Eine Nacht mit 007 auf den Regensburger Schlossfestspielen

25. Juli 2016 sgruen Keine Kommentare

Furioses Finale

Sein Name ist Bond. James Bond. Und er lockte Fans von 8 bis 88 in den Regensburger Schlosshof. Fast jeder Bondsong ist ein Ohrwurm. Das Wetter auf der Abschlussveranstaltung war perfekt. Ein angenehmer Sommerabend, kein Tropfen Regen.
Auf der Bühne: Das Radio-Sinfonieorchester Pilsen mit einem ausgesprochen engagierten und sichtlich begeisterten Dirigenten: Christian Schumann allein war schon ein Hingucker. Das Orchester wusste durch eine großartige Performance zu überzeugen. Mal gefühlvoll, mal kräftig - das Zusammenspiel war perfekt. Hinzu kamen - vor allem vor der Pause - zwei begnadete Sänger: Dennis LeGree mit einer herrlich souligen Samtstimme und Joyce van de Pool, die vor allem bei den Höhen in Adeles “Skyfall” brillierte.
Vor der Pause waren vor allem bekannte Bond-Songs wie “Golden Eye” oder “Goldfinger” sowie Medleys aus bekannten Bond-Motiven zu hören, in der zweiten Hälfte nach der Pause überzeugte das Konzept schließlich durch ein absolut gelungenes Zusammenspiel von Film und Musik. Während auf der Leinwand vor allem Ausschnitte aus neueren Bondstreifen zu sehen waren, wurden diese Szenen live vom Orchester begleitet. Damit hatte man einen Film- und Musikgenuss der ganz besonderen Art.
An diesem Abend stimmte einfach alles - die Szenenauswahl, die Musik und natürlich die Atmosphäre. Die wahrscheinlich “coolste” Veranstaltung der diesjährigen Schlossfestspiele war ein absolutes Muss für Bond-Fans.

007

Tom Jones auf den Regensburger Schlossfestspielen

22. Juli 2016 sgruen Keine Kommentare

Der “Tiger” rockt die Schlossfestspiele

(Sigrid Grün)

Tom Jones ist eine Legende. Der “Tiger”  hat es wie kaum ein anderer geschafft, sich über Jahrzehnte zu halten und sowohl ein junges als auch ein älteres Publikum gleichermaßen zu begeistern. Selbst mit 76 schaffte Jones es, ein Konzert ohne Pause zu geben, in dem er seine sämtlichen Facetten von soulig bis kräftig präsentieren konnte.
Ob Hits wie “Sex Bomb”, “What’s new Pussycat”, “Fly me to the Moon” oder “Delilah”, das den Sänger selbst sichtlich bewegte, oder weniger bekannte Songs - die Energie und die Stimmgewalt, mit der Tom Jones brillierte, waren ein Genuss für das Regensburger Publikum, das den Briten schließlich mit Standig Ovations und lautem Jubel feierte. Mit dem Voranschreiten der Show hielt es immer weniger Zuseher auf ihren Sitzen.
Die Mischung aus Gefühl und Power machen Jones sowohl für das weibliche als auch für das männliche Publikum attraktiv. Und genau diesen Mix konnte man im Regensburger Schlosshof hautnah miterleben.
Der “Tiger” hielt sich nicht lange mit dem begeisterten Applaus des Publikums auf, sondern performte einen Song nach dem nächsten. Ein bisschen mehr Beifall hätte er sich selbst schon gönnen können!
Selbst die Fürstin konnte nicht an sich halten und würdigte die Poplegende mit einem entzückten “We love you!”.

A Hard Days Night - Ein Abend mit den Beatles bei den Schlossfestspielen

19. Juli 2016 jneidh Keine Kommentare

John, Paul, George und Ringo bei den Schlossfestspielen? Kann man sich fast vorstellen. Sind die Beatles doch immerhin bis heute “die Band” überhaupt. Für das Beatles-Musical “All you need is love” sah es tatsächlich so aus, als wäre die Gruppe in Originalbesetzung wieder zusammengetreten. Die Ähnlichkeit der Darsteller mit ihren Vorbildern war jedenfalls verblüffend und auch die Musik ließ nichts vermissen. Die Band, die jetzt da vorne auf der Bühne stand, hieß übrigens Twist&Shout und stammt aus den USA, wobei die Schauspieleinlagen aber auf Deutsch gebracht wurden. Ein Roadie erzählte aus seinem turbulenten Alltag mit den Beatles. Die Show war sehr beeindruckend, mit vielen Originalaufnahmen aus den wilden Sixties und passte perfekt mit der Musik zusammen. Hier wurde das richtige Rooftop-Concert-Feeling authentisch wachgerufen. Nicht nur das aussehen, sondern auch die Art der einzelnen Beatles wurde perfekt und sehr liebevoll imitiert.

