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Artikel Tagged ‘Unikater Pep’

Studium mit Pep - Schnurren aus dem Katzenalltag

15. März 2015 sgruen Keine Kommentare

Mausgrauer Tag

(Pep Schwarz-Weißflach)

Meeeeaaaaaau! Gestern bin ich gut erholt wieder zurück in mein Revier. In meiner Abwesenheit hatte sich nichts verändert, was mir sehr recht war. Ich genieße graue einförmige Tage, weil man dann der Zeit so schön beim Verstreichen zusehen kann und das entspannt den Geist. Ich liebe es, nichts zu tun. Wenn ich keine passende Heizung finde, sitze ich gerne im Freien oder auf dem Fensterbrett und blicke in den Himmel. Ob der Himmel grau oder blau ist, spielt dabei keine Rolle. Himmel ist Himmel! Bei grauem Himmel dehnt sich die Zeit sogar noch schöner.
Gestern war der Himmel also mausgrau und ich genoss seine beruhigende Eintönigkeit.
In meiner Zeit an der Universität habe ich festgestellt, dass Streichelmenschen mausgraue Tage nicht mögen. Und aus unerfindlichen Gründen empfinden sie auch Langeweile als etwas Unangenehmes. Ich weiß nicht, ob ihnen ein Gen fehlt oder welcher böse Zug des Schicksals hier zum Tragen kommt - aber sie versuchen Langeweile tatsächlich sogar zu vermeiden! Was für ein absurder Gedanke. Ich könnte kein Streichelmensch sein. Die genüssliche Gleichförmigkeit mausgrauer Tage würde mir zu sehr fehlen. Vielleicht erzählt aber auch jemand den Streichlern, dass man sich nicht langweilen soll - aus was für Gründen auch immer… Aber darauf dürfte doch keiner reinfallen, oder?
Ich habe einmal das Buch “Oblomow” gelesen und dachte mir die ganze Zeit: “Was für ein kluger Mann. Er versteht es, sich zu langweilen!” Aber dann fiel mir auf, dass es in der Geschichte darum ging, wie schlimm das war. Komische Botschaft. Ich habe das Buch nicht richtig verstanden.
Manchmal kommt es mir so vor, als ginge es Streichelmenschen immer nur darum, etwas zu füllen - ihre Bäuche, ihre Köpfe, ihre Häuser, ihre Stunden. Ich fülle mir auch gerne den Bauch und auch mein Katerkopf ist wissensdurstig. Nie käme es mir aber in den Sinn Gegenstände in einer Ecke aufzuhäufen und zu behaupten: Das ist mein Revier! Und niemals möchte ich mich dazu gezwungen fühlen, meine Stunden mit allen möglichen Erlebnissen füllen zu müssen. Aber genau das tun viele Streichler! Ich glaube fast, dass sie vergessen haben in den Himmel zu schauen. Zumindest in den grauen. Und dafür tun sie mir wirklich leid. Meeeeaaaaaau!

Studium mit Pep - Schnurren aus dem Katzenalltag

13. März 2015 sgruen Keine Kommentare

Nichts eratmet, alles angelesen

(Pep Schwarz-Weißflach)

Schnurrrrr! Die vergangene Nacht habe ich endlich wieder in der heimischen Hängematte verbracht. Das intensive Studium in den letzten Tagen hat mich auch ordentlich gefordert, so dass ich sehr glücklich war, als mein Frauchen am Abend in der Jura-Bibliothek auftauchte um mich nachhause zu bringen.
Da der Himmel eher grau war und die Sonne sich nur ab und zu blicken ließ, verbrachte ich tagsüber viel Zeit in der Bibliothek und auf der Heizung. Natürlich ist es viel schöner in der Sonne zu schlafen, aber wenn sie nicht da ist, ist es auch nicht so schlimm. Am Vormittag recherchierte ich streichelmenschliches Brunstverhalten, da mir die Sache mit den Rauchkreiden nicht aus dem Katerkopf gehen wollte. Ich fand allerdings nur etwas zur Brunst oder Brunft im Allgemeinen und bei verschiedenen Spezies im Besonderen. Die Brunst wird von den Streichelmenschen, abhängig von der Tierart, unterschiedlich bezeichnet. Bei Hirschen, Rehen, Gämsen und Mufflons sprechen die Streichler von der Brunft, bei Pferden von Rossigkeit, bei Rindern von Bulligkeit, bei Entenvögeln von der Reihzeit, bei Schweinen von der Rauschzeit oder Rausche, bei Hasen von der Rammelzeit und bei Wölfen, Füchsen, Dachsen und Frettchen von der Ranz. Hunde sind läufig und Katzen rollig - katerklar! Aber Streichelmenschen?! Sind die streichlig? Eine streichelhumane Rolligkeit habe ich bereits vor einiger Zeit konstatiert, bezweifle aber mittlerweile, dass es sich bei der regelmäßig wiederkehrenden Kofferangelegenheit tatsächlich um ein Brunstverhalten handelt. Dazu erscheinen mir die Betroffenen dann doch zu leidenschaftslos.
Während ich also recherchierte und feststellte, dass die Brunst bei Streichelmenschen möglicherweise ein wissenschaftliches Tabuthema sein könnte, fiel mir auf, dass ich manche in der Bibliothek anwesenden Streichelstudenten immer an der gleichen Stelle antraf. Sie mussten den ganzen Tag zwischen den Büchern verbringen! Versteht mich nicht falsch - ich liebe Bücher, aber ich finde, dass man’s auch übertreiben kann. Wenn man immer nur liest und abschreibt, was andere geschrieben haben, ist das doch weder spannend noch besonders innovativ. Nichts eratmet, alles angelesen - nach diesem Motto arbeiten leider viele Kuschelakademiker. Ich habe ja eine gänzlich andere Auffassung von Wissenschaft. Auf ins Feld! Und wenn dabei noch ein paar Mäuse rausspringen, umso besser! Im offenen Feld muss man der Materie etwas abringen, man muss wühlen, graben, entdecken! Wenn ich nur mal überlege welch außerordentliches streichelhumanes Verhalten ich bereits beobachten konnte, das ich nirgends dokumentiert fand… Nicht auszudenken, was sich die Streichler entgehen lassen, wenn sie ihre Nasen immer nur in die Bücher stecken. Ich wünschte, sie könnten mich verstehen und würden mir ins Feld folgen. Aber bitte nicht meine Mäuse verjagen! Schnurrrr…

Studium mit Pep - Schnurren aus dem Katzenalltag

11. März 2015 sgruen Keine Kommentare

Recken, strecken, Pfötchen lecken

(Pep Schwarz-Weißflach)

