Inklusives Tanzprojekt in Regensburg

22. September 2016 sgruen Keine Kommentare
Farben tanzen, Lebensfreude zeigt sich pur
(Christine Allgeyer)
Wenn Begeisterung körperlich wird, bitzelt es bisweilen auf der Haut. Das tut es, wenn man den Tänzerinnen und Tänzern aus der Bischof-Wittmann-Schule begegnet, ihnen beim Tanzen zusieht. Am 9. und 10. Oktober 2016 haben sie ihren Auftritt „Live und in Farbe” im Unitheater Regensburg. Der Choreograf und Tanzpädagoge Wolfgang Maas bringt ein inklusives Tanzprojekt auf die Bühne, das mitreißt und begeistert. Seit der Engel-Gala 2011 arbeitet Maas einfühlsam und auf künstlerisch hohem Niveau mit den jungen Tänzerinnen und Tänzern.
Nach ihrem letzten großen Erfolg in 2015 sind Wolfgang Maas und das Therapeutinnen-Team aus der Bischof-Wittmann-Schule, ein Förderzentrum der Katholischen Jugendfürsorge mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, auch in diesem Jahr ihrem Vorhaben treu geblieben und bringen Tänzerinnen und Tänzer mit und ohne Behinderung gemeinsam auf die Bühne. Warum das Tanzprojekt für die therapeutische Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen so wertvoll ist, schildert die Physiotherapeutin Evi Federl: „Im Tanz können wir unsere therapeutischen Ziele viel verständlich machen. Verbal geht das ja oft nicht. Und der Tanz ist ein Weg mit einem Ziel, den die Kinder und Jugendlichen motiviert mitgehen können.”
„Ich bin ein Stern und ich schwebe.”
Florian (16 Jahre) muss regelmäßig trainieren und am Ball bleiben, damit seine Hüfte beweglich bleibt. Als Stern und beim Tanzen fällt ihm das leicht – immer und immer wieder dreht und windet er sich. Die Bewegungswechsel trainieren seine Hüfte. Evi Federl kann ihm in der Einzeltherapie klar machen, dass er durch die Übungen seinen tänzerischen Beitrag verbessert. „Ich bin der Florian. Ich bin ein Stern und ich schwebe”, erzählt Florian, „mein Solo mache ich mit einem Erdball. Das wird sehr schön sein.” Sophie (11 Jahre), Alys (15 Jahre) und Sarah (16 Jahre) tanzen mit Florian in „Farbenlos”. „Ich bin eine Prinzessin und habe eine goldene Krone”, sagt Alys und sie ist so stolz auf ihre Rolle. Wenn sie tanzt, dann ist es Lebensfreude pur für Alys.
„Sie lassen einfach los und tanzen.”
Damit die Kinder und Jugendlichen eine bessere Vorstellung von ihren Rollen bekommen, suchen die Therapeutinnen nach guten Vergleichen: „Beweg dich wie ein Wurm, du fliegst wie ein Turmfalke …” Die Physiotherapeutin Sabrina Schmidmeister arbeitet ebenfalls seit 2011 im Tanzprojekt. „Über die Jahre sehen wir, wie sich die älteren Schülerinnen und Schüler motorisch und kognitiv weiterentwickeln”, so Schmidmeister, „sie können sich ihre Schritte besser merken, sind viel selbstständiger und brauchen bei weitem nicht mehr so viel Führung und Anleitung. Auch Amelie Stoll, die Ergotherapeutin im Team,  ist begeistert von den Kindern. „Sie lassen einfach los und tanzen. Das finde ich toll.” Die Logopädin Kathrin Straubinger komplettiert das Team – professionelle Rahmenbedingungen für gute Arbeit, findet Evi Federl. „Der therapeutische Ansatz geht Hand in Hand mit Wolfgangs künstlerischer Arbeit. Dadurch wird es ein Gesamtkunstwerk” lacht Evi Federl.
Aufführungen im Theater der Universität Regensburg:
• Sonntag, 9. Oktober 2016, 16.00 Uhr: „Farbenlos!”, inklusives Tanztheater der Bischof-Wittmann-Schule und der OTH Regensburg, künstlerische Leitung und Choreografie: Wolfgang Maas. „Rosa sieht Rot”, Gastspiel: inklusives Tanztheater aus Bremen, Tanz und Choreografie: Neele Buchholz, Corinna Mindt, Szenische Überarbeitung und Unterstützung: Lars Mindt. „Ich & Du”, inklusive Dance-company „Upside Down”, Künstlerische Leitung und Choreografie: Wolfgang Maas
• Montag, 10. Oktober 2016, 19.00 Uhr: „Farbenlos!”, inklusives Tanztheater der Bischof-Wittmann-Schule und der OTH Regensburg, künstlerische Leitung und Choreografie: Wolfgang Maas.  „Bla, Bla, Bla!”, exklusives Tanztheater der Partnerklassen der Bischof-Wittmann-Schule an der Mittelschule Lappersdorf, Künstlerische Leitung und Choreografie: Wolfgang Maas. „Ich & Du”, inklusive Dance-company „Upside Down”, Künstlerische Leitung und Choreografie: Wolfgang Maas.
• Rahmenprogramm:  „Miniaturen”, „Die Herbstzeitlosen” – Tanztheater Ü50. Kleine Soli und Gruppenszenen als Appetizer vor der Vorstellung zeigen, Tanz ist für Jedermann und jede Frau! Im Foyer ca. 30 Minuten vor (!) jeder Vorstellung
• Kartenvorverkauf bei der TOURIST INFORMATION im Alten Rathaus: 10 Euro und an der Abendkasse 12 Euro

