Rezension: „Schwammerlsuche in Bayern“ von Norbert Griesbacher

Von Gemeinen Riesenschirmlingen, Waldfreund-Rüblingen und Gelbgestiefelten Schleimköpfen

Der Pilzsachverständige der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) und Pilzberater der Stadt Weiden, Norbert Griesbacher, widmet sich in seinem Pilzführer „Schwammerlsuche in Bayern“ v.a. den im Süden Deutschlands vorkommenden Pilzen. Das Bestimmungsbuch erhebt bei einer geschätzten Anzahl von 10.000 in Deutschland vorkommenden Großpilzen natürlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, aber die 159 häufigsten Speise- und Giftpilze sowie einige Raritäten (etwa der Falsche Krokodilritterling oder der vermutlich aus Australien und Neuseeland eingeschleppte Tintenfischpilz) können anhand von Fotos und exakter Beschreibungen recht sicher bestimmt werden. Ganz wichtig auch immer die potenziellen Verwechslungsmöglichkeiten. Bei Unsicherheit sollte der Pilzsucher aber immer einen Pilzberater fragen und im Zweifelsfall definitiv vom Verzehr nicht zuverlässig bestimmter Pilze absehen. Denn sonst drohen Vergiftungssymptome und –syndrome, die man sich gar nicht ausmalen will. Eine Auflistung der wichtigsten Vergiftungssyndrome bei Pilzvergiftungen findet sich auch in diesem Buch – bisher habe ich eine derartige Liste noch in keinem anderen Pilzführer gefunden. Hier erfährt man viel Neues. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass viele heute als giftig eingestufte Pilze früher Marktpilze waren, etwa Lorcheln, die früher abgekocht oder getrocknet verzehrt wurden und ein beliebter Speise- und Marktpilz waren. Heute weiß man, dass das in den Pilzen enthaltene Gift das Gyromitrin-Syndrom hervorruft und Leber, Niere sowie das zentrale Nervensystem schädigt. Eine besonders skurrile Pilzvergiftung ist das Coprinus-Syndrom (bzw. Acetaldehyd-Syndrom). Pilze, die das Kreislaufgift Coprin enthalten, also z.B. der Graue Faltentintling, der Spechttintling oder der Stachelschuppige Schirmling, rufen nur dann Beschwerden hervor, wenn drei Tage vor oder nach dem Verzehr Alkohol getrunken wurde. Ist dies der Fall, kommt es zu Rötungen von Kopf und Oberkörper (Flush), Atemnot und massiven Kreislaufbeschwerden. Nach etwa zwei bis vier Stunden ist der Spuk zwar vorbei und Spätfolgen hat die Vergiftung in aller Regel nicht, aber der unangenehme Effekt wurde immerhin sehr erfolgreich in der Alkoholentwöhnung mit dem Mittel Antabus (Disulfiram) eingesetzt. Auch Vergiftungen durch rohe Pilze sowie durch übermäßigen Pilzverzehr können auftreten.
Norbert Griesbacher widmet sich in der Einführung intensiv den Besonderheiten der Pilze und gewährt auf diese Weise auch Anfängern einen spannenden Zugang zu einer äußerst interessanten Materie.
Der Bestimmungsteil ist schließlich nach acht Hauptgruppen gegliedert: Röhrenpilze, Blätterpilze, Täublinge, Milchlinge, Leistlinge & Pfifferlinge, Bauchpilze, Morcheln & Lorcheln sowie Raritäten und Sonderformen. Die volkssprachlichen Namen wie Schafeuter, Hühnerkoppe oder Säufernase werden ebenfalls angeführt.
Die Fotos zeigen die Pilze in ihrer natürlichen Umgebung, was die Bestimmung zusätzlich erleichtert.
Alles in allem ist Norbert Griesbacher ein ausgezeichneter Pilzführer gelungen, den ich nur empfehlen kann. Das Buch kann auch gut in den Wald mitgenommen werden. Zur Ergänzung empfehle ich noch die Seite 123pilze.de, auf der jeweils mehrere Fotos der Pilzfruchtkörper angesehen werden können.

Norbert Griesbacher: Schwammerlsuche in Bayern. Heimische Speisepilze sammeln, bestimmen und verarbeiten, Giftpilze sicher erkennen
erschienen am 22. Juni 2018
www.battenberg-gietl.de

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