Ein psychedelisches Feuerwerk mit Seargent Pepper

Ein psychedelisches Feuerwerk mit Sergeant Pepper

Die Schauspieleinlagen vom Roadie und den fiesen Plattenbossen wirkten ein bisschen hausbacken, aber um ehrlich zu sein, die Musik stand sowieso voll im Mittelpunkt und da gab es wirklich nichts zu mäkeln. Mit Sergeant Peppers wurde nachher noch ein psychedlisches Feuerwerk vom feinsten abgebrannt und auch die Lightshow sorgte für wahrhaft hypnotische Flashbacks in eine Zeit in der es nach Rock´n´Roll, Aufbruch und Räucherstäbchen roch. Der Zuschauer hatte hier jedenfalls ein besonderes Erlebnis, an das er sich noch lange mit Begeisterung erinnern wird.

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SAMStag am Sonntag bei den Schlossfestspielen

18. Juli 2016 jneidh Keine Kommentare

Alle Kinder lieben das Sams und auch die Erwachsenen fühlen sich von den lustigen Abenteuern des frechen und drolligen kleinen Kerlchens und wohl besonders auch von seinem selbstgewählten Ziehvater, Herrn Taschenbier, angezogen. Paul Maar ist ein echter Klassiker der deutschen Kinderliteratur geglückt. Echt gelungen war auch das diesjährige Kinderstück bei den Schlossfestspielen. Das Sams brachte den armen Herrn Taschenbier ganz schön ins Schwitzen und eroberte die Kinderherzen im Sturm, denn im Stück ging es richtig ab und es gab viel zu lachen, schließlich lässt so ein Sams jeden Respekt vor vermeintlichen Autoritäten vermissen.

Das Sams ist los

Das Sams ist los

Das Berliner  Musiktheater Atze hat hier ein authentisches Sams auf die Bühne gebracht, bei dem einfach alles stimmte, die Gags saßen, die Musik passte und (nicht nur) die Kinder waren begeistert. Für besondere Lacher sorgten ein in der Unterhose über die Bühne flitzender Papa Taschenbier und ein chaotische Schulstunde.

Atze bedeutet übrigens auf Berlinerisch u.a. “großer Bruder” und das Musiktheater Atze gilt als eines der größten für Kinder im Grundschulalter.

Das Kindermusical konnte wirklich begeistern und auch die anderen Aufführungen von “Atze” sind sicher einen Besuch wert.

Carmen auf den Regensburger Schlossfestspielen

16. Juli 2016 sgruen Keine Kommentare

Gelungener Auftakt der diesjährigen Schlossfestspiele

Carmen gehört mit Arien wie der “Habanera” (L’amour est un oiseau rebelle) und “Près des remparts de Séville” und einer Geschichte um Liebe, Leidenschaft und tödliche Eifersucht zu den beliebtesten und meistgespielten Opern. Bei der Uraufführung im März 1875 sah das noch ganz anders aus. Georges Bizets bekanntestes Werk entpuppte sich als Flop. Die Rezeption der Oper änderte sich wenig später, als “Carmen” in Wien aufgeführt und vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt war Bizet allerdings schon tot. Er verstarb im Alter von nur 36 Jahren an einem Herzleiden. Man sagt, dass “Carmen” ihm das Herz gebrochen habe…

Auf den Regensburger Schlossfestspielen markierte Bizets Meisterwerk den Auftakt, der Schlossinnenhof bot eine perfekte Kulisse für die Oper in der Inszenierung der Staatsoper Prag unter Leitung von Tomasz Brauner.
Doch bevor die Geschichte um leidenschaftliche Liebe und Eifersucht begann, bat Veranstalter Reinhard Söll um eine Schweigeminute für die Opfer des Anschlags von Nizza. Ein bewegender Moment.
Die Inszenierung war solide, der Gesang überzeugte durch hohe Professionalität.
Alles in allem war der Opernabend eine gelungene und unterhaltsame Auftaktveranstaltung, die zwischen dem Anschlag in Nizza und dem Putschversuch in der Türkei einen schönen Kontrapunkt zum Tagesgeschehen setzte.

