Buchtipp: In den Wäldern Sibiriens (Sylvain Tesson)

21. Juli 2014 sgruen Keine Kommentare

Sechs Monate Einsamkeit

(Sigrid Grün)

Der französische Schriftsteller und Filmemacher ist ein Reisender. Eine Erdumrundung auf dem Fahrrad und mehrmonatige Expeditionen durch den Himalaya und Zentralasien hat er bereits absolviert, als er den Entschluss fasst, ein halbes Jahr in den Wäldern Sibiriens als Eremit zu verbringen. Im Februar zieht er in eine Hütte am Ufer des Baikalsees, den die Russen liebevoll “Maloe More” - kleines Meer -, nennen. Ohne Nachbarn und Zugangsstraße versucht er ein Leben in Kontemplation. Eine Auflistung seiner Ausrüstung umfasst alle überlebenswichtigen Gegenstände von A wie Axt bis Z wie Zigarillo. Seine “ideale Lektüreliste” beinhaltet nicht nur große Weltliteratur, sondern auch Naturführer, die die einzigartige (teils endemische, d.h. nur in dieser Region vorkommende) Flora und Fauna im Baikalgebiet zum Thema haben.

Tesson beginnt seinen Aufenthalt im sibirischen Winter, der so unvorstellbar kalt ist, dass das Dasein als Eremit nicht nur psychisch, sondern auch physisch zu einer Herausforderung wird. Ein scheinbar harmloser Fehler kann das Leben kosten. Tesson unternimmt kleine Ausflüge in die äußere Welt rund um seine Blockhütte und in deren Wärme in die innere Welt. Sprachmächtig und voller Poesie beschreibt er die klirrende Kälte, in der der mächtige Baikal von einer meterdicken Eisschicht bedeckt ist, auf dessen Oberfläche alljährlich Fahrbahnen für Autos und Lkws etabliert werden. Ab und an besucht der seine Nachbarn, Wildhüter, die von der Einsamkeit geprägt wurden und bekommt Besuch. Er erlebt eine Natur, die ihm nicht immer freundlich gesonnen ist. Ein Begegnung mit einem Bären ist ebenso möglich wie der Tod durch Erfrieren. Der Autor reflektiert seine Sehnsucht nach dem Eremitendasein. Dabei zählt er u.a. folgende Gründe für seinen Rückzug in die Wälder auf:
- Ich war zu geschwätzig.
- Ich wollte Stille.
- Zu viel unbearbeitete Post und zu viele Leute zu treffen.
- Ich beneidete Robinson. (S. 108)
Doch der Aufenthalt in der Einsamkeit ist längst nicht so romantisch wie man ihn sich vielleicht vorstellt, sondern mit enormen physischen wie psychischen Anstrengungen verbunden. Letztere versucht Tesson nicht selten im Wodka zu ertränken, was ja durchaus auch eine gewisse romantische Vorstellung vom Eremitendasein evoziert.
Beeindruckend ist die Beschreibung der Wandlungen in der Natur. Hier sind es eher die kleinen Dinge, die die besondere Poesie ausmachen. Kleine Vögelchen, die an die Fensterscheibe klopfen zum Beispiel. Während des Aufenthaltes am Baikal verändert sich aber auch der Autor. Bei seiner Rückkehr wird er andere Bedingungen vorfinden als vor seiner Reise. Nicht nur weil er sich geändert hat, sondern auch, weil sein Umfeld andere Wege einschlägt.

Liebhabern von sprachlich verdichteten Reiseberichten und anspruchsvoller Selbsterfahrungstripps á la “Walden” sei Sylvain Tessons “In den Wäldern Sibiriens” wärmstens ans Herz gelegt. Wer eher für actionreiche Reiseliteratur und esoterische Unterhaltung wie “Eat, pray, love” zu haben ist, wird hiermit nicht wirklich glücklich werden. Als Angehörige der “Walden”-Fraktion kann ich die Lektüre nur empfehlen.