Regensburger Tanztage

21. September 2016 sgruen Keine Kommentare

Im November starten die Tanztage

Am Anfang dieser Tanztage stehen die beiden überragenden Duette der letzten Jahre: JAN MARTENS aus Belgien mit “Sweat Baby Sweat” (4.11., Theater Universität) und STEPHEN SHROPSHIRE aus den USA mit “My Everlasting” (6.11., Theater Universität) haben zwei so unterschiedliche wie tief berührende Stücke zur Mann-Frau-Beziehung geschaffen. Zusammen mit ihren wunderbaren Tänzerpaaren wurden sie auf internationalen Festivals von Publikum und Medien gleichermaßen gefeiert und mit Preisen ausgezeichnet.

Die SOLOTANZNACHT vereint an zwei Abenden (18. und 19.11., Theater Universität) die Preisträger des internationalen Wettbewerbs von Stuttgart mit ihren prämierten Stücken. Zu erleben sind LOUIS THURIOT aus Belgien, SARAH MURPHY aus Kanada, sowie MOUNIR ALI aus Ägypten, RAVID ABARBANEL aus Israel und HOOR MALAS aus Syrien. Beeinflusst von den Eindrücken des Bürgerkrieges thematisiert die in Damaskus lebende Tänzerin in ihrem Stück “Regression” das Verhalten von Menschen in Not- und Kriegssituationen.

Weiterer Höhepunkt dieser Tanztage: Das Gastspiel der legendären HUBBARD STREET II aus den USA (13.11., Velodrom). Die junge Kult-Company aus Chicago begeistert mit ihrer Technik und Dynamik und ihrem unglaublich vielseitigem Repertoire. Nach Regensburg kommen sie mit ihrem neuen Programm und einer Weltpremiere. „Schnittig, nervig, äußerst cool – eine elektrische Mixtur aus brodelnder Energie!“ (Chicago Sunday Times) „Eine der innovativsten Compagnien des modernen Tanzes.” (Deutsche Welle)

Begleitet werden die Tanztage 2016 von Tanzfilmen, einer  Ausstellung mit Tanzfotografie und dem JALLA CLUB, der inzwischen unverzichtbaren Worldbeat-Festival-Party (18.11., Theater Alte Mälzerei).

