Studium mit Pep - Schnurren aus dem Katzenalltag

5. März 2015 sgruen Keine Kommentare

Hinter verschlossenen Türen

(Pep Schwarz-Weißflach)

Meeeeaaaauuuu! Gestern bin ich mit meinen streichelhumanen Studien gut vorangekommen. Leider musste ich aber feststellen, dass meine empirisch gewonnen Daten mehr Fragen aufgeworfen haben als sie beantworten konnten. Am Morgen suchte ich Inspiration am Uniteich. Leider schwimmen noch keine Fische darin und die elenden Enten hinterlassen überall ihre Tretminen. Wie oft bin ich schon in Entenkot gelatscht und ich muss sagen, dass es eine überaus unangenehme Sache ist, da ich meine Pfötchen ja üblicherweise mit der Zunge reinige. Brauche ich mehr zu sagen? Ich glaube kaum! Als auf große Reinlichkeit bedachtes Tier bin ich also kein großer Entenfreund.
Ich überlegte, welcher Facette des rätselhaften streichelmenschlichen Verhaltens ich mich heute widmen sollte und verfiel auf die Idee, stetig wiederkehrendes Verhalten zu beobachten. Ich begab mich also schnurrstraks in die Zentralbibliothek und verfolgte von der Heizung aus, wohin es die Streichler trieb. Nach kurzer Zeit fiel mir auf, dass zwei Räume besonders häufig, dafür aber recht kurz frequentiert wurden. Selbstverständlich wollte ich herausfinden, was sich hinter den beiden nebeneinander liegenden, dunkelblauen Türen verbarg. Ich schlüpfte also hinter zwei Streichelfrauen ins Innere des Raumes, in dem sich mehrere Waschbecken befanden. Die Streichelfrauen indes waren in einem Nebenraum verschwunden, in dem sich eine orangefarbene Tür neben der anderen befand. Was mochte dahinter sein? Leider waren alle Türen geschlossen, auch die beiden, hinter denen die Streichelfrauen verschwunden waren. Dass sie sich hinter nebeneinander liegenden Türen befanden, konnte ich daran erkennen, dass ich ihre Füße sehen konnte. Auch eine Wand konnte ich erkennen und mit Erstaunen stellte ich fest, dass die Räume hinter den Türen unglaublich klein sein mussten. Die Streichelfrauen kommunzierten durchgehend - hinter verschiedenen Türen! Nach kurzer Zeit hörte ich ein lautes Rauschen und schließlich riss eine der Streichlerinnen die Tür auf, hinter der sie verschwunden war. Ich versteckte mich schnell in einer Ecke, um die Streichelfrau in einer natürlichen und nicht etwa in einer Beobachtungssituation agieren zu sehen. Mittlerweile habe ich nämlich herausgefunden, dass sich die Streichler unter Beobachtung ganz anders verhalten als gewöhnlich. Auch die zweite Streichlerin öffnete nun nach einem lauten Rauschen die Tür. Beide verbrachten einige Zeit an den Waschbecken und vor den Spiegeln. Ich musste mich ziemlich lange versteckt halten. Als die beiden endlich verschwunden waren, erkundete ich die letzte - und in meinen Augen am besten geschützte Tür. Ich kroch unter ihr durch und befand mich in einem engen Raum mit allerlei Tand: Eimer, Besen, Putzzeug. Ich kroch unter der Zwischenwand in den nächsten Raum und musste feststellen, dass sich hier eine weiße Porzellanschüssel befand - etwa in der Art wie im Badezimmer meines Frauchens, nur nicht so schön. Im heimischen Badezimmer hatte ich stets nur das Waschbecken genutzt, um daraus zu trinken. Die große Porzellanschüssel schien mir schon immer eine recht sinnlose Erfindung zu sein, da sie über keinen Wasserhahn verfügte, aus dem man hätte trinken können. Tranken die Streichler etwa aus diesen Schüsseln? Schöpften sie ihr Wasser aus diesen Brunnen? Aber warum taten sie es alle für sich? In einem mehr oder weniger abgeschlossenen Raum? Leider hatte ich daheim nie richtig aufgepasst, was außer dem Waschbecken im Badezimmer noch so los war.
Wenig später betraten zwei andere Streichlerinnen den Raum und ich konnte schnell entwischen. Wieder legte ich mich auf die Heizung und beobachtete die blauen Türen. Und plötzlich wurde mir etwas bewusst. Die Sache musste ganz offensichtlich unter dem Genderaspekt gesehen werden! Durch die blaue Tür, hinter die ich geblickt hatte, gingen ausschließlich Streichelfrauen und durch die Tür daneben … dreimal dürft ihr raten!
Genau!
Streichelmänner!
Was für eine Erkenntnis. Was aber steckte dahinter? Warum schöpften die Männer aus anderen Quellen als die Frauen? Und welche Quelle war besser? Natürlich wollte ich mir auch die Streichelmännerbrunnen ansehen. Diesmal schlüpfte ich hinter einem einzelnen Streichelmann in den Raum, der zunächst dem Streichelfrauenraum stark ähnelte, einige Waschbecken und ein Nebenraum - dieser wies allerding mehr oder weniger öffentlich einsehbare Brunnen auf! Was für eine Entdeckung! Aber auch hier gab es orangefarbene Türen, allerdings deutlich weniger. Dahinter hörte ich Geräusche, die wohl vom Wasserschöpfen kommen mussten. Anschließen nahm ich einen starken Fäulnisgeruch wahr. Schöpften sie etwa aus schmutzigen Quellen? War ihr Geruchssinn so verkümmert, dass sie nicht merkten, dass das Wasser nicht mehr genießbar sein konnte? Hatte ich nicht die moralische Verpflichtung den Streichler zu warnen? Ich hörte das bereits bekannte Rauschen und danach öffnete sich die Tür. Ich schaffte es gerade noch unter der benachbarten Tür zu verschwinden. Von dort aus beobachtete ich die türenlosen Brunnen. Wenig später kam auch jemand, der daraus schöpfte. Ich sah, dass er davor stand und wunderte mich etwas, dass er sich nicht nach der Quelle bückte. Meine Neugierde trieb mich nach draußen und mit Entsetzen stellte ich fest, dass der Streichler in den Brunnen urinierte! Das konnte doch nicht möglich sein! Was für eine Ungeheuerlichkeit! Und der nächste Streichler würde sein Wasser daraus schöpfen! Ich wollte lautstark protestieren, dem Brunnenvergifter das Gesicht zerkratzen oder ihm zumindest zeigen, dass ich ganz genau beobachtet hatte, welche Schandtat er hier verübte - und dann auch noch an den türenlosen Brunnen. Das war ein Akt der Provokation! Wahrscheinlich wollte er sich für irgendetwas rächen. Aber das konnte doch keine Lösung sein! Wenig später verließ er den Raum, ganz ohne das Waschbecken zu konsultieren. War ja klar, dass so jemand keinen Wert auf Reinlichkeit legte. Ich überlegte, ob ich die nachfolgenden Streichler warnen sollte, verwarf den Gedanken aber, weil ich nicht wusste, wie ich mich ihnen mitteilen sollte. Unistreichler, hiermit versuche ich es auf diesem Wege! Passt bitte auf, woraus ihr euer Wasser bezieht! Lasst euch nicht täuschen. Trainiert euren Geruchssinn und setzt ihn ein. Nicht jeder ist so reinlich wie ihr das vielleicht erwartet - und wenngleich euch dieses aseptisch anmutende Fliesenzimmer Sauberkeit vorgaukelt - versucht mehr auf eure Sinne zu vertrauen!
Ich bin dann bald wieder auf die Heizung und habe einige meiner Erkenntnisse zusammengefasst. Selbstverständlich ist das Sample noch viel zu gering, um eine valide Studie darauf aufzubauen, aber ich habe bereits einige Thesen, die es zu verifizieren gilt.
1. Streichelfrauen suchen Quellen bevorzugt in Kleingruppen auf.
2. Streichelfrauen verbringen anschließend überproportional viel mehr Zeit an Waschbecken und Spiegel.
3. Streichelfrauen kommunizieren sehr gerne beim Wasserschöpfen, das für sie allerdings auch eine Art intimer Akt sein muss, tun sie es doch ausschließlich für sich allein - in einem abgeschlossenen Raum.
4. Streichelmänner stört es nicht in Anwesenheit eines anderen Streichelmannes Wasser zu schöpfen.
5. Streichelmänner werden offensichtlich noch eher von einem alttestamentarischen Rachebedürfnis beherrscht, das sich in streichelmenschenverachtendem Verhalten gegenüber ihren Mitmenschen ausdrückt.
6. Streichelmänner haben einen weniger ausgeprägten Geruchssinn als Streichelfrauen, denen der Fäulnisgeruch des Wassers möglicherweise eher aufgefallen wäre (vielleicht haben sie ausgeprägtere Sinne, da sie ja auch die Jungen austragen und damit evolutionsbedingt vorsichtiger sein müssen, was z.B. Gefährdungen durch fauliges Wasser etc. angeht).
7. Streichelmenschen kommen nicht drauf, dass es viel einfacher wäre, das Wasser aus dem Waschbecken zu schöpfen!
Im Lauf der nächsten Zeit werde ich mehrere Quellen in meinem Revier besuchen, um meine Thesen zu verifizieren, beziehungsweise zu revidieren. Ich bin schon sehr gespannt auf die Ergebnisse… Meeeeaaaauuuu!