Sylvain Tesson, Claudia Kalscheuer (Autor; Übersetzerin)
In den Wäldern Sibiriens. Tagebuch einer Einsamkeit
www.randomhouse.de
272 Seiten

Buchtipp: Der Tanz der Möwe. Commissario Montalbano erblickt die Wahrheit am Horizont (Andrea Camilleri)

21. Juli 2014 sgruen Keine Kommentare

Im Visier der Mafia

(Sigrid Grün)

Ende fünfzig ist der sizilianische Commissario Montalbano mittlerweile, als er von seiner Veranda aus eine strauchelnde Möwe beobachtet. Hat jemand das Tier abgeschossen? Er nähert sich dem Tier und sieht ihm bei seinem letzten “Tanz” zu, der mit dem Tod des Vogels endet. Kein sehr schönes Vorzeichen an diesem Novembermorgen und entsprechend ungut ist auch das Gefühl, das den Kommisssar beschleicht. Auf der Wache von Vigàta erfährt Montalbano schließlich, dass der Polizist Fazio verschwunden ist. Diese Nachricht kommt dem Commissario nicht nur deshalb ungelegen, weil Fazio sein Lieblingsmitarbeiter ist, sonder auch weil Livia, seine Verlobte, mit der er immer noch ein Fernbeziehung führt, mit ihm verreisen wollte. Angeblich wollte Fazio sich mit dem Commissario am Hafen treffen, doch Montalbano kann sich daran nicht erinnern. Fazio hat offensichtlich auf eigene Faust ermittelt und ist dabei in eine Schießerei geraten. Der Tipp eines Unbekannten bringt Montalbano schließlich auf die richtige Spur. Im sizilianischen Hinterland, das sich fest in Mafiahand befindet, stößt der Kommissar nicht nur auf zwei unbekannte Tote, sondern auch auf Fazio, der eine schwere Kopfverletzung erlitten hat und sich kaum an die Vorfälle erinnern kann. Es muss wohl um Schmuggel gehen - mehr weiß er nicht. Montalbano versucht das Rätsel des nächtlichen Treffens zu lösen. Dabei darf er keine Zeit verlieren, denn jemand hat es auf Fazios Leben abgesehen. Der Fall scheint fast unlösbar, doch dann begegnet ihm die attraktive Krankenschwester Angela, die ihm vielleicht helfen kann. Doch kann er ihr vertrauen?

Montalbano ist auch beim 15. Fall der menschliche und grundsympathische Ermittler als den seine treuen Fans ihn einst kennengelernt haben. Er hat seine Schwächen, wird mit dem Alter immer schussliger und ist schlichtweg kein einfacher Mensch. Seine Art an Fälle ranzugehen - sich in Montalbano eins und Montalbano zwei zu spalten, um alle möglichen Lösungswege durchzuspielen, ist ein kriminalistischer Kunstgriff. Andrea Camilleri ist auch mit “La danza del gabbiano” ein Krimi gelungen, der gleichzeitig melancholisch und humorvoll ist. Eine spannende Sommerlektüre vor sizilianischer Kulisse.

Andrea Camilleri; Rita Seuß & Walter Kögler (Autor; Übersetzer)
Der Tanz der Möwe. Commissario Montalbano erblickt die Wahrheit am Horizont
www.luebbe.de
269 Seiten

Ostengassenfest

17. Juli 2014 lweser Keine Kommentare

17. Juli -17. August 2014, ca. 21.00 Uhr, Wiese oberer Wöhrd, Regensburg
Cinema Paradiso/Kino unter den Sternen mit Kopfhörern; Eintritt: 10 €/außer Pecha Kucha: 3 €; Bewirtung: Orphee und Bodega; Eingang beim Grieser Steg auf der Wöhrdseite; Programm siehe hier:
www.kinos-im-andreasstadel.de

18.-20. Juli 2014, Ostengasse/Donaulände, Regensburg
Ostengassenfest, das Fest der sozialen Initiativen
www.soziale-initiativen.de

18.-20. Juli 2014, Dultplatz, Regensburg
3 Tage-Flohmarkt

18. - 27. Juli 2014, St. Emmaeran Schloss, Regensburg
Thurn und Taxis Schlossfestspielen; u.A. mit folgenden Höhepunkten:
Freitag/Samstag, 18./19. Juli: Oper: Verdis Rigoletto
Mittwoch, 23. Juli: Konzert der Klezmer-Musiker Giora Feidman mit den Gitanes Blondes
Donnerstag, 24. Juli: Konzert des britische Singer-Songwriters James Blunt
Freitag, den 25. Juli, Konzert: Nena mit Band
Samstag, den 26. Juli: Glenn-Miller-Nacht
Sonntag, den 27. Juli: Kinderstück: Bibi Blocksberg
Die Abendveranstaltungen beginnen jeweils um 20.30 Uhr, das Kinderstück um 10.30 Uhr.
www.odeon-concerte.de