Tickets gibt es ab sofort an den bekannten Vorverkaufsstellen und in der Alten Mälzerei. Auch in diesem Jahr gilt für Vorstellungen im Theater der Alten Mälzerei und im Theater der Universität das Kombikarten-Angebot. Für zwei Vorstellungen 10% Ermäßigung und für drei Vorstellungen 15% Ermäßigung. Kombikarten gibt’s nur im Büro der Alten Mälzerei.
Ticketreservierungen unter: info@alte-maelzerei.de oder (0941) 78 88 10.

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Echte Klassiker bei der 34. Regensburger Stummfilmwoche

3. August 2016 ffranc Keine Kommentare

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Am morgigen Mittwoch startet die 34. Regensburger Stummfilmwoche mit MENSCHEN AM SONNTAG, jenem semidokumetarischen Klassiker der späteren Hollywood-Granden Robert Siodmak, Billy Wilder, Fred Zinnemann und Edgar G. Ulmer. Vier junge Berliner verbringen einen Sommersonntag am Wannsee. Das ist alles!
Die kommenden sechs Tage Stummfilmvergnügen werden dann dramatisch und gruselig, und enden fröhlich heiter. So soll es auch mit dem Wetter sein, Hauptsache es regnet nicht zwischen 20 und 23 Uhr.

04.08. MENSCHEN AM SONNTAG + Vorfilm: INS BLAUE HINEIN
- R: Robert Siodmak, Rochus Gliese, Edgar G. Ulmer | D 1928
- M: KLAUS REICHARDT & SEBASTIAN OSTHOLD (Pedal-Steel-Guitar & Piano)

05.08. ABWEGE + Vorfilm: REISE AUF DER DONAU (STOP IN REGENSBURG)
- R: G.W. Pabst | D 1928
- M: RAINER J. HOFMANN (Multiinstrumentalist)

06.08. VON MORGENS BIS MITTERNACHTS + Vorfilm: HOUSE OF USHER
- R: Karlheinz Martin | D 1921
- M: BERTL WENZL & MARKUS STARK (Multiinstrumentalisten)

11.08. VON CALIGARI ZU HITLER in der Filmgalerie
- R: Rüdiger Suchsland, | D 2014

12.08. DER LETZTE MANN
- R: F. W. Murnau | D 1924
- M: ALJOSCHA-ZIMMERMANN-ENSEMBLE (Violine & Piano)

13.08. DR. MABUSE, DER SPIELER. TEIL 2
- R: Fritz Lang | D 1922
- M: RAINER J. HOFMANN (Multiinstrumentalist)

14.08. LADY WINDERMERE’S FAN
- R: Ernst Lubitsch | USA 1925
- M: ALJOSCHA-ZIMMERMANN-ENSEMBLE (Violine & Piano)

Beginn 20:45 Uhr, Einlass 19:45 Uhr
Im MuseumsCafé – Klosterhof Historisches Museum (Dachauplatz 4, 93047 Regensburg)
Bei schlechtem Wetter finden die Veranstaltungen im Leeren Beutel, Bertoldstr. 9, statt.
www.filmgalerie.de

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Eine Nacht mit 007 auf den Regensburger Schlossfestspielen

25. Juli 2016 sgruen Keine Kommentare

Furioses Finale

Sein Name ist Bond. James Bond. Und er lockte Fans von 8 bis 88 in den Regensburger Schlosshof. Fast jeder Bondsong ist ein Ohrwurm. Das Wetter auf der Abschlussveranstaltung war perfekt. Ein angenehmer Sommerabend, kein Tropfen Regen.
Auf der Bühne: Das Radio-Sinfonieorchester Pilsen mit einem ausgesprochen engagierten und sichtlich begeisterten Dirigenten: Christian Schumann allein war schon ein Hingucker. Das Orchester wusste durch eine großartige Performance zu überzeugen. Mal gefühlvoll, mal kräftig - das Zusammenspiel war perfekt. Hinzu kamen - vor allem vor der Pause - zwei begnadete Sänger: Dennis LeGree mit einer herrlich souligen Samtstimme und Joyce van de Pool, die vor allem bei den Höhen in Adeles “Skyfall” brillierte.
Vor der Pause waren vor allem bekannte Bond-Songs wie “Golden Eye” oder “Goldfinger” sowie Medleys aus bekannten Bond-Motiven zu hören, in der zweiten Hälfte nach der Pause überzeugte das Konzept schließlich durch ein absolut gelungenes Zusammenspiel von Film und Musik. Während auf der Leinwand vor allem Ausschnitte aus neueren Bondstreifen zu sehen waren, wurden diese Szenen live vom Orchester begleitet. Damit hatte man einen Film- und Musikgenuss der ganz besonderen Art.
An diesem Abend stimmte einfach alles - die Szenenauswahl, die Musik und natürlich die Atmosphäre. Die wahrscheinlich “coolste” Veranstaltung der diesjährigen Schlossfestspiele war ein absolutes Muss für Bond-Fans.