Meeeeaaaaau! Gestern begann der Tag aufregend und endete ruhig, dazwischen schien die Sonne und ich konnte wieder viele Streichler beobachten. Am Morgen wollte ich eigentlich an einer Veranstaltung teilnehmen, die sich Examen nennt. Ein Examen ist etwas, was die Streichelmenschen zum Schwitzen bringt und in extreme Spannungszustände versetzt. Trotzdem finden sich immer ziemlich viele Streichelstudenten, die mitmachen wollen. Ich kann nicht verstehen, welcher Zweck damit verfolgt wird, weshalb ich natürlich herausfinden wollte, was daran so schnurrig sein soll. Leider wurde ich wieder einmal rausgeworfen. Die Streichelmenschen müssen artinterne Geheimnisse haben, von denen keine andere Spezies wissen darf. Irgendwann werde ich es aber doch herausfinden!
Nach dem Reinfall mit dem Examen wollte ich mich aber nicht lange grämen - das hat einfach keinen Sinn. Stattdessen sah ich mich bei den Geisterwissenschaftlern um, die meinen bisherigen Beobachtungen zufolge am Morgen die müdesten Streichler sind. Sie hängen träge auf den runden Stühlen, die um die runden Tische drapiert sind und schütten schwarze Ekelbrühe in sich hinein. Ja, sie hängen wirklich! Sitzen kann ich das beim besten Willen nicht nennen. Wenn eine Katze so dasäße, würde sie von ihren Artgenossen sofort einfach umgeworfen werden, da eine solche Haltung förmlich dazu auffordert. Ich frage mich ohnehin, wie die Streichler in dieser Position so gut die Balance halten können, dass sie nicht vom Stuhl fallen. Während der dahingehenden Überlegungen kam mir dann auch ein guter Einfall hinsichtlich meiner Streichler-Studie. Ich würde mich an diesem sonnigen Tag den streichelhumanen Bewegungsmustern widmen, die mich schon lange faszinieren.
Zunächst muss betont werden, dass Streichler sich sehr unterschiedlich bewegen. An manchen Tagen kann sogar ein und derselbe Streichelmensch zunächst die Körperspannung einer toten Maus und später die eines unerzogenen Schäferhundes beim Anblick eines kläffenden Dackels haben, obwohl es keinen sichtbaren Anlass gibt. Wie das genau zustande kommt, werde ich noch im Rahmen einer Langzeitstudie zu eruieren versuchen. Weiterhin fällt auf, dass bestimmte Fakultäten häufig mit einer gewissen Haltung in Verbindung gebracht werden können. Wie bereits erwähnt sind die Geisterwissenschaftler morgens müde und weisen kaum Sprungkraft auf - zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand, der wie eine tote Maus auf einem Stuhl hängt plötzlich einen weiten Satz macht. Viel aufgeweckter wirken bereits am frühen Morgen seltsamerweise die Chemie-Streichler. Woran das liegen könnte, weiß ich auch (noch) nicht.
Gestern wollte ich mich aber zunächst nur den Geisterwissenschaftlern im PT-Trakt widmen. Ich suchte mir einen strategisch günstigen Platz an der Sonne und schlief erstmal ein. Als ich zwischendurch kurz aufwachte, konnte ich beobachten, dass die Sonne das Aktivitätslevel der Streichler zwar erhöht, von Stärke oder Anmut konnte man aber noch nicht viel erkennen. Vor allem nicht bei den männlichen Vertretern der Spezies. Sie bewegten sich eher eckig und unbeholfen, fast ein bisschen so, als hätten sie vergessen, wie sie sich eigentlich bewegen könnten und natürlicherweise auch bewegen würden. Im Unikindergarten habe ich bereits sehr klettergewandte kleine Streichelmenschen beobachtet, die noch sehr gut wussten, wie man sich wann bewegt.
Wann und warum kommt diese Fähigkeit den Streichlern nur abhanden? Sind die Unistreichler etwa schon so altersschwach, dass sie ihre Leiber nur noch mit sich herumtragen können, ohne Interesse und Freude an der eigenen Beweglichkeit? Allein vom Anblick mancher Streichelmenschen wurden meine Gelenke ganz steif und ich musste mich ausgiebig recken, strecken und einige Katzenbuckel machen, um meine natürliche Spannung wiederzuerlangen. Und da wurde mir in meinem klugen Katerkopf mit einem Mal bewusst, dass ich Streichler so gut wie noch nie dabei beobachtet hatte, wie sie sich ordentlich dehnten, gähnten, einen schönen Buckel machten oder auf eine andere Weise all die Spannungen abschüttelten, die sie sich im Examen oder sonst wo einfingen. Wie sollten sie da auch anmutig und stark sein? Die armen Streichelmenschen! Ich würde sie gerne ab und zu zu einer kleinen Pepgymnastik einladen: Recken, strecken, Pfötchen lecken! Mindestens 10x täglich - nach jedem Nickerchen. Und während ich mir überlegte wie ich das bewerkstelligen könnte, schlief ich ein und träumte von Streichlern, die plötzlich überall herumkletterten statt ins Examen zu gehen, durch ihre Fenster einfach ins Freie sprangen und sich kunstvoll abrollten statt die graue Treppe zu benutzen und sich genüsslich die Krallen an den Bäumen schärften statt ihre spannungsbedingten Aggressionen an Artgenossen auszulassen. Meeeeaaaaau!

Studium mit Pep - Schnurren aus dem Katzenalltag

10. März 2015 sgruen Keine Kommentare

Das Gesetz des Campus’

(Pep Schwarz-Weißflach)

