Regensburg.
weitere Vorstellungen: 15./17./18./19./20. Februar, 3./4./5./8./9./10./15./16./17./19./20. März; Preis:16,50 - 17.10 €
www.theaterregensburg.de

Fäkalien und Religion

7. November 2010 lweser Keine Kommentare

Die Präsidentinnen von Werner Schwab, Premiere am 29.Oktober 2010 im Turmtheater Regensburg

Mit Heinz Müller, Titus Horst und Martin Hofer, Regie: Gisela Maria Schmitz

praesidentinnen

Hinter dem Deckmantel der Religion verstecken sich allzu oft menschliche Unzulänglichkeiten. Das wissen wir nicht erst seit den Missbrauchskandalen der letzten Zeit. Der Grazer Autor Werner Schwab (1958-1994) reiht sich in die Riege jener Weggefährten, die literarisch unter dem Begriff “Antiheimatliteratur”, im österreichischen Volksmund als “Nestbeschmutzer” zusammengefasst werden könnte. Ganz im Stile seiner Landsleute Thomas Bernhard, Josef Winkler oder Elfriede Jelinek skelettiert er mit spitzer Feder unter der Oberfläche die menschlichen Abgründe seiner Protagonisten heraus.

Die Präsidentinnen aus dem Jahr 1990 ist das erste der sogenannten “Fäkaliendramen” des jung verstorbenen Autors. Gleichzeitig ist es das meistgespielte seiner sechzehn hinterlassenen Stücke. Das zwanzig Jahre alte Drama wirkt heute bereits antiquiert. Aber wir können uns die Präsidentinnen noch in der Nachbarschaft unserer Eltern oder Großeltern der 60er- bis 80er-Jahre vorstellen. Die eigenartige Rhythmik der Sprache, jene Schwabsche Besonderheit, die er in seinen späteren Dramen weiter perfektionieren sollte, entfalten auch heute noch ihren unwiderstehlichen Sog. Es ist die Mischung aus bayrischem Dialekt und Hochsprache, gepaart mit Wortneuschöpfungen, die jedoch so klingen als seien sie authentisches Sprachmaterial des Dialektes, die die Handlung sofort geographisch und die Figuren sozial verortet.

Schwab selbst wollte seine “Fäkaliendramen” vor allem als Trash verstanden wissen. Die Inszenierung von Gisela Maria Schmitz am Regensburger Turmtheater wird diesem Trash-Charakter mit einem einfachen aber wirkungsvollem Mittel gerecht: die drei Protagonistinnen, die Präsidentinnen wurden kurzerhand mit Männern besetzt. Die drei ehemaligen Schauspieler des Stadttheaters Regensburg Heinz Müller, Martin Hofer und Titus Horst waren im Turmtheater in der letzten Spielzeit bereits in Yasmina Rezas Kunst wiedervereint.
In schwarzen Anzügen mit Metall-Aktenkoffern in den Händen betreten sie die Bühne. Mit wenigen Utensilien (Kittelschürze, Minirock oder Dirndl (Kostüme: Bianca Schmid-Hedwig) werden einfach über die Anzüge gezogen) verwandeln sie sich in Erna, Grete und Mariedl - die drei Putzfrauen, die Präsidentinnen der Toilette. Sie befinden sich in Ernas Wohnung. Das Bühnenbild (Alexandra von Fumetti) ist ebenso reduziert und angedeutet wie die die Kostüme. Neben allerlei Zitaten, befindet sich auch ein Foto von Werner Schwab. Es stellt Hermann dar, Ernas Sohn und Alter Ego Schwabs.