Die Schutzbefohlenen in der Kirche am Neupfarrplatz

21. Juni 2016 jneidh Keine Kommentare

Ein Theaterstück von Elfriede Jelinek, inszeniert von Schülern der Akademie für Darstellende Kunst Bayern

(Jan Neidhardt)

Es gibt wohl kaum ein aktuelleres und auch wichtigeres Thema als das von Flucht und Krieg, sowie der Bedrohung, der sich die Menschen durch das ihnen Fremde ausgesetzt fühlen. So aktuell das Thema ist, so uralt ist es auch. Aischylos, der griechische Tragödiendichter, behandelte es in „Die Schutzflehenden“ schon vor über 2400 Jahren. 50 Frauen aus Ägypten sind auf der Flucht vor einer Zwangsheirat und landen an der Küste von Argos, wo sie um Schutz und Hilfe flehen.

Szene aus "Die Schutzbefohlenen"

Szene aus "Die Schutzbefohlenen"

Und damals wie heute gibt es gewaltige Schwierigkeiten. Elfriede Jelinek, die österreichische Nobelpreisträgerin des Jahres 2004, hat sich unter dem Eindruck der aktuellen Ereignisse mit Bürgerkrieg und Flucht in Syrien und anderen Teilen der Welt, der fast vergessenen Tragödie des Aischylos angenommen und mit den „Schutzbefohlenen“ ein Stück gegen die menschenunwürdige Behandlung von Menschen aus diesen Ländern im österreichischen Asylverfahren, aber auch in dem folgenden unwürdigen Lebensalltag, geschrieben. Verhältnisse, die sich auch auf die Zustände in Deutschland übertragen lassen. In der Inszenierung von Michael Blumenthal, die zur Zeit in der Neupfarrkirche zu sehen ist, ist es sehr eindringlich gelungen, die Textflächen, die Elfriede Jelinek vorgibt, in eine szenische Darstellung zu übertragen. Der Zuschauer wird von den Schauspielern der Abschlussklasse der Bayerischen Akademie für Darstellende Kunst im wahrsten Sinne des Wortes gefangen genommen und bleibt als unbedingt Betroffener zurück. Es handelt sich hierbei um eine chorische Aufführung, bei der auch die Akustik des Spielorts ganz besonders zum Tragen kommt. Hauptschauplatz ist nämlich die Taufkapelle der Neupfarrkiche. Wobei der Chor auch teilweise im Kirchenschiff agiert. Der Spielort Kirche erinnert im Übrigen auch ganz an das eigentlich auslösende Ereignis des Stückes, die Besetzung einer Kirche in Wien durch 60 Asylsuchende. Die Besonderheit des Ortes bringt es aber auch mit sich, dass die Zuschauer mitten unter den Agierenden sitzen, es gibt in diesem Sinne keine Bühne, dadurch wird eine ganz besondere Nähe und Intimität zum Geschehen erzeugt. Die Schauspieler wirken in ihrer Darstellung der Flüchtlinge tatsächlich schutzlos und verletzlich, sie sind bekleidet mit zerlumpten Wäschestücken und Bandagen, fast wirken sie wie Geister bei einer Art Totentanz. Das löst beim Zuschauer den Gedanken an die Menschen aus, die bei dem Versuch in die „Festung Europa“ zu gelangen, täglich im Mittelmeer ertrinken oder auf andere Weise ums Leben kommen. „Die Schutzbefohlenen“ in ihrer Inszenierung in der Neupfarrkirche sind kein konventionelles Dialogstück. Standpunkte und Rollen wechseln. Die Darsteller spielem gleichzeitig Flüchtlinge und Pegidisten, der Staat erhebt sich aus ihrer Reihe, auch das Publikum, ohnehin ganz dicht am Geschehen wird mit einbezogen, ein junger Mann soll plötzlich seinen Sitzplatz aufgeben oder eine Frau einen Stapel Papier halten.