Dienstag, 22. Juli 2014, 20.00 Uhr, (Kruckenberg 33a), Wiesent
Konzert: La Brass Banda auf Bierzelttour mit Keller Steff & Band vornweg; Einlass: 18.00 Uhr

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Buchtipp: Der Sommer der Wildschweine (Birgit Vanderbeke)

12. Juli 2014 sgruen Keine Kommentare

Erschütterungen

(Sigrid Grün)

Der Eventmanager Milan und die Texterin (neudeutsch Content Agentin) Leo machen seit vielen Jahren wieder Urlaub. Im südfranzösischen Dörfchen Fontarèche mieten sie sich im Haus eines Bekannten ein, weil sie dem Alltagstrubel entkommen möchten. Doch selbst vor dieser entlegenen Ecke in den Cevennen hat die Globalisierung nicht Halt gemacht - im Gegenteil. Obwohl die jungen Bewohner die Gegend wegen der Arbeitslosigkeit längst verlassen haben und nur noch einige Alte übrig sind, die nicht-EU-genormtes Gemüse im eigenen Garten anbauen, sind die schrumpfenden Dörfer von einer Gefahr bedroht, die man nicht erahnen konnte. Land Grabbing lautet ein Schlüsselbegriff - Ölkonzerne führen Probebohrungen in den umliegenden Bergen durch und erschüttern damit die südfranzösische Idylle. Es ist eine beschädigte Welt, die hier gezeigt wird, eine ländliche Region, die sich in einem Transformationsprozess befindet, der uns unmenschlich erscheint, weil die Ziele von Konzernen sich nicht mit den Bedürfnissen von den Menschen und Tieren in der Gegend vereinbaren lassen. Während die erwachsenen Kinder von Milan und Leo ihr Glück in Manchester (wo den Sohn Johnny eigentlich nichts außer seiner Frau Debbie hält) und New York (dort macht die 18-jährige Tochter Anouk ein Praktikum bei einer Sklaventreiberin und Schnepfe in der Modebranche) suchen, sind Milan und Leo in der Nähe von Frankfurt geblieben. Milan verliert während der Wirtschaftskrise sein Unternehmen und muss anfangen für eine andere Firma zu arbeiten, während Leo nun nicht mehr Texte verfasst, sondern Content generiert. Über die Krise rettet sie eigentlich ihr Sohn Johnny, der in der IT-Branche erfolgreich ist und seit seiner frühen Jugend von 3D-Welten träumt, während Anouk ihre Strickleidenschaft auslebt und sich für Ökoprojekte engagiert.

Aus der Sicht von Leo wird hier die Geschichte des globalisierten Menschen erzählt, der in einer eigentlich viel zu komplexen Welt überleben muss und sein Glück sucht - mal in den fantastischen 3D-Welten von Computersimulationen, mal in der auf die Spitze getriebenen Strickkunst. Hier werden Transformationsprozesse deutlich, in deren Rahmen der Mensch in eine Welt katapultiert wird, die auch dort, wo sie noch als unangetastet galt eine beschädigte ist, zerstört durch die Erschütterungen, die dem Leser hier gleich in mehreren Bildern begegnen. Die Luft und der Boden vibrieren in der südfranzösischen Provinz und man spürt das dräuende Unheil, das auch die Wildschweine aus ihrem gewohnten Lebensraum in den Bergen in die Täler treibt, wo sie die Gärten der letzten verbliebenen Bewohner verwüsten.

Birgit Vanderbeke, die selbst seit vielen Jahren in Südfrankreich lebt, ist wieder einmal ein wunderbares Buch gelungen, das den globalisierten Menschen unglaublich präzise beschreibt. Eine Lektüre, die rundum empfehlenswert ist!