Meeeeaaaaaaauu! Ich bin immer noch ein bisschen aufgewühlt von meinem gestrigen Erlebnis. Fast den ganzen herrlichen Sonnentag hatte ich im Freien verbracht und mir zwischendurch drei Mäuschen gepflückt, als ich dann unvermittelt von einem überwältigenden Bildungshunger ergriffen wurde. Um endlich wieder etwas zu lernen machte ich mich also auf die Suche nach spannenden Veranstaltungen. In der Wirtschaft wurde ich bald fündig. Ich habe noch nicht ganz begriffen, worum es bei diesem Fach genau geht und gerade darum wollte ich dringend möglichst viel darüber erfahren. In einem Zimmer versammelten sich mehrere Streichler, was ich mittlerweile als klares Indiz ausgemacht habe, das darauf hinweist, dass bald etwas erzählt werden wird. Ich schlich mich also möglichst unauffällig in die Veranstaltung und versuchte mich zunächst hinter dem Putzeimer zu verstecken. Dumm nur, dass Streichler sich meine Welt von oben ansehen, denn bald fiel ich trotzdem auf.
“Meeeeeeeiiii, die Katz!”, schrie der halbe Saal und eine Streichlerin nahm mich auch gleich auf den Arm. Ich sträubte mich ein wenig, wehrte mich aber nicht sehr entschieden. Mittlerweile habe ich gelernt, dass man auch manchmal Ruhe bewahren muss, wenn man ein Seminar mit anhören möchte. Um die Aufmerksamkeit etwas zu zerstreuen, rollte ich mich sogar friedlich auf dem Schoß der Streichlerin zusammen und die restlichen Seminarteilnehmer beruhigten sich tatsächlich.
Wenig später betrat auch der Oberstreichler den Raum und die Jungstreichler wurden plötzlich ganz still. Ich spürte sofort, dass keine gute Stimmung mehr herrschte seitdem er da war. Er begann zu sprechen und erzählte etwas über Marketing - was auch immer das sein mochte. Seinen Ausführungen konnte ich nicht folgen und auch die Streichler auf den Stühlen mussten sich sehr anstrengen. Ich spüre so etwas! Kennt ihr das? Streichelmenschen, die etwas an sich haben - ich weiß gar nicht was genau es ist -, das so unangenehm ist, dass man es kaum in einem Raum mit ihnen aushält. In der Luft hing eine unglaubliche Anspannung, die sich unter anderem darin äußerte, dass die Streichlerin, auf deren Schoß ich lag, die Luft anhielt! Wenn ich so etwas spüre, versuche ich so schnell wie möglich den Standort zu wechseln. Etwas anderes hilft nämlich nicht. Auf den Inhalt des gesagten konnte ich ohnehin nicht achten, denn Anspannung macht Denken unmöglich. Ich begann also vorsichtig mich zu strecken. Mein Plan war es eigentlich, vom Schoß zu springen und an der Tür lautstark darum zu bitten, dass sie mir geöffnet würde. Aber so weit kam ich überhaupt nicht! Noch bevor ich festen Boden unter den Pfoten hatte bemerkte der Oberstreichler mich und fühlte sich wohl dazu berufen mir und allen anderen zu zeigen, wer der Chef ist. Er fing an schrecklich herumzuschreien, packte mich kurzerhand am Nackenfell - was ich abgrundtief hasse! - und warf mich tatsächlich aus dem geöffneten Fenster. Ich war so überrascht und verärgert, dass ich meine Katernance nicht so schnell wiedererlangen konnte. Wofür hielt dieser Möchtegern-Sheriff sich denn? Für das Gesetz des Campus’? Hatte er denn keine Ahnung davon, dass das hier MEIN Revier war und nicht umgekehrt? Wieso wagte er es ein Revier abzustecken, das überhaupt nicht seines sein konnte, da es ja meines war? Mir war bislang noch keine seiner Duftmarken aufgefallen. Oder war er etwa auch kastriert und konnte nicht mehr markieren? So wie der sich benommen hatte, konnte ich mir allerdings nicht vorstellen, dass er kastriert war! Ich würde mir etwas für diesen ganz und gar unschnurrigen Zeitgenossen (ich weigere mich mittlerweile vehement dagegen ihn als Streichelmenschen zu bezeichnen, da ich von so einem überhaupt nicht gestreichelt werden will!) überlegen müssen… Und jetzt bin ich immer noch aufgewühlt. Was für einem Schmach! Meeeeaaaaaaauu!

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9. März 2015 sgruen Keine Kommentare

Schnüffelalarm

(Pep Schwarz-Weißflach)

Meeeaaaaauuu! Direkt proportional zur Intensität der Sonneneinstrahlung verhält sich die Anzahl der Hunde in meinem Revier. Das hat sich gestern wieder einmal bestätigt. Nur wenige Streichler waren unterwegs, aber fast alle, die da waren, wurden von Hunden herumgeführt. Ich beobachtete die Zweiergespanne - manchmal führte auch ein Hund mehrere Streichelmenschen aus, ganz selten kümmerten sich auch zwei oder mehrere Hunde um einen Streichler - und kam zu dem Schluss, dass die Verständigung in einigen Fällen wohl ganz anständig klappte, aber oft konnte ich erkennen, dass es offensichtlich Kommunikationsprobleme geben musste.
Ich beobachtete gerade gespannt eine brenzlige Situation, in der ein kleiner Hund einen großen Hund erblickte und den Streichler an seiner Leine energisch bellend hinter sich herzog, als ein aufdringliches Geschnüffele von hinten mich überraschte. Meine Wahrnehmung war vollkommen auf die Begegnung der beiden Hunde gerichtet gewesen, so dass ich leider nicht rechtzeitig mitbekommen hatte, dass Popo-Poldi sich in der üblichen, äußerst aufdringlichen Weise meinem Allerwertesten genähert hatte. Seine Zunge hing weit aus seinem Dackelmaul und er schleckte sich aufgeregt immer wieder über die Nase. Ich hätte weglaufen können und vielleicht auch sollen, aber mein Interesse an dem, was passieren würde war einfach zu groß. Ich hatte Poldi schon einige Zeit nicht mehr persönlich getroffen. Möglicherweise hatte er sich ja verändert? Vielleicht hatte er Benehmen gelernt? Anstand?
Hatte er natürlich nicht und auch mir fiel sieden heiß ein, dass ich meine Hundestudie sträflich vernachlässigt hatte. Mittlerweile waren meine hart erarbeiteten Erkenntnisse so sehr in Vergessenheit geraten, dass ich mich auf Pfotenhieb an keinen einzigen Aspekt mehr erinnern konnte. Vermaust nochmal! Um wissenschaftlich auf dem Laufenden zu bleiben, muss man sich wirklich permanent mit seinem Thema beschäftigen, sonst nützt es nichts… Im Schnüffelstress kann man sowieso überhaupt nicht vernünftig denken. Oder habt ihr schon einmal versucht den “Erlkönig” aufzusagen, während euch jemand an die Wäsche wollte? Ich machte also einen beachtlichen Buckel, stellte Schwanz und Pelz auf und fauchte ihm ins Dackelgesicht. Er wich tatsächlich ein Stück zurück, machte anschließend aber einen aufgeregten kleinen Satz nach vorne. Ich setzte alles auf eine Karte, drückte meinen Schwanz nach unten, buckelte noch stärker, stellte mich auf die Hinterbeine und ging seitlich auf das Dackeltier zu. Das ist eine der stärksten Drohgebärden, die ich im Repertoire habe und ich bin sehr stolz auf sie. Was soll ich sagen: Poldi staunte kurz, fing sich sofort wieder und begann fürchterlich zu kläffen. Es klang nicht wie ein Kampfgekläff, sondern freudig! Das war für mich die größte Schmach, die ich sofort in einer aggressiven Handlung kanalisieren musste. Ich tatzelte Poldi eine rechts und eine links auf die Schnauze und wiederholte diese Zweierkombi noch zweimal. Und er? Glotzte. Unerschütterlich. Unfassbar! Das war mir zu viel. Ich fauchte ihm noch ins Glotzgesicht und machte mich davon.
Die Begegnung mit diesem einerseits hyperaktiv-triebgesteuerten und andererseits wackeren Gesellen hatte mich vollkommen verwirrt. Vielleicht hätte ich einfach nur zwei Sekunden länger aushalten müssen. Dann hätte sicherlich ein Kampf stattgefunden, dessen Ausgang (selbstverständlich zu meinen Gunsten) in meinem Revier wieder für klare Verhältnisse gesorgt hätte. Jaja, hätte, hätte, Katzentoilette. Es ist doch immer wieder dasselbe. Da muss ich dann wohl oder übel ein andermal durch. Aber nicht heute… Meeeaaaaauuu!