007

Tom Jones auf den Regensburger Schlossfestspielen

22. Juli 2016 sgruen Keine Kommentare

Der “Tiger” rockt die Schlossfestspiele

(Sigrid Grün)

Tom Jones ist eine Legende. Der “Tiger”  hat es wie kaum ein anderer geschafft, sich über Jahrzehnte zu halten und sowohl ein junges als auch ein älteres Publikum gleichermaßen zu begeistern. Selbst mit 76 schaffte Jones es, ein Konzert ohne Pause zu geben, in dem er seine sämtlichen Facetten von soulig bis kräftig präsentieren konnte.
Ob Hits wie “Sex Bomb”, “What’s new Pussycat”, “Fly me to the Moon” oder “Delilah”, das den Sänger selbst sichtlich bewegte, oder weniger bekannte Songs - die Energie und die Stimmgewalt, mit der Tom Jones brillierte, waren ein Genuss für das Regensburger Publikum, das den Briten schließlich mit Standig Ovations und lautem Jubel feierte. Mit dem Voranschreiten der Show hielt es immer weniger Zuseher auf ihren Sitzen.
Die Mischung aus Gefühl und Power machen Jones sowohl für das weibliche als auch für das männliche Publikum attraktiv. Und genau diesen Mix konnte man im Regensburger Schlosshof hautnah miterleben.
Der “Tiger” hielt sich nicht lange mit dem begeisterten Applaus des Publikums auf, sondern performte einen Song nach dem nächsten. Ein bisschen mehr Beifall hätte er sich selbst schon gönnen können!
Selbst die Fürstin konnte nicht an sich halten und würdigte die Poplegende mit einem entzückten “We love you!”.

A Hard Days Night - Ein Abend mit den Beatles bei den Schlossfestspielen

19. Juli 2016 jneidh Keine Kommentare

John, Paul, George und Ringo bei den Schlossfestspielen? Kann man sich fast vorstellen. Sind die Beatles doch immerhin bis heute “die Band” überhaupt. Für das Beatles-Musical “All you need is love” sah es tatsächlich so aus, als wäre die Gruppe in Originalbesetzung wieder zusammengetreten. Die Ähnlichkeit der Darsteller mit ihren Vorbildern war jedenfalls verblüffend und auch die Musik ließ nichts vermissen. Die Band, die jetzt da vorne auf der Bühne stand, hieß übrigens Twist&Shout und stammt aus den USA, wobei die Schauspieleinlagen aber auf Deutsch gebracht wurden. Ein Roadie erzählte aus seinem turbulenten Alltag mit den Beatles. Die Show war sehr beeindruckend, mit vielen Originalaufnahmen aus den wilden Sixties und passte perfekt mit der Musik zusammen. Hier wurde das richtige Rooftop-Concert-Feeling authentisch wachgerufen. Nicht nur das aussehen, sondern auch die Art der einzelnen Beatles wurde perfekt und sehr liebevoll imitiert.