Die Präsidentinnen sitzen an Ernas Küchentisch und reden über die kleinen Widrigkeiten des Lebens. Was wie ein Volksstück beginnt, offenbart kurz darauf bereits seine abgründige Seite. Das vermeintliche Volksstück hält den Finger auch dorthin wo es weh tut und wird zur Groteske. Hermann ist Alkoholiker, weil seine bigotte und geizige Mutter ihn noch immer auf Schritt und Tritt (sogar auf der Toilette) kontrolliert. Die „mannstolle“ Grete ließ jahrelang zu, dass ihr Mann die gemeinsame Tochter missbrauchte, und das geistig zurückgebliebene Mariedl erfährt nur Lustgewinn im handschuhlosen Reinigen von Toilettenabflüssen. Hinter allem vermeidlich Normalem lauert das Grauen und hinter jedem noch so Perversem, verbirgt sich ein zutiefst menschlicher Wunsch nach Liebe und Anerkennung. Nach einem Gläschen Schnaps geben sich die drei Präsidentinnen Tagträumereien hin: Auf einem Volksfest hält Metzger Karl Wottila um Erna an. Der Musiker Freddy macht Grete schöne Augen und bittet sie nach einer Zurechtweisung „rechtschaffend“ um ihre Hand. Mariedl darf bei einer Massenverstopfung alle „Aborte“ ausräumen und findet darin lauter vom Pfarrer für sie versteckte Präsente.

Das Stück bietet den Schauspielern viele Möglichkeiten zur Typenstudie und zur Überzeichnung. Müller, Horst und Hofer lassen sich darauf ein, ohne den großen Holzhammer zu zücken. Sie spielen souverän bis großartig. Bald hat der Zuschauer vergessen, dass es Männer sind, die die Präsidentinnen mimen. Auf der Bühne sind die drei unterprivilegierten Frauen, denen das Leben nichts geschenkt hat, Opfer und Täterinnen zugleich. Das zurückhaltende Bühnenbild und die aufs Wesentliche reduzierte Inszenierung unterstützt die Konzentration auf die Figuren. Die Regensburger Inszenierung verzichtet auf das blutige Ende Schwabs. Mariedl wird nicht abgeschlachtet, nur in Zeitlupentempo durch die Wohnung gejagt.

Prädikat: Unbedingt sehenswert!!!

weitere Termine: 26., 27. und 28. November, sowie 1., 2., 18. und 19. Dezember, jeweils 19.30 Uhr im Turmtheater Regensburg
www.regensburgerturmtheater.de

Tango und Tristesse auf Finnisch

10. Mai 2010 lweser Keine Kommentare

Joseph Berlinger Finnischer Tango mit Martin Hofer und Birgit Otter, Turmtheater, Regensburg

finnischertango2Das Stück Finnischer Tango von Joseph Berlinger wurde mit gleicher Besetzung bereit 2007 im Hesperidengarten mit großem Erfolg aufgeführt. Nun ist die Aufführungssituation eine andere: eine feste, geschlossene Bühne statt wechselnde Spielstätten im Gewächshaus.

Das Stück beginnt mit einer Videoaufzeichnung einer Frau in einer Imbissbude - Christl, die große Liebe von Mika-Matti Akimäki (Martin Hofer), die nach Deutschland zurückgekehrt ist, um besagte Imbissbude zu betreiben. Mika trauert ihr nach, indes sein Alltag sich unaufgeregt Tag für Tag wiederholt. Während die Nachbarin Anne Läthhmäki (Birgit Otter) Akkordeon spielt und Blumen gießt, arbeitet Mika in einer Streichholz-Farbrik. Wenn der daheim ist schaut er finnisches Fernsehen oder spricht Christl auf die Mailbox. Nur manchmal schaut Anne vorbei.