Studium mit Pep - Schnurren aus dem Katzenalltag

4. März 2015 sgruen Keine Kommentare

Eigenartige Erfindungen

(Pep Schwarz-Weißflach)

Meeeeaaaaurrr! Denkt euch nur, was ich gestern erlebt habe! Bereits am frühen Morgen - es war über Nacht wieder Schnee gefallen - hatte ich mich auf den Weg durch mein Revier gemacht. In dieser Mausekälte hielt ich es aber nicht lange aus und meine Pfoten waren draußen auch noch schmutzig geworden. So dreckig, dass ich sie den ganzen Tag nicht richtig sauber bekam! Ich beschloss also, meine Zeit überwiegend im Inneren der Uni zu verbringen.
Besonders gerne mag ich die Zentralbibliothek, in der immer etwas los ist. Ich sehnte mich nach streichelmenschlicher Gesellschaft und wollte meine humanwissenschaftliche Studie vorantreiben. Dabei sollte der Fokus auf von Menschen hergestellten Dingen liegen. Das sagt nämlich jede Menge über kulturelle Wertigkeiten aus, die das Leben dieser rätselhaften Spezies prägen. Ich wollte einige Erfindungen der Streichler testen und habe Unglaubliches erlebt! Davon später mehr…
Am Vormittag besuchte ich kurz Pica, um ihr von meinem Vorhaben zu erzählen - sie schäckerte sich angesichts dieses Gedankens schier scheckig, wollte dann aber doch auch alles darüber erfahren. Einen neuen Elstermann hat sie bisher leider immer noch nicht gefunden. Die potenziellen Kandidaten kriegen das mit dem Nestbau noch nicht so hin wie sie sich das vorstellt.
Zurück im Gebäude entdeckte ich bald eine seltsame Konstruktion, bei der es sich um ein streichelmenschliches Artefakt handeln musste. Natürlich gewachsen konnte es jedenfalls nicht sein und kein anderes Tier würde solch ein finsteres Ding erschaffen. Es handelte sich dabei um eine Art Käfig, der manchmal offen und manchmal geschlossen ist. Ich habe bereits viele dieser Käfige gesehen, bisher aber noch nicht betreten, da sich mir noch keine gute Gelegenheit geboten hat. Nun traf ich also auf diese verrückte Erfindung, bei der es sich möglicherweise um eine Art Rückzugsort handelt, an dem sich die Streichler verstecken können, wenn sie zum Beispiel ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Ich habe auch schon mehrere Streichelmenschen gleichzeitig in diesem fensterlosen Käfig verschwinden sehen. Möglicherweise handelte es sich dabei auch um eine Art überdimensioniertes Katzenkörbchen, das (von wem?) an einen anderen Ort gebracht werden kann. Ich hatte nämlich schon beobachtet, dass Streichler, die darin verschwunden waren später nicht mehr daraus hervorkamen. Wie unheimlich! Es war eine Angstlust, die mich ergriff, als ich die künstlich beleuchtete Käfigkonstruktion betrat. Ich wartete ein wenig, aber es geschah nichts. Doch dann nahm ich jäh einen schwachen Duft nach Maus wahr. Schnell merkte ich, dass der Geruch einer Spalte entströmte, die sonst von den Türen verborgen wurde. Möglicherweise brachte der Käfig einen in ein riesiges Mäusereich? Ich blieb zum Glück trotz des verheißungsvollen Mausaromas peptisch, zumal ein Streichelmann mit seinem dämlichen Handspiegel auftauchte, der mir wohl zeigen wollte, wie schlotterig ich gerade aussah. Dabei war es reine Neugierde! Ich zittere immer, wenn ich etwas Neues erkunde. Das würde der Spiegelmann aber nicht verstehen, weshalb ich rasch das weite suchte. Beim nächsten Mal werde ich mich vergewissern, dass ich auch wirklich meine Ruhe beim Erkunden des Rätselkäfigs habe.
Nach der Besichtigung dieses Artefaktes wollte ich mich zunächst ausruhen, was ich in einem sonderbaren Zimmer auch ausgiebig tat. Sonderbar war das Zimmer, weil es voller lauter und leuchtender Heizungen stand. Wirklich! Ich weiß ja selbst, dass es bescheuert klingt, aber solche Räume gibt es an der Universität tatsächlich! Selbstverständlich wollte ich diese hässlichen Heizungen einmal testen. Ich legte mich darauf und wartete, ob sich ein ungewöhnlicher Effekt einstellen würde. Und was soll ich sagen? Die Heizung warf Papier aus! Möglicherweise meine klugen Katergedanken? War es eine gedankenlesende Heizung? Eine geniale Übersetzungsmaschine, mit deren Hilfe ich mich vielleicht den Streichelmenschen mitteilen könnte. Ich versuchte mich auf besonders sinnvolle Gedanken zu katzentrieren, doch leider kommt ausgerechnet dann immer Unsinn zustande.
“Komische Heizung, komische Heizung, komische Heizung! Ich möchte doch lieber auf eine normale Heizung. Ich möchte eine Maus fressen. Ich möchte gestreichelt werden. Ich muss mich endlich katzentrieren! Sinnvolle Dinge, Pep! Maus, Maus, Maus, Heizung, müüüüüde!”
Vermaust nochmal! Ich sprang von der telepathischen Heizung und kuschelte mich auf einen Stuhl, den ich mit meiner eigenen Körperwärme auflud. Der Stuhl verhielt sich still. Zum Glück. Verrückte Streichelmenschen… So einen Unsinn zu bauen! Hoffentlich las keiner meine grunddämlichen Gedanken. Ach, und wenn schon. Die telepathische Heizung könnte auch defekt sein. Ein stiller Stuhl ist einfach viel besser! Meeeeaaaaurrr!