Foto: Klaus Weber

Foto: Klaus Weber

Das Stück ist sehr intensiv und auch akustisch ein ganz besonderes Erlebnis, das einen nachdenklich und betroffen zurücklassen wird.

Wer die Schutzbefohlenen in der Neupfarrkirche noch erleben möchte, muss aufgrund des begrenzenten Platzangebots unbedingt vorher reservieren. Der Eintritt ist allerdings frei. Reservierungen sind über das Büro des Akademietheaters unter der Nummer 0941/5865442 (montags bis donnerstags von 12-16 Uhr möglich).

Die folgenden Vorstellungen finden noch statt:

Mittwoch 22.06.: 16 (!) Uhr

Donnerstag 23.06.: 19 Uhr

Freitag 24.06.: 19 Uhr

Samstag 15.06.: 19 Uhr

Mittwoch 29.06.: 19 Uhr

Donnerstag 30.06 19 Uhr

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Hörbuchtipp: Menschen - Mythen - Macht im 20. Jahrhundert

28. April 2016 jneidh Keine Kommentare

Ein Hörbuch über Adolf Hitler, gelesen von Gert Heidenreich

(Jan Neidhardt)

Dieses Hörbuch ist etwas besonderes. Es geht um eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Person Adolf Hitlers auf Grundlage von Geschichte einerseits, andereseits wird versucht, den Menschen hinter dem geschichtlich Vermittelnden Bild zu beleuchten. Eine schwere Aufgabe, da es sich hierbei um eine Sache handelt, die von vielen Denkverboten belegt ist.

Hitler wird hier in chronologischer Erzählweise, sozusagen in seiner Entstehung vom Kind bis zum Diktator, mit anschließendem Selbstmord im sog. Führerbunker, gezeigt. Das Hörbuch ist begleitet von Bildern der Künstlerin Irene von Neuendorff, die einen bewussten Bruch mit gängigen Konventionen darstellen. Der “Diktator des Deutschen Reichs” erscheint auf dem Cover von Box 2 z.B. milde lächelnd im Lodenmantel mit einer altertümlichen Babypuppe im Arm. “Ecce Homo” steht im Hintergrund zu lesen.

Inhaltlich bietet das Hörbuch für den Historiker wenig überraschendes, aber die geschichtliche Zusammenfassung ist sehr gelungen und kompakt dargestellt, sodass man das Hörbuch durchaus auch als Einstieg in das Thema “Nationalsozialismus” nutzen kann.

Das Hörbuch wird mit ruhiger und passender Stimme vorwiegend von Gert Heidenreich gelesen, der hierfür sicher die richtige Wahl gewesen ist. Originaldokumente und durch Schauspieler nachgesprochene Texte lassen sich beim Buch kaum unterscheiden. Inhaltlich tut das dem Werk sicher keinen Abbruch, aber bei dem Thema sollte man immer genau auseinanderhalten, was “echt” und was nachgesprochen ist. Tontechnisch nicht so gelungen finde ich, dass oft die Anfänge von Kapiteln etwas zu abgesägt wirken. Dafür sind die Hörspielszenen mit Geräuschen und Musikfetzen (Wagner, Schlager) sehr gelungen

Ich finde gut, dass das Hörbuch ohne irgendwelche Verschwörungsgeschichten oder allzusehr pathologisierende Spekulationen psychologischer/ psychiatrischer Natur auskommt. Natürlich wird dadurch dann auch nichts Reißerisches geboten.Insgesamt eine nüchterne und handwerklich gut gemachte Dokumentation zum Thema, die sich auch für Einsteiger eignet. Die Bilder regen durch ihren verändernden Blickwinkel stark zum nachdenken an und sind eine gelungene Überleitung zur Beschäftigung mit dem Thema “Hitler”.

Clemens von Lengsfeld (Autorin)

Adolf Hitler - Diktator des Deutschen Reichs (Hörbuch)

6 CDs

ISBN: 978-3-941234-65-9 u. 978-3-941234-68-0

Griot - Hörbuchverlag

Clemens v. Lengsfeld: Adolf Hitler - Diktator des Deutschen Reichs - Hörbuch Teil 1

Clemens v. Lengsfeld: Adolf Hitler - Diktator des Deutschen Reichs - Hörbuch Teil 1



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Regionalfenster: Das Ende der Unschuld?