Die ersten Bilder die wir von Mika auf der Bühne sehen sind durchaus schräg und fesselnd. Kostüme und Ausstattung (Katharina Dobner) sind sämtlich in Blau-Rot gehalten. Mika sitzt an einem 50er Jahre Kindertisch auf einem Kinderstuhl und testet Streichhölzer. Wenn ein Signal ertönt steht er auf, setzt seine Mütze auf, nimmt den Hammer und geht einen exakt vorgeschriebenen Weg. Dann lässt er ein 50er Jahre Papp-Miniatur-Auto an einer Wäscheleine fahren. An jeder dieser Stellen ist eine Wodkaflasche versteckt, von der er jedes Mal trinkt. Er tut das, wie seine Arbeit mit exakt den gleichen monotonen Bewegungsabläufen.  Echten Dialoge gibt es nicht. Entweder hört Mika seine Mailbox ab, dann sind Christls Nachrichten zu hören oder er spricht ihr auf die Box. Zwischen Mika und Anne fällt immer nur ein und der selbe Satz, der Titel eines deutschen Tangos: “Man kann sich beim Tanzen wunderbare Dinge sagen“. Dafür gibt es, wie der Titel verspricht, jede Menge finnischen Tango - live und vom Plattenspieler. Vordergründig mögen diese Klischees gepaart mit Skurrilität und Wiederholung durchaus die finnische Seele widerspiegeln. Auch mögen diese stimmungsvollen Bilder es schaffen den Zuschauer gut 20 Minuten zu fesseln - doch eben nicht 60 Minuten. Und genau das ist das Problem des ersten Aktes. Das handlungsarme Stück lebt vor allem von den Bildern. Doch die erschöpfen sich nach einer gewissen Zeit. Was Kaurismäki in seinen Filmen gelingt, schafft Berlinger auf der Bühne nicht unterhaltsam zu vermitteln. Der erste Teil benötigt entweder mehr Handlung oder weitere ausgefallenen Bildern. Sonst geschieht genau das, was leider im Turmtheater passiert ist: einige der Zuschauer verschwinden nach der Pause. Der zweite Teil hatte dann durchaus mehr Tempo. So gibt Martin Hofer genial Giovanni Trappatoni auf einer Pressekonferenz. Trappatoni ist der neue Trainer von Mikas Lieblingsmannschaft Klubi 04 Helsinki, die desaströs 0:7 gegen Bayer Leverkusen verloren hat. In seinem vertrauten Italienisch-Deutsch-Kauderwelsch zeigt Trappatoni im Interview die Parallelen zwischen Finnischem Fußball und finnischem Tango auf, sowie die Unterschiede zwischen letzterem und argentinischem Tango. Die Essenz des Stückes!

Letztlich hätte ein wenig mehr Bewegung das Stück retten können. Hofer und Otter überzeugen durchaus. Wunderbar ist sowohl ihr Finnisch, als auch ihr Deutsch mit finnischem Akzent. Das Potential der starken Bilder wird leider durch die endlose Wiederholung verschenkt. Also: ersten Teil straffen und Pause weglassen oder um es mit M.A. Numminen zu sagen: ein bisschen mehr Yes Sir, ich kann Boogie als Mit meiner Braut im Parlamentspark.

finnischertango1

Weitere Termine: Termine: So. 16.5./ Fr. 21.5./ So. 20.6. / Mo. 21.6.2010
Beginn 20.00 Uhr Eintritt: 15 Euro
www.regensburgerturmtheater.de

Kleine Eheverbrechen

13. Januar 2010 lweser Keine Kommentare

Eric Emmanuel Schmitt: Kleine Eheverbrechen mit Adele Neuhauser und Martin Hofer im Turmtheater Regensburg