Ein psychedelisches Feuerwerk mit Seargent Pepper

Ein psychedelisches Feuerwerk mit Sergeant Pepper

Die Schauspieleinlagen vom Roadie und den fiesen Plattenbossen wirkten ein bisschen hausbacken, aber um ehrlich zu sein, die Musik stand sowieso voll im Mittelpunkt und da gab es wirklich nichts zu mäkeln. Mit Sergeant Peppers wurde nachher noch ein psychedlisches Feuerwerk vom feinsten abgebrannt und auch die Lightshow sorgte für wahrhaft hypnotische Flashbacks in eine Zeit in der es nach Rock´n´Roll, Aufbruch und Räucherstäbchen roch. Der Zuschauer hatte hier jedenfalls ein besonderes Erlebnis, an das er sich noch lange mit Begeisterung erinnern wird.

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SAMStag am Sonntag bei den Schlossfestspielen

18. Juli 2016 jneidh Keine Kommentare

Alle Kinder lieben das Sams und auch die Erwachsenen fühlen sich von den lustigen Abenteuern des frechen und drolligen kleinen Kerlchens und wohl besonders auch von seinem selbstgewählten Ziehvater, Herrn Taschenbier, angezogen. Paul Maar ist ein echter Klassiker der deutschen Kinderliteratur geglückt. Echt gelungen war auch das diesjährige Kinderstück bei den Schlossfestspielen. Das Sams brachte den armen Herrn Taschenbier ganz schön ins Schwitzen und eroberte die Kinderherzen im Sturm, denn im Stück ging es richtig ab und es gab viel zu lachen, schließlich lässt so ein Sams jeden Respekt vor vermeintlichen Autoritäten vermissen.

Das Sams ist los

Das Sams ist los

Das Berliner  Musiktheater Atze hat hier ein authentisches Sams auf die Bühne gebracht, bei dem einfach alles stimmte, die Gags saßen, die Musik passte und (nicht nur) die Kinder waren begeistert. Für besondere Lacher sorgten ein in der Unterhose über die Bühne flitzender Papa Taschenbier und ein chaotische Schulstunde.

Atze bedeutet übrigens auf Berlinerisch u.a. “großer Bruder” und das Musiktheater Atze gilt als eines der größten für Kinder im Grundschulalter.

Das Kindermusical konnte wirklich begeistern und auch die anderen Aufführungen von “Atze” sind sicher einen Besuch wert.

Carmen auf den Regensburger Schlossfestspielen

16. Juli 2016 sgruen Keine Kommentare

Gelungener Auftakt der diesjährigen Schlossfestspiele

Carmen gehört mit Arien wie der “Habanera” (L’amour est un oiseau rebelle) und “Près des remparts de Séville” und einer Geschichte um Liebe, Leidenschaft und tödliche Eifersucht zu den beliebtesten und meistgespielten Opern. Bei der Uraufführung im März 1875 sah das noch ganz anders aus. Georges Bizets bekanntestes Werk entpuppte sich als Flop. Die Rezeption der Oper änderte sich wenig später, als “Carmen” in Wien aufgeführt und vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt war Bizet allerdings schon tot. Er verstarb im Alter von nur 36 Jahren an einem Herzleiden. Man sagt, dass “Carmen” ihm das Herz gebrochen habe…

Auf den Regensburger Schlossfestspielen markierte Bizets Meisterwerk den Auftakt, der Schlossinnenhof bot eine perfekte Kulisse für die Oper in der Inszenierung der Staatsoper Prag unter Leitung von Tomasz Brauner.
Doch bevor die Geschichte um leidenschaftliche Liebe und Eifersucht begann, bat Veranstalter Reinhard Söll um eine Schweigeminute für die Opfer des Anschlags von Nizza. Ein bewegender Moment.
Die Inszenierung war solide, der Gesang überzeugte durch hohe Professionalität.
Alles in allem war der Opernabend eine gelungene und unterhaltsame Auftaktveranstaltung, die zwischen dem Anschlag in Nizza und dem Putschversuch in der Türkei einen schönen Kontrapunkt zum Tagesgeschehen setzte.

