Susanne Hansch; Elke Schwarzer: Der Giersch muss weg! 28 Unkräuter bekämpfen oder einfach aufessen

Den Kampf gegen Giersch kann man nur kulinarisch gewinnen – Susanne Hansch und Elke Schwarzer stellen Wildkräuter aus dem Garten vor und erklären, wie man sie verwerten kann

Wer kennt sie nicht, die wild wuchernden „Unkräuter“ (wertneutraler sind die Bezeichnungen Beikräuter, Wildkräuter oder Spontanflora), die angepflanzte Blumen oder Gemüsepflänzchen verdrängen? Einer der bekanntesten Vertreter dieser unbeliebten Gartenbewohner ist der Giersch, der Gartenbesitzer manchmal in den Wahnsinn treibt. Ausläufer, die die Wurzeln bilden, sind ein Geheimnis des Erfolgs von Giersch und Co. Wenn auch nur ein winziges Wurzelstückchen im Boden verbleibt, kommt die Pflanze immer wieder.
Entweder man akzeptiert das Wuchern und freut sich über einen schönen Bodendecker – Giersch sieht ja fast wie kleine Palmen aus -, oder man unternimmt etwas. Die Autorinnen verraten in ihrem Buch, wie man ungeliebte Gartengäste loswird, vor allem aber erklären sie, was man alles daraus machen kann! Wildkräuter genießen eigentlich einen sehr guten Ruf, weil sie viele wertvolle Inhaltsstoffe haben. Und das, was wir im Garten als „Unkraut“ bezeichnen, ist eben oft ein schmackhaftes und gesundes Wildkraut.
Ich habe bereits zahlreiche Bücher zum Thema Wildkräuterküche und war deshalb gespannt, ob hier auch noch Neues zu finden ist. In diesem Punkt hat mich „Der Giersch muss weg“ äußerst positiv überrascht. Es sind nämlich nicht nur die „klassischen“ Rezepte enthalten, sondern Rezepte aus aller Welt! Ein Großteil der Rezepte ist vegetarisch, manche sind mit Fleisch oder Fisch, einige sind vegan. Alle Rezepte können natürlich auch abgewandelt werden.
Nach einem einführenden Teil, in dem es um Ernte, Aufbewahrung, Reinigung und das Schneiden der Pflanzen geht, folgt der sehr schön bebilderte Abschnitt „Kräuter und Rezepte“.
Jede Pflanze wird ausführlich in Wort und Bild vorgestellt, so dass eine Bestimmung erfolgen kann. Anschließend gibt es Tipps, wie man die Pflanze loswerden kann und dann kommt die Alternative: „… oder lieber nutzen“. Bei manchen Pflanzen finden sich auch gut sichtbare Hinweise, z.B. wenn bestimmte Inhaltsstoffe enthalten sind, die unter Umständen zu Problemen führen können (Beinwell sollte wegen der Pyrrolizidinalkaloide zum Beispiel nicht zu oft und weder während der Schwangerschaft, noch während der Stillzeit gegessen werden).
Und dann folgen die Rezepte. Hier finden sich echte kulinarische Highlights! Ich habe mittlerweile acht Rezepte getestet und fand die Ergebnisse so gut, dass ich die Gerichte alle nochmal nachkochen werde.
Von einigen Pflanzen, wie etwa der Kohl-Gänsediestel (Sonchus oleraceus) wusste ich überhaupt nicht, dass sie essbar ist. Aber die zwei Rezepte „Gänsedistel mit Borlotti-Bohnen (Crespino i fagioli)“ (aus den italienischen Abruzzen) und der „Sommersalat mit Gänsedisteln und Tomaten“ haben mich überzeugt. Die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) habe ich bisher auch noch nie kulinarisch genutzt, aber die Blüten entfalten im Eistee ein wirklich sehr leckeres Aroma.
Mit Giersch experimentiere ich bereits seit einigen Jahren, u.a. hatte ich eine meist etwas zu gierschlastige Lasagne gemacht, aber im Kartoffelsalat hatte ich ihn zum Beispiel noch nie verwendet. Und auch das Giersch-Zucchini-Gemüse war mir neu.
Im Buch finden sich auch mehrere Doppelseiten mit jahreszeitenabhängigen Mix-Rezepten. Im Frühling gibt’s zum Beispiel einen wilden Frühlings-Flammkuchen und auch der Wildkräuter-Obatzda klingt sehr gut (den hab ich allerdings nicht gemacht).
Enthalten sind 28 Wildkräuter, aus denen jeweils ein bis zwei Gerichte gezaubert werden können.
„Der Giersch muss weg“ ist derzeit mein liebstes Wildkräuterkochbuch, weil ich zum Ernten nicht weit weg muss und ich das Konzept „Aufessen statt ärgern“ einfach nur genial finde.

Susanne Hansch; Elker Schwarzer: Der Giersch muss weg. 28 Unkräuter bekämpfen oder einfach aufessen
erschienen am 17. Januar 2019
www.ulmer.de

Ein Gedanke zu „Susanne Hansch; Elke Schwarzer: Der Giersch muss weg! 28 Unkräuter bekämpfen oder einfach aufessen

  1. Susanne Hansch Antworten

    Liebe Frau Grün,
    herzlichen Dank für die schöne Rezension 🙂
    Wussten Sie eigentlich, dass ich in der Oberpfalz lebe, nämlich in Regensburg, und hier das ganze Jahr über Wildkräuter-Wanderungen und -Kochkurse anbiete und so viel Wildes zur kulturellen Vielfalt der Oberpfalz beitrage? Schauen Sie doch mal auf meine Webseite http://www.derwildeweg.de. Vielleicht möchten Sie ja mal mitgehen oder mitkochen.
    Ich wünsche Ihnen und allen Lesern und Leserinnen, die sich von Ihnen inspirieren ließen das Buch zu kaufen, oder es eh schon in der Küche stehen hatten, weiter viel Freude mit dem Buch-

    Herzliche wilde Grüße
    Susanne Hansch vom wilden Weg

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