kleineeheverbrechen

Die Gastdarsteller im Turmtheater scheinen neuerdings nach ihrer Präsenz im ARD-Tatort ausgesucht zu werden. Nachdem Titus Horst im Turmtheater in Kunst von Yasmina Reza zu sehen war, wurde am 13. Dezember 2009 der Münchner Tatort Wir sind die Guten ausgestrahlt, in dem Horst den Gerichtsmediziner spielte. Kurz vor der Premiere von Kleine Eheverbrechen von Eric Emmanuel Schmitt mit Adele Neuhauser im Turmtheater,  war sie im Frankfurter Tatort Weil sie böse sind ( 3. Januar 2010) zu sehen. Aber Horst und Neuhauser haben außer dem zeitnah zur Aufführung ausgestrahlten Tatort, noch etwas anderes gemeinsam: beide gehörten dem Ensemble des Regensburger Theaters an und waren somit Schauspieler-Kollegen voneinander und von Martin Hofer, der seit ca. einem dreiviertel Jahr das Turmtheaters betreibt. Adele Neuhauser war der Star des Regensburger Theaters. Vielen ist sie noch aus legendären Rollen wie dem Mephisto (in Goethes Faust), der Medea (in Euripides gleichnamigen Stück) oder der Maria Callas (in Meisterklasse) bekannt. Seit sie Regensburg ca. im Jahr 2002 verlassen hat, arbeitet sie vor Allem fürs Fernsehen. Das Faustisch-Mephistophelische Duo Hofer-Neuhauser gab es in Regensburg immer mal wieder zu sehen (z.B. bei von der Buchhandlung Dombrowski initiierten Lesungen). Nun sind beide endlich auch wieder auf der Theaterbühne vereint.
Das Zwei-Personen Stück von Eric Emmanuel Schmitt aus dem Jahre 2003 (deutschsprachige Erstaufführung 2004 ) hat eigentlich alle Eigenschaften, die einen abwechslungsreichen und spannenden Abend versprechen: Es vereint Komödie, Tragödie und Kriminalstück.
Eine Frau bringt ihren Mann, der unter Amnesie leidet nach seinem zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt in die gemeinsame Wohnung. Es ist wie das erste Mal. Beide wirken steif und verkrampft. Er siezt sie. Sie lernen einander vorsichtig kennen. Oder doch nicht? Dass etwas nicht stimmt, wird schnell klar. Wer manipuliert hier wen? An dem Buch “Kleine Eheverbrechen”, dass er geschrieben hat und für sein bestes hält, dass sie aber hasst, facht ein alter Streit neu auf.
„Jedes Ehepaar ist ein Mörderpaar, das sich gegenseitig zu ermorden sucht“ ist die Grundthese des Buches und des Stückes. Bald wird klar, dass diese These weder ironisch, noch metaphorisch gemeint ist. Die sehr konstruierte Verstrickung aus Liebe, Abhängigkeit, Mordversuchen und Lüge, die nach und nach aufgedeckt werden, sind effektiv. Allerdings schlägt Schmitt im Laufe seines Stück zunehmend mit Binsenweisheiten a la Grönemeyers Song Männer um sich. So versteiften die Dialoge immer mehr. Ohne die zwei hervorragenden Schauspieler, würde der Einakter wohl zur Farce verkommen. Hofer und Neuhauser mimen das Paar Sobiri in allen Nuancen: zurückhaltend, leidenschaftlich, verzweifelt und abgründig. Die Inszenierung bleibt, abgesehen von einigen Kürzungen, streng am Text.

Die Premiere am Freitag war nicht nur ausverkauft, sondern es mussten sogar zusatz-betuhlt werden. Die Darsteller erhielten tosenden Applaus und Bravo-Rufe. Sämtliche Vorstellungen von Kleine Eheverbrechen waren bereits vor dem Start ausverkauft. Regensburg vergisst seine Stars eben nicht. Schön, dass Adele Neuhauser Regensburg auch nicht vergessen hat.

Kleine Eheverbrechen von Eric Emmanuel Schmitt
mit Martin Hofer und Adele Neuhauser im Turmtheater, Regensburg
Weitere Termine (ausverkauft): 13.15.16.17.18.19.20.21.22.23. Januar, jeweils: 19.30 Uhr, Eintritt: 15,00 €. Wegen der großen Nachfrage gibt es Zusatztermine vom 3. bis 8.April. Die Reservierung läuft. telefonisch unter: 0941 - 56 22 33 ( 10.00 Uhr - 14.00 Uhr ) oder im Tourist Büro / Altes Rathaus

www.regensburgerturmtheater.de

Endstation Fundbüro Im Gebüsch

8. Januar 2010 lweser Keine Kommentare

Freitag, 08. Januar 2010, 19.30 Uhr, Turmtheater, Regensburg
Premiere des Stücks Kleine Eheverbrechen von Eric Emmanuel Schmitt mit Martin Hofer und Adele Neuhauser. Weitere Termine: 9.10.13.15.16.17.18.19.20.21.22.23. Januar, Eintritt: 15,00 €
www.regensburgerturmtheater.de

Samstag, 09. Januar 2010, 20.00 Uhr, Kulturspeicher, Bruderwöhrdstraße 15, Regensburg
Lesung: Volker Klüpfel und Michael Kobr: Rauhnacht: Kluftingers neuer Fall, veranstaltet von Bücher Pustet, Eintritt: 15,-/12,- (Leider schon ausverkauft)
www.pustet.de | www.kommissar-kluftinger.de