Birgit Vanderbeke (Autorin)
Der Sommer der Wildschweine
www.piper.de
160 Seiten

10. Juli 2014 lweser Keine Kommentare

10. Juli 2014, Krankenhaus St. Joseph, Regensburg
Ausstellung:Günther Kempf: Pocahontas + ich
bis 12. Oktober

10-13. Juli 2014, Regensburg
33. Jazzweekend
www.bayerisches-jazzweekend.de

Montag, 14. Juli 2014, 21.45 Uhr, Garbo-Kino, Regensburg
Doku: David Bowie - Ziggy Stardust, GB/USA 1973, Regie: D.A. Pennebaker; Eintritt: frei; innerhalb des Sound and Vision Musik Film Festivals
www.altstadtkinos.de

Dienstag, 15. Juli 2014, 21.45 Uhr, Garbo-Kino, Regensburg
Doku: Searching for Sugar Man, GB 2012, Regie: D.A. Pennebaker; innerhalb des Sound and Vision Musik Film Festivals
www.altstadtkinos.de

Mittwoch, 16. Juli 2014, 21.45 Uhr, Garbo-Kino, Regensburg
Kino-Klassiker: Marnie, USA 1964, Regie: Alfred Hitchcock; mit Tibbi Hedren, Diane Baker, Sean Connery; innerhalb der Reihe Vor 50 Jahren; Eintritt: frei
www.altstadtkinos.de

Donnerstag, den 17. Juli 2014
, 19.00 Uhr, galerie konstantin b., Regensburg
Ausstellungseröffnung: Haut und Haar, mit Arbeiten von Studierenden der Akademie für Gestaltung Regensburg;Einführung: Florian Toperngpong
Ausstellungsdauer: 18.07. - 20.07.2014

17. Juli -17. August 2014, ca. 21.00 Uhr, Wiese oberer Wöhrd, Regensburg
Cinema Paradiso/Kino unter den Sternen mit Kopfhörern; Eintritt: 10 €/außer Pecha Kucha: 3 €; Bewirtung: Orphee und Bodega; Eingang beim Grieser Steg auf der Wöhrdseite; Programm siehe hier:
www.kinos-im-andreasstadel.de

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Sommer in der Stadt

3. Juli 2014 lweser Keine Kommentare

04. Juli 2014, 20.00 Uhr, Kunstverein Graz, Regensburg
Ausstellung: Mobile Art
Installation, schwarz-weiße Handyfilme, Interaktive Ausstellung
Interessierte GRAZ-Kenner schicken Kunst an GRAZ - A 3 Drucker
die Werke werden in die Ausstellung mit aufgenommen
Kurator: Christian Havlicek
04. – 26. Juli 2014
Finissageabend: Sommerfest mit Überraschungen
25. Juli 2014 ab 20 Uhr
www.kunstvereingraz.de

05.-12. Juli 2014, Regensburg
Schaulust. Festival für junges Theater in Regensburg
www.theaterregensburg.de

Samstag, 05. Juli 2014, 17.00 Uhr, Ostdeutsche Galerie, Regensburg
10. Nacht in Blau wieder mit buntem vielseitigem Programm
www.kunstforum.net
www.kunstforum.net

Samstag, 05. Juli 2014, 22.00 Uhr, Foyer Velodrom, Regensburg
Nachtdienst Folge 18: Cyber, mit Mitgliedern des Jungen Theaters, des Schauspielensembles und Dr. Wolfgang Buschlinger; Veranstaltung im Rahmen des Schaulust-Festivals; Eintritt: 7,50 €
www.theaterregensburg.de

Mittwoch, 9. Juli/Donnerstag, 10. Juli 2014, Ostdeutsche Galerie, Regensburg
Danube revisited – The Inge Morath Truck Project
(Wanderausstellung)
Eintritt frei
Neun Fotografinnen begeben sich im Sommer 2014 mit einem zur Galerie umgebauten LKW auf eine Fahrt entlang der Donau. Die Künstlerinnen reisen auf den Spuren der bekannten Magnum-Fotografin Inge Morath (1923 Graz – 2002 New York), die vor und nach dem Fall des Eisernen Vorhangs das Leben an der Donau dokumentierte. Das Projekt „Danube Revisited“ ist ein fotografischer Road-Trip vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer. In der mobilen Galerie werden Werke von Inge Morath präsentiert und nachts auf den LKW projiziert. Alle beteiligten Fotografinnen sind Trägerinnen des von der Agentur Magnum verliehenen Inge-Morath-Preises, mit dem junge Dokumentarfotografinnen unterstützt werden. In ihren eigenen unterwegs entstehenden Fotografien der Donau und im Gespräch mit dem Publikum wollen sie die Arbeit Inge Moraths neu aufleben lassen.
Öffnungszeiten des Trucks
Mittwoch, 13 bis 24 Uhr
Donnerstag, 10 bis 24 Uhr
Fotoprojektion ab Einbruch der Dunkelheit bis 24 Uhr
Mittwoch, 9. Juli
Die Ausstellung „Heimat? Osteuropa in der zeitgenössischen Fotografie“ ist bis 20 Uhr geöffnet, Eintritt ab 18 Uhr frei
Donnerstag, 10. Juli, 14 bis 17 Uhr,
Grafiktrakt des Kunstforums
Portfolio-Review für Fotografinnen aus Regensburg und der Region
Anmeldung unter info@danuberevisited.com
www.kunstforum.net
www.kunstforum.net