Studium mit Pep - Schnurren aus dem Katzenalltag

3. März 2015 sgruen Keine Kommentare

Sieger nach Punkten

(Pep Schwarz-Weißflach)

Meeeeeeaaaaauuu! Gestern versuchte ich wieder in einen geregelten Studienalltag hineinzufinden, weshalb ich mich in der Zentralbibliothek intensiv mit dem Thema Wissenschaftsvermittlung auseinandersetzte. Ich habe nämlich einen Plan! Wenn ich lerne, wie Streichelmenschen Wissenschaft vermitteln, kann ich ihnen ein literarisches Werk anbieten, in dem sie etwas über sich lernen könnten. Als Kater hätte ich auch viele wichtige Ratschläge, die ihnen hoffentlich helfen würden ihr häufig unsinniges, ja nachgerade absurdes Verhalten zu ihrem eigenen Vorteil zu ändern.
Ich ging einige Standardwerke durch und merkte schnell: Streichelmenschen vermittelten das Thema Wissenschaftsvermittlung derart verschnarcht, dass ich mir etwas überlegen musste um wach zu bleiben. Im Laufe des vergangenen Semesters habe ich ein ausgesprochen spaßiges Spiel entwickelt, um der Verschnarchtheitsproblematik zu begegnen. Es geht ganz einfach und ich amüsiere mich immer prächtig dabei. Naja, zumindest schlafe ich nicht ein. Oft werden die Texte durch dieses Spiel auch viel pepoetischer und gewinnen einen für die wissenschaftliche Diktion ungewohnten Charme. Hier also der simple Trick: Ich lasse einfach alle Umlautpunkte weg! Der Effekt ist manchmal recht gering, aber immer wieder verblüffend. Der Satz “Ihr Forschungsinteresse zielt denn auch auf die Frage nach der Abhangigkeit der Wissenschaftsvermittlung von dem sich wandelnden Prestige der als Leitwissenschaft identifizierten Disziplinen.” ist schlichtweg unlesbar. Hab ich gestern aber so gelesen - jaja, bemitleidet mich ruhig! Im Grunde genommen ein Satz, den die Welt nicht gebraucht hätte, wäre da nicht dieses eine Wort “Abhangigkeit”, das in dieser Sinnwüste eine kleine pepoetische Oase bildet. Ich sehe die Wissenschaftsvermittlung als Abhang vor mir, der steiler ist, wenn die Leitwissenschaft gerade unbeliebt ist und nur ein ganz sanft geschwungener Abhang wenn die entsprechende Wissenschaft total angesagt ist. Und schon habe ich den Satz verstanden, weil ich sehe, was er meint! Die abstrakte Abhängigkeit hingegen nimmt dem Satz jegliches noch so kleine Fünkchen Leben. So versuche ich also den oft tranigen wissenschaftlichen Duktus wiederzubeleben. Probiert das mal aus! Auf diese Weise werden zum Beispiel aus langweiligen “Fällen” spannende “Fallen”, aus Reflexivität wird eine kriminalistisch anmutende “Reflexivitat” und aus einem Bürger wird ein Burger. Ich könnte dieses Spiel wirklich den ganzen Tag spielen! Ist es nicht großartig, dass man nur so wenig ändern muss, um einen völlig anderen Blick auf die Welt zu gewinnen? Ich las einen Text nach dem anderen - und alles ohne Umlautpunkte-, machte zwischendurch immer wieder kurze Spaziergänge und hielt ausgiebige Nickerchen. Auch die Streichelmenschen in meinem Revier studierte ich sehr genau. Einige beherrschen wirklich beeindruckende Streicheltechniken. Möglicherweise werden auch Seminare in Streicheltechnik angeboten, von denen ich noch nichts mitbekommen habe. Anders kann ich mir die Virtuosität der Streicheleien mancher Streichler einfach nicht erklären. So verstrich ein aufschlussreicher und produktiver Studientag, an dem ich zwar nicht gelernt hatte wie das mit der Wissenschaftsvermittlung genau funktioniert - und ob es bei den Streichelmensch überhaupt funktionieren kann! - aber doch eine Menge Spaß hatte.
Am Nachmittag traf ich mich kurz mit Pica. Sie ist derzeit auf der Suche nach einem neuen Partner und ich wollte sie nicht lange aufhalten. Ihr Elstermann ist leider im vergangenen Jahr gestorben und ich habe gemerkt, dass sie ihm immer noch sehr nachtrauert. Natürlich hat sie mir das nicht direkt verraten, aber ich konnte es ihr an der Schnabelspitze ansehen. Elstern sind ja monogam, ganz im Gegensatz zu uns Katzen, wobei mir das Thema völlig schnurz ist. Meine dafür zuständigen Hormone wallen schon lange nicht mehr. Nur so ist es mir auch möglich einen völlig klaren Katerkopf zu behalten, um mein Studium ordentlich durchzuziehen. Unter heutigen Bedingungen muss man ja schon fast zwangsläufig kastriert sein, um alles in den knapp bemessenen Regelstudienzeiten hinzubekommen. Auch diese These würde ich in meine Arbeit aufnehmen. Ich muss mir nur noch überlegen, unter welchem Gliederungspunkt ich ihn unterbringen könnte. Meeeeeeaaaaauuu!

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2. März 2015 sgruen Keine Kommentare

Ein Näschen voll Schnee

(Pep Schwarz-Weißflach)

Schnurrrr! Gestern war garstiges Wetter, von dem ich mir aber nicht die Stimmung vermiesen hab lassen. Natürlich wünsche ich mir auch jeden Tag Sonnenschein. Aber würde immer die Sonne scheinen, verlöre sie schnell ihren Reiz. Am frühen Morgen machte ich mich auf den Weg in mein Revier. Mein Frauchen wollte mich so früh noch nicht nach draußen lassen, das habe ich durchaus gemerkt, aber nach der Aufregung und dem Festmahl vom Vortag musste ich einfach wieder ins Freie. Ich lief durch die Dunkelheit und wunderte mich über die Stille. An manchen Tagen ist nichts los bei den Streichelmenschen. Sie scheinen da einer Art Plan zu folgen, der ihnen wohl von einer mächtigen Instanz auferlegt wurde. Selbstgewählt kann er jedenfalls nicht sein - dann würden doch nicht alle am gleichen Tag verhältnismäßig stillhalten. Es gibt so vieles, das ich noch erforschen muss!
Der Weg in mein Revier war also eine unaufgeregte Angelegenheit. Ich genoss die frische Luft und die Bewegung. Besonders nach traumatischen Erlebnissen - und meine Gefangenschaft steckte mir noch merklich in den Katerknochen! - muss man sich den Schrecken aus dem Leib laufen. Meine Muskulatur entspannte sich und mein Nervensystem fand zu einer gewissen Gewohnheitsruhe zurück. Ich liebe meinen Alltag! Versteht mich jetzt nicht falsch, ich bin auch ganz versessen auf Abenteuer, aber um den Wert eines besonderen Erlebnisses zu schätzen bedarf es vieler unaufgeregter Stunden, in denen man sich erholen kann. Diese Zeiten nutze ich gerne um in meinem Revier einmal genauer hinzusehen. So auch gestern.
Zuerst suchte ich den Luftraum nach Pica ab, konnte sie aber nicht entdecken. Ich machte mir keinerlei Sorgen, denn nun kannten wir uns ja und ich brauchte sie nicht mehr zu fürchten. Sie war sicher auf der Suche nach frischem Futter. Am frühen Morgen waren auch noch keine Streichelmenschen und folglich auch keine Hunde, insbesondere kein Poldi unterwegs. Dafür jede Menge Kaninchen, die aufgeregte Haken schlugen. Ich hatte keinerlei Ambitionen sie zu jagen, da sie gerade sehr unter dem erbärmlichen Zustand der Wiese leiden. Es ist ja zur Zeit überhaupt keine Wiese, sondern ein Matschfeld mit kümmerlichem Grasbewuchs. Während ich weiter Richtung Zentralbibliothek tigerte, begann es zu schneien. Zuerst ganz fein und dann immer stärker. Ich setzte mich unter einem Dachvorsprung hin und blickte in das aufkommende Schneegestöber. Eine einzelne Schneeflocke landete auf meinem Näschen und ich schleckte sie mit der Zunge weg. Sie schmeckte nach grauem Himmel. Ich habe in der Physik gehört, dass Schnee gefrorenes Wasser ist, aber eine Schneeflocke schmeckt nicht einfach nach Wasser, sondern nach so viel mehr. Probiert es einmal aus! Als eine weitere Schneeflocke auf meiner Nase landete, blickte ich sie eine Zeit lang an. Sie war wunderschön und schmolz nur ganz langsam - und als sie geschmolzen war, schleckte ich auch diese Schneeflocke weg. Sie schmeckte anders als die erste Flocke. Sie schmeckte geschmolzen. Ich kann den Unterschied nicht beschreiben - man muss es selbst schmecken. Es landeten noch viele Schneeflocken in meinem Gesicht und ich probierte jede, die ich mit der Zunge erwischen konnte. Wenn ihr jetzt denkt, dass ich mich dabei gelangweilt habe, muss ich euch enttäuschen. Es ist eine großartige Kat-Zen-Übung Schneeflocken zu schlecken. Leider konnte ich bisher noch keinen einzigen Streichelmenschen dabei beobachten.
Wenn ich könnte, würde ich ein Kat-Zen-Buch für Streichelmenschen schreiben. Es ist mittlerweile einer meiner größten Wünsche, mich den Streichlern mitzuteilen. Ich möchte ihnen doch auch dafür danken, dass ich so viel gute Literatur lesen und so viele spannende Veranstaltungen besuchen darf! Na gut, ein leider nicht unbeträchtlicher Teil der Vorlesungen und Seminare ist auch recht verschnarcht, aber da bleib ich nicht lange oder ich werde dem Lehrinhalt gerecht und verschlafe den Kurs.
So verstrich die Zeit und ich sah ihr dabei zu. Die Streichelmenschen beschweren sich immer darüber, dass die Zeit so schnell verginge. Das verstehe ich überhaupt nicht. Natürlich vergeht die Zeit, aber ist das nicht schön? Sie sollten der Zeit öfter zusehen, zum Beispiel einer Schneeflocke, die auf ihrer Nase gelandet ist genug Zeit zum Schmelzen schenken und sie nicht gleich fortwischen, sobald sie angekommen ist. Dann vergeht die Zeit nämlich auch viel langsamer und es bleibt mehr übrig - zum Beispiel zum Schlafen. Und weil ich gestern so lange der Zeit zugesehen habe, mache ich jetzt ein kleines Nickerchen und träume vielleicht von Schlummerflocken. Schnurrrrr!