Samstag, 09. Januar, 20.00 Uhr, Kunstverein Graz, Regensburg
Sonderveranstaltung im Rahmen der GRAZIFIKATION 08: HERRENGEDECK, Musik: Transponderfish vs. Asiask (Andreas Müller und Albert Plank), Lesung: Eva Karl: Herrengedeck, Kurz-Film: Interview mit Pomodoro Bolzano
www.kunstvereingraz.de

Samstag, 09. Januar, 21.00 Uhr, Büro, Keplerstr., Regensburg
Live & umsonst Im Gebüsch und Endstation Fundbüro fescher Pop aus hiesigen landen. Dannach Bis 4 Uhr früh werden Platten aufgelegt.
www.buero-regensburg.de | www.myspace.com/traumtelefon |www.myspace.com/imgebuesch

Kunst im Turmtheater

23. November 2009 lweser Keine Kommentare

Yasmina Reza: „Kunst“, Turmtheater Regensburg

Vor über acht Jahren wurde Yasmina Rezas „Kunst“ bereits am Theater Regensburg aufgeführt. Die Regie führte damals Michael Bleiziffer. In den Rollen: Michael Heuberger, Titus Horst und Martin Hofer.
Nun, da Martin Hofer sein eigenes Theater hat, darf er auch selbst inszenieren. Und natürlich spielt er wieder Marc, den Zyniker unter den drei Freunden. Titus Horst (mittlerweile wie Hofer und Müller freier Schauspieler, nur meist nicht in Regensburg) spielt Serge, den Kunstliebhaber. Heinz Müller mimt den Yvan, den gutmütigen Schlichter.

Kunst“ ist ein Stück über Freundschaft, nicht über Kunst. Das Kunstwerk, ein weißes Bild mit weißen Streifen, für 50.000 €, ist nur ein Motiv. Es ist austauschbar. Auf Grund der unterschiedlichen Einstellungen der drei Freunde zu diesem Bild, offenbaren sich deren Charaktere und werden ihre Positionen in ihrer Freundschaft verortet. Jeder der Freunde hat in seiner Wohnung ein Bild (die Handlung spielt abwechselnd in Serge, Ivans und Marcs Wohnung), durch welches er charakterisiert wird. Das spartanische Bühnenbild, nur weiße Wände und das jeweilige Bild wurde von Reza in den Regieanweisungen bestimmt.
Irgendwann merkt man dem Stück an, dass es von einer Frau geschrieben wurde. Soviel reden Männer nicht über ihre Beziehung zueinander. Über Frauen ja, über Kunstwerke auch. Und das würde auch genügen. Der Zuschauer hat verstanden. Es wäre nicht nötig gewesen die Freundschaftsprobleme mit allen Entfremdungen, Emanzipationsstreben und Eifersüchteleien auch noch direkt anzusprechen. Reza hätte getrost auf die Kraft ihrer Motive vertrauen können.

Die drei Darsteller, Titus Horst, Heinz Müller und Martin Hofer, die auch für die Inszenierung verantwortlich zeichnen, werden  dem komödiantischen, wie den psychodramatischen Charakter des Stückes gleichermaßen gerecht. Der intime Raum des Turmtheaters (die Grenzen zwischen Bühne und Zuschauerraum sind wieder fließend), lassen das Publikum die Schauspieler hautnah erleben. (Man sieht sogar die Schweißtropfen auf Hofers Gesicht.) Vor allem die psychisch entblösenden Szenen entfalten so ihre volle Wirkung. So nah ist das Publikum dem Geschehen auf der Bühne selten. Das ist eindringlich und beeindruckend.

rezakunst

Yasmina Rezas „Kunst“ mit Martin Hofer, Titus Horst und Heinz Müller läuft im Turmtheater Regensburg. Die Termine finden sie unter: www.regensburgerturmtheater.de