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8. März 2015 sgruen Keine Kommentare

Vögel sind mein Gemüse

(Pep Schwarz-Weißflach)

Meeeeeaaaauu! Gestern war endlich wieder ein herrlicher Sonnentag. Mir war gleich am Morgen bewusst, dass meine Entenpechsträhne vorbei war und neues Glück auf mich wartete. Bei mir ist aufkommendes Glück seltsamerweise auch immer mit einem starken Hungergefühl verbunden. Vermutlich liegen im Katerkopf die Gehirnregionen für Glück und Hunger so eng beisammen, dass sie sich gegenseitig mit neuronalen Reizen befeuern. Im PT-Gebäude fischte ich wieder nach Futter und ergatterte dabei ein Stück Semmel. Aus Erfahrung klug geworden verspeiste ich meine Beute diesmal im Gebäude, um nicht wieder das Entenelend auf mich zu ziehen. Nach dem Fressen hielt ich ein kleines Nickerchen, nach welchem ich leider mit Bauchgrimmen erwachte. Eigentlich sollte ich es besser wissen. Von Semmeln bekomme ich immer einen schrecklichen Blähbauch. Da das Bauchweh nicht besser wurde, musste ich wohl oder übel dafür sorgen, dass ich mich zumindest eines Teils des Futters wieder entledigte. Am besten helfen mir dabei Federn. Ich habe in der Geschichtsbibliothek einmal gelesen, dass die alten Römer sich diesen Kniff von den Katzen abgeschaut haben. Auch sie kitzelten sich ihren Gaumen mit einer Pfauenfeder, um sich erbrechen zu können, um danach gleich wieder weiterzuessen. Katerklar, dass es sich hier um eine so große Feder handeln muss, denn Streichelmenschen haben schließlich auch einen deutlich größeren Schlund als Katzen! Ich begab mich also auf die Wiese um nach einem geeigneten Kandidaten Ausschau zu halten. Die Enten zählten nicht. Das sind keine Vögel, das sind Drecksschleudern, von denen ich nichts mehr wissen will. Auf der PT-Wiese traf ich Pica. Sie hat jetzt einen Elstermann gefunden, den sie allerdings nicht sehr gut behandelt. Ich werde dringend mit ihr darüber sprechen müssen, denn Katerkonfliktmanagement ist etwas, von dem Elstern naturgemäß keine Ahnung haben. Pica lieferte mir aber einen entscheidenden Hinweis: Gleich in der Nähe sollte ein verfrühter Amselnestling aus dem Nest gefallen sein. Sie und ihr Mann hatten gerade keine Lust auf Amsel und überließen ihn freundlicherweise mir. Ich machte mich gleich auf den Weg, denn mein Bauch schmerzte immer noch entsetzlich, obwohl ich merkte, dass mir die Bewegung gutgetan hatte. Ich lief um das PT-Gebäude herum und erblickte auf der Tiefstraßenseite den verzweifelt auffliegenden Nestling. Sofort sah ich, dass er bereits geschwächt war und nicht mehr lange überleben würde - vor allem nicht, weil ich nun da war. Ich ließ ihn noch einmal auffliegen und setzte seinem Elend dann ein rasches Ende. Und meinem auch! Vögel sind mein Gemüse, denn bei Bauchgrimmen machen sie mich wieder gesund. Die Federn knirschten entsetzlich zwischen meinen Zähnen, aber ich würgte die Medizin runter - und die Medizin ließ mich alles hochwürgen, das meinen Katerbauch aufgebläht hatte. Was für eine Befreiung! Auf diese Weise hatte ich gleich zwei Probleme gelöst. Das des leidenden Nestlings und meine Bauchschmerzen. An manchen Tagen fügt sich einfach alles so wie es sein muss. Normalerweise fresse ich keine Vögel, nur wenn es wirklich nicht anders geht. Ich frage mich nur, wie es kommt, dass der kleine Kerl schon so früh schlüpfen konnte. Es ist doch noch mausekalt in der Nacht und bisher habe ich noch keine Jungvögel gesehen oder gehört.
Eine Semmel werde ich in nächster Zeit jedenfalls nicht so schnell wieder fressen. Lieber pflücke ich mir eine feine Maus. Davon habe ich noch nie Bauchweh bekommen! Meeeeeaaaauu!

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7. März 2015 sgruen Keine Kommentare

Ekelhafte Enten

(Pep Schwarz-Weißflach)

