Rezension: „Der englische Gärtner. Leben und Arbeiten im Garten“ von Robin Lane Fox

Kolumnen eines exzentrischen Zierpflanzengärtners

Robin Lane Fox ist eigentlich Althistoriker und vor allem für seine Monographie über Alexander den Großen bekannt. Er lehrte über 20 Jahre in Oxford. In seiner Freizeit ist er allerdings passionierter Gärtner. Seit vielen Jahren schreibt er eine Gartenkolumne in der „Financial Times“, die sich großer Beliebtheit erfreut. Diese Kolumnen bilden auch die Grundlage für das kürzlich erschienene Buch „Der englische Gärtner. Leben und Arbeiten im Garten“. Die wunderschöne Aufmachung des Bandes – der Klett-Cotta-Verlag ist bekannt für seine bibliophilen Ausgaben – hat mich neugierig gemacht. Leider muss ich zugeben, dass die Lektüre teilweise sehr ernüchternd war. Keine Frage: Stilistisch sind die Texte ziemlich brillant. Und man lernt viele Pflanzen, Gärten und Gärtner kennen. Der Autor ist mir allerdings alles andere als sympathisch. Wer stolz davon berichtet, den Kaninchen, die den schönen Rasen zerstören einen Cocktail aus Milch und Glyphosat hinzustellen, einen marodierenden Dachs mit in Erdnussbutter verpacktem Prozac zu therapieren und Unkraut mit der ganzen Palette chemischer Kampfkunst zu killen, kann vielleicht mit sehr viel gutem Willen als verrückter Exzentriker bezeichnet werden – ich persönlich kann mich damit jedenfalls ganz und gar nicht identifizieren und ich fände den Untertitel „Töten und Arbeiten im Garten“ stellenweise sehr viel angemessener.
Mehrfach bedauert der Autor, dass ihm als Hobbygärtner nicht die komplette Palette an Chemikalien zur Verfügung stünde: „Ich erinnere mich an einen Briefwechsel mit einem pflichtbewussten Beamten in den 1980er Jahren. Ich hatte in einer Kolumne beklagt, dass in Gärtnereien angebotene Unkrautvernichtungsmittel im Vergleich mit in der Landwirtschaft verwendeten Chemikalien so unnötig schwach seien. Er verteidigte die Kennzeichnung und Verdünnung dieser Substrate für den Garten mit dem Hinweis darauf, dass man einem durchschnittlichen Hobbygärtner kein stark wirkendes Gift aushändigen sollte. Er argumentierte, man könne ja nie wissen, was der Mann damit anstelle: Womöglich gebe er es seiner Frau. Nach dem, was sich am letzten Wochenende zugetragen hat, verstehe ich, was dem Beamten solche Sorgen gemacht haben dürfte. Nach dem Genuss eines Untertellers mit vergifteter Milch grub sich auch Frau Kaninchen zwecks besserer Hebelwirkung ein.“ (232)
Abgesehen von derartigen „Ausfällen“, sind die Texte durchaus lehrreich und unterhaltsam. Ich habe mir viele Zierpflanzen notiert und zahlreiche herausragende Gärtnerpersönlichkeiten und berühmte Gärten kennengelernt, etwa den „Jardin Majorelle“ von Yves Saint Laurent. Manchmal wirken die Texte etwas blasiert, aber das ist wohl der Britishness geschuldet, die in einem Buch mit dem Titel „Der englische Gärtner“ durchaus erwünscht ist.
Alles in allem stehe ich Robin Lane Fox‘ Kolumnen recht ambivalent gegenüber. Ich habe einiges gelernt – von einem nicht gerade sympathischen Gärtner.

Robin Lane Fox: Der englische Gärtner. Leben und Arbeiten im Garten.
erschienen am 15. April 2018
www.klett-cotta.de

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