Die Schutzbefohlenen in der Kirche am Neupfarrplatz

21. Juni 2016 jneidh Keine Kommentare

Ein Theaterstück von Elfriede Jelinek, inszeniert von Schülern der Akademie für Darstellende Kunst Bayern

(Jan Neidhardt)

Es gibt wohl kaum ein aktuelleres und auch wichtigeres Thema als das von Flucht und Krieg, sowie der Bedrohung, der sich die Menschen durch das ihnen Fremde ausgesetzt fühlen. So aktuell das Thema ist, so uralt ist es auch. Aischylos, der griechische Tragödiendichter, behandelte es in „Die Schutzflehenden“ schon vor über 2400 Jahren. 50 Frauen aus Ägypten sind auf der Flucht vor einer Zwangsheirat und landen an der Küste von Argos, wo sie um Schutz und Hilfe flehen.

Szene aus "Die Schutzbefohlenen"

Szene aus "Die Schutzbefohlenen"

Und damals wie heute gibt es gewaltige Schwierigkeiten. Elfriede Jelinek, die österreichische Nobelpreisträgerin des Jahres 2004, hat sich unter dem Eindruck der aktuellen Ereignisse mit Bürgerkrieg und Flucht in Syrien und anderen Teilen der Welt, der fast vergessenen Tragödie des Aischylos angenommen und mit den „Schutzbefohlenen“ ein Stück gegen die menschenunwürdige Behandlung von Menschen aus diesen Ländern im österreichischen Asylverfahren, aber auch in dem folgenden unwürdigen Lebensalltag, geschrieben. Verhältnisse, die sich auch auf die Zustände in Deutschland übertragen lassen. In der Inszenierung von Michael Blumenthal, die zur Zeit in der Neupfarrkirche zu sehen ist, ist es sehr eindringlich gelungen, die Textflächen, die Elfriede Jelinek vorgibt, in eine szenische Darstellung zu übertragen. Der Zuschauer wird von den Schauspielern der Abschlussklasse der Bayerischen Akademie für Darstellende Kunst im wahrsten Sinne des Wortes gefangen genommen und bleibt als unbedingt Betroffener zurück. Es handelt sich hierbei um eine chorische Aufführung, bei der auch die Akustik des Spielorts ganz besonders zum Tragen kommt. Hauptschauplatz ist nämlich die Taufkapelle der Neupfarrkiche. Wobei der Chor auch teilweise im Kirchenschiff agiert. Der Spielort Kirche erinnert im Übrigen auch ganz an das eigentlich auslösende Ereignis des Stückes, die Besetzung einer Kirche in Wien durch 60 Asylsuchende. Die Besonderheit des Ortes bringt es aber auch mit sich, dass die Zuschauer mitten unter den Agierenden sitzen, es gibt in diesem Sinne keine Bühne, dadurch wird eine ganz besondere Nähe und Intimität zum Geschehen erzeugt. Die Schauspieler wirken in ihrer Darstellung der Flüchtlinge tatsächlich schutzlos und verletzlich, sie sind bekleidet mit zerlumpten Wäschestücken und Bandagen, fast wirken sie wie Geister bei einer Art Totentanz. Das löst beim Zuschauer den Gedanken an die Menschen aus, die bei dem Versuch in die „Festung Europa“ zu gelangen, täglich im Mittelmeer ertrinken oder auf andere Weise ums Leben kommen. „Die Schutzbefohlenen“ in ihrer Inszenierung in der Neupfarrkirche sind kein konventionelles Dialogstück. Standpunkte und Rollen wechseln. Die Darsteller spielem gleichzeitig Flüchtlinge und Pegidisten, der Staat erhebt sich aus ihrer Reihe, auch das Publikum, ohnehin ganz dicht am Geschehen wird mit einbezogen, ein junger Mann soll plötzlich seinen Sitzplatz aufgeben oder eine Frau einen Stapel Papier halten.

Foto: Klaus Weber

Foto: Klaus Weber

Das Stück ist sehr intensiv und auch akustisch ein ganz besonderes Erlebnis, das einen nachdenklich und betroffen zurücklassen wird.