Meeeeeaaaauuuuu! Gestern war ein richtiger Ärgertag. Ich hatte mir viel vorgenommen, weil meine Streichlerstudie in den vergangenen Tagen so gut vorangekommen war. Selbstverständlich rechnete ich damit, dass es ewig so weiterginge. Hundekuchen! Ich beobachtete zunächst eine Streichelmenschengruppe, deren Verhalten mir sehr interessant erschien. Leider war es mir nicht möglich sie richtig zu verstehen, da sie in einer mir noch fremden Sprache kommunizierten. Vermutlich handelte es sich um eine westslavische Sprache - mit diesem Sprachstamm muss ich mich dringend noch beschäftigen! Frustriert ob meiner eigenen Unkenntnis schlich ich anschließend hinter einem Streichler her, der ein bisschen nach Fisch roch. Hatte er vielleicht einen feinen Bückling in seiner Tasche? Nach kurzer Zeit setzte er sich in einen der Spiegelsäle. Das sind überall an der Uni verteilte Räume, die die Streichler seltsamerweise als Cip-Pools bezeichnen. Ein Schwimmbecken konnte ich allerdings in keinem entdecken. Dafür jede Menge Spiegel, in die die Streichler stundenlang blicken können. Und genau das tat der Bücklingsstreichelmann dann auch! Ich wartete und wartete - aber es geschah nichts, aber auch absolut nichts, das mein Interesse geweckt hätte. Ein Mann, ein Spiegel. Spiegelsucht ist das, wenn ihr mich fragt. Irgendwann werden sie mal in ihren Spiegel hineinfallen, so wie Narziss, der sich in sein Spiegelbild verliebte und deshalb in einen See fiel, in dem er elend ertrank. In puncto Forschung war der Tag also wirklich ein Reinfall.
Am frühen Abend verspürte ich dann einen enormen Katerhunger, aber die Maus, die ich mir von der Wiese pflückte wirkte eher appetitanregend und ich spürte das Bedürfnis etwas Fellfreies zu verspeisen. Aus Erfahrung weiß ich, dass es einige Orte in meinem Revier gibt, an denen Streichler Futter ablegen. Sie stopfen es in Eimer, aber mit etwas Geschick kann man es daraus hervorangeln. Ich schnupperte mich also durch mein Revier und fand bald ein abgelegtes Wurstbrot, das ich an der frischen Luft verspeisen wollte. Ich fresse sowohl die Wurst als auch das Brot gerne, obwohl ich davon Bauchweh bekomme. Aber die Schmerzen musste ich wohl oder übel in Kauf nehmen. Während ich gierig an meiner Beute kaute, kamen diese elenden Entenvögel angewatschelt, die nichts im Kopf zu haben schienen außer einem Programm, das sie dazu verdammt nur zwei Dinge wirklich gut zu können. Sollte ich jemandem, der noch nie eine Ente kennengelernt hat dieses Tier beschreiben müssen, würde ich sagen: Vorne frisst, hinten scheißt. Mehr können die wirklich nicht! Na guuuut, vielleicht noch fliegen und watscheln, aber im Wesentlichen ist es vor allem ihre Verdauung, die ihren Lebensinhalt ausmacht. Ich habe jedenfalls noch keine einzige Ente in der Bibliothek gesehen! Ihr vielleicht? Während ich also meinen Hunger stillen wollte, kamen doch tatsächlich zwei Ekelenten angewatschelt (allein diese lächerlich anmutende Form der Fortbewegung - bar jeglicher Grazie!) und meldeten Ansprüche an - auf mein selbstgeangeltes Futter! Mir ihrem lauten Gequake verdarben sie mir den Appetit und ihre löffelartigen Schnäbel schnappten grobmotorisch nach MEINEM Fressen! Mit ihrer tölpelhaften Art trieben sie mich schier in den Wahnsinn und sie nutzten meinen Zustand schamlos aus um mir meine Semmel zu klauen. EKELHAFTE ENTEN! Eine von ihnen schnappte sich die Wurst, die andere die Semmel. Und mit ihrer Beute, die ja eigentlich meine Beute war, schwammen sie auf den Uniteich hinaus. Ich brauchte etwas Zeit, um die Fassung wiederzuerlangen, doch dann schoss ich los. In meiner Rage lief ich sogar ein Stück in den Teich  hinein und die Enten verhöhnten mich mit ihrem grässlichen Gequake. Ich schämte mich furchtbar und ich fror entsetzlich. Gesenkten Hauptes stakste ich aus dem Teich. Gibt es einen demütigenderen Anblick als eine nasse Katze? Für mich nicht! Ich verzog mich in die Physik und versuchte diesen grauenhaften Tag zu vergessen. Wahrscheinlich braucht man solche Tage aber auch, um die guten Tage wirklich schätzen zu lernen. Ich könnte auch einfach behaupten einen richtig schlimmen Kampf mit Poldi gehabt zu haben, der sich sogar in den Uniteich flüchtete, um mir zu entkommen. Ja, das könnte ich - hab ich aber zum Glück nicht nötig…
Und nun ist ohnehin ein neuer Morgen und auf mich wartet hoffentlich ein schöner neuer Tag. Vielleicht kommt mein Frauchen mit meinem Körbchen. Das wäre schon schön… Meeeeeaaaauuuuu!

Studium mit Pep - Schnurren aus dem Katzenalltag

6. März 2015 sgruen Keine Kommentare

Über den Napfrand geblickt

(Pep Schwarz-Weißflach)