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26. Juni 2014 lweser Keine Kommentare

27./28. Juni 2014, Grieser Spitz, Regensburg
Jahninselfest

Samstag, 28. Juni 2014, 19.00 Uhr, Steinbruch „Wallhalla Kalk“
7. Sinfoniekonzert. Götterfunken im Steinbruch
www.theaterregensburg.de

Mittwoch, 02. Juli 2014, 20.00 Uhr, Regina-Kino, Regensburg
Kino in Anwesenheit des Regisseurs: Bester Chance, Regie: Marcus H. Rosenmüller
der sympathische Vielfilmer ist mal wieder mit einem neuen Film in der Stadt, dem letzten Film seiner Trilogie. Die Protagonisten aus Beste Zeit und Beste Gegend sind älter geworden.
www.reginakino.de

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Buchtipp: Das Buch der Königin (Sabine Weigand)

25. Juni 2014 sgruen Keine Kommentare

Opulentes Werk über das Leben der sizilianischen Königin Konstanze

(Sigrid Grün)

Sizilien im 12. Jahrhundert - das Herrschergeschlecht der Hauteville regiert das Königreich weise, Roger und seine Nachfahren sind bei der Bevölkerung beliebt. Eine Tochter König Rogers, Konstanze, möchte kein Spielball der Herrscherhäuser werden und auf eine Heirat verzichten. Der Papst ist über diese Entscheidung mehr als erfreut, denn auf diese Weise bleibt ihm eine “staufische Zange”, die den Kirchenstaat von Norden und Süden bedrängen könnte, erspart. Stauferkaiser Barbarossa wünscht allerdings ausdrücklich eine Heirat seines Sohnes Heinrich - aus machtpolitischen Gründen natürlich - mit der bedeutend älteren Konstanze von Sizilien, denn Rogers männliche Nachfahren sterben schneller weg, als neue gezeugt werden können. Und so spekulieren die Staufer auf die endgültige Vorherrschaft in Europa. Gegen ihren Willen werden Konstanze und Heinrich VI. vermählt und auf dem Kreuzzug, den Friedrich Barbarossa von Regensburg aus gestartet hat, ertrinkt der Kaiser. Heinrich wird sein Nachfolger und Konstanze die Frau an seiner Seite. Der heiß ersehnte Nachwuchs bleibt jedoch viel zu lange aus. Während der grausame Heinrich seine Machtgier auslebt und dabei über Leichen geht, befindet sich an seinem Hofe ein junger Mann, der über außergewöhnliche künstlerische Fähigkeiten verfügt und dessen Vergangenheit ein Geheimnis bleiben muss. Gottfried der Schreiber und seine Schwester Hemma werden von einem rachsüchtigen Ritter verfolgt, der nur eines im Kopf hat: den Tod des vermeintlichen Mörders seiner Tochter…
Sabine Weigand ist Historikerin, die sich besonders gerne historischen Personen widmet. Königin Konstanze ist eine faszinierende Figur der Weltgeschichte, der bisher noch nicht viel Aufmerksamkeit zukam. Während es zahlreiche Publikationen über Friedrich I. Barbarossa gibt, blieb Konstanze bisher eher eine Figur im Hintergrund, der Weigand nun einen ehrenvollen Platz zugewiesen hat. An der Seite des grausamen Kaisers ist sie die beim Volk beliebte Königin, die nicht gegen jegliche Prinzipien und Versprechen verstößt wie ihr machthungriger Gatte. Sie hält stand, während er immer wieder nur seine eigenen Interessen durchsetzt und auf moralische Erwägungen verzichtet. Der Autorin gelingt es die Handlungsstränge geschickt zu verweben und einen opulenten historischen Roman mit Intrigen und Verschwörungen auf der einen Seite und romantischen Liebesgeschichten auf der anderen Seite zu komponieren, der bis zur letzten Seite spannend ist.