16. März 2016 ffranc Keine Kommentare

Eine subjektive Sicht auf das Regionalfenster bei der 22. Internationalen Kurzfilmwoche Regensburg am 15. März 2016 in Leeren Beutel.

Es gibt Vorurteile, die einfach nicht tot zu kriegen sind. Fiat rostet, der VfL Bochum ist unabsteigbar, so zwei Beispiele.
In dieser Kategorie fällt auch die Mär von den schrulligen lokalen Filmemachern, die fehlende Professionalität und eingeschränkte finanzielle wie technische Möglichkeiten durch Originalität und Enthusiasmus wettmachen.
Von beidem war im Regionalfenter 1 wenig bis gar nichts zu sehen. Hier protzten vor allem selbstgefällige, sich selbst viel zu ernst nehmende und aufgeblasene Produktionen.
Der einsame Kämpfer von Dallas von Marcus Siebler versucht eine Beziehung zwischen Hitlers “Mein Kampf” und der Ermordung John F. Kennedys aufzuzeigen. Bebildert wird das ganze mit belanglosen, weichgezeichneten Aufnahmen von Dallas, TX, die lediglich belegen, dass der Autor offensichtlich vor Ort war. Dass diese Oberbayerische Produktion im Regionalfenster (Niederbayern/Oberpfalz) nichts zu suchen hat, sei hier nur am Rande erwähnt.
Trauma von Severin Alexandersson beleuchtet den Seelenzustand eines Vergewaltigungsopfers. Die technische und formale Umsetzung dieses schweren Themas ist dem Regisseur sicherlich gelungen. Säuerlich stößt einem jedoch die Penetranz auf, mit der ein Mittzwanziger sein Anliegens vorträgt.
Noch jünger ist der Passauer Philipp Wagner. In seinem Beitrag s’Lichtl setzt er eine Sage aus dem Bayerischen Wald filmisch um. Und sein Film sagt uns mehr über die Ambitionen des Filmemachers als über die Mystik des dunklen Waldes.
Und wiederum noch junger müsste Elena Herzog sein. Ihr Film What If wirkt wie ein typischer Schülerbeitrag. 14 Minuten Teenie-Befindlichkeiten ohne Ideen und Witz.
Dass Lukas Buckel, bzw. seine Produktionsfirma im Werbefilm zu Hause ist, wird bei jeder einzelnen Einstellung seines Filmes Argwohn überdeutlich. Kein noch so abgedroschenes Klischee und kein Versuch die billigsten Emotionen zu bedienen werden darin ausgelassen. Damit kann man möglicherweise bei seinen Business-Partnern oder Kredit-Bankern punkten, bei einer kulturellen Veranstaltung gehört so etwas in die Mülltonne.
Der Tiefpunkt des diesjährigen Regionalfensters. Und zusammen mit den vier vorhergehenden Beiträgen ein 52-Minuten-Brocken, der geschluckt werden muss. Hinzu kommt noch ein 15-minutiger Insekten-Nahaufnahmen-Film vom dem dann nicht mehr ganz so jungen Kurt Hanauer. A Movie About Strange Aliens, so der Titel seines Filmes, hätte durchaus einiges an Potenzial, war aber einfach viel zu lang. Früher hätte man so einen Film “Insekten unserer Heimat” genannt, und man hätte gewusst, was einem erwartet.
Der Vollständigkeit halber sei noch Schwafis ebenso kurzer wie witzloser Einwurf Unfair erwähnt.
War’s das? Nein, ein Lichtblick gab es doch noch, und den lieferten die Schüler des Goethe-Gymnasiums mit ihrer Superhelden-Persiflage Die Abenteuer Des Fast Unglaublichen Powerman. Beim Thema Mobbing hätte locker ein Debakel entstehen können (siehe oben). Doch stattdessen waren sie die, die die Fahnen der vermeintlichen Regionalfenstertugenden hoch hielten.
Mit Witz, Imrovisationstalent und einer erfrischenden Naivität bewiesen sie als einzige, dass man am Filme machen auch Spass haben kann, dass technische Perfektion nicht alles ist, dass Sich-Nicht-Allzu-Ernst-Nehmen eine Tugend ist und dass die Bedeutung des Wortes Ironie nicht erst mit 30 Jahren verstanden wird. Der beste Film kommt heuer von einer Schülertruppe, Chapeau.