Meeeeaaaaauuu! Gestern habe ich mich mehreren ausgedehnten Nickerchen hingegeben. Zwischendurch streifte ich durch mein Revier, unternahm aber keinerlei längere Ausflüge. Weder Pica noch Poldi habe ich gesehen. Erstere vermisste ich, letzteren nicht. Naja, ich wundere mich darüber, dass ich ihm in letzter Zeit so selten über den Weg laufe, aber unglücklich stimmt mich diese Tatsache keineswegs.
Ich wollte meine Streichlerstudie ausweiten - heute auf das streichlerspezifische Ernährungsverhalten. Folglich begab ich mich an eine humane Futterstelle, die zu bestimmten Zeiten besonders stark frequentiert wird. Bislang ist es mir noch nicht ganz gelungen die Gesetzmäßigkeit, nach der die Fütterung stattfindet zu durchschauen, aber eine längerfristige Feldstudie wird hoffentlich zu befriedigenden Ergebnissen führen. Nach dem vierten Nickerchen in einem Streichelmenschenzimmer mit herrlich warmen Polsterstühlen machte ich mich auf den Weg zur Futterstelle. Hier werden viele Streichler mehr oder weniger zentral versorgt. Es gibt - neben der Mausa, die die Streichler aus unerfindlichen Gründen Mensa nennen - noch weitere Fressplätze. Erstaunlicherweise sind sie nicht geschützt, so dass die Streichler in Ruhe ihre Schüssel leer essen könnten, sondern sehr offen konstruiert. Häufig führen sogar große Pfade mitten durch, auf denen zahlreiche Streichler unentwegt auf und ab laufen. Ich versuchte mir vorzustellen, wie ich mit vielen anderen Katzen mitten auf einer Straße hockte und versuchte zu fressen. Und das bei einem unglaublichen Lärm. Allein bei der Vorstellung verging mir schon der Appetit! Die Streichler müssen entweder extrem bedürfnisarme oder in mancherlei Hinsicht etwas stumpfsinnige Wesen sein - möglicherweise sind sie aber auch nicht wirklich dazu in der Lage vernünftig auf sich zu achten. Anders kann ich mir die ungünstige Lage eines so wichtigen Ortes nicht erklären. Von einer am Fenster gelegenen Heizung aus verfolgte ich dann die Geschehnisse. Einige Streichler begaben sich in Gruppen, andere allein zu einer Reihe Glaskästen, hinter denen vereinzelt Streichelfrauen Näpfe austeilten. Diesmal fiel mir sofort der Genderaspekt auf. Nur Streichlerinnen mit kessen Käppchen. Sobald die Näpfe gefüllt waren begaben sich die Streichler allerdings nicht zu einem der Tische, auf denen üblicherweise das Essen eingenommen wird, sondern zu einer Art magischen Maschine. Eventuell handelt es sich dabei um so etwas wie ein Segnungsritual. Ich habe schon mitbekommen, dass Streichler vielerlei segnen lassen, bevor sie es verzehren. In der Literatur müsste darüber aber etwas zu finden sein. Um die Segnung zu erhalten zeigen die Streichler immer ihre kleinen Lederbeutel, an denen sie so hängen. Es muss ich um ein Ritual handeln! Anders ist dieses Verhalten wirklich nicht erklärbar. Mit den gefüllten und gesegneten Näpfen begeben sie sich endlich an die Tische. Bei der Nahrungsaufnahme sitzen sie auf harten Stühlen, die über keinerlei Polsterung verfügen. Sehr auffällig ist, dass nur die Wenigsten konzentriert essen. Eigentlich nur die Streichler, die alleine an die Futterstelle gekommen sind. Aber selbst bei diesen findet keine bewusste Nahrungsaufnahme statt - vielmehr betrachten sich die solitären Esser immer wieder in ihrem Handspiegel und versuchen diesen dabei zu reinigen. Ich stelle mir vor, wie ich während des Fressens immer wieder in den Spiegel schaue - WÄHREND des ESSENS! Das ist doch ungeheuerlich. Es erscheint mir einfach so sinnlos und genusswidrig, dass ich es mir überhaupt nicht vorstellen möchte!
Die Gruppenesser hingegen kommunizieren auch während der Nahrungsaufnahme permanent! Wenn Katzen fressen, dann fressen sie und maunzen nicht dabei. Jede Katze, die während des gemeinsamen Fressens mit anderen Katzen maunzen würde, könnte schlichtweg nicht lange überleben, weil möglicherweise eine andere Katze sich an ihrem Napf bedienen würde - oder gar ein Hund! Hunde fressen ja am liebsten Katzenfutter. Recht haben sie. Kriegen tun sie trotzdem nix.
Seltsam ist auch, dass Streichler sich ein wüstes Wirrwarr an Lebensmitteln in die Näpfe packen. Auch hier frage ich mich, nach welchen Gesetzmäßigkeiten das Ganze zusammengestellt wird. Ich versuchte mir vorzustellen, wie ich eine Maus und einen Fisch und Sahne gleichzeitig (!) zu verspeisen versuchte. Unfassbar! Aber genau das tun Streichelmenschen. Bei dem ganzen Gerede und Gewische während des Essens bekommen sie es aber vielleicht gar nicht mit…
Ich würde den Streichelmenschen gerne mal sagen, dass sie während des Essens einfach essen sollten. So wie wir Katzen! Dann sieht und riecht und schmeckt man das Futter. Und man spürt, wie es sich zwischen den Zähnen anfühlt! All das können die armen Streichler doch überhaupt nicht mitbekommen. Wisst ihr was? Sie tun mir richtig leid deswegen. Was die Streichler tun, würde ich überhaupt nicht als Essen bezeichnen. Es ist einfach ein Füllen des Magens - mehr nicht!
Und mit dieser etwas traurigen Erkenntnis begab ich mich auf die Uniwiese. Die Sonne schien und ich pflückte mir eine Maus. Ich verzichtete auf eine Segnung und fraß sie gleich am Stück. Sie schmeckte herb und warm und ein bisschen nach Erde. Frühlingsmäuse sind etwas sehr Feines! Niemals im Leben würde ich beim Verspeisen einer solchen Delikatesse maunzen oder gleichzeitig einen Fisch fressen, der den ganzen Geschmack überlagern würde. Und vor allem würde ich dabei nicht mitten auf einer Straße sitzen. Seltsame Streichler… Meeeeaaaaauuu!

Studium mit Pep - Schnurren aus dem Katzenalltag

5. März 2015 sgruen Keine Kommentare

Hinter verschlossenen Türen

(Pep Schwarz-Weißflach)