Sabine Weigand (Autorin)
Das Buch der Königin
www.fischerverlage.de
460 Seiten

Buchtipp: Wie wir Schule machen (Alma, Jamila, Lara-Luna)

18. Juni 2014 sgruen Keine Kommentare

Ein Buch, das Mut macht

(Sigrid Grün)

Es gibt zahlreiche Bücher, in denen das deutsche Schulsystem in Frage gestellt wird - mit oder ohne konkrete Lösungsvorschläge. Diese Bücher stammen aus der Feder von nachweislich klugen Erwachsenen, die oft über langjährige Erfahrungen verfügen. Es sind dies aber keine Erfahrungen aus Schülersicht, denn die Schulzeit der Verfasser liegt meist viele Jahre zurück und hat mit den heutigen Bedingungen nicht mehr viel zu tun. Und genau dieses Manko merkt man vielen schulkritischen Büchern an. Es fehlt die Orientierung an den wirklichen Bedürfnissen der Schüler von heute. Deshalb ist mit “Wie wir Schule machen” eigentlich ein längst überfälliges Buch erschienen, in dem es um die Menschen geht, die im Mittelpunkt stehen, wenn von Schule die Rede ist: Die Schüler selbst. Drei Mädchen zwischen 13 und 15 Jahren haben in Zusammenarbeit mit dem “Stern”-Reporter und Autor Uli Hauser (”Jedes Kind ist hoch begabt”) nun aufgeschrieben, was falsch läuft, und wie man es richtig machen könnte. “Lernen, wie es uns gefällt” verspricht der Untertitel - und als Leser muss man den jungen Autorinnen nur Recht geben. So wie sie vom Lernen schreiben, bekommt man wieder Lust auf Schule.
Das Buch gliedert sich in eine Einführung und drei Abschnitte. Der von den Schülerinnen erstellte Pisa-Fragebogen ist als Anhang beigefügt.
Zunächst stellen sich die jungen Autorinnen vor. Schnell wird klar: Hier handelt es sich um ganz normale Jugendliche, im rundum positiven Sinne. Die Mädchen haben schon eine ganze Reihe Erfahrungen hinter sich - und gerade im schulischen Bereich nicht nur positive. Und sie besuchen jetzt alle drei die Evangelische Schule Berlin Zentrum (ESBZ), eine Reformschule mitten in der Bundeshauptstadt. In dieser Lehranstalt werden nicht nur die herkömmlichen Fächer wie Mathe, Deutsch & Co unterrichtet, sondern auch “Verantwortung” und “Herausforderung” stehen auf dem Lehrplan. Denn genau an diesen Dingen wachsen junge Menschen. In unserer Gesellschaft wird Kindern und Jugendlichen viel zu wenig zugetraut. Selbst wenn sie großes Interesse daran haben Verantwortung zu übernehmen, werden Wünsche hinsichtlich der Verwirklichung verantwortungsvoller Aufgaben abgelehnt. Zu gefährlich, zu schwer, heißt es dann und ein junger Mensch wird in seiner Entwicklung ausgebremst. Das Schulfach “Herausforderung” ist ganz besonders spannend, suchen sich die Schüler doch selbst die Herausforderung aus, die sie meistern wollen. 150 Euro für drei Wochen - wie macht man das Beste draus? Über mehrere Monate hinweg werden die Herausforderungen geplant. Wanderungen in Schweden oder Frankreich, bei denen auch mal was schief gehen kann. Eine Begleitperson ist zwar anwesend, mischt sich allerdings nur in wirklich bedrohlichen Situationen ein. Und so sammeln die Jugendlichen Erfahrungen, die sie mitunter für ihr ganzes Leben prägen. Doch auch die Kernfächer Mathematik & Deutsch stehen natürlich auf dem Lehrplan. Allerdings wird in der ESBZ in Lernbüros gelernt. Schüler organisieren sich ihre Lernabschnitte selbst und erarbeiten sich die Lernfelder auch gemeinsam mit Mitschülern. Prüfungstermine werden selbst festgesetzt, so dass man es als Schüler in der Hand hat, wann der eingeübte Stoff überprüft wird.
Im ersten Abschnitt erklären die drei Mädchen Alma de Zárate, Jamila Tressel und Lara-Luna Ehrenschneider, wie sie lernen wollen und was ihnen wichtig ist. Im zweiten Abschnitt (dem umfangreichsten) geht es um die konkrete Umsetzung vieler dieser Wünsche in der ESBZ. Im dritten Teil geht es schließlich um die Verwirklichung der Roadshow, in deren Rahmen verschiedene SchülerInnen der ESBZ durch die deutschsprachigen Länder reisen, um ihr Konzept von Schule zu verbreiten, beseelt vom Wunsch die Schulen zu verändern.
Die Schülerinnen schreiben sehr frei über ihre Bedürfnisse und das ist natürlich ausgesprochen charmant. Keine Zeile ist trocken, kein Abschnitt langweilig - hier sprudeln drei Schülerinnen nur so vor Ideen und diese lebendige Lektüre ist eine große Freude für den interessierten Leser. Zwischendurch kommen auch immer wieder Vertreter aus dem Bildungssektor, Forschung und Wirtschaft zu Wort, denen das Konzept auch sehr zusagt, da es sich bewährt hat und kreative junge Leute hervorbringt, die Verantwortung übernehmen und Herausforderungen meistern wollen - immerhin haben sie das schon in der Schule gelernt.