Studium mit Pep - Schnurren aus dem Katzenalltag

1. März 2015 sgruen Keine Kommentare

Buch und Druck oder Gefangen im Bücherknast

(Pep Schwarz-Weißflach)

Schnurrrrr! Gestern war ein höchst seltsamer Tag, der in Gefangenschaft begann und zuhause bei meinem Frauchen endete. Ich sah Pica, konnte aber nicht mit ihr sprechen, da eine Glasscheibe uns trennte - es war tragisch und komisch. Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen, doch gestern war ich lange wach, um meine Erinnerungen zu sortieren. Und hier sind sie nun…
Gestern Morgen wachte ich ziemlich spät auf, da ich mir in der Campus-Buchhandlung die Nacht mit der Lektüre von Maucel Proust um die Katerohren geschlagen hatte. Ich liebe seine Werke und befand mich in der vorvergangenen Nacht gerade in der Welt der Guermantes, als mir die Kateraugen schwer wurden. Die restlichen 3.000 Seiten musste ich wohl oder übel auf den nächsten Tag verschieben. Ich träumte von der dekadenten Welt des Fin de Siècle und ein bisschen vom Fliegen. Am nächsten Morgen schlug ich die Augen wieder auf und verspürte einen starken Harndrang. Leider waren die Streichelmenschen, die sonst ihre Tage in der Buchhandlung verbrachten nicht da. Sie waren wie vom Erdboden verschluckt! Und die Türen waren verschlossen. Ich blickte durch die erste Glastür ins Innere des Zentralen Hörsaalgebäudes - alles war dunkel. Dann versuchte ich mein Glück bei der Glastür in Richtung PT-Wiese. Der Himmel war grau verhangen und ich sah keinen einzigen Streichelmenschen. Auch die Tür, durch die man auf den Campus und die Zentralbibliothek sehen kann bot keinen erfreulicheren Anblick. Dabei musste ich mittlerweile dringendst nach draußen! Ich übte mich in Selbstbeherrschung. Das ist sonst eine meiner leichtesten Übungen, aber was meine Blase angeht, bin ich noch nicht zu wirklicher Meisterschaft gelangt. Verzweifelt überlegte ich, wo ich mich erleichtern könnte. In einem Raum voller Bücher wäre das nicht möglich - eher würde ich sterben! Ich tigerte unruhig zwischen den Regalreihen auf und ab - so viele Bücher, so großer Druck! Da bekam Gutenbergs geniale Erfingung plötzlich eine ganz eigene Bedeutung. In dem Zimmer ohne Bücher fand ich dann, was ich gesucht hatte: ein Waschbecken! Bereits als junger Kater hatte ich dieses spiegelnde Keramikwunder in Weiß abgöttisch geliebt. Während meiner Kindheit und Jugend trank ich nur frisch aus dem Hahn laufendes Wasser. Nun würde ich dieses Waschbecken also entweihen, aber das würde nie jemand erfahren. Ich hockte mich über den Ausguss und entspannte mich. Es klappte hervorragend und war mir gar nicht so unangenehm wie ich befürchtet hatte. Erleichtert machte ich mich daran, die Buchhandlung erneut zu erkunden. Einige interessante Plätzchen waren bei Anwesenheit der Streichelmenschen nämlich passé - z.B. der Tresen mit dem Rechner. Dort fand ich einige Bleistifte, auf denen ich ein wenig unmotiviert herumkaute, da ich mittlerweile großen Hunger verspürte. Das einzig Nahrhafte daran befand sich am stumpfen Ende einiger Bleistifte. Aber gut schmeckte auch das gummiartige Gebrösel nicht. Es knirschte entsetzlich zwischen den Zähnen. Trotz der vielen Bücher um mich, überkam mich bald eine starke Unzufriedenheit. Und dann merkte ich, dass der Campus langsam erwachte. Einige Streichelmenschen liefen an der Buchhandlung vorbei und ich stellte mich vor die Glastür und begann jämmerlich zu maunzen. Es waren keine sinnvollen Sätze, wusste ich doch, dass mich die Streichler ohnehin nicht verstehen würden. Sie mögen es am liebsten, wenn man einfach nur “Maaaaauuuu, maaaauuu, maaaaaauuuu!” ruft. Ganz schön anspruchslos, wenn ihr mich fragt… Bald nahm mich tatsächlich ein Streichelmann wahr. Er näherte sich der Scheibe und klopfte dagegen. Offensichtlich dachte er nicht im Traum daran die Tür zu öffnen! Dabei rief ich jetzt sogar “mach auf!”, “schiiiiieben!” und “komm schon!”, aber er entfernte sich leider wieder. Und ab diesem Augenblick befürchtete ich, ewig hier festzusitzen. Zwischen Büchern zu leben wäre freilich nicht das Schlechteste - aber eingesperrt? Niemals! Das höchste Gut des Katers ist die Freiheit! Und die ganzen schönen Mäuse auf der Wiese sind auch nicht zu verachten. Ich wusste, dass ich nicht in Panik verfallen durfte. Es musste einen Ausweg geben, ganz sicher! Und während ich in meinem Inneren nach einem kleinen Fünkchen Hoffnung suchte, landete auf der Treppe zur Zentralbibliothe Pica. Ich sprang sofort ins Fenster, um sie richtig sehen zu können. Sie lief hektisch auf und ab und blickte in meine Richtung und ich sah sehnsuchtsvoll durch die Glasscheibe. Dort draußen waren Pica und vor allem die Freiheit. Während wir versuchten uns durch die Glasscheibe zu verständigen, tauchte plötzlich mein Frauchen mit meinem Körbchen auf. Ich konnte mir das alles überhaupt nicht erklären. Es war so verwirrend wie ein Traum nach der Lektüre von William S. Schnurroughs. Und auch mein Frauchen kam nicht rein! Oh Schnurrdieu, und sie sah mich mit Pica und Pica sah mein Frauchen mit meinem Körbchen. Ich wollte im Boden versinken und versteckte mich in einem Regal. Mein Frauchen hielt mir ihren Taschenspiegel vor die Tür. Was wollte sie mir damit sagen? Stimmte etwas nicht mit meinem Katerpelz? Als dann noch wenig später die Streichelfrau dazu kam, die sonst im Laden lebte, war ich einfach nur noch erschöpft. Pica war zum Glück weggeflogen. Sie bekam nicht mit, dass die Buchladenstreichlerin die Tür endlich öffnete - ich wundere mich schon ein bisschen darüber, dass sie als Erste auf den Gedanken kam mich zu befreien, aber jemand, der zwischen Büchern lebt, hat nun einmal gute Einfälle! Sofort kletterte ich in mein Körbchen und wollte mich nur noch ausruhen. Zu viele Dinge sind in den letzten Tagen passiert. Vielleicht haben mich die ganzen Veränderungen so kirre in meinem Katerkopf gemacht? Daheim fraß ich mich zunächst satt und dann suchte ich Erholung im Schlaf. Einen ganzen Tag hatte ich also unwiederbringlich in Gefangenschaft verloren. Ich träumte vom Geschmack einer frisch gefangenen Maus und ein bisschen vom Fliegen… Schnurrrrr!