Deutlich abwechslungsreicher und ausgewogener in seiner Zusammenstellung war dagegen das Regionalfenster 2. Einzig Kopf Stein Pflaster des Ambergers Thomas Feser hätte mit seinem Duktus noch in Fenster 1 gepasst.
Drei Filme (Modry 3000 von Joscha Batha, Finsternis von David Liese und Obscura von Elina Reimche) hatten einen eher experimentell-abstakten Charakter, drei weitere (Speeddating von Daniel Baierl, Hunds-Glück von Erik Grun und Motherlove von Lars Smekal) waren Kurzspielfilme ohne weitere Auswirkungen, Down The Lane von Thomas Bauer und Moritz Neumayr erwies sich als vorhersehbarer Witz in zwei Minuten und Felix Zimmer und Anton Weigerts Omas Nockerl konnte zumindest mit seinem Soundtrack überzeugen.
Keiner strach besonders heraus und keiner tat besonders weh. Ein ordentliches durchschnittliches Regionalfenster.

KURZFILMWOCHE die 22.

7. März 2016 ffranc Keine Kommentare

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Am kommenden Mittwoch beginnt sie endlich, die 22. Internationale Kurzfilmwoche Regensburg. Dieses Jahr unter dem Motto “Crossing the Code” und mit wenig Experimenten in der Konzeption.

Neben den altbewährten Wettbewerbsprogrammen präsentiert die Kurzfilmwoche das Filmland POLEN - mit ausschließlich neueren Produktion - und ein Programm mit aktuellen Kurzfilmen aus Syrien. Der Themenschwerpunkt nennt sich “Crossing the Code” und befasst sich im weitesten Sinne mit Kommunikation, gestörter Kommunikation bzw. Nicht-Kommunikation. Hierzu findet im W1 - Zentrum für junge Kultur eine Ausstellung von Jürgen Böhm statt.
Die Werkschau gilt Stephan Müller, dessen Film Nashorn im Galopp 2014 den deutschen Wettbewerb gewann. Er wird auch in einem Workshop im W1 erklären, wie man mit einfachen Mitteln einen kreativen Film gestaltet. Passend dazu wird im Programm “Michel Gondry / Sweded Movies” gezeigt, wie die Ergebnisse dieses Workshops aussehen könnten.
Eine kleine Neuerung gibt es dennoch zu vermelden, und zwar bei der Zündfunk-Party. Schwänzer Roderich Fabian bleibt jetzt zu Hause, dafür kommt Ralf Summer aus München und darf das Foyer beschallen während im Saal Achim”60″ Bogdahn mit unserem Säm auflegen darf.

Los geht’s am Mittwoch den 09. März 2016 um 19.00 Uhr im Ostentorkino mit musikalischer Unterstützung durch das Elektropop-Duo Cato Janko aus Regensburg und mit ausgewählten Kurzfilmen aus den verschiedenen Programmen.
Viel sehen, viel hören und wenig schlafen.

Das komplette Programm finden Sie unter www.kurzfilmwoche.de

Hofer, Müller, Walser - Der Gehülfe

27. Dezember 2015 lweser Keine Kommentare

Hörbuch-Tipp: Der Gehülfe von Robert Walser gelesen von Martin Hofer und Heinz Müller; Lohrbärverlag

Alle Jahre wieder beschert uns der Regensburger Lohbärverlag mit Kleinoden in Sachen Hörkunst. Nachdem er in den letzten drei Jahren WeltschriftstellerInnen mit bayerischen (bzw. bayrtisch-böhmischen) Wurzeln wie Marieluise Fleißer, Lena Christ und Otfried Preußler gewidmed hat, fiel die Auswahl in diesem Jahr auf den Schweizer Autor Robert Walser, der großen Kreisen noch immer eher wenig bekannt ist.
Gelesen wird der Roman von den beiden regensburger Schauspielerkollegen schweizer Herkunft Martin Hofer und Heinz Müller.

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Der Gehülfe

von Robert Walser

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Gekürzte szenische Lesung
Sprecher: Martin Hofer, Heinz Müller
Musik: Robert Schumann – gespielt von Till Barmeyer
2 CDs, 155 min, 17,90 €
LohrBär-Verlag

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www.lohrbaerverlag.de