Rezension: „Garten ist Krieg. Wie Sie Ihr Paradies gegen Unkraut, Schädlinge und andere Spielverderber verteidigen können“ von Christian Feyerabend

Sisyphos im Grünen oder Sunzi und von Clausewitz für Gärtner

Christian Feyerabend ist Drehbuchautor für Dokumentarfilme wie „Die Deutschen“. In „Garten ist Krieg“ dokumentiert er seinen Kampf gegen Truppen, die in sein 300qm großes Gartenparadies einfallen. Er berichtet mitten aus der „grünen Hölle“ von einem scheinbar ausweglosen Kampf, denn die Strategien des Feindes sind perfide. Allein die zahlreichen Vermehrungsarten von Unkraut lassen einem die Haare zu Berge stehen. Ob durch den Menschen (Hemerochorie), durch Wasser (Hydrochorie), durch Tiere (Zoochorie), Verdauung (Endochorie), Wind (Anemochorie) oder durch Klebeausbreitung (Epichorie) – „Unkraut“, oder wie es richtig heißt: „Beikraut“, ist ganz schön raffiniert, wenn’s um die Vermehrung geht. Wer schon mal versucht hat, ein Beet, das der Giersch sich erobert hat, freizubekommen, kann ein Lied davon singen. Bleibt nur ein klitzekleines Wurzelfitzelchen im Boden (und das passiert eigentlich immer!), treibt der Giersch wieder aus. Zaunwinde & Co tun es ihm gleich.
Ich habe einen 3.000 qm großen Bio-Garten. Das heißt, dass ich auf die chemische Keule komplett verzichte. Das heißt aber auch, dass jedes Jahr deutlich mehr Pflanzenopfer anfallen als mir lieb ist. Nacktschnecken sammele ich (vorzugsweise unter feuchten Brettern) ein und fahre sie einen Kilometer weit weg – es müssen mindestens 200 Meter sein, damit sie die Orientierung verlieren, habe ich bei Feyerabend gelernt. Mäuse werden in Lebendfallen eingefangen und ausgesetzt. Abgesehen davon habe ich einen Dackel, was Mäuse sehr abschreckt. Monilia versuche ich dadurch in den Griff zu kriegen, dass ich bei Kirschbäumen und Co Fruchtmumien entferne und die Triebspitzen nach starken Regenfällen ganz genau im Auge behalte. Einen Rasen habe ich nicht, nur eine riesengroße Wiese, was mich sehr entspannt, weil ich zumindest auf dieser Fläche nichts gegen Unkraut unternehmen muss. Nur in den Beeten ärgern mich Giersch (den ich in diesen Mengen auch nicht komplett aufessen kann), Kleinblütiges Knopfkraut (Franzosenunkraut) und Zaunwinde. Das fühlt sich tatsächlich wie Krieg an. Und auch die zahllosen Zecken werde ich niemals als nette Mitbewohner im Garten akzeptieren können…
Was also tun? Christian Feyerabend führt in seinem Buch nicht nur die verbreitetsten Unkräuter, Schädlinge, Ungeziefer und Pilzkrankheiten auf, sondern nennt gleich auch deren Feinde. Erdkröten haben nämlich u.a. ein Faible für Nacktschnecken und Marder fangen Mäuse weg. Marienkäfer fressen bekanntlich Blattläuse (während Ameisen sie eher als Haustiere halten und melken) und Vögel laben sich gern an Raupen & Co. Man kann sich also mit dem Feind des Feindes verbünden. Aber das ist nur eine Strategie, um im Kampf gegen Wühlmaus, Stechmücke und Buchsbaumzünsler die Oberhand zu gewinnen. Manchmal helfen schon ganz einfache Tricks, etwa das Zudecken von Regenwassertonnen, damit die Stechmücken nicht ihre Kinderstuben dort einrichten können und Pilzsporen, die z.B. die Braunfäule auslösen, nicht so leicht übers Gießwasser ins Gewächshaus gelangen. Was auch oft hilft, ist Neem.
Christian Feyerabend fährt ein beachtliches Waffenarsenal auf, das im Kampf gegen Plagegeister eingesetzt werden kann. Er ist kein „lupenreiner Biogärtner“ (145), aber er versucht zumindest weitgehend auf die Chemiekeule zu verzichten. Es ist anstrengend und es geht, wenn man die eigenen Ansprüche gehörig runterschraubt, v.a. was Unkraut angeht, und akzeptiert, dass man auch mal Opfer in den eigenen Reihen zu verzeichnen hat. Von Katastrophen wie Buchsbaumzünsler oder Buchsbaum-Triebsterben ist mein Garten bisher – toi, toi, toi – verschont geblieben. Natürlich hoffe ich, dass das auch so bleibt…
Christian Feyerabends Buch ist eine unterhaltsame Lektüre, bei der man auch noch eine Menge lernt. Infotainment vom Feinsten quasi. Die schönen Schwarz-weiß-Illustrationen von Martina Frank erlauben auch eine sofortige Identifikation des „Feindes“. Natürlich spielt der Autor hier mit der Kriegsmetapher, aber wer schon mal versucht hat, Giersch loszuwerden oder die ganze Kirsch- oder Tomatenernte an Monilia bzw. die Braunfäule verloren hat, weiß: Garten ist Krieg. Und wie Sisyphos müssen wir immer weitermachen, Unkraut jäten, Blattläuse bekämpfen, Zecken absammeln, unsere Pflänzchen hegen und pflegen. Ein Garten wird nie fertig, aber manchmal macht er einen fertig…

Christian Feyerabend: Garten ist Krieg. Wie Sie ihr Paradies gegen Unkraut, Schädlinge und andere Spielverderber verteidigen können
erschienen am 1. März 2018
www.piper.de

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