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28. Februar 2015 sgruen Keine Kommentare

Warum baut der Hechtbauer keine Hechte an?

(Pep Schwarz-Weißflach)

Eckeckauuuu! Kennt ihr das? Ihr freut euch total auf etwas und dann entpuppt es sich als riesige Enttäuschung. Es verspricht was ganz Tolles zu sein und dann - Hundekuchen! In meinem Revier gibt es ein Haus, das von den Streichelmenschen sehr gerne und regelmäßig besucht wird, obwohl Monster draufsteht. Das hat mir natürlich wohlige Schauer über den Katzenbuckel gejagt. Am allerallerbesten fand ich aber den Namen: Hechtbauer! Da sollte es also mitten auf dem Campus einen Bauern geben, der auch noch Hechte anbaut! Ihr müsst wissen: Ich liebe Fisch. Dafür würde ich töten. Also, einen Fisch, keinen Streichelmenschen oder so. Ich beschloss also den Hechtbauern zu besuchen. Frohen Mutes tigerte ich vom Audimax an der Studentenkanzlei vorbei, unter dem Minitunnel durch und fand mich unmittelbar vor der Tür des vermeintlichen Fischbauern wieder. Es dauerte auch gar nicht lange, bis sich eine kleine Herde quiekender Streichelfrauen näherte, die mir kieksend und ihre Handspiegel zückend die Tür öffneten. Naja, das mit den Spiegeln wird wohl nicht besser. Auch beim Fischbauern entdeckte ich gleich ein großes rundes Exemplar an der Decke. Ich konnte mich selbst darin sehen. Und rund um mich - kein einziger Fisch! Ich schwöre es bei meiner Katerehre - auf den ersten Blick konnte ich überhaupt nichts entdecken, das meine feinen Geschmacksnerven angesprochen hätte. Ich streckte meine rosa Fellnase in die Luft und nahm Witterung auf. Kuh und Schwein und Hühnchen konnte ich durchaus erschnuppern. Aber keinen Fisch! Was für eine Enttäuschung. Was taten die vielen Streichelmenschen nur alle hier? Und warum waren sie nicht enttäuscht ob der leeren Versprechungen? Ich beschloss sie zu beobachten. Vielleicht könnte ich einmal eine Seminararbeit in Psychologie verfassen, in der es um den Umgang mit enttäuschten Erwartungen ginge. Streichelmenschen scheinen damit ja keinerlei Probleme zu haben. Hinter einer Art Fenster entdeckte ich auch schon die Quelle des Fleischduftes. Einige Streichelmenschen standen am Fenster, um sich zwischen Brot versteckte Fleischstücke in kleine Tüten packen zu lassen. Die schwarze Ekelbrühe gab es ebenfalls hinter dem fensterartigen Schrank. Ich wollte schon einen Satz machen um hinaufzuspringen, da entdeckte mich eine Streichelfrau: “Meeeeeeiiiii!! Der Peeeep!” Und schon wollten mir alle auf einmal ihren Spiegel zeigen. Das war mir einfach zu viel. Mit aufgestellten Haaren flitzte ich aus dem Haus. Zum Glück war die Tür gerade offen. Und jetzt kann ich die ganze Zeit nur an leckersten Fisch denken und bin am Verzweifeln, weil der Uniteich zugefroren ist! Eckeckauuuuuu!

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28. Februar 2015 sgruen Keine Kommentare

Elstergeschenk

(Pep Schwarz-Weißflach)

