Rezension: „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ von Oliver Bottini

Felder im Fokus – Oliver Bottini erzählt von vielfachen Verstrickungen

Land Grabbing bzw. Landraub ist kein Thema, das besonders breit in der Presse diskutiert wird. Sollte es aber, denn die illegitime und teilweise illegale Aneignung von Land ist im großen Stil durchaus ein sehr relevantes Thema. Großkonzerne aus aller Welt kaufen riesige Ackerflächen, spekulieren damit und betreiben darauf Landwirtschaft, die alles andere als nachhaltig ist. Rumänien hat Ackerflächen von der Größe Portugals an ausländische Investoren verkauft. Bauern, die einige wenige Hektar besitzen, veräußern das Ackerland, an dem ihre Nachfahren meist kein Interesse haben, an Zwischenhändler, die es wiederum an Großkonzerne aus dem Westen und dem arabischen Raum verkaufen. Doch nicht nur in Rumänien, sondern auch in der Ukraine und Mecklenburg-Vorpommern tobt ein Preiskampf um die besten Böden. Die Umstrukturierung nach der politischen Wende von 1989/90 kommt den Investoren entgegen, denn die Besitzverhältnisse sind oft undurchsichtig.
Land Grabbing und Globalisierung – das sind die politisch brisanten Themen, die Oliver Bottini in seinem aktuellen Krimi „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ verhandelt. Er gibt den Landwirten und den Landräubern, den Konzernvertretern und den Globalisierungsgegnern ein Gesicht. Die Geschichte spielt an zwei Orten, die von Land Grabbing betroffen sind: Westrumänien und Mecklenburg-Vorpommern, wo der 2018 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnete Roman auch beginnt. 2011 gab es auf der A19 eine Massenkarambolage infolge eines Sandsturms. 10 Menschen starben. Diesen Vorfall greift der Autor auf. Im Buch verliert Michael Winter bei der Massenkarambolage seine gesamte Familie. Schwer traumatisiert geht er nach Rumänien, um für seinen Jugendfreund, den Landwirt Jörg Marthen, als Betriebsleiter zu arbeiten. Marthen hat in Westrumänien einen Betrieb aufgebaut, um den er die Siedlung Neu-Prenzlin etablieren möchte, in Anlehnung an seine mecklenburgische Heimatgemeinde Prenzlin. Doch als seine 18-jährige Tochter auf grausame Weise ermordet wird, ändert sich alles.
Der rumänische Kommissar Cozma, der mit den Gespenstern seiner eigenen Vergangenheit ringt, begibt sich auf die Suche nach einem Mörder, der andere Motive hatte als angenommen…
Es ist ein großes Figureninventar, das Oliver Bottini souverän interagieren lässt. Die unterschiedlichen Handlungsebenen werden meisterhaft verknüpft, so dass sich ein großes Ganzes ergibt. Bottinis Krimi greift nicht nur aktuelle Themen wie Globalisierung und Landraub auf, sondern auch die dunkle Vergangenheit eines EU-Staates, der immer noch mit Korruption zu kämpfen hat.
Ich lese sehr selten Krimis, aber von Oliver Bottini werde ich sicher noch das eine oder andere Buch zur Hand nehmen. Wer anspruchsvolle Kriminalromane mag, sollte „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ lesen.

Oliver Bottini: Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens
erschienen am 30. Januar 2018
www.dumont-buchverlag.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.