Meeeeaaaauuuu! Gestern bin ich mit meinen streichelhumanen Studien gut vorangekommen. Leider musste ich aber feststellen, dass meine empirisch gewonnen Daten mehr Fragen aufgeworfen haben als sie beantworten konnten. Am Morgen suchte ich Inspiration am Uniteich. Leider schwimmen noch keine Fische darin und die elenden Enten hinterlassen überall ihre Tretminen. Wie oft bin ich schon in Entenkot gelatscht und ich muss sagen, dass es eine überaus unangenehme Sache ist, da ich meine Pfötchen ja üblicherweise mit der Zunge reinige. Brauche ich mehr zu sagen? Ich glaube kaum! Als auf große Reinlichkeit bedachtes Tier bin ich also kein großer Entenfreund.
Ich überlegte, welcher Facette des rätselhaften streichelmenschlichen Verhaltens ich mich heute widmen sollte und verfiel auf die Idee, stetig wiederkehrendes Verhalten zu beobachten. Ich begab mich also schnurrstraks in die Zentralbibliothek und verfolgte von der Heizung aus, wohin es die Streichler trieb. Nach kurzer Zeit fiel mir auf, dass zwei Räume besonders häufig, dafür aber recht kurz frequentiert wurden. Selbstverständlich wollte ich herausfinden, was sich hinter den beiden nebeneinander liegenden, dunkelblauen Türen verbarg. Ich schlüpfte also hinter zwei Streichelfrauen ins Innere des Raumes, in dem sich mehrere Waschbecken befanden. Die Streichelfrauen indes waren in einem Nebenraum verschwunden, in dem sich eine orangefarbene Tür neben der anderen befand. Was mochte dahinter sein? Leider waren alle Türen geschlossen, auch die beiden, hinter denen die Streichelfrauen verschwunden waren. Dass sie sich hinter nebeneinander liegenden Türen befanden, konnte ich daran erkennen, dass ich ihre Füße sehen konnte. Auch eine Wand konnte ich erkennen und mit Erstaunen stellte ich fest, dass die Räume hinter den Türen unglaublich klein sein mussten. Die Streichelfrauen kommunzierten durchgehend - hinter verschiedenen Türen! Nach kurzer Zeit hörte ich ein lautes Rauschen und schließlich riss eine der Streichlerinnen die Tür auf, hinter der sie verschwunden war. Ich versteckte mich schnell in einer Ecke, um die Streichelfrau in einer natürlichen und nicht etwa in einer Beobachtungssituation agieren zu sehen. Mittlerweile habe ich nämlich herausgefunden, dass sich die Streichler unter Beobachtung ganz anders verhalten als gewöhnlich. Auch die zweite Streichlerin öffnete nun nach einem lauten Rauschen die Tür. Beide verbrachten einige Zeit an den Waschbecken und vor den Spiegeln. Ich musste mich ziemlich lange versteckt halten. Als die beiden endlich verschwunden waren, erkundete ich die letzte - und in meinen Augen am besten geschützte Tür. Ich kroch unter ihr durch und befand mich in einem engen Raum mit allerlei Tand: Eimer, Besen, Putzzeug. Ich kroch unter der Zwischenwand in den nächsten Raum und musste feststellen, dass sich hier eine weiße Porzellanschüssel befand - etwa in der Art wie im Badezimmer meines Frauchens, nur nicht so schön. Im heimischen Badezimmer hatte ich stets nur das Waschbecken genutzt, um daraus zu trinken. Die große Porzellanschüssel schien mir schon immer eine recht sinnlose Erfindung zu sein, da sie über keinen Wasserhahn verfügte, aus dem man hätte trinken können. Tranken die Streichler etwa aus diesen Schüsseln? Schöpften sie ihr Wasser aus diesen Brunnen? Aber warum taten sie es alle für sich? In einem mehr oder weniger abgeschlossenen Raum? Leider hatte ich daheim nie richtig aufgepasst, was außer dem Waschbecken im Badezimmer noch so los war.
Wenig später betraten zwei andere Streichlerinnen den Raum und ich konnte schnell entwischen. Wieder legte ich mich auf die Heizung und beobachtete die blauen Türen. Und plötzlich wurde mir etwas bewusst. Die Sache musste ganz offensichtlich unter dem Genderaspekt gesehen werden! Durch die blaue Tür, hinter die ich geblickt hatte, gingen ausschließlich Streichelfrauen und durch die Tür daneben … dreimal dürft ihr raten!
Genau!
Streichelmänner!
Was für eine Erkenntnis. Was aber steckte dahinter? Warum schöpften die Männer aus anderen Quellen als die Frauen? Und welche Quelle war besser? Natürlich wollte ich mir auch die Streichelmännerbrunnen ansehen. Diesmal schlüpfte ich hinter einem einzelnen Streichelmann in den Raum, der zunächst dem Streichelfrauenraum stark ähnelte, einige Waschbecken und ein Nebenraum - dieser wies allerding mehr oder weniger öffentlich einsehbare Brunnen auf! Was für eine Entdeckung! Aber auch hier gab es orangefarbene Türen, allerdings deutlich weniger. Dahinter hörte ich Geräusche, die wohl vom Wasserschöpfen kommen mussten. Anschließen nahm ich einen starken Fäulnisgeruch wahr. Schöpften sie etwa aus schmutzigen Quellen? War ihr Geruchssinn so verkümmert, dass sie nicht merkten, dass das Wasser nicht mehr genießbar sein konnte? Hatte ich nicht die moralische Verpflichtung den Streichler zu warnen? Ich hörte das bereits bekannte Rauschen und danach öffnete sich die Tür. Ich schaffte es gerade noch unter der benachbarten Tür zu verschwinden. Von dort aus beobachtete ich die türenlosen Brunnen. Wenig später kam auch jemand, der daraus schöpfte. Ich sah, dass er davor stand und wunderte mich etwas, dass er sich nicht nach der Quelle bückte. Meine Neugierde trieb mich nach draußen und mit Entsetzen stellte ich fest, dass der Streichler in den Brunnen urinierte! Das konnte doch nicht möglich sein! Was für eine Ungeheuerlichkeit! Und der nächste Streichler würde sein Wasser daraus schöpfen! Ich wollte lautstark protestieren, dem Brunnenvergifter das Gesicht zerkratzen oder ihm zumindest zeigen, dass ich ganz genau beobachtet hatte, welche Schandtat er hier verübte - und dann auch noch an den türenlosen Brunnen. Das war ein Akt der Provokation! Wahrscheinlich wollte er sich für irgendetwas rächen. Aber das konnte doch keine Lösung sein! Wenig später verließ er den Raum, ganz ohne das Waschbecken zu konsultieren. War ja klar, dass so jemand keinen Wert auf Reinlichkeit legte. Ich überlegte, ob ich die nachfolgenden Streichler warnen sollte, verwarf den Gedanken aber, weil ich nicht wusste, wie ich mich ihnen mitteilen sollte. Unistreichler, hiermit versuche ich es auf diesem Wege! Passt bitte auf, woraus ihr euer Wasser bezieht! Lasst euch nicht täuschen. Trainiert euren Geruchssinn und setzt ihn ein. Nicht jeder ist so reinlich wie ihr das vielleicht erwartet - und wenngleich euch dieses aseptisch anmutende Fliesenzimmer Sauberkeit vorgaukelt - versucht mehr auf eure Sinne zu vertrauen!
Ich bin dann bald wieder auf die Heizung und habe einige meiner Erkenntnisse zusammengefasst. Selbstverständlich ist das Sample noch viel zu gering, um eine valide Studie darauf aufzubauen, aber ich habe bereits einige Thesen, die es zu verifizieren gilt.
1. Streichelfrauen suchen Quellen bevorzugt in Kleingruppen auf.
2. Streichelfrauen verbringen anschließend überproportional viel mehr Zeit an Waschbecken und Spiegel.
3. Streichelfrauen kommunizieren sehr gerne beim Wasserschöpfen, das für sie allerdings auch eine Art intimer Akt sein muss, tun sie es doch ausschließlich für sich allein - in einem abgeschlossenen Raum.
4. Streichelmänner stört es nicht in Anwesenheit eines anderen Streichelmannes Wasser zu schöpfen.
5. Streichelmänner werden offensichtlich noch eher von einem alttestamentarischen Rachebedürfnis beherrscht, das sich in streichelmenschenverachtendem Verhalten gegenüber ihren Mitmenschen ausdrückt.
6. Streichelmänner haben einen weniger ausgeprägten Geruchssinn als Streichelfrauen, denen der Fäulnisgeruch des Wassers möglicherweise eher aufgefallen wäre (vielleicht haben sie ausgeprägtere Sinne, da sie ja auch die Jungen austragen und damit evolutionsbedingt vorsichtiger sein müssen, was z.B. Gefährdungen durch fauliges Wasser etc. angeht).
7. Streichelmenschen kommen nicht drauf, dass es viel einfacher wäre, das Wasser aus dem Waschbecken zu schöpfen!
Im Lauf der nächsten Zeit werde ich mehrere Quellen in meinem Revier besuchen, um meine Thesen zu verifizieren, beziehungsweise zu revidieren. Ich bin schon sehr gespannt auf die Ergebnisse… Meeeeaaaauuuu!