Wer die Schutzbefohlenen in der Neupfarrkirche noch erleben möchte, muss aufgrund des begrenzenten Platzangebots unbedingt vorher reservieren. Der Eintritt ist allerdings frei. Reservierungen sind über das Büro des Akademietheaters unter der Nummer 0941/5865442 (montags bis donnerstags von 12-16 Uhr möglich).

Die folgenden Vorstellungen finden noch statt:

Mittwoch 22.06.: 16 (!) Uhr

Donnerstag 23.06.: 19 Uhr

Freitag 24.06.: 19 Uhr

Samstag 15.06.: 19 Uhr

Mittwoch 29.06.: 19 Uhr

Donnerstag 30.06 19 Uhr

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Hörbuchtipp: Menschen - Mythen - Macht im 20. Jahrhundert

28. April 2016 jneidh Keine Kommentare

Ein Hörbuch über Adolf Hitler, gelesen von Gert Heidenreich

(Jan Neidhardt)

Dieses Hörbuch ist etwas besonderes. Es geht um eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Person Adolf Hitlers auf Grundlage von Geschichte einerseits, andereseits wird versucht, den Menschen hinter dem geschichtlich Vermittelnden Bild zu beleuchten. Eine schwere Aufgabe, da es sich hierbei um eine Sache handelt, die von vielen Denkverboten belegt ist.

Hitler wird hier in chronologischer Erzählweise, sozusagen in seiner Entstehung vom Kind bis zum Diktator, mit anschließendem Selbstmord im sog. Führerbunker, gezeigt. Das Hörbuch ist begleitet von Bildern der Künstlerin Irene von Neuendorff, die einen bewussten Bruch mit gängigen Konventionen darstellen. Der “Diktator des Deutschen Reichs” erscheint auf dem Cover von Box 2 z.B. milde lächelnd im Lodenmantel mit einer altertümlichen Babypuppe im Arm. “Ecce Homo” steht im Hintergrund zu lesen.

Inhaltlich bietet das Hörbuch für den Historiker wenig überraschendes, aber die geschichtliche Zusammenfassung ist sehr gelungen und kompakt dargestellt, sodass man das Hörbuch durchaus auch als Einstieg in das Thema “Nationalsozialismus” nutzen kann.

Das Hörbuch wird mit ruhiger und passender Stimme vorwiegend von Gert Heidenreich gelesen, der hierfür sicher die richtige Wahl gewesen ist. Originaldokumente und durch Schauspieler nachgesprochene Texte lassen sich beim Buch kaum unterscheiden. Inhaltlich tut das dem Werk sicher keinen Abbruch, aber bei dem Thema sollte man immer genau auseinanderhalten, was “echt” und was nachgesprochen ist. Tontechnisch nicht so gelungen finde ich, dass oft die Anfänge von Kapiteln etwas zu abgesägt wirken. Dafür sind die Hörspielszenen mit Geräuschen und Musikfetzen (Wagner, Schlager) sehr gelungen

Ich finde gut, dass das Hörbuch ohne irgendwelche Verschwörungsgeschichten oder allzusehr pathologisierende Spekulationen psychologischer/ psychiatrischer Natur auskommt. Natürlich wird dadurch dann auch nichts Reißerisches geboten.Insgesamt eine nüchterne und handwerklich gut gemachte Dokumentation zum Thema, die sich auch für Einsteiger eignet. Die Bilder regen durch ihren verändernden Blickwinkel stark zum nachdenken an und sind eine gelungene Überleitung zur Beschäftigung mit dem Thema “Hitler”.

Clemens von Lengsfeld (Autorin)

Adolf Hitler - Diktator des Deutschen Reichs (Hörbuch)

6 CDs

ISBN: 978-3-941234-65-9 u. 978-3-941234-68-0

Griot - Hörbuchverlag

Clemens v. Lengsfeld: Adolf Hitler - Diktator des Deutschen Reichs - Hörbuch Teil 1

Clemens v. Lengsfeld: Adolf Hitler - Diktator des Deutschen Reichs - Hörbuch Teil 1



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