Neben des Schornstein Falls…

12. November 2009 ffranc Keine Kommentare

12. - 14. November 2009. Runtingersaal, Keplerstr. 1, Regensburg.
Städtische Kulte im Mittelalter, Internationale und interdisziplinäre Jahrestagung des Forum Mittelalter der Universität Regensburg. Eintritt: frei
www.forum-mittelalter.de

die Drei von der Kunst-Stelle

Au Backe! Die Drei von der Kunst-Stelle

Freitag, 13. November, 19.30 Uhr. Turmtheater, Am Watmarkt 5, Regensburg.
Premiere, Yasmin Reza: Kunst mit Martin Hofer, Heinz Müller und Titus Horst.
www.regensburgerturmtheater.de

ab Freitag, 13. November, 20.00 Uhr.
W1, Weingasse, Regensburg.
MY ONE SHOT - ein kollektives Kunst-Projekt der Kulturoffensive headless beaver! Oder eine Polariod-Kamera geht um die Welt. Vernissage mit einer Einleitung von Annette Loy. Die Ausstellung ist noch bis 18.12. zu besichtigen.
www.myspace.com/w1_regensburg

ab Freitag, 13. November, 20.00 Uhr. Kunstverein GRAZ, Schäffnerstr., Regensburg.
0,1% Fett - Eine analoge und digitale Ausstellung mit diversen Künstlern. Incl. Schmalzbrote und musikalische Konservenuntermalung durch DJ Arok und WsgGukf (Albert Plank). Die Ausstellung geht noch bis 6.12.
www.kunstvereingraz.de

Freitag, 13. November, 20.00 Uhr. Club Heimat, Taubengässchen, Regensburg.
Virginia Jetzt! Ach ja, die gibt’s auch noch. Support sind Jacob Brass (Klingt wie VJ auf englisch). Eintritt: 17 /14 €
www.virginiajetzt.de | www.jacobbrass.de | www.heimat-regensburg.de

ab Samstag, 14. November, 10.00 Uhr. Historisches Museum, Dachauplatz, Regensburg.
Große Krippenausstellung. Wer sich unbedingt auf Weihnachten einstimmen muss, kann schon mal hier anfangen. Bis 6. Januar, Öffnungszeiten: Di, Mi u. Fr 10.00 - 16.00 Uhr / Do 10.00 - 20.00 Uhr / Sa u. So 10.00 - 17.00 Uhr
www.museen-regensburg.de

Samstag, 14. November, 20.00 Uhr. Alte Mälzerei, Regensburg.
Leise ist Scheiße! 1000PS (735,5 kW) Rock mit dem United Noise Ensemble aka Use to Abuse, Zarate, SickSickSick, Eintritt: 10 €
www.alte-maelzerei.de

Samstag, 14. November, 21.00 Uhr. Scala, Pustetpassage, Regensburg.
Yucca nicht die Palmen sondern die “kleinen” Robocop Kräuse aus Hersbruck (das deutsche Athens, GA). Als Vorband gibt’s die hiesigen Teenies von Sunrise Sunday. Eintritt: 7 /5 €
www.yucca-music.de | www.myspace.com/sunrisesundaymusic | www.scalaclub.de

zuckerfabrik

Sonntag, 15. November, 15.02 Uhr. ehemalige Zuckerfabrik, Regensburg.
Was tun am einem langweiligen Sonntagnachmittag im Herbst? Klar, den Schornstein der Zuckerfabrik in die Luft sprengen. Das Scheißding muss weg und der Sprengmeister freut sich über zahlreiche Zuschauer in unmittelbaren Nähe. Eintritt ist frei!
www.suedzucker.de

Dienstag, 17. November, 20.30 Uhr. Alte Mälzerei Club, Regensburg.
Oceansize  Alternative-Brit-Rock aus Manchester, mit dabei sind auch Ira aus Kontanz und die Kalifornier World On Fire. Eintritt: 16 /13 €
www.oceansize.co.uk | www.iraism.com | www.myspace.com/theworldisonfire

19. - 25. November 2009. Filmgalerie im Leeren Beutel, Regensburg.
Vorboten der Wende, Filmreihe/Filmseminar des AKF. Jeweils zwei Vorstellungen täglich. Für alle Seminare und Filme vom 20.-22.11. einmalig 20 €
www.filmgalerie.de