Alma, Jamila und Lara-Luna (Autorinnen) In Zusammenarbeit mit Uli Hauser
Wie wir Schule machen. Lernen, wie es uns gefällt
www.randomhouse.de
190 Seiten

Veranstaltungstipp: Schlossfestspiele Regensburg

17. Juni 2014 sgruen Keine Kommentare

Stars im Fürstlichen Schloss

(Sigrid Grün)

In einem Monat ist es wieder soweit: Eine Vielzahl von Stars aus Klassik, Pop und Rock geben sich an zehn aufeinanderfolgenden Tagen ein Stelldichein im Regensburger Fürstenschloss.
Am Freitag, den 18. Juli starten die diesjährigen Schlossfestspiele mit der Premiere von Verdis Rigoletto in der Inszenierung der Breslauer Staatsoper. Am 19. Juli (Samstag) ist das “Mega-Opernevent” dann erneut auf der Freilichtbühne zu sehen.
Am Sonntag, den 20. Juli wird Howard Carpendale für das Regensburger Publikum singen und am Montag (21.7) erwartet die Zuseher “Opern auf Bayrisch” - ein höchst amüsanter Opernabend, der aus einer Faschingsvorstellung des Münchner Volkstheaters hervorgegangen ist.
Am Dienstag folgt schließlich das Konzertereignis des Jahres - nachdem im vergangenen Jahr die ausverkaufte Vorstellung aufgrund gesundheitlicher Probleme abgesagt werden musste, wird er dieses Jahr hoffentlich rundum gesund auf der Regensburger Bühne stehen und seine “Greatest Hits” performen: Sir Elton John.
Am Mittwoch (23. Juli) ist Klezmer-Musiker Giora Feidman mit den Gitanes Blondes in Regensburg zu Gast.
Am Donnerstag (24. Juli) folgt der britische Singer-Songwriter James Blunt und am Freitag, den 25. Juli, wird die legendäre Nena mit ihrer Band den Schlossinnenhof rocken.
Am Samstag (26.7) findet schließlich die große Glenn-Miller-Nacht mit Andrej Hermlin statt.
Und am Sonntag (27.7) wird - wie jedes Jahr - am Vormittag das Kinderstück zu sehen sein. Diesmal mit der beliebtesten und frechsten Hexe Deutschlands höchstpersönlich: Bibi Blocksberg.
Am Sonntagabend bildet die Operngala mit Angela Gheorghiu schließlich den festlichen Abschluss.
Die Abendveranstaltungen beginnen jeweils um 20.30 Uhr, das Kinderstück um 10.30 Uhr.
Weitere Informationen und Tickets unter www.odeon-concerte.de