Meeeeaaaauuu! Gestern lebte ich einfach in den Tag hinein. Ich finde, dass man das ab und an ganz bewusst machen sollte, damit die Gedanken im Katerkopf wieder frei fliegen können. Wieder strahlte die Sonne, aber ihr Licht wärmte noch nicht so wie ich mir das gewünscht hätte, weshalb ich den Vormittag überwiegend schlafend im Rechenzentrum verbrachte. Das Rechenzentrum ist der Ort an der Uni, der am wärmsten ist, weshalb ich mich insbesonders im Winter gerne dort aufhalte. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, warum die Temperatur höher als die sonstige Durchschnittstemperatur ist, aber es ist so. Möglicherweise, weil den Streichelmenschen vom vielen Rechnen die Köpfe rauchen? Ich mag die Rechenstreichler gerne, sie sind auf eine besondere Weise freundlich, ohne die geringste Spur von Aufdringlichkeit.
Den Vormittag verträumte ich also in aller Ruhe an einem kuscheligen Plätzchen. In meinen Träumen war es richtig warmer Sommer. Die Mäuse auf der PT-Wiese liefen wohlgenährt durch die Gegend und waren leicht zu pflücken. Die Welt strahlte in einem milden Schein und über mir kreiste Pica, der ich in der Zwischenzeit eine resolute Erziehung zu einer gewissen Basishöflichkeit angedeihen hatte lassen. Und diese Maßnahme hatte auch gefruchtet, schaffte es Pica doch mittlerweile mich nicht in jedem zweiten, sondern nur in jedem vierten Satz zu beleidigen. Ich selbst wirkte ganz entspannt und sah geflissentlich über ihr noch nicht ganz perfektes Benehmen hinweg. Pica erzählte mir von den Weiten ihres Revieres und ich sehnte mich danach mit ihr den Luftraum zu erkunden. Sie forderte mich dazu auf ihr zu folgen und flog los. Ich tigerte hinter ihr her, ohne darüber nachzudenken, dass ich diesem Vogel niemals folgen könnte und ehe ich es richtig wahrnehmen konnte, befand ich mich über der Uni. Ich sah das PT-Gebäude unter mir verschwinden und überflog bereits die Zentralbibliothek, als mir einfiel, dass ich doch ein Kater war und kein Vogel und genau in diesem Augenblick näherte ich mich dem Dach des Rechenzentrums und konnte Picas verschwimmende Silhouette noch hinter den Sportanlagen ausmachen. Kurz bevor ich auf dem Dach landete, wachte ich auf und hatte tatsächlich so etwas wie Sehnsucht nach diesem Vogel. Ist es nicht seltsam, wie die Welt sich verändert, wenn man sich mal anders verhält als man es sonst zu tun pflegt?
Nach dem Aufstehen machte ich mich sofort auf den Weg zur Wiese. Ich überlegte lange, ob ich Pica von Poldi erzählen sollte. Vielleicht wüsste sie Rat. Aber ich verwarf den Gedanken, weil ich nicht wie ein Jammerkater dastehen wollte, was ja auch nicht der Realität entsprechen würde! Ich wunderte mich über mich selbst, da ich so milde gestimmt war und alles in einem sanften Licht sah. Oder war das einfach nur eine der Mäuse von gestern? Vielleicht die, die ich gemeinsam mit Pica erjagt hatte? Oder lag es am Frühling? Mit irgendwelchen Sexualhormonen konnte es jedenfalls nicht zusammenhängen, das war schon mal gewiss. Bereits auf den Treppen, die zwischen dem Zentralen Hörsaalgebäude und dem PT-Trakt Richtung Wiese führen, sah ich sie. In großem Bogen kreiste sie über der Wiese und ich bildete mir ein, dass es ein suchendes Kreisen war. Ich erhöhte mein Tempo, um mir den Schlaf aus den Knochen zu laufen. Natürlich hatte sie mich auch schon längst gesehen. Kurz bevor ich bei der Wiese ankam, landete sie in ihrem Nest und blickte nickend in meine Richtung. Ich blieb in einigem Abstand zum Baum stehen, um meinen Kopf nicht so stark verdrehen zu müssen. Das sähe möglicherweise lächerlich oder erbärmlich aus, so als wäre ich der Unterlegene.
“Schäck, schäck, schäck, schäck, Kaaaaaaterchen! Wo warst du? Schäck, schäck, schäck!”
“Ich hab geschlafen und geträumt!”
“Faulpelz! Schäck, schäck, schäck!”
“Was hat schlafen mit Faulheit zu tun?”
“Schäck, schäck, schäck, die Sonne scheint! Da wird nicht geschlafen! Schäck, schäck, schäck!”
“Bei Sonnenschein schläft man sogar besonders gut!”
“Schäck, schäck, schäck, schäck. Jaaaa. Guuuut. Schäck, schäck, schäck. Kaaaaterchen, ich hab was für dich! Schäck, schäck, schäck!”
Ich will ehrlich sein… Meine Herzfrequenz erhöhte sich merklich. Ich kenne das. Passiert mir sonst nur bei meinen Studien, zum Beispiel wenn ich versteckte intertextuelle Bezüge entdecke, die ein scheinbar wirres Ganzes in ein perfektes Mosaik verwandeln, dessen Steinchen einem vollkommen vertraut vorkommen. Und jetzt löste eine Elster, deren Präsenz bis vor Kurzem bei mir für Beklemmungen gesorgt hatten, dieses Gefühl aus. Pica hatte etwas für mich? Sie hatte etwas für mich!
“Soooo?”
“Schäck, schäck, schäck! Jaaaa! Schäck, schäck, schäck! In meinem Nest! Schäck, schäck, schäck!”
Sie hatte etwas für mich! In ihrem Nest!
“Mmmmjaaaaa?”
“Schäck, schäck, schäck, jaaaa! Komm rauf und hol’s dir! Schäck, schäck, schäck!”
Ich spannte schon die Muskeln, um mit Schwung den Stamm hinauf zu klettern, doch dann wurde mir bewusst, dass das Nest sich viel zu weit in der Krone befand. Die dünnen Astausläufer würden mich nicht tragen und ein Absturz wäre mir denkbar peinlich gewesen.
“Ich pass doch da gar nicht rein! Ich will dein Nest auf keinen Fall kaputt machen! Und die Streichelmenschen halten mich dann vielleicht für einen Räuber!”
“Schäck, schäck, schäck, versteh schon, Katerchen! Schäck, schäck, schäck! Dann schmeiß ich’s dir runter!”
Unter kurzem Aufflattern beförderte sie einen kleinen, runden Gegenstand aus ihrer Behausung, der in der Sonne glänzte. Er landete zwei Sprünge entfernt und ich erkannte gleich, dass es sich um ein Ding handelte, das auf den braunen Flaschen steckte, die Streichelmenschen gerne leerten. Mir war bereits aufgefallen, dass sie diese kleinen Deckel einfach überall liegen ließen.
“Danke!”
“Schäck, schäck, schäck! Was ist das? Schäck, schäck, schäck!”
Dass Pica nicht wusste, um was es sich dabei handelte, versetzte mir einen kleinen Stich.
“Es ist wunderschön, Pica! Nochmals danke!”
Auf diese Weise würde sie sicher auch über kurz oder lang lernen, sich höflicher auszudrücken. Ich könnte ja einfach ein positives Vorbild sein!
“Schäck, schäck, schäck! Schööön! Schäck, schäck! Egal! Was ist es? Schäck, schäck?”
“Es ist… Es handelt sich dabei um… Es bedeutet Freundschaft!”
“Schäck, schäck! Es bedeutet Freundschaft?! Schäck, schäck, schäck! Ich hab’s auf der Straße gefunden! Schäck, schäck! Wer wirft denn sowas weg, schäck, schäck?!”
“Maaaau, Pica, das weiß ich auch nicht! Ich verstehe nicht, warum das jemand fortgeworfen hat. Vielleicht ist es eine schrecklich traurige Geschichte, die dahinter steckt. Aber vielleicht hat es jemand auch für dich hingelegt!”
“Schäck, schäck, schäcklich traurig? Für mich hingelegt? Schäck, schäck, schäck! Wozu?! Schäck, schäck! Was kann man damit machen? Schäck, schäck, schäck!”
Pica anzulügen brach mir das Herz, aber ihr die Wahrheit zu sagen, wäre noch schlimmer gewesen. Was war nur mit mir los?
“Man bewahrt es auf und freut sich daran!”
“Aha! Schäck, schäck, schäck! Dann nimm es mit! Schäck, schäck, schäck!”
“Danke!”
“Jaja, schon gut, schäck, schäck, schäck! Versteck’s gut, damit es keiner klaut! Schäck, schäck, schäck!”
Das würde ich tun. Ich versteckte es zunächst neben dem Baumstamm und pflückte gemeinsam mit Pica einige Mäuse von der PT-Wiese, die gerade eher einem Sumpfgebiet glich. Später würde ich das Elstergeschenk in einer geheimen Ecke des PT-Gebäudes verbergen. Einige Streichelmenschen liefen an Pica und mir vorbei und merkten überhaupt nicht, was los war. Wie konnten sie nur so unaufmerksam sein! Sahen sie denn nicht, dass die Sonne ein so seltsames Licht spendete? So mild wie nie? Meeeeaaaauuu!

Studium mit Pep - Schnurren aus dem Katzenalltag

27. Februar 2015 sgruen Keine Kommentare

Vetter Veit

(Pep Schwarz-Weißflach)