Studium mit Pep - Schnurren aus dem Katzenalltag

4. März 2015 sgruen Keine Kommentare

Eigenartige Erfindungen

(Pep Schwarz-Weißflach)

Meeeeaaaaurrr! Denkt euch nur, was ich gestern erlebt habe! Bereits am frühen Morgen - es war über Nacht wieder Schnee gefallen - hatte ich mich auf den Weg durch mein Revier gemacht. In dieser Mausekälte hielt ich es aber nicht lange aus und meine Pfoten waren draußen auch noch schmutzig geworden. So dreckig, dass ich sie den ganzen Tag nicht richtig sauber bekam! Ich beschloss also, meine Zeit überwiegend im Inneren der Uni zu verbringen.
Besonders gerne mag ich die Zentralbibliothek, in der immer etwas los ist. Ich sehnte mich nach streichelmenschlicher Gesellschaft und wollte meine humanwissenschaftliche Studie vorantreiben. Dabei sollte der Fokus auf von Menschen hergestellten Dingen liegen. Das sagt nämlich jede Menge über kulturelle Wertigkeiten aus, die das Leben dieser rätselhaften Spezies prägen. Ich wollte einige Erfindungen der Streichler testen und habe Unglaubliches erlebt! Davon später mehr…
Am Vormittag besuchte ich kurz Pica, um ihr von meinem Vorhaben zu erzählen - sie schäckerte sich angesichts dieses Gedankens schier scheckig, wollte dann aber doch auch alles darüber erfahren. Einen neuen Elstermann hat sie bisher leider immer noch nicht gefunden. Die potenziellen Kandidaten kriegen das mit dem Nestbau noch nicht so hin wie sie sich das vorstellt.
Zurück im Gebäude entdeckte ich bald eine seltsame Konstruktion, bei der es sich um ein streichelmenschliches Artefakt handeln musste. Natürlich gewachsen konnte es jedenfalls nicht sein und kein anderes Tier würde solch ein finsteres Ding erschaffen. Es handelte sich dabei um eine Art Käfig, der manchmal offen und manchmal geschlossen ist. Ich habe bereits viele dieser Käfige gesehen, bisher aber noch nicht betreten, da sich mir noch keine gute Gelegenheit geboten hat. Nun traf ich also auf diese verrückte Erfindung, bei der es sich möglicherweise um eine Art Rückzugsort handelt, an dem sich die Streichler verstecken können, wenn sie zum Beispiel ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Ich habe auch schon mehrere Streichelmenschen gleichzeitig in diesem fensterlosen Käfig verschwinden sehen. Möglicherweise handelte es sich dabei auch um eine Art überdimensioniertes Katzenkörbchen, das (von wem?) an einen anderen Ort gebracht werden kann. Ich hatte nämlich schon beobachtet, dass Streichler, die darin verschwunden waren später nicht mehr daraus hervorkamen. Wie unheimlich! Es war eine Angstlust, die mich ergriff, als ich die künstlich beleuchtete Käfigkonstruktion betrat. Ich wartete ein wenig, aber es geschah nichts. Doch dann nahm ich jäh einen schwachen Duft nach Maus wahr. Schnell merkte ich, dass der Geruch einer Spalte entströmte, die sonst von den Türen verborgen wurde. Möglicherweise brachte der Käfig einen in ein riesiges Mäusereich? Ich blieb zum Glück trotz des verheißungsvollen Mausaromas peptisch, zumal ein Streichelmann mit seinem dämlichen Handspiegel auftauchte, der mir wohl zeigen wollte, wie schlotterig ich gerade aussah. Dabei war es reine Neugierde! Ich zittere immer, wenn ich etwas Neues erkunde. Das würde der Spiegelmann aber nicht verstehen, weshalb ich rasch das weite suchte. Beim nächsten Mal werde ich mich vergewissern, dass ich auch wirklich meine Ruhe beim Erkunden des Rätselkäfigs habe.
Nach der Besichtigung dieses Artefaktes wollte ich mich zunächst ausruhen, was ich in einem sonderbaren Zimmer auch ausgiebig tat. Sonderbar war das Zimmer, weil es voller lauter und leuchtender Heizungen stand. Wirklich! Ich weiß ja selbst, dass es bescheuert klingt, aber solche Räume gibt es an der Universität tatsächlich! Selbstverständlich wollte ich diese hässlichen Heizungen einmal testen. Ich legte mich darauf und wartete, ob sich ein ungewöhnlicher Effekt einstellen würde. Und was soll ich sagen? Die Heizung warf Papier aus! Möglicherweise meine klugen Katergedanken? War es eine gedankenlesende Heizung? Eine geniale Übersetzungsmaschine, mit deren Hilfe ich mich vielleicht den Streichelmenschen mitteilen könnte. Ich versuchte mich auf besonders sinnvolle Gedanken zu katzentrieren, doch leider kommt ausgerechnet dann immer Unsinn zustande.
“Komische Heizung, komische Heizung, komische Heizung! Ich möchte doch lieber auf eine normale Heizung. Ich möchte eine Maus fressen. Ich möchte gestreichelt werden. Ich muss mich endlich katzentrieren! Sinnvolle Dinge, Pep! Maus, Maus, Maus, Heizung, müüüüüde!”
Vermaust nochmal! Ich sprang von der telepathischen Heizung und kuschelte mich auf einen Stuhl, den ich mit meiner eigenen Körperwärme auflud. Der Stuhl verhielt sich still. Zum Glück. Verrückte Streichelmenschen… So einen Unsinn zu bauen! Hoffentlich las keiner meine grunddämlichen Gedanken. Ach, und wenn schon. Die telepathische Heizung könnte auch defekt sein. Ein stiller Stuhl ist einfach viel besser! Meeeeaaaaurrr!