Rezension: „Der Pfau“ von Isabel Bogdan

Der Pfau ist los! Oder: Wie wird man einen Pfau los?

In einem abgelegenen schottischen Tal ist der Teufel los, oder vielmehr der Pfau. Lord und Lady McIntosh leben in einem Herrenhaus am Fuße der Highlands. Rundum Wiesen, Wälder und Cottages, die von den McIntoshs an Urlaubsgäste vermietet werden. Für ein Wochenende im November hat sich eine Gruppe Investmentbänker ankündigt und die Hausherren beschließen, sie im Westflügel einzuquartieren. Als die Bänker, die gemeinsam mit ihrer Chefin ein Teambuilding-Wochenende absolvieren sollen, mit einer Psychologin und einer Köchin eintreffen, scheint das Tal der langweiligste Ort der Welt zu sein. Was soll auch in einem riesigen Funkloch fernab der Zivilisation groß passieren? Es könnte tatsächlich vollkommene Ruhe herrschen, wenn da nicht ein verrücktes junges Pfauenmännchen wäre, das auf alle Dinge losgeht, die blau sind. Und das Auto von Liz, der kniestigen Chefin der Investmentbänker, ist leider blau… Als alle Versuche des Lords und seines Mitarbeiters, die Pfauen vom Herrenhaus fernzuhalten, fehlschlagen und der Pfau tatsächlich das Auto angreift, muss Lord McIntosh hart durchgreifen. Der Pfau muss weg. Und aus der Beseitigung des Pfaues ergeben sich zahlreiche Verwicklungen, die sämtliche im Herrenhaus befindlichen Personen (und einen Hund) in große Verwirrung versetzen und in Gewissensnöte bringen…
Isabel Bodgan erzählt in „Der Pfau“ von einer Teambuilding-Maßnahme der besonderen Art. Wenn nur ein Faktor Verwirrung stiftet, ändert das alles – überraschenderweise zum Guten. Die Charaktere der Geschichte wachsen einem zusehends ans Herz. Selbst diejenigen Figuren, die anfangs alles andere als Sympathieträger waren, machen eine überraschende Entwicklung durch. Die Masken fallen und obwohl nichts so funktioniert, wie es soll, wird das Ziel – eine eingeschworene Gruppe zu werden – erreicht.
Bogdahn erzählt mit viel Witz und Charme von einem Wochenende voller Pannen und vom Zauber des Zufalls. Das Wissen der einzelnen Herrenhausbewohner ergibt ein vollständiges Bild – nur ist es ein Mosaik, dessen Gesamtheit keiner überblickt, weil keiner das eigene Wissen mit dem anderen teilt. Zum Schluss gibt es noch eine Überraschung, bei der der Kreis geschlossen wird…
„Der Pfau“ ist eine unterhaltsame Lektüre, die ich vor allem Liebhabern englischer Verwechslungskomödien empfehlen kann.

Isabel Bogdan: Der Pfau
erschienen am 11. September 2017
www.suhrkamp.de

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