Schnurrrrr. Was für ein herrlicher Frühlingstag gestern doch war! Nach dem versponnenen Ein-Satz-Schnarch-Tag war ich wieder voller Energie - kein Wunder, bei der Sonne… Zudem musste doch endlich die Elster-Affäre aus der Welt geschafft werden. Und die Dackelgeschichte, die sich in den letzten Tagen zwar etwas beruhigt hatte, da ich so auf die Elster fixiert war, aber abgehakt ist Poldi noch lange nicht. Ich hatte die Nacht wieder einmal im PT-Gebäude verbracht und wurde von der Sonne geweckt. Sofort verspürte ich den Wunsch wichtige Angelegenheiten zu erledigen. Schluss mit Prokatzination! Auf ins Gefecht!
Meine To-do-Liste sah also folgendermaßen aus:
O Elster erledigen
O Maus fangen
O Maus fressen
O endlich wieder humane Feldforschung betreiben
O Heizungsnickerchen
O Dackel erziehen
O wieder was fürs Studium machen
O Heizungsnickerchen
O Streichelmenschen-Wellness
O noch ne Maus fangen
O Maus II fressen
O Heizungsnickerchen
O endlich meine Hundefeldforschungsergebnisse auswerten und mit Pfotennoten versehen (davor also nochmal Recherche!)
O Heizungsnickerchen
O Schnurren schnurren
Ich fing also ganz oben an, schleckte meine Pfoten und hielt erstmal Ausschau. Vom Gebäude aus konnte ich das Federvieh nicht sehen und bei dem herrlichen Sonnenschein wollte ich ohnehin nach draußen. Eine freundliche Streichelfrau öffnete mir auch gleich die Tür und los ging’s. Ich suchte den Himmel ab, checkte das Elsternest und das Dach der Uni. Nix. Na gut, bis Punkt 1 abgehandelt werden könnte, war sicher ein Sonnenbad drin. Ich suchte mir eine schwarze Riesenblechdose aus, um mich darauf zu sonnen. Es war herrlich, die natürliche Wärme wieder einmal auf meinem Katerpelz zu spüren. Und während mich die Sonnenstrahlen kitzelten und mich beinahe schon zum Punkt 5 der To-do-Liste katapultiert hätten, hörte ich plötzlich ein hektisches Geflatter. Das konnte nur eins bedeuten: Sie war da! Ich öffnete die Augen und sah sie auch gleich. Sie hockte auf einer Laterne und wippte mit ihrem langen Schwanz. Und sie hielt erstaunlicherweise den Schnabel! Was war nur los? Ich wollte mich auf sie stürzen, um endlich zu Punkt 2 übergehen zu können, mittlerweile stand die Sonne nämlich schon hoch. Ich peitschte mit meinem Schwanz und in meinem klugen Katerkopf ging es hoch her. Sollte ich sie geschickt anlocken, um sie am Standort zu verspeisen oder mich auf sie stürzen? Und dann kam mir plötzlich mein fetter Vetter Veit in den Sinn. Er war der Sohn des Bruders meiner Mutter und einen Sommer älter als ich. Als Katzenkind auf meinem oberpfälzer Heimatbauernhof war ich beeindruckt von seiner stoischen Lebensphilosophie und seiner raumgreifenden Präsenz. Seine Körperfülle war in der Tat ein biologisches Wunder, das sich aber nicht allein in einem hohen Volumen ausdrückte, sondern auch in der einzigartigen Fähigkeit einem Fladen gleich mit seiner Umwelt zu verschmelzen. Er war rot-getigert und sah sowohl in einem reifen Ährenfeld als auch vor einem Strohballen haargenau wie seine Umgebung aus. Wäre er nicht so fett gewesen, hätte er sich im blonden Haar der Streichelbäurin verstecken können. Vetter Veit war mein größtes Vorbild. Seine Philosophie lautete: Wenn du nicht kämpfen willst, lass es!
Und da fiel es mir wie Fischschuppen von den Augen… Musste ich wirklich gegen die Elster kämpfen? Gab es nicht eine klügere Alternative? Eigentlich wollte ich überhaupt nicht gegen sie kämpfen. Um ehrlich zu sein, wollte ich sie erstmal kennen lernen. Ich hatte schon so viel über Elsterintelligenz gelesen und war fasziniert davon. Möglicherweise könnte ich etwas von ihr lernen. Wie konnte es nur so weit mit mir kommen? Ich mochte doch sonst keine Vögel auf meinem Speiseplan - also, keine ungerupften.
Und während mir diese Gedanken durch den Kopf gingen, flatterte sie auf die Uniwiese und riskierte damit ihr Leben. Es hätte nur eines beherzten Satzes bedurft, um sie vom löchrigen Rasen zu pflücken. Ich staunte. Und in diesem magischen Moment, in dem ich so etwas wie Bewunderung für den Mut der Elster aufbrachte, riss sie den Schnabel auf. Für meinen Geschmack zwar ein bisschen weit, aber so ist sie nun mal…
“Kaaaaterchen! Schäck, schäck, schäck. Hab dich schon vermisst. Schäck, schäck, schäck. Beinah! Schäck, schäck, schäck.”
“Ich dich auch, Federvieh!”
“Schäck, schäck, schäck, schäck. Dacht ich mir! Schäck, schäck, schäck, schäck!”
Und in diesem Augenblick sah ich Vetter Veit vor mir. Im Weizenfeld. Oder vielmehr: ich sah ihn nicht, wusste allerdings, dass er da sein musste und mir zumaunzte: ‘Wenn du nicht kämpfen willst, lass es!’ Da war auf einmal alles ganz einfach.
“Sag mal, Elster, ist dir eigentlich schon aufgefallen, dass wir uns einander noch gar nicht vorgestellt haben?”
“Stimmt! Schäck, schäck, schäck! Pica pica! Schäck, schäck, schäck, schäck!”
“Sag mal, stotterst du etwa?”
“Schäck, schäck, schäck! Spaßbaum! Das sind Vor- und Zuname! Dacht ich mir schon, dass du sowas nicht kennst! Schäck, schäck, schäck, schäck, schäck!”
Die enorme Lautstärke, die sie beim Krächzen entwickelte war immer noch eine harte Bewährungsprobe für mein Nervenkostüm, aber ich visualisierte meinen fetten Vetter und blieb ruhig.
“Ich heiße Pep Schwarz-Weißflach! Sogar mit doppeltem Zunamen! Aber du kannst mich Pep nennen…”
“Pica! Schäck, schäck, schäck, schäck! Du kannst mich Pica nennen! Schäck, schäck, schäck, schäck!”
Und dann erzählte ich ihr von den Wahnsinnsarien. Nein, ich erzählte ihr von den Nicht-Wahnsinnsarien, die ich ja verpasst hatte. Die ganze Geschichte und zwar nicht die ausgedachte, sondern die wahre. Einfach so. So einfach! Und alles, alles war gut an diesem schönen Tag im Vorfrühling. Meine To-do-Liste habe ich verworfen. Braucht kein Kater! Wir haben zusammen zwei Mäuse gejagt. Ich eine und Pica eine. Und dann habe ich geschlafen und wunderschön geträumt. Dank Vetter Veit… Schnurrrrr.

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26. Februar 2015 sgruen Keine Kommentare

Lost in linguistischen Labyrinthen

(Pep Schwarz-Weißflach)

Meeeeaaaau! Der ganze Sozialstress der vergangenen Tage ist nicht eben dazu geeignet, mich fröhlich zu stimmen, weshalb ich gestern beschloss sowohl den dämlichen Dackel als auch die elende Elster aus meinem Katerkopf zu verbannen und mich wieder vermehrt meinem Studium zu widmen, insbesondere meinen Sprachstudien, in deren Rahmen ich auch erfahren habe, dass der Tag des Schachtelsatzes wäre, den ich auch gebührend feiern wollte, denn genau wie Thomaus Mann liebe ich Hypotaxen, die sich Jahresringen gleich um eine Mitte winden, die Nebensatz um Nebensatz gebiert, und sich damit gleichsam immer weiter entfernt vom ursprünglich Gemeinten, bisweilen für Verwirrung sorgend, was aber vielleicht gar nicht das Schlechteste ist für einen von Elster- und Dackelgedanken geplagten klugen Katerkopf, der sich nach Ruhe seht und sich gerne in einem Gedankenstrudel verlieren möchte, in unendlich mäandernden Sätzen, die so unaufgeregt sind wie ein glatter Bergsee bei vollkommener Windstille, ganz im Gegensatz zu hektischen, zerhackten Parataxen, in denen Dackel und Elstern ja zu kommunizieren pflegen, von denen ich mich - verständlicherweise - abgrenzen möchte, was allerdings so einfach nicht ist nach den vergangenen Tagen, die so voller konflikthafter Begegnungen waren, dass ich mich flüchten wollte in die Untiefen der Universität oder alternativ in linguistische Labyrinthe, welche den Irrgänger in sich aufnehmen und trösten mit dem allgegenwärtigen Gefühl des bewussten Sich-Verlierens, das manchmal tatsächlich ein Trost sein kann, eine stetige Sicherheit in der Unsicherheit der heutigen Zeit bietet, wobei mir gerade auffällt, dass mein Gerede möglicherweise wirr und beklommen wirken mag, obwohl ich doch ganz dezidiert für eine fröhliche Wissenschaft plädiere, wie die von Friedrich Mietzsche postulierte - auch ich würde Wissenschaft lieber auf eine ausgelassene und lustige Art praktizieren, eine Wissenschaft, die sich nicht in einen Elfenbeinturm zurückzieht, sondern für alle offen ist, die gerne Gedanken jagen und mit ihnen spielen, wie ich das mit Mäusen auf der Uniwiese tue, worüber ich möglicherweise meine Doktorarbeit schreiben möchte, die von vielen Katzen und Streichelmenschen, von mir aus auch von Elstern und Dackeln gelesen werden soll, eine Abhandlung also, die zeigt, welche Freude das Denken zu bereiten vermag und wie man sich in Sätzen verlieren, durch sie hindurchschlüpfen kann, um letztendlich nach einem einzigen Satz bereits festzustellen, dass man nach einem derartigen labyrinthisch-linguistischen Spaziergang ein Nickerchen machen möchte, da auch Kopfarbeit anstrengt und man sich davon erholen muss und wenn einer fragt: Ich bin auf der Heizung! Meeeeaaaau!

Studium mit Pep - Schnurren aus dem Katzenalltag

25. Februar 2015 sgruen Keine Kommentare

Erstens kommt es anders und zweitens schäck, schäck, schäck

(Pep Schwarz-Weißflach)

Maaaaaau! Gestern war die Elsteraufregung wieder groß. Am frühen Morgen lief ich rastlos durch die Gänge des PT-Gebäudes und versuchte das Federvieh über der Uniwiese auszumachen. Nix! Nach fünf weiteren Runden - ich hatte schon nicht mehr damit gerechnet - sah ich sie dann. Sie saß in ihrem Parkplatzbaumnest und hielt Ausschau. Vor Aufregung begann ich mit dem Schwanz zu peitschen. So konnte ich ihr nicht gegenübertreten. Sie sollte mich nur in einem gefassten Zustand sehen. Um mich etwas zu beruhigen, lief ich eine weitere Runde durch Psychologie, Medien- und Kulturwissenschaft, am Dekanat vorbei und zuletzt ging ich meine Wahnsinnsariengeschichte vor der PT-Katzeteria noch einmal im Katerkopf durch: Paukenversteck, Transport, Mülltonne. Ich fügte noch einige dramatische Details bei, um der Sache etwas mehr Würze zu verleihen. Herzrasen, Todesängste, schmutziges Fell, all so’n Kram. Und dann lief ich los. Jetzt oder nie! In wenigen Minuten hätte ich die Sache hinter mich gebracht…
Ich kam bis zur Glastür. Und dann kam kein Streichelmensch, der sie mir geöffnet hätte. Es war zum Mäusemelken! Ich wartete und wartete. Selbst verzweifeltes Maunzen half nichts. Draußen zog die Elster große Kreise über meinem Revier. Sicher hielt sie Ausschau nach Mäusen und nach mir. Verzweifelt blickte ich durch die Glastüren und ich sah schon meine Mäusefelle davonschwimmen. Ich musste klare Reviergrenzen setzen. Und dazu musste ich vermaust nochmal nach draußen! In meinem Katerkopf flüsterten leise Zweifel eine grässliche Botschaft: Pep, wie willst du dieses Revier verteidigen, wenn du es nicht einmal schaffst, durch eine Tür zu gehen?
Wo waren diese Streichelmenschen nur, wenn man sie brauchte?
Als ich mich gerade in eine rechtschaffene Rage hineingesteigert hatte, öffnete mir ein Streichelmann die Tür, nicht ohne mir vorher grob über den Pelz zu fahren. Ich stand so unvermittelt im Freien, dass ich fürchtete meine Geschichte nicht mehr im Katerkopf zu haben. Egal, ich musste die Affäre Elster beenden. Entschlossen tigerte ich Richtung Parkplatz. Doch auf halbem Wege stieß dieses Federvieh auf mich herab und wagte es, mich in meinen schönen Katerschwanz zu zwicken! Es war ungeheuerlich! Der wilde, ungezähmte Instinktkater in mir schlug alle Empfehlungen des beherrschten Katertiers in den Wind und wollte nur noch eines: Dieses elende Vieh fressen! Schlagartig drehte ich mich also um und versuchte die Elster zu erwischen. Keine Gnade! Sie hatte es selbst so gewollt. Doch mein Versuch sie aus der Luft zu pflücken schlug fehl. Schon zwickte sie mich erneut in den Schwanz. Ich wandte mich um, schlug zu - sie flatterte auf und griff wieder hinterrücks an. So ging das viele Male. Diese wilde und vergebliche Jagd erschöpfte mich. Die Sache musste aber gelöst werden!
“Hör auf!”, rief ich. Für unbedarfte Streichelmenschen hörte es sich vielleicht wie ein “Meeeaaaau!” an - in Wirklichkeit war es aber der erschöpfte Aufschrei eines Verzweifelten, der sich noch das letzte Quäntchen Katerehre bewahren wollte.
“Du musst ‘bitte, bitte!’ sagen! Schäck, schäck, schäck!”, keckerte die Elster.
“Niemals!”
Sie stieß auf mich herab und zwickte mich in die Schulter.
“Also, mir gefällt das Spielchen sehr gut! Schäck, schäck, schäck!!”
“Mir auch!” Hier hätte ein Unbeteiligter möglicherweise ein schlichtes “Miau!” gehört, es war aber das Aufstöhnen eines unschuldigen Folteropfers, das nicht bereit war etwas verloren zu geben, das ihm zustand - sein Revier, seine Mäuse, sein Leben! Wild entschlossen versuchte ich sie weiterhin zu erwischen. Und ich scheiterte. Natürlich könnt ihr euch jetzt über mich lustig machen und meine Katerehre in Zweifel ziehen. Ich hätte euch auch nicht die Wahrheit erzählen müssen. Aber wahre Stärke beweist nun mal der, der sich auch schwach zeigen kann.
Wie die Geschichte ausging? Sie verlor irgendwann die Lust, setzte sich gelangweilt in ihr Nest und ließ ihr höhnisches Geschäcker ertönen.
“Schäck, schäck, schäck, schäck! Wo warst du Kater?”
“Ich habe dich gesucht!”
“Schrei nicht so rum! Schäck, schäck, schäck!!!”
“Du schreist doch hier!”
“Nein, das ist meine Stimme, du Fellwurst! Ich kann nicht leiser! Schäck, schäck, schäck!!”
“Und ich will nicht leiser!”
“Guuuut, schreien wir uns eben an! Schäck, schäck, schäck, schäck!! Erzähl mir sofort alles von den Wahnsinnsarien!! Schäck, schäck, schäck!”
“Das hätte ich schon gemacht! Aber du hast mich zu sehr geärgert! Glaubst du allen Ernstes, dass ich so loco in meinem Katercoco bin, dir nach der Aktion noch was von der Katzenmusik zu erzählen?!”
“Kaaaaterchen! Schäck, schäck, schäck, schäck, schäck!!!”
“Du musst ‘bitte, bitte!’ sagen!” Leider ist Rache manchmal ganz schön schnurrig…
“Niemals! Schäck, schäck, schäck, schäck, schäck!”
Unter boshaftem Geschäckere flog sie auf und war bald hinter der Technischen Hochschule verschwunden.
Vermaust nochmal. Die ganze Geschichte, die geschmiedeten Pläne, Gram und Sorgen - das hätte ich mir alles sparen können. Es kommt doch immer anders als man denkt…
Ich musste mich nach diesem anstrengenden Elstermezzo jedenfalls ausführlich ausruhen